Vom Rennsteig bis zur Schwäbischen Alb – von Blankenstein bis Harburg – die Tour durch Franken…. Egal wie man den Frankenweg nun beschreiben möchte, dieser Wanderweg ist etwas ganz Besonderes. Über 520 Kilometer und über 11500 Höhenmeter mit dem Mountainbike, die nicht nur jeder Franke, sondern jeder Mountainbiker erlebt haben sollte.
Pottenstein in der Fränkischen Schweiz
Den Start des Frankenweges markiert Blankenstein in Thüringen bzw. Untereichenstein direkt an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen. Das Ende des Frankenweges bildet Harburg in Schwaben. Wir sind mit dem Mountainbike diesen wunderbaren Wanderweg abgefahren, welcher durch den Fränkischen Wald, die Fränkische Schweiz, die Fränkische Alb, das Altmühltal und das Fränkische Seenland verläuft. Der Frankenweg führt durch eine unglaublich vielseitige und abwechslungsreiche Landschaft, zeigt uns eine intakte Natur, bizarre Felsformationen und lässt uns in die Geschichte der Franken eintauchen.
Über 520 Kilometer verläuft der Frankenweg durch Franken. Das ständige Auf und Ab summiert die zu machenden Höhenmeter auf über 11500! Das kommt schon so manchem Alpencross gleich! Bis auf wenige Ausnahmen und Teilen der Fränkischen Schweiz haben wir es allerdings nicht mit schroffen Felsen zu tun. Der Frankenweg gestaltet sich eher hügelig, wobei man die Steilheit der Wege allerdings nicht unterschätzen sollte – oft genug muss das Bike auch geschoben werden! Die Wege, die wir befahren, sind meistens breitere Forst- und Wirtschaftswege. Oftmals führt der Weg auch über Wiesen – mal mehr, mal weniger gut fahrbar. Nur wenige Teilstücke sind so zugewachsen, dass sie den Namen „Weg“ eigentlich nicht verdient hätten. Doch immer wieder locken uns auch herrliche Singletrails, die unser Herz lachen lassen. Der Frankenweg bietet alle Arten des Untergrundes: Asphalt, Waldboden, Wurzelteppiche, Felsen, Wiesen und Schotter.
Die Kennzeichnung des Frankenweges ist ein roter Querbalken auf weisem Hintergrund und der Aufschrift Frankenweg – wir werden es oft genug sehen! Die Beschilderung ist meistens gut, teilweise sehr gut, leider aber auch an einigen Stellen schlecht – sei es durch zu wenig bzw. gar keine Kennzeichnung oder eine etwas irreführende Ausschilderung. Einige Schilder sind auch sehr verblichen – es lohnt sich also Wanderkarten im Gepäck zu haben, auch wenn man meistens ohne Kartenmaterial auskommen würde.
Der im September 2004 eröffnete Frankenweg ist ein noch sehr junger Wanderweg, dennoch handelt es sich um einen zertifizierten Fernwanderweg. Als erster Fernwanderweg hat der Frankenweg das Zertifikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ erhalten. Betreut wird der Frankenweg durch den Tourismusverband Franken, dem Frankenwaldverein, dem Fränkische-Schweiz-Verein und dem Fränkischen Albverein.
Auf unserer Tour treffen wir auch auf Wanderwege, die als Gehwege gekennzeichnet sind. Die rechtliche Lage ist eindeutig: Gehwege dürfen, wenn nicht explizit das Fahrrad erlaubt wird, nicht mit dem Fahrrad befahren werden. Man sollte sich vor Augen halten, dass eine Zuwiderhandlung nicht nur eine Strafe, sondern auch im Falle eines Unfalls höchst unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen kann. In diesen Bereichen also bitte das Bike schieben oder das Gebiet umfahren!
Blick auf die Kirche St. Lorenz in Berching
Die Region Franken und die Franken
Die meisten Bundesbürger ordnen Franken dem Bundesland Bayern zu, was zum größten Teil auch stimmt. Genauer gesagt handelt es eigentlich sich um eine Region im Süden Deutschlands, die sich über den Norden Bayerns erstreckt, aber auch über einen Teil Baden-Württembergs und Thüringens. Das Frankenland weist eine lebhafte und turbulente Geschichte auf, ein Zeugnis dessen sind auch die vielen Burgen auf unserer Tour. Die Franken sind stolz auf ihr Land und wehe dem, der Franken als Bayern bezeichnet. Franken unterscheidet sich tatsächlich in vielen Punkten von Bayern, darunter zählen neben dem Dialekt auch die Küche und sogar die Bauweise der Kirchen. Es gibt überdies eine inoffizielle Nationalhymne (das Frankenlied) und im Jahre 2006 beschloss der Bayerische Landtag einen Tag der Franken.
Die mit Abstand größte Stadt Frankens ist Nürnberg. Franken teilt sich in drei Regierungsbezirke auf: Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken. Franken begeistert aber nicht nur durch die intakte Natur und die vielen alten gut erhaltenen Städte, sondern auch mit kulinarischen Köstlichkeiten. Im Großen und Ganzen kann man die Küche als deftig und herzhaft bezeichnen. Überall bemerkt man die lange Brautradition und den Stolz der Franken auf ihr Bier: Oberfranken besitzt Deutschlands höchste Brauereidichte!
Erholungssuchende als auch Aktiv-Urlauber finden mit dem Frankenland ein geeignetes Urlaubsziel vor. So bietet Franken den Wanderern ein ausgezeichnetes und gut ausgeschildertes Wanderwegnetz. Die Frankenjura ist eines der bekanntesten Klettergebiete Deutschlands und die vielen verwinkelten Straßen sind ein Paradies für Motorradfahrer. Der künstlich geschaffene Brombachsee ist ein wichtiges Naherholungsgebiet für den Nürnberger Raum und lockt viele Badegäste. Die Preise in Franken kann man als familienfreundlich bezeichnen.
Der Tourenverlauf im Überblick
Gesamtübersicht über die Tour
Von Blankenstein nach Kronach
Etwa 70 km / 1950 Hm
↓
Von Kronach nach Weismain
Etwa 52 km / 990 Hm
↓
Von Weismain nach Heiligenstadt
Etwa 63 km / 1450 Hm
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Von Heilgenstadt nach Obertrubach
Etwa 59 km / 1240 Hm
↓
Von Obertrubach nach Altdorf
Etwa 71 km / 1710 Hm
↓
Von Altdorf nach Thalmässing
Etwa 83 km / 1660 Hm
↓
Von Thalmässing nach Wettelsheim
Etwa 49 km / 910 Hm
↓
Von Wettelsheim nach Harburg
Etwa 74 km / 1620 Hm
Gesamt: 521 km / 11530 Hm
Anmerkung
Die Angaben in den einzelnen Artikeln erfolgen ohne Garantie, ohne Anrecht auf Vollständigkeit und Aktualität sowie ohne jegliche Verpflichtungen seitens des Autors. Der Autor weist darauf hin, dass das Befahren der Wege nach der Beschreibung eigenverantwortlich geschieht! Die Qualität der Wege und die Fahrbarkeit, auch in Bezug auf die Gesetzeslage, ist vom Reisenden selbst zu prüfen und seinem persönlichen Können anzupassen!
Das Recht der Nutzung von Wegen und Passagen kann sich jederzeit ändern! Straßen und insbesondere Wanderwege unterliegen oftmals Änderungen in Bezug auf Streckenführung, Kennzeichnung, Beschaffenheit und Verkehrsauflagen. Die Beschreibungen der Touren befreien nicht von gesetzlichen Auflagen! Den gesetzlichen Auflagen ist unbedingt Folge zu leisten! Gesperrte Wege und Privatwege, die offensichtlich der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, dürfen nicht befahren/betreten werden! Sollte dieses Werk in einer Beschreibung einen dieser Punkte verletzt haben, bittet der Autor um sofortige Mitteilung, um die entsprechende Passage im Artikel zu aktualisieren.
MTB Frankencross – Mit dem Mountainbike auf dem Frankenweg unterwegs von Andreas Waldera erschien als gedruckte Buch-Version im Jahr 2011 bei der Books on Demand GmbH, Norderstedt (ISBN 978-3-8423-8107-0).
Das Ruhrgebiet wäre ohne Halden ebenso undenkbar wie das Ruhrgebiet ohne Industrie und Fördertürme. Die Halden bzw. Bergehalden und die Deponien bilden das markante Gesicht des Ruhrgebietes. Eine faszinierende Region, die wir mit dem MTB Haldencross auf unsere Art und Weise huldigen wollen. Auf unserer Reise durch den Ruhrpott werden wir knapp 200 Kilometer und über 2.000 Höhenmeter zurücklegen. Dabei werden wir nicht weniger als 19 Halden erklimmen – mit der Niederrhein Haldenrunde sogar 21 Halden!
Der Pott kocht – Das Ruhrgebiet bei Nacht
Früher nur als Anhäufung des Abraums gedacht, dienen viele Bergehalden im Ruhrgebiet und am Niederrhein mittlerweile als beliebte Naherholungsgebiete. Die Halden und Deponien des Ruhrgebietes erscheinen dem Betrachter fast als „natürliche“ Berge und werden auch genau so genutzt. Die Halde Norddeutschland bietet für Nordic Walker angelegte Touren und die Halde Hoppenbruch begeistert durch die MTB Strecken.
Doch nicht alle Halden und Deponien werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So finden sich hin und wieder abgesperrte Halden und das meistens nicht ohne Grund! Sehr oft handelt es sich hierbei um brennende Halden, was nicht heißen soll, dass die Halde in Flammen steht! Durch den Anteil der Restkohle ist eine Selbstentzündung und dadurch ein Schwelbrand im Innern der Halde möglich. Erstaunlich ist, dass diese Brände über 100 Jahre andauern können. Nicht jede brennende Halde wird allerdings gesperrt. Ein Beispiel für eine brennende und dennoch nicht gesperrte Halde ist die Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen.
Neben den Bergehalden, die aus dem Abraum des Bergbaus entstanden sind, existieren noch Deponien. Diese Deponien bestehen oftmals aus Bauschutt oder aus Müll. Hier unterscheidet sich für uns Biker vor allem der Untergrund, auf dem sich unsere Stollen in den Boden beißen. Natürlich werden auch die Deponien renaturiert und über Müll muss man (meistens) nicht rollen – zumindest nicht offensichtlich. Besonders bei Nässe zeigt sich der Untergrund aus dem Abraum sehr unberechenbar. Während bei Trockenheit der Untergrund der Halden meist hart wie Beton ist, zeigt sich der Untergrund bei längerem Regen sehr glitschig. Das gilt besonders auf Wegen, die nicht befestigt sind. Hier also besonders aufpassen!
Die Halden – Das markante Gesicht des Ruhrpotts
Eine Halde oder eine Deponie ist allerdings nicht einfach nur eine simple Aufschüttung. Der Blick auf die verschiedenen Halden zeigt, dass die künstlichen Berge sich optisch meist sehr stark unterscheiden. So wird bei den Halden zwischen Spitzkegelhalden, Landschaftsbauwerken, Tafelbergen und Großhalden unterschieden. Die älteste Form der Halden stellt die Spitzkegelhalde dar, die modernste und natürlichste Form ist das Landschaftsbauwerk.
Die Halden werden meist aber nicht einfach nur der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sondern auch touristisch stark in Szene gesetzt. So trifft man auf der Route Industriekultur Halden wie die Halde Rheinelbe und den Tippelsberg. Viele Halden werden auch zu sogenannten Landmarken ausgebaut. Kunstobjekte werden zum Wahrzeichen der Halde wie zum Beispiel die Bramme der Schurenbachhalde oder das Geleucht der Halde Rheinpreußen. Eine sehr bekannte und weithin sichtbare Landmarke ist natürlich auch das Tetraeder der Halde Beckstraße in Bottrop.
Eine Besonderheit für die Nutzung einer Deponie ist der Deusenberg in Dortmund. Die ehemalige Müllhalde wurde gekonnt zur Mountainbike Arena umgewandelt. Der Deusenberg ist für uns natürlich das beste Beispiel für eine äußerst sinnvolle Nutzung einer Deponie. Doch auch andere Halden locken immer mehr Besucher von nah und fern an. So werden die Halden und das Umland immer öfter in Veranstaltungen einbezogen.
Auf der Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn findet jährlich das Dong-Open-Air Festival statt und lockt unzählige Metal Fans an den idyllischen Niederrhein. In früheren Jahren fand auf dem Pattberg in Kamp-Linfort das Drachenfest statt und die Halde Rheinpreußen in Moers lockt, neben dem Geleucht, durch diverse Party Veranstaltungen. Ein Blick in den Veranstaltungskalender lohnt also immer. Zu beachten für uns Biker ist, dass die Halden an diesen Tagen für Biker meist gesperrt sind.
Das Geleucht in Moers
Der MTB Haldencross – Unser HaldenX
Wir bewegen uns bei unserem Haldencross, mit dem Startpunkt in Duisburg, vom westlichen Rand des Ruhrgebietes ostwärts Richtung Dortmund. Das Ziel unserer Reise ist Dortmund mit der unter Mountainbikern sehr beliebten EDG-Halde bzw. dem Deusenberg. Duisburg als auch Dortmund sind sehr gut mit der Bahn erreichbar, weshalb wir auch auf die Fahrt vom Duisburger Hauptbahnhof zur Halde Rheinpreußen in Moers und vom Deusenberg zum Dortmunder Hauptbahnhof kurz eingehen werden. Der Haldencross verläuft fast komplett rechtsrheinisch, nur die erste Etappe ist linksrheinisch und integriert somit die Moerser Rheinpreußen Halde. Als Alternative bzw. Erweiterung bietet sich von Moers aus die Niederrhein Haldenrunde an, auf die natürlich auch detailliert eingegangen wird.
Die einzelnen Etappen unseres Haldencrosses sind absichtlich kurz gehalten. Jeder Biker kann so nach seinen eigenen Bedürfnissen die Tour bzw. den Haldencross gestalten. Somit ist von der Eintagestour bis zur Mehrtagestour alles möglich. Gute und detaillierte Wanderkarten zeigen für einen Quereinstieg oder auch Ausstieg die verschiedenen Bahnhöfe auf. Die Verkehrsanbindung ist während der gesamten Tour relativ gut, immerhin bewegen wir uns ja in einer Metropole! Wir kreuzen auf unserer Reise mehrere Autobahnen und Bundesstraßen. Daneben bietet nahezu jede Stadt einen größeren Bahnhof. Dennoch kann es in einzelnen Bereichen zu spärlichen Bahnverbindungen kommen. Hier sollte man sich vorab informieren, wann und wo welcher Zug fährt. Nähere Informationen hierzu findet man auf der Webseite des VRR. Unsere Niederrhein Haldenrunde verläuft im Bereich der VGN. Sofern man auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen möchte, sind bei der VGN einige Besonderheiten zu berücksichtigen.
Für wen ist der Haldencross geeignet?
Im Gegensatz zum Alpencross kann man hier auch Fahranfänger auf die Reise schicken, da die Wegbeschaffenheit meistens sehr gut ist. Wir bewegen uns auf unserer Tour größtenteils auf den offiziellen Wanderwegen. Diese sind meist sehr gut ausgebaut und befestigt. Etwas kniffeliger wird es zum Beispiel auf der Halde Hoppenbruch – hier kann man aber auch den Weg für die Abfahrt wählen, den wir für die Auffahrt genutzt haben. In den entsprechenden Kapiteln gehen wir aber noch auf die Besonderheiten ein. Ein großes Problem stellte sich uns bei der Beschreibung der Halden. Der Haldencrosser wird auf seiner Tour verblüfft sein, wie oft er Downhiller und Freerider zu Gesicht bekommt. Bis auf Ausnahmen sind diese speziellen Wege aber illegal angelegt. Wir wollen natürlich nicht diese Wege bzw. Trails aufdecken! Bei der Frage, wo etwas auf den Halden geht, kann man pauschal antworten: Fast auf jeder Halde! Da stellt sich manchmal wirklich die Frage des richtigen Bikes!
Auf unserer Tour treffen wir gelegentlich auch auf Wanderwege, die als Gehwege gekennzeichnet sind – ein Beispiel hierfür wäre der Tippelsberg in Bochum. Die rechtliche Lage ist eindeutig: Gehwege dürfen, wenn nicht explizit das Fahrrad erlaubt wird, nicht mit dem Fahrrad befahren werden. Auf den Wanderkarten ist das nicht ersichtlich, weshalb wir diese Gehwege auch in unsere Tour integriert haben und auch nennen werden – sofern diese Gegebenheit für uns während der Tour ersichtlich war. Der Leser kann somit entspannt beim Planen seiner eigenen Tour auf diese Gegebenheiten vorab reagieren. Man sollte sich vor Augen halten, dass eine Zuwiderhandlung nicht nur eine Strafe, sondern auch im Falle eines Unfalls höchst unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen kann. Also besser das Bike schieben oder diesen Bereich umfahren! Alternativen zum Umfahren finden sich in Form von ausgewiesenen Radwegen zur Genüge. Der Blick auf unsere Tour und der Abgleich mit der Karte eures Vertrauens (bei uns war es das KOMPASS umfangreiche Wander- und Bike-Kartenset Ruhrgebiet Nr. 821) zeigen diesbezüglich direkt Alternativen auf.
Der MTB Haldencross startet im Westen……und führt östlich bis nach Dortmund
Die Frage des richtigen Bikes…
…können wir an dieser Stelle natürlich nicht eindeutig beantworten, da einige Faktoren eine große Rolle spielen. Das Wichtigste ist, dass man sich auf seinem Bike wohl fühlt und man sich auf sein Bike zu hundert Prozent verlassen kann. Unsere Tour ist so vielseitig gestaltet, dass wir einen guten Allrounder brauchen. Da wir den überwiegenden Teil der Tour auf befestigten Wegen zurücklegen, wäre ein leichtes und gut rollendes Bike empfehlenswert. Einige Trails, wie zum Beispiel auf der Halde Hoppenbruch, stellen höhere Anforderungen an den Fahrer als auch das Bike.
Nicht unerwähnt darf natürlich bleiben, dass viele Halden auch abseits der offiziellen Wege schöne Trails bieten. Diese Trails sind oftmals allerdings am Rande der Legalität entstanden und finden in diesem Werk natürlich keine Beachtung. Wer auf unserem Haldencross für diese „Eventualitäten“ allerdings gewappnet sein will, sollte zu einem guten Enduro greifen. Viele dieser Trails sind sogar im Bereich DH/Freeride anzusiedeln! So sollte man sich also nicht wundern, mit Protektoren und MX-Helm bekleidete Biker und Big Bikes zu sehen.
Die Frage der einzelnen Etappen…
…können wir ebenfalls nicht pauschal beantworten. Hier spielen natürlich die körperlichen Voraussetzungen eine ganz große Rolle. Wir haben die einzelnen Etappen absichtlich klein und übersichtlich gehalten, damit jeder für seine Planung einen guten Ansatzpunkt findet. Oft bietet sich auch ein Quereinstieg bzw. Querausstieg an, schließlich radeln wir hier quer durch eine Metropole! Man ist also nicht gezwungen, den MTB Haldencross in einem Rutsch durchzufahren.
Anmerkung zum MTB Haldencross
Die Angaben in den einzelnen Artikeln erfolgen ohne Garantie, ohne Anrecht auf Vollständigkeit und Aktualität sowie ohne jegliche Verpflichtungen seitens des Autors. Der Autor weist darauf hin, dass das Befahren der Wege nach der Beschreibung eigenverantwortlich geschieht! Die Qualität der Wege und die Fahrbarkeit, auch in Bezug auf die Gesetzeslage, ist vom Reisenden selbst zu prüfen und seinem persönlichen Können anzupassen!
Das Recht der Nutzung von Wegen und Passagen kann sich jederzeit ändern! Straßen und insbesondere Wanderwege unterliegen oftmals Änderungen in Bezug auf Streckenführung, Kennzeichnung, Beschaffenheit und Verkehrsauflagen. Die Beschreibungen der Touren befreien nicht von gesetzlichen Auflagen! Den gesetzlichen Auflagen ist unbedingt Folge zu leisten! Gesperrte Wege und Privatwege, die offensichtlich der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, dürfen nicht befahren/betreten werden! Sollte dieses Werk in einer Beschreibung einen dieser Punkte verletzt haben, bittet der Autor um sofortige Mitteilung, um die entsprechende Passage im Artikel zu aktualisieren.
MTB Haldencross – Die Tour über die Halden des Ruhrpotts von Andreas Waldera erschien als gedruckte Buch-Version im Jahr 2011 bei der Books on Demand GmbH, Norderstedt (ISBN 978-3-8423-5960-4).
MTB Haldencross: Die Etappen
Auf unserer Reise durch den Ruhrpott werden wir knapp 200 Kilometer und über 2.000 Höhenmeter zurücklegen. Dabei werden wir nicht weniger als 19 Halden erklimmen – mit der Niederrhein Haldenrunde sogar 21 Halden!
Da waren wir nun in Riva – Markus und ich. Wir sind zusammen gestartet und sind beide in Riva angekommen – aber nicht wie geplant zusammen. Diese zehn Tage waren eine enorme Herausforderung und eine harte Probe für unsere langjährige Freundschaft. Den Abend in Riva haben wir jeweils getrennt verbracht. Markus begab sich zum Entspannen an die Strandpromenade, während ich bei einem Pint Guinness in einem Irish Pub die vergangenen zehn Tage Revue passieren ließ.
Einsame „Zieleinfahrt“…
Die Rückfahrt nach Deutschland wurde mit einem Shuttleservice angetreten. Nahezu wortlos erfolgte auch die Fahrt zurück nach Hause. Nach dem Alpencross zog es Markus nach Südamerika, während ich meinen normalen Dienst in Deutschland versah. Es dauerte fast ein Jahr bis wir wieder Kontakt hatten. Jetzt ist unser Kontakt wie früher. Das zeichnet eine gute Freundschaft aus. Uns beiden tat die Pause sehr gut und mittlerweile lachen wir viel über das Erlebte. Was soll ich sagen?! Markus möchte den Alpencross gerne wiederholen und drängt mal wieder.
Wir würden jetzt natürlich vieles ändern und anders angehen. Die Dauer mit zehn Tagen empfinden wir jetzt, zumindest für den ersten Alpencross, als zu lang. Eine kürzere Dauer würde den Frust ab Mitte bis zum Ende der Alpenüberquerung auf jeden Fall entgegenwirken, wenn nicht sogar verhindern. Die von uns durchgeführten Etappen mit den geschafften Höhenmetern und den Entfernungen kann man allerdings als gutes Maß bezeichnen.
Der Alpencross: Eine harte Bewährungsprobe für Freundschaften
Eine Alpenüberquerung mit dem Mountainbike ist eine unglaublich faszinierende und zum Teil auch erschreckende Erfahrung. Man lernt viel über sich und seine Grenzen – und über seinen Mitbestreiter und dessen Grenzen. Dieses Abenteuer sollte man als Mountainbiker unbedingt erlebt haben!
Zu unterschiedlich sollten die Bestreiter eines Abenteuers dieser Art nicht sein. Parallelen müssen vorhanden sein, immerhin ist man einige Tage sehr viele Stunden zusammen unterwegs. Man verbringt den Tag sowie die Nächte zusammen – und die Tage scheinen bei einem Alpencross immer länger zu werden. Bereits vor Beginn der Tour war klar, dass sich Markus und mein Weg das eine oder andere mal trennen sollte. Markus, leidenschaftlicher Kletterer, nimmt auch gerne einen Aufstieg zu Fuß und Schiebepassagen in Kauf, um zum höchsten Gipfel eines Berges zu gelangen. Für ihn gehört es einfach mit dazu. Ich für meinen Teil bezeichne mich als absoluten Nur-Biker, für den Schiebe- oder Tragepassagen zum absoluten Horror gehören. Viele Höhenmeter über anspruchsvolle Trails möglichst weit oben, aber immer fahrbar, standen auf meiner Wunschliste ganz weit oben – natürlich nicht direkt an Abgründen, die endlos ins Tal abfallen. Mir war natürlich klar, dass dies bei einem Alpencross nicht immer zu realisieren ist. Ich hoffte einfach nur, dass es nicht zu schlimm für mich werden würde.
Reicht die Kondition?
Natürlich sollte man nicht ganz unvorbereitet zu einem Alpencross starten. Auch wir haben uns für unsere Verhältnisse recht umfangreich auf den Alpencross vorbereitet. So starteten wir mehrmals gen Niederlande um die dortigen ATB Routen zu befahren. Um ein wenig Gebirgsflair zu erhaschen, fuhren wir zum Training in die Eifel und in die Schwäbische Alb. Selbst unser Aufenthalt in Südfrankreich wurde zum ausgiebigen Training für den Alpencross genutzt. Der tägliche Weg zur Arbeit wurde nicht mehr mit dem Auto bewältigt, sondern mit dem Fahrrad. Ob die Kondition für den Alpencross reichen würde, wussten wir natürlich nicht – wir hofften es einfach!
Red Bull Scandium Four-500
Die Bikes – Wer fährt was?
So grundverschieden wie die Ansichten eines idealen Alpencrosses waren auch die Anforderungen an die Bikes. So kamen zwei völlig verschiedene Vertreter von Mountainbikes zum Einsatz. Für Markus, einem absoluten Hardtailfreak, kam ein Fully in keinster Weise in Frage. Seine Argumentation für das Hardtail reichte von wartungsarm über unanfällig bis zum geringen Gewicht eines Hardtails. Für mich hingegen kam für den AlpenX nur ein Fullsuspension in Frage. Neben der sehr guten Traktion beim Hochfahren auf unbefestigtem Untergrund sprach vor allem das rückenschonendere Fahrwerk für das Fully. Der Rucksack belastet auf Dauer schon genug und somit wollte ich meinem Rücken etwas Gutes tun. Über 700 Kilometer in zum Teil recht unwegsamen Gelände und einem über neun Kilogramm schweren Rucksack würden genug vom Körper abverlangen. Dennoch sollte das Bike, trotz Vollfederung und guter Ausstattung, durch ein geringes Gewicht glänzen. Das Wichtigste ist allerdings, dass man sich auf dem Bike wohlfühlt – bergauf als auch bergab. Man sollte das Bike kennen und wissen wie es reagiert. Der Sattel muss passen, immerhin wird dieser über viele Kilometer hinweg den Bürostuhl und den abendlichen Fernsehsessel ersetzen. Daher ist es wichtig, niemals mit neuen und ungetesteten Bauteilen zu diesem Abenteuer aufzubrechen.
Markus Wahl fiel somit auf das Hardtail Poison Zyankali mit HS33 Bremsen von Magura und einer Marzocchi MX Comp Federgabel mit ETA System. Meine Wahl fiel auf ein Red Bull Scandium Four-500 mit Shimano XT-Komponenten samt Scheibenbremse und einer Fox Federgabel. Der Nachteil des Red Bull gegenüber dem Poison war die schlechtere Handhabung bei Tragepassagen. Ein Nachteil, den ich allerdings gerne in Kauf nahm. Am Ende sollte die Frage des idealen Bikes reine Philosophie bleiben. Beide Mountainbikes überzeugten durch Zuverlässigkeit und brachten uns, vorweg gesagt, sicher ans Ziel.
Poison Zyankali
Kompromisse – Ohne geht es nicht!
Wie so oft im Leben muss man natürlich Kompromisse eingehen. Um genau zu sein besteht der ganze Alpencross aus Kompromissen. Nicht nur dem Mitfahrer gegenüber, sondern auch bei der Wahl des Gepäcks und bei dem Bike. Natürlich hätte man sich das eine oder andere Mal auf der Abfahrt ein schnittiges Downhillbike gewünscht, aber man muss ja auch noch die Berge hochkurbeln können. Eine Marathon Rennfeile ist für Passagen bergauf vielleicht ganz witzig, aber für technische Passagen bergab nicht unbedingt die beste Wahl. Ein Shuttleservice ist zwar auch immer nett, aber kam für uns gar nicht in Frage. Wir wollten den Alpencross alleine bestreiten und bestehen.
Seine persönlichen Vorlieben sollte man – nicht nur zu Gunsten des Reisekomforts – ebenfalls überdenken. Ich bin beim Alpencross mit Lenkerhörnchen gefahren – eine Komponente, mit der ich im Alltag normalerweise niemals fahren würde. Wer mit einem Hardtail starten möchte, sollte sich über eine gefederte Sattelstütze Gedanken machen. Eine absenkbare Sattelstütze kann ebenfalls Sinn machen. Trinkflaschenhalter gehören auf jeden Fall ans Bike und auch eine Satteltasche macht Sinn. Der Sattel sollte bequem und auf jeden Fall tourentauglich sein. Doch auf die verschiedenen Komponenten werden wir nachher noch kommen.
Ebenfalls anders als sonst zeigt sich auch die Wahl der Bekleidung – hier war nicht mehr die kurze und coole FOX-DH Pant angesagt, sondern eine Radlerhose mit Polster. Das entspricht zwar nicht ganz unserem Geschmack, ist aber definitiv beim Alpencross die bessere Wahl! Bis auf das Mehrgewicht und den erhöhten Platzbedarf spricht natürlich nichts dagegen, die lässige und coole Short über die Radlerhose anzuziehen. Man sollte allerdings immer bedenken, dass man alles mitschleppen und verstauen muss. Wie gesagt…eine Tour mit sehr vielen Kompromissen!
Der Alpencross – welcher Mountainbiker träumt nicht davon, eines der letzten Abenteuer unserer Zeit zu erleben?! Die Alpen sind für die meisten von uns nur ein Steinwurf weit entfernt und dennoch so fremd. Markus und ich, zwei ambitionierte Biker vom Niederrhein, die seit vielen Jahren zusammen auf Achse sind, nahmen diese Herausforderung an. Wir wussten, dass wir uns aufeinander verlassen konnten und zumindest fahrtechnisch auf einem Level waren. Viele Kilometer haben wir schon gemeinsam hinter uns gelassen. Was sollte somit schon schief gehen?
Wie schwer es ist, eine wunderschön geplante Tour in die Praxis umzusetzen, wurde uns während unserer 10-tägigen Reise unverblümt aufgezeigt. Auch die Koordination und die Arbeitsteilung zweier verschiedener Charaktere warf doch einige Probleme auf, denen wir vorab keine Bedeutung beigemessen hatten. Das Fehlen von Kartenmaterial und unzureichende Informationen über die Tagesziele sollte uns das eine oder andere Mal in eine etwas missliche Lage bringen. Probleme, die man mit einer genaueren Absprache sicherlich hätte verhindern können. Auch die verschiedenen Ansprüche an die Streckenführung brachten mehr Probleme, als wir vorher geglaubt haben. Die psychischen als auch physischen Belastungen stellten eine ziemlich harte Prüfung und große Herausforderung für unsere Freundschaft dar!
Bereut haben weder Markus noch ich den Alpencross. Doch sollte die Überquerung der Alpen nicht ganz spurlos an uns vorübergehen. Unser Abenteuer soll den Leser zu seinem eigenen Alpencross ermutigen. Diese Reiseerzählung soll aber nicht nur ermutigen, sondern auch auf aufzeigen, welche Belastungen auf den Biker zukommen können und werden. Begleitet uns auf unserer unterhaltsamen Reise durch die Alpen – von der Vorbereitung der Tour bis zum Ziel in Riva.
Die Geburt einer Idee
Jeder Mountainbiker verspürt irgendwann den Drang, etwas Besonderes zu unternehmen. Er möchte in Bereiche vorstoßen, die er nie vorher gesehen und erlebt hat. Extreme Situationen zu erfahren und an seine eigenen Grenzen zu stoßen üben eine unglaubliche Faszination aus. Eine Faszination, die schon fast bizarr wirkt. Eigentlich bestand die Idee einer Alpenüberquerung schon seit einigen Jahren, aber im Jahre 2005 sollte es dann endlich soweit sein. Immer wieder sprach Markus mich darauf an. Markus, der die Welt bereist und neben dem Biken mit Begeisterung klettert, sah diesem Abenteuer gelassener entgegen als ich. Mein größte Sorge galt der Höhe. Damit meine ich nicht die Strapazen des Hochfahrens, sondern der Anblick der uns erwartenden Abgründen. Ich bin nicht schwindelfrei, zugegeben eine denkbar schlechte Voraussetzung für die Bestreitung eines Alpencrosses. Doch verspürte ich den Drang, dieses Abenteuer zu erleben. Worauf wir uns da genau einlassen würden, wussten weder Markus noch ich vor dem Alpencross natürlich nicht. Trotz der jahrelangen Erfahrung beim Mountainbiken und der einen oder anderen größeren Tour sollten wir uns mit unserer ersten Alpenüberquerung auf völlig neuem Terrain bewegen. Wir haben uns natürlich vor unserem Abenteuer Alpencross auf die vor uns liegenden Strapazen heiß gemacht. Die Videos „Abenteuer Alpencross“ und „Auf Heckmairs Spuren – Mit dem Mountainbike über die Alpen“ ließen unsere Herzen bereits vor dem Alpencross höher schlagen. Natürlich wollen wir dem Leser dieser Lektüre diese Einheizer nicht vorenthalten und werden ihm diese vorstellen. Doch trotz aller Theorie kann man sich nur bedingt auf einen Alpencross vorbereiten, vor allem dann, wenn man wie wir aus dem flachsten Flachland stammt, genauer gesagt vom Niederrhein. Können zwei Biker, die ihr bisheriges Leben mit dem Mountainbike hauptsächlich der Abfahrt gewidmet haben, eine solche Belastung, die sich über Tage hinweg zieht, überhaupt überstehen? Wir waren selber gespannt!
Anmerkung
Die Angaben in den einzelnen Artikeln erfolgen ohne Garantie, ohne Anrecht auf Vollständigkeit und Aktualität sowie ohne jegliche Verpflichtungen seitens des Autors. Der Autor weist darauf hin, dass das Befahren der Wege nach der Beschreibung eigenverantwortlich geschieht! Die Qualität der Wege und die Fahrbarkeit, auch in Bezug auf die Gesetzeslage, ist vom Reisenden selbst zu prüfen und seinem persönlichen Können anzupassen!
Das Recht der Nutzung von Wegen und Passagen kann sich jederzeit ändern! Straßen und insbesondere Wanderwege unterliegen oftmals Änderungen in Bezug auf Streckenführung, Kennzeichnung, Beschaffenheit und Verkehrsauflagen. Die Beschreibungen der Touren befreien nicht von gesetzlichen Auflagen! Den gesetzlichen Auflagen ist unbedingt Folge zu leisten! Gesperrte Wege und Privatwege, die offensichtlich der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, dürfen nicht befahren/betreten werden! Sollte dieses Werk in einer Beschreibung einen dieser Punkte verletzt haben, bittet der Autor um sofortige Mitteilung, um die entsprechende Passage im Artikel zu aktualisieren.
Unser erster Alpencross – Die Entdeckung einer anderen Welt von Andreas Waldera erschien als gedruckte Buch-Version im Jahr 2011 bei der Books on Demand GmbH, Norderstedt (ISBN 978-3-8423-8359-3).
Bereits unsere germanischen Vorfahren zog es vom kalten Norden in den sonnigen Süden. Das Land jenseits der Alpen galt für viele Germanen als das Paradies auf Erden. Ein Paradies, welches die Kimbern durch Überquerung der Alpen zu erreichen versuchten. So setzten sich riesige Menschenmassen auf der Flucht vor Kälte und Hunger in Bewegung. Menschenmassen, welche die Römer zu Recht fürchteten. Um etwa 101 vor Christi wagten die Kimbern unter ihrem König Boiorix den letzten Vorstoß über die Alpen. Eine Geschichte mit tragischem Ausgang. Über 2100 Jahre später braucht man bei der Reise in das gelobte Land nichts mehr zu befürchten. Die Menschen sind sehr gastfreundlich und die Begeisterung für das Mountainbike überschreitet alle Landesgrenzen. Auch in dem zu durchquerenden Österreich genießt der Reisende enorme Gast- und Hilfsbereitschaft.
Traumhafte Kulisse garantiert!
Im Gegensatz zu vielen Alpenüberquerungen sollte unser Start nicht in Oberstdorf erfolgen, sondern in Berchtesgaden. Das Sprichwort „alle Wege führen nach Rom“ lässt sich, nach Betrachtung der möglichen Touren und Routen, abgeändert auch auf Riva del Garda übertragen. Die Anzahl der Möglichkeiten, nach Riva zu gelangen, ist immens. Je nach Anforderung an Mensch und Material bieten sich eine Unmenge von Möglichkeiten. Auch wir bedienten uns, um nicht direkt vor dem ersten Alpencross den Kopf zu verlieren, einiger externer Hilfen und dem Erfahrungsschatz anderer Alpencrosser.
Neben den Büchern findet man auch sehr viele Tipps im Internet. Man sollte sich nicht scheuen, in diversen Foren nach Rat zu suchen. Viele gestandene Alpencrosser geben sehr gerne Auskunft und stehen dem Alpencross-Neuling mit Rat und Tat zur Seite. Eine weitere gute Informationsquelle stellen DVD mit dem Schwerpunkt Alpencross dar. Diese sehr leicht zu konsumierenden Informationen fesseln durch die sehr schönen Landschaftsaufnahmen und die festgehaltene Geräuschkulisse zusätzlich.
Literatur zum Thema Alpencross
Sehr gute Dienste zur Vorbereitung unserer Tour leistete uns das Werk von Achim Zahn „Alpencross – Mit dem Mountainbike über die Ost- und Westalpen“ aus dem Bruckmann Verlag. Über 120 komplette Alpenüberquerung in 10 Jahren hat Achim Zahn hinter sich gebracht. Eine Erfahrung, von der man profitieren kann und auch sollte. Siebzehn detaillierte Routen gibt der Alpencross-Profi seinen Lesern preis. Hauptaugenmerk sind dabei Routen in den Ostalpen, allen voran Alpenüberquerungen ab Oberstdorf. Das magische Dreieck der Ostalpen wird genauso umfangreich und ausführlich behandelt wie die Routen über den Reschenpass und den Brenner. Für die Freunde der Westalpen finden sich drei detaillierte Routen, wie zum Beispiel der Alpencross vom Genfer See zum Mittelmeer.
Das Werk von Achim Zahn ist übersichtlich gestaltet und bietet, neben den vielen ausführlichen Routenbeschreibungen mit Tagestourenplan, sehr viel Wissenswertes zum Thema Alpencross. Von der Vorbereitung und Planung bis hin zur Wetterkunde ist in diesem Werk alles nachlesbar. Zu jeder einzelnen Route findet sich eine Kurzübersicht des Tourencharakters. Somit kann man vorab den Schwierigkeitsgrad, den Anspruch an die Fahrtechnik und Kondition sowie den Erlebniswert abschätzen. Zusätzlich findet sich zu jeder Tour ein Höhenprofil und eine Übersichtskarte. Fesselnd und leidenschaftlich geschrieben springt der Funke des Alpencrosses spätestens beim Lesen über. Der Alpencross-Baukasten am Ende des Buches bietet eine erstklassige Hilfe beim Planen einer eigenen Tour. Ein Werk, welches man getrost als die Bibel des Alpencrossers bezeichnen dürfte.
Erschienen im Bruckmann Verlag
ISBN 3-7654-4059-0
Preis 29,90 Euro
Ebenfalls aus dem Bruckmann Verlag ist der Hüttenatlas von Eugen E. Hüsler. 1300 verschiedene Hütten werden in diesem Buch vorgestellt. Neben den allgemeinen Infos zu den verschiedenen Hütten in Tabellenform, wie zum Beispiel die Lage, der Zustieg und die Kontaktmöglichkeiten, werden in diesem Buch zusätzlich einige Hütten separat vorgestellt. Hier erfahren wir mehr zur Geschichte der einzelnen Hütte und den damit verbundenen Menschen.
Eindrucksvolle Bilder unterstreichen die gewonnenen Eindrücke des Lesens. Die Übersichtskarten und Beschreibungen der jeweiligen Regionen können eine wertvolle Hilfe bei der Planung darstellen. Mit Hilfe dieses Werkes wird die Zimmerbuchung oder einfach nur die Vergewisserung, ob das Tagesziel überhaupt zugänglich ist, erheblich vereinfacht. Wermutstropfen bleibt, dass trotz der 1300 Hütten natürlich nicht alle Hütten der Alpen aufgeführt sind oder sein können. Eines unserer Tagesziele, das Tauernhaus Spital, fehlte in unserer Ausgabe komplett.
Erschienen im Bruckmann Verlag
ISBN 3-7654-3987-8
Preis 39,90 Euro
Mit diesen beiden Bänden kann man seinen persönlichen Alpencross sehr gut planen. Wir haben uns hinreichend der Informationen bedient und das angelesene Wissen in unseren eigenen Alpencross einfließen lassen. Je mehr man liest, desto heißer wird man natürlich auf die Alpenüberquerung. Jede freie Minute wurde auf dem Bike verbracht und wenn nicht, dann hing man entweder vertieft über einem Buch, stöberte im Internet oder hat sich mit einer DVD vorbereitet. Die bewegten Bilder heizen natürlich besonders ein und spätestens in diesen Momenten wünschten wir uns, bereits mit dem Bike unterwegs zu sein. Natürlich wollen wir euch diese beiden Dokumentationen vorstellen.
DVD – Auf Heckmairs Spuren – Von Oberstdorf nach Riva
Manchmal geht das Leben schon merkwürdige Wege. Umstände, die einen Menschen zwingen, sein Leben neu zu ordnen und die bisherigen Lebensinhalte zu überdenken. So erging es auch Andi Heckmair, der durch einen Lawinenunfall gezwungen wurde, seine bis dahin ausgeübte und geliebte Tätigkeit als Bergführer einzuschränken. Die Anfangs von ihm als Modeerscheinung angesehenen Mountainbikes erregten jedoch sehr schnell sein Interesse und so beschloss er 1989, als erster Mountainbiker die Alpen zu überqueren. Dabei sollte sein Weg so direkt wie nur möglich sein, so „wie der Flug der Schwalben“. 11000 Höhenmeter auf einer Länge von 450 Kilometer legte Andi Heckmair bei der Erstbefahrung der Alpen zurück. Eine sehr harte und schwere Tour. Ein Team des Bayerischen Rundfunks begleitete den Pionier des Alpencrosses 14 Jahre nach der Erstbefahrung auf dieser sehr anspruchsvollen Strecke. Eine Tour, bei der neben dem Mountainbiker vor allem der Bergsteiger gefordert wird.
Ohne Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung wäre diese Tour ein wahnwitziges Unternehmen und zum Scheitern verurteilt. Es wird geschoben, getragen, gefahren. Die Streckenführung ist so krass, dass einem und besonders mir schon beim Zuschauen schwindelig wird. Für Andi Heckmair kein Problem, der sogar Schluchten von 200 bis 300 Meter Tiefe liebt. Eindrucksvolle Aufnahmen bezeugen die Extremität dieser Tour. Den nur Mountainbiker könnte die Heckmair-Tour, angesichts der vielen Trage- und Schiebepassagen, allerdings abschrecken. Wer diese Tour fährt sollte das Mountainbike nach Aussage des Pioniers als Werkzeug betrachten. Da gibt es auch nichts zu makeln, denn die „Spielregeln kann jeder selber machen“. Dieser Aussage von Andi Heckmair können wir nur zustimmen. So führt der Weg neben Asphalt auch über viele ehemalige Schmugglerpfade. Eine Tour mit wunderschönen Impressionen, professionell vom Bayerischen Rundfunk festgehalten.
Als Bonus befindet sich auf der DVD der Beitrag „Zwischen Triglav und Adria“. Vier Stunden von München entfernt bietet sich dem Biker ein nahezu noch unberührtes Stück Natur. Eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen werben für das Biken an der Soca in Slowenien, jenseits des Massentourismus. Ein Gebiet, welches Rafter bereits für sich entdeckt haben.
Die Gesamtspielzeit der DVD „Auf Heckmairs Spuren – Mit dem Mountainbike über die Alpen – Von Oberstdorf nach Riva“ beträgt etwa 60 Minuten und der Preis 14,95 Euro.
DVD – Abenteuer Alpencross – Dokumentation von Schymik
Immer mehr Videos über extremes Biken überschwemmen den Markt. Dabei bezieht sich das Extreme auf Fahrmanöver und Sprünge, die für normal sterbliche Mountainbiker meist noch nicht einmal im Traum machbar sind. Der Markt in diesem Bereich scheint aber zu boomen. Selbst ein Backflip wird von der nach Adrenalin schreienden Masse nur noch eines flüchtigen Blickes gewürdigt. Fast könnte man meinen, dass der normale Biker in seiner natürlichen Laufbahn ausgestorben zu sein scheint. Umso mehr sticht aus der Masse der Videos eine Werk hervor, bei dem das Wort Extrem eine andere, wenngleich nicht unbedingt eine neue Bedeutung bekommt.
Welche Strapazen Mensch und Material bei einer Alpenüberquerung erleiden müssen, bedarf keiner Erläuterung. 650 Kilometer und über 20000 Höhenmeter in neun Tagen bringen Biker und Bike an den Rand des Möglichen und Machbaren. Begleitet von einem Kamerateam wagen vier Recken dieses Unternehmen. David Werner, Rolf Metzger, Carsten Schymik und Roland Schymik, Regisseur und Produzent zugleich, führen uns vom bayrischen Mittenwald aus durch sehr beeindruckende Gebirgslandschaften, teilweise am Frontverlauf des ersten Weltkrieges, bis nach Torbole am Gardasee.
Der Zuschauer schaut bei diesem 60 minütigen Video nicht nur zu, er hat das Gefühl dabei zu sein. Eine sehr gute Kameraführung vor einer unglaublichen Kulisse, unterlegt mit einer Musik, die wir zwar nicht einordnen können, die aber sehr gut zu den jeweiligen Szenen passt. Auch die sprachlich übermittelten Informationen passen sich sehr gut ins Gesamtgefüge ein und klären nicht nur über die Route, sondern auch über die Standorte und deren Geschichte auf, die zum Teil sehr blutig und grausam ist. Wer hätte gedacht, dass an so entlegenen Orten so erbarmungslos Krieg geführt wurde?!
Sehr gut gefallen uns auch die Sprachmitschnitte der Biker und die Interviews mit den Einwohnern und Gastgebern, die diese Gattung Biker mittlerweile zu schätzen gelernt hat. Nach neun Tagen ist das Ziel am Gardasee erreicht. Trotz einer Knieverletzung und eines Rahmenbruchs in den Bergen heißt es am Ende „shake hands“. Dazu passen auch die ehrlichen und offenen Statements am Ende der Tour. Die Produktion ist professionell und könnte auch einer Reportage im Fernsehen entstammen. Ein Video, welches Lust macht, sich ebenfalls den Strapazen zu stellen, um solch ein Erlebnis zu erfahren.
Der Preis der Dokumentation beträgt 15,00 Euro zzgl. Porto und Verpackung. Erhältlich ist dieses kurzweilige Abenteuer unter www.abenteuer-alpencross.de. Hier findet sich auch das dazugehörige Roadbook und weitere Titel zum Thema Alpencross.
Bei Abenteuer Alpencross handelt es sich um die erste große Dokumentation des Teams um Roland Schymik. Mittlerweile finden sich noch zwei weitere Abenteuer zum Thema Alpencross. Abenteuer Alpencross 2 beschreibt den Transalp auf der Albrecht-Route und der dritte Teil der Abenteuer Alpencross Serie beschäftigt sich mit den ebenfalls sehr faszinierenden Westalpen.
Aus dem gleichen Hause stammen übrigens auch Trailhunter Finale, Trailhunter Gardasee und Abenteuer Korsika. Anschauen lohnt!
Das Kartenmaterial
Unverzichtbar ist gutes Kartenmaterial. Ohne Kartenmaterial ist das Projekt Alpencross bereits vor der ersten Fahrt zum Scheitern verurteilt. Als Kartenmaterial haben wir uns mit Kompass-Karten eingedeckt. Der Vorteil der Kompass-Karten ist die länderübergreifende hohe Verfügbarkeit, die Aktualität der Karten und nicht zuletzt die Nennung des Kartenmaterials in den verschiedensten Quellen. Darüber hinaus kann man auf der Webseite von Kompass komfortabel die passenden Karten ermitteln. Die Karten zeigen natürlich alles, was man von einer vernünftigen Wanderkarte erwartet. Der Blick in die Karten differenziert unterschiedlichste Wegbeschaffenheiten und zeigt auch Mountainbike-Touren sowie Radrouten an. Der bei unseren Karten gebräuchliche Maßstab von 1:50.000 erwies sich als guter Kompromiss zwischen Lesbarkeit und platzsparendem Packmaß.
Das jeder Karte zusätzlich beiliegende kleine Kompass-Lexikon bietet viele wichtige Informationen über das gewünschte zu durchquerende Gebiet. Neben den aufgeführten Sehenswürdigkeiten findet sich auch viel wissenswertes über Land, Städte, Gemeinden und Leute sowie Kontaktinformationen zu Hütten und Gasthöfen. Diesen kleinen Ratgeber sollte man nicht unterschätzen und in seine Planung mit einbeziehen. Wenn man vor hat sich zu trennen, muss ein zweites Kartenblatt dieses Gebietes vorhanden sein! Damit war bereits das erste Sorgenkind unseres Alpencrosses geboren – wir haben schlicht und ergreifend nicht daran gedacht für diese Etappen einen zweiten Kartensatz mitzunehmen! Ein verhängnisvoller Fehler! Natürlich kann man auch per GPS auf Reisen gehen. Der hohe Preis und die Angst, die Technik könnte vielleicht versagen, ließ uns ausschließlich auf das altbewährte gute Papier zurückgreifen. Zumindest hatten wir einen Kompass (diesmal ist das Ding zur Bestimmung der Himmelsrichtung gemeint) dabei, den wir allerdings nie gebraucht haben.
Jeder Alpencross ist etwas Besonderes. Je nach Vorlieben kann man den für sich richtigen Alpencross wählen. Unser Alpencross setzte sich mehr oder weniger aus zwei Teilen zusammen. Das Standardwerk von Achim Zahn wurde von uns genauso in die Tourenplanung einbezogen wie die Tour des Jahres 2002 der www.faszination-alpen.de. Wir haben also neben einem gedruckten Werk auch auf das Internet zurückgegriffen. Unser erstes Vorhaben, eine komplett eigene Route zu kreieren, haben wir angesichts unserer fehlenden Erfahrung auf dem Sektor Alpencross schnell wieder Beiseite geschoben.
Die ersten drei Tage unseres Alpencrosses sollten nach Vorlage und Beschreibung von Achim Zahn erfolgen. Unser Favorit für die ersten drei Tage war die Route 14 Berchtesgaden nach Venedig. Die vorgestellte Route mit dem Startpunkt Berchtesgaden und dem Zwischenziel in Lienz über Saalbach-Hinterglemm und dem Felber Tauern wusste uns zu begeistern. Das hieß natürlich, dass der vierte Tag auf eigene Rechnung geschehen musste, da wir uns ab Lienz von Achim Zahns Tour verabschieden wollten. Den nächsten Anschluss suchten wir in Cortina d’Ampezzo. Die auf der www.faszination-alpen.de vorgestellte 2002er Tour sollte bis Riva del Garda unser weiterer Richtungsweiser sein. Somit wählten wir für den vierten Tag die Fahrt durch die Pusteria und die Dolomiten bis nach Cortina d’Ampezzo. Zwischen Croda da Lago und Monte Pelmo sollte es ab dem fünften Tag dann weiter nach Alleghe gehen, bevor wir den Passo di Valles und Passo Rolle passieren würden. Der nächste Pass sollte der bekannte Passo 5 Croci sein, der Pass der fünf Kreuze. Als Highlight des achten Tages stand der Monte Ortigara auf dem Programm, nicht wissend, welches Fiasko uns dort ereilen sollte. Tagesziel des neunten Tages war das Städtchen Posina als Startpunkt für den zehnten Tag mit dem Endziel Riva del Garda über Rovereto. Auch dieser zehnte Tag sollte für einige Überraschungen sorgen.
Am Becco di Mezzodì
Berchtesgaden
↓
Saalbach-Hinterglemm
↓
Felber Tauern
↓
Lienz
↓
Pustertal
↓
Cortina d’Ampezzo
↓
Croda da Lago
↓
Monte Pelmo
↓
Alleghe
↓
Passo di Valles
↓
Passo Rolle
↓
Passo Cinque Croci
↓
Castello Tesino
↓
Monte Ortigara
↓
Posina
↓
Rovereto
↓
Riva
Es geht los – Die Eckdaten unserer Tour
Tag 1: Von Berchtesgaden nach Saalbach-Hinterglemm
78 Kilometer / 2295 Höhenmeter
Tag 2: Von Hinterglemm in das Felber Tal
47 Kilometer / 1750 Höhenmeter
Tag 3: Über den Felber Tauern nach Lienz
66 Kilometer / 1890 Höhenmeter
Tag 4: Das Pustertal und die Dolomiten
83 Kilometer / 1050 Höhenmeter
Tag 5: Croda da Lago und Mount Pelmo
32 Kilometer / 1675 Höhenmeter
Tag 6: Passo di Valles und Passo Rolle
67 Kilometer / 2440 Höhenmeter
Tag 7: Pass der 5 Kreuze – Passo Cinque Croci
73 Kilometer / 2095 Höhenmeter
Tag 8: Der Monte Ortigara
98 Kilometer / 2525 Höhenmeter
Tag 9: Posina
86 Kilometer / 1505 Höhenmeter
Tag 10: Endspurt – Alle Wege führen nach Riva
88 Kilometer / 2005 Höhenmeter
Kilometer insgesamt: 718
Höhenmeter insgesamt: 19230
Natürlich waren wir schon vor unserem Alpencross zu Gast am Gardasee. Ein bzw. zwei Probleme kannten wir bis dahin aber nicht: Platzmangel und das Packgewicht! Der Grund dafür war die komfortable Anreise mit dem PKW und dem damit verbundenen großzügigen Stauraum für das Gepäck und die Bikes. Bei einer Alpenüberquerung mit dem Bike erwarten den Mountainbiker einige zu lösende Probleme. Was muss mit, was darf mit, worauf kann man verzichten und worauf muss man sogar verzichten? Sicherlich gehört der Glitzeranzug für die nächtlichen Disco-Aktivitäten nicht zum Reisegepäck eines Alpencrossers. Ein Abwägen eventueller Risiken steht den meisten Alpencrossern bevor. So entschieden wir uns zum Beispiel aus Gewichtsgründen keinen Ersatzreifen mitzunehmen. Ein Risiko allerdings, welches jeder für sich abwägen sollte.
Ziel war es, das Gewicht des Rucksacks unter neun Kilogramm zu halten, um den Rücken zu entlasten und ein akzeptables Handling für die bevorstehenden Abfahrten zu ermöglichen. Man mag gar nicht glauben, wie wenig Gepäck neun Kilogramm sein können. Beim ersten Versuch hatten wir bereits 13 Kilogramm im Sack. Einen Teil unserer Ausrüstung , wie zum Beispiel Werkzeug und Flickzeug, musste also in der Satteltasche verstaut werden.
Nicht überraschend ist, dass der Rucksack im Verlauf der Tour immer leichter wird oder zumindest werden sollte. Der Grund hierfür liegt bei den Produkten, die wir während der Tour konsumieren – sprich verspeisen. Natürlich kann man sich auch des Kartenmaterials entledigen, welches man nicht mehr benötigt.
Man sollte sich also genau überlegen, was man nun mitnimmt und was nicht! Was wird unbedingt benötigt und was ist Luxus? Somit steht dem Alpencrosser ein nette, unterhaltsame und abendfüllende Tätigkeit bevor: Das Packen des Rucksacks!
Die Qual der Wahl: Was muss alles mit?
Rucksack und Satteltasche – Unser Kofferraum…
Grundvoraussetzung für ein angenehmes Fahren mit Rucksack ist ein guter Tragekomfort bei geringem Gewicht. Der Rucksack darf nicht wackeln und auf gar keinen Fall die Bewegungsfreiheit einschränken. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass der Rucksack die Nackenfreiheit beim Tragen des Helms nicht einschränkt. Eine Abfahrt, bei der man den Kopf nicht weit genug in den Nacken legen kann, kann sich schnell zu einem Höllenritt entwickeln. Neben einem guten Tragesystem sollte unbedingt auch auf eine Luftzirkulation im Rückenbereich geachtet werden. Ein weiterer Vorteil wäre, neben der Öffnung im oberen Bereich, eine Öffnung im unteren Bereich des Rucksacks. So gelangt man auch an die untenliegenden Sachen, ohne dass man direkt den ganzen Rucksack durchwühlen und auspacken muss. Unbedingt zum Reisegepäck gehört der Überzieh-Regenschutz für den Rucksack, um bei Regenfahrten den Inhalt vor Nässe zu bewahren. Zusätzlich oder alternativ kann man seine Sachen auch noch in einer Tüte verstauen, um die Nässe abzuhalten. Von einer Lenkertasche oder gar Seitentaschen haben wir natürlich abgesehen. Diese Verstaumöglichkeiten sind für eine familienfreundliche Tour oder auf befestigten Wegen sicherlich ganz hervorragend, bei unserer Alpenüberquerung aber völlig fehl am Platz. Meine Wahl fiel auf einen Rucksack der Firma Deuter mit 30 Litern Aufnahmekapazität. Hört sich viel an, ist es aber nicht – wie ich feststellen musste.
Bei der Satteltasche empfiehlt sich zum Beispiel die Mainstream mit dem schönen Namen MSX MS-2010M. Durch das geniale Befestigungssystem bleibt die Mainstream auch bei heftigsten Rüttelpassagen dort, wo sie hingehört: Unter dem Sattel und nicht auf dem Trail. Daneben bietet die Mainstream ein gigantisches Aufnahmevermögen. Allerdings sollte das in einer Satteltasche verstaute Gepäck rüttelfest verstaut werden, da die Vibrationen ungebremst auf das Gepäck einwirken und zum Teil hässliche Spuren im Gepäck verursachen können.
Energie – Beam me up
Neben einem guten ausgiebigen Frühstück und Abendessen ist die Versorgung mit Energie und Mineralstoffen während des Tages wichtig. Da wir keine Kaffeefahrt vor uns hatten, mussten Konzentrate her. Wir haben uns mit Energieriegeln, Energiegel und isotonischen Getränkepulvern von Xenofit eingedeckt. Eine sehr gute Wahl, wie sich später des öfteren herausstellen sollte. Knapp 700 Kilokalorien führten wir unserem Körper täglich durch die energie- und mineralstoffreichen Produkte zu. Alleine die geballte Energie von Xenofit belastete unser Gewichtskonto des Rucksacks mit etwa zwei Kilogramm. Hier am Gewicht zu sparen wäre sicherlich eine falsche Entscheidung gewesen. Zusätzlich gehörten getrocknete Bananen und Nüsse zu unserem Reisegepäck. Dem Problem der Wasserversorgung kann man in den Bergen an den Hütten oder auch an Gebirgsquellen zuvorkommen.
Allerdings würden wir der Behauptung widersprechen, ein 0,75 Liter Vorrat an Wasser würde reichen. Zwei Flaschen mit je 0,75 Liter sollte man schon am Bike mit sich führen!
Sonnenschutz – Niemals ohne!
Auf keinen Fall sollte man die Kraft der Sonne in den Bergen unterschätzen. Selbst Sonnenanbeter wie wir leiden unter der intensiven Strahlung der Sonne in den luftigen Höhen der Alpen. Unerlässlich ist ein guter Sonnenschutz. Durch die schützende und gleichzeitig pflegende Wirkung wählten wir Nivea Sun Pflegende Sonnenmilch. Ein weiterer sehr wichtiger Pluspunkt ist der Sofortschutz. Einreiben und weiter geht’s. Langes Warten gehört der Vergangenheit an. Ob man sich für die herkömmliche Sonnenmilch oder das Sun Spray entscheidet, bleibt den Vorlieben des Bikers überlassen.
Tooltime – Luftpumpe, Flickzeug und Werkzeug
Multifunktionell, platzsparend und leicht sollte es sein das Werkzeug für unterwegs. Eine eierlegende Wollmilchsau ist das Multifunktionstool T-KNOX von SKS. Ein Ersatzschlauch gehört zur Standardausrüstung eines jeden Alpencrossers und lässt sich hervorragend mit Klebeband, zum Beispiel im Rahmendreieck, fixieren. Der so verstaute Schlauch entlastet das Gewichtskonto des Rucksacks und spart Packraum. Gutes Flickzeug ist ein absolutes Muss, genau wie eine sehr leichte Pumpe. Die SKS X-Alpin überzeugt durch Handlichkeit und ihr geringes Gewicht. Die Halter für die X-Alpin lassen sich praktischerweise mit am Flaschenhalter befestigen. Somit ist diese Pumpe sicher verstaut und stört nicht. Auch ein Speichenschlüssel und ein Kettennieter dürfen auf keinen Fall vergessen werden.
Schlafsack
Wer sich beim Alpencross ausschließlich in feudalen Hotels einquartiert, kann sich das Extragewicht des Schlafsacks natürlich sparen. Allerdings ist man in den Alpen nie vor Überraschungen gefeit. Für unseren ersten Alpencross gönnten wir uns den Luxus von Übernachtungen in Pensionen und bewirtschafteten Hütten. Deshalb wurde nur der ultraleichte Mammut „Silk Liner Mummy“ und ein Baumwoll-Inlett von Tchibo verstaut, die aber dann doch Verwendung fanden. In einer von uns aufgesuchten Pension zogen wir es vor, das bereitgestellte Bettzeug, welches ein Eigenleben zu führen schien, behutsam vom Bett zu entfernen und die Nacht lieber im Schlafsack zu verbringen.
Wer überwiegend in unbewirtschafteten Hütten nächtigen will, muss sich natürlich einen wärmeren Rucksack zulegen. Es kann bitter kalt werden – was wir am eigenen Leib erfahren mussten.
Wohl gewandet beim Alpencross
Sommerlich brütende Hitze, Regen, Graupelschauer und Schneesturm…wie vielfältig und launisch das Wetter in den Alpen sein kann, erfuhren wir während unserer Alpenüberquerung am eigenen Leib. Temperaturschwankungen von 20 Grad pro Tag waren bei unserem Abenteuer in den Alpen keine Seltenheit. Beim Überqueren der Pässe bläst der Wind zum Teil so heftig, dass man Probleme hat, sein Bike festzuhalten. Um all diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss man entweder einen Kleiderschrank voll Wäsche hinter sich herziehen oder eine gezielte Auswahl an kombinationsfähiger Funktionswäsche im Rucksack verstaut haben.
Trikot und Radlerhose
Opas Jogger ist beim Biken zum Glück out. Nicht nur die Optik schmerzt, sondern mit der Zeit auch der Hintern. Gute Radlerhosen zeichnen sich durch ein perfektes Sitzpolster und Bewegungsfreiheit bei Formstabilität aus. Trägerhosen bieten zudem den Vorteil, dass die Hose nicht rutscht. Das Angebot an Radlerhosen ist immens. Beste Qualität zu einem vergleichbar niedrigen Preis bietet sogenannte „Sponsor“-Bekleidung. Damit ist nicht die sündhaft teure Produktpalette der Profiteams gemeint, sondern die meist mit Werbeschriftzug versehenen Produkte des Handels. Bestes Beispiel hierfür ist die umfangreiche Bekleidungspalette des Versandhandels Rose. Unsere Wahl in Bezug auf Radlerhosen fiel deshalb auf eine Trägerhose von Rose. Das Coolmax-Sitzpolster und das verwendete Lycra-Material sorgten während unseres Alpencrosses für ein angenehmes Sitzgefühl bei perfekter Funktion. Das abendliche Auswaschen der Hose war dank des schnell trocknenden Materials kein Problem. Neben der perfekten Funktion und Qualität sieht die Hose auch noch chic aus. Jetzt fehlt noch das Trikot! Auch hier lohnt der Blick zu Kleidungsstücken mit Werbeaufdruck.
Passend zur Trägerhose wählten wir von Rose das Radtrikot. Jeweils zwei Trikots und zwei Radlerhosen wurden für unseren zehn Tage dauernde Alpencross mitgenommen. Wir entschieden uns für kurzärmelige Trikots und kurze Radlerhosen. Im Falle eines Falles lassen sich diese mit Arm-, Bein- und Knielingen kombinieren. Für welche Trikots von welcher Firma man sich entscheidet, bleibt natürlich jedem Biker selbst überlassen. Man sollte aber auf jeden Fall die Bekleidung, besonders die Hose, vorab getestet haben!
Das geht auf keine Kuhhaut – Der wunde Hintern
Tagelanges Sitzen auf dem Bike bereitet selbst den Härtesten unter den „Ä….“ irgendwann Probleme. Ein Grund zur Sorge vor unserem Alpencross war genau dieser Punkt. Wer meint, damit müsse man leben, der irrt. Hirschtalg ist das Zauberwort. Xenofit bietet mit der Hirschtalg Sportcreme „second skin“ einen perfekten Schutz für uns Mountainbiker an. Vor Antritt der Fahrt morgens den Hintern im Bereich der Scheuerstellen einreiben und die Probleme des Wundscheuerns gehören der Vergangenheit an. Auch die Scheuerstellen auf der Schulter, hervorgerufen durch Tragen des Rucksackes, wurden mit der Xenofit-Sportcreme eliminiert.
Schuhe, Handschuhe und Helm
Ein Thema, auf das man wohl nicht mehr groß eingehen muss. Wer ohne Helm fährt ist selber schuld! Der Helm mitsamt seines Verschlusssystems muss sich in einem einwandfreiem Zustand befinden. Der Helm darf weder wackeln noch drücken. Auch auf passgenaue Handschuhe ist zu achten. Bei den Schuhen ist darauf zu achten, dass man diese, neben dem Fahrradfahren, zu diversen Wanderungen benutzen kann. Nicht immer ist in den Alpen alles fahrbar! Auch hier gilt: Nie mit ungetestetem Material starten!
Windbreaker und Regenschutz
Die bereits auf einer Tour in Südfrankreich bewährte Weste von Aldi fand auch beim Alpencross Verwendung. Damit man nicht – im wahrsten Sinne des Wortes – plötzlich im Regen steht, sollte eine sehr leichte Regenjacke mitgenommen werden, die bei Bedarf auch als Windbreaker dienen kann. Der Übergang an den Pässen ist zum Teil so windig, dass man die Regenjacke als Windbreaker zu schätzen lernt. Zudem kann diese bei leichtem Regen schnell und unkompliziert übergezogen werden. Leider sollte es ja mehr regnen als uns lieb war. Im Gegensatz zu Regenfahrten in heimischen Gefilden können Regenfahrten während des Alpencrosses ziemlich nervend werden. Die Tagesetappen sind meist sehr lang und die Zimmersuche kann zudem noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Eine Erkältung lässt schneller grüßen als einem lieb ist und ist so ziemlich das Letzte, was man bei einer Alpenüberquerung gebrauchen kann. Abhilfe verspricht hier ein guter Regenschutz. Als wenn der Alpencrosser finanziell nicht schon genug gebeutelt wäre, kostet Regenbekleidung für Mountainbiker leider auch noch richtig viel Geld. Nicht selten muss man für ein komplettes Set, bestehend aus Hose und Jacke, mehr als 200 Euro berappen. Aber es geht auch anders, wenn man bereit ist, kleine Nachteile in Kauf zu nehmen. Der Motorradhandel Polo bietet die Regenkombi FLM Stormchaser für unter 50 Euro an. Neben einem hautfreundlichen Innenfutter und dem robusten Außenmaterial, ist die Stormchaser Regenkombi dank Membranbeschichtung sogar atmungsaktiv. Nur das hohe Gewicht von etwas über einem Kilogramm, die Packmaße und die für Mountainbiker etwas ungünstige Schnittform sprechen gegen diesen Regenschutz. Dafür lacht die Geldbörse. Somit fand diese Kombi den Weg in den Rucksack. Eine Entscheidung, die während der gesamten Tour nicht einmal bereut wurde. Neben der perfekten Funktion bei Regen war der Einsatz als Kälteschutz in dem Schneesturm auf dem Felber Tauern geradezu unbezahlbar.
Armlinge und Knielinge
Armlinge, Knielinge und Beinlinge haben den enormen Vorteil, dass diese bei Bedarf schnell übergestülpt werden können. Zudem beanspruchen sie nur sehr wenig Platz. Mit kurzer Kleidung kombiniert kann eventuell auf die Mitnahme von langen Hosen und Trikots verzichtet werden. Das heißt weniger Gewicht und kleinere Packmaße. PowerBar bietet neben Energiefutter Bekleidungsartikel an. Darunter finden sich auch die von uns gewählten Arm- und Knielinge. Die Innenseite der „Schläuche“ ist für den besseren Kälteschutz speziell beschichtet. Der Einsatz während des Schneesturms am Felber Tauern zeigte: Die Dinger halten echt warm und sind zudem bequem. Für uns ein Muss für den Alpencross! Ich habe dennoch zusätzlich ein langes Trikot eingepackt, da wir für einen Alpencross ziemlich früh in der Saison gestartet sind. Nässe und Kälte können einem enorm zusetzen. Man sollte nicht glauben wie winterlich es noch in den Alpen sein kann, wenn bei uns schon der Frühsommer lockt!
Wie verpacke ich es?
Auf gar keinen Fall sollte man seine Sachen zusammenknüllen. Schön gefaltet und dann zusammengerollt verbrauchen die Sachen am wenigsten Platz. Schwerere Sachen sollten rückennah eingepackt werden. Man sollte immer darauf achten, dass sich nichts scharfkantiges im Rucksack befindet und erst recht nicht so verpackt sein, dass man sich im Falle eines Sturzes damit verletzt. Klappmesser und Multifunktionswerkzeuge immer nur im zusammengeklappten Zustand einpacken! Kein Glas transportieren! Ausnahmen bilden natürlich eventuell benötigte Medikamente. Diese sind aber mit Vorsicht zu verstauen. Bekleidung sollte man zusätzlich in einer wasserdichten Tüte verstauen. So bleiben die Sachen auch nach stundenlangem Fahren im Regen trocken.
Sonstiges – Auch daran sollte man denken
Zum Beispiel an ungebetene blinde Passagiere. Die Rede ist von den mittlerweile sehr lästigen und mitunter nicht ungefährlichen Zecken. Sicherlich kann man sich zumindest gegen den FSME Erreger impfen lassen, aber gegen die Borreliose ist immer noch keine Impfung möglich. Hier ist Vorsorge der beste Schutz. So sollte neben der FSME Impfung bei entsprechenden Passagen durch das Unterholz auf die chemische Keule zurückgegriffen werden. Auch wenn die Beurteilungen über diese Einreibemittelchen sehr variieren, würden wir es dennoch empfehlen. Ebenfalls empfehlenswert ist natürlich die Mitnahme eines Fotoapparates. Dieser ist natürlich dementsprechend gut zu verpacken. Die Kleidung bietet sich dabei als gutes Polstermaterial an. Eine Sonnenbrille schützt nicht nur vor den schädlichen UV-Strahlen, sondern auch vor tieffliegenden UFOs. Für den Fall der Fälle sollte ein kleiner Kompass mitgenommen werden – auch wenn wir diesen nicht benötigt haben. Wichtig ist ein Erste Hilfe Set. Sparen kann man sich definitiv den großen Elektrorasierer und den geliebten Radiowecker. Eine Zahnbürste, Duschgel und ein Mikrofaserhandtuch sollten sich aber im Gepäck befinden. Verschiedene Drogerien bieten Probiertübchen diverser Produkte an. Eine Beleuchtung für das Bike macht Sinn und sollte trotz des Mehrgewichts auf jeden Fall mitgeführt werden.
Fertig gepackt – Und nun?
Man wird erschrocken sein wie schwer neun Kilogramm auf Dauer sein können. Wenigstens wird der Rucksack durch Verspeisen des mitgeführten Energiefutters während des Alpencrosses immer leichter. Wer klug ist, trainiert vor dem Alpencross mit einem gefüllten Rucksack, um sich an die zusätzliche Belastung des Rückens zu gewöhnen. Hierbei lässt sich dann auch hervorragend die Bewegungsfreiheit überprüfen.