Special Alpencross: Etappe 10 – Endspurt – Alle Wege führen nach Riva

Fahrzeit: 7:06 Stunden
Zurückgelegte Strecke: 88 Kilometer
Zurückgelegte Höhenmeter: 2005 Meter

Am zehnten und letzten Tag unseres Alpencrosses sollte alles anders werden. Ein getrenntes Fahren war nicht mehr vorgesehen und der Anteil an Straßenfahrten sollte im akzeptablen Bereich bleiben. Klar definierte Richtlinien für eine klar definierte Route! Doch wie so oft im Leben und vor allem bei unserem Alpencross sollte auch dieser letzte Tag komplett anders verlaufen als es geplant war.

Wir waren mittlerweile zehn Tage unterwegs. Zehn Tage, die ihre Spuren hinterließen. Die zehn Tage zerrten nicht nur an unseren Kräften, sondern auch an unseren Nerven. Die Stimmung zwischen Markus und mir war leicht gereizt. Lust zum Biken verspürten wir beide nur noch wenig. Das Ziel Riva war zum Glück in greifbare Nähe gerückt. Zum ersten Mal auf unserer Tour hatte ich nach dem Aufstehen das Gefühl, dass die Beine nicht das machen wollten, was das Gehirn ihnen befahl. Dennoch sollte diese letzte Etappe wieder mal alles von uns abverlangen. Psychisch als auch konditionell.

Auffahrt zum Rifugio Papa

Von Posina fuhren wir den Tag beginnend zum Colle Xomo hoch. Etwa 500 Höhenmeter auf einer gut fahrbaren kleinen Straße mussten wir mit müden Beinen hochkurbeln. Doch die Power aus den Beinen war definitiv raus. Der Blick in die schöne Landschaft wurde immer mehr zu einem leeren Blick, der sich in der Landschaft verlor. Von Colle Xomo folgten wir der Strada degli Scarubbi Richtung des Rifugio Papa. Nach insgesamt knapp 1300 zurückgelegten Höhenmetern war sie wieder da: Höhenangst! Der Schotterweg, der als Asphaltweg begann, war zwar breit und sicher gebaut, allerdings führte dieser direkt am Steilhang entlang.

Das erste und auch das letzte Mal auf dieser Tour musste ich, wegen aufkommender Höhenangst, den Rückwärtsgang einlegen. Die ganze Quälerei des Tages war somit umsonst. Und das zu einem Zeitpunkt, wo wir sowieso schon sprichwörtlich auf dem Zahnfleisch gingen. Es gab keine große Diskussionen und jeder schlug seine Richtung ein. Markus setzte seine Route über das Rifugio Papa zum Rifugio Lancia fort. Unser nächstes Wiedersehen sollte erst wieder in Riva stattfinden. Wie sich herausstellen sollte, war die von mir getroffene Entscheidung für mich die richtige Wahl. Markus würde dies am Abend in Riva bestätigen. Es sollte für Markus nochmals richtig heftig werden. Davon habe ich aber nichts mehr mitbekommen. Für mich ging der Weg 800 Höhenmeter hinunter zum Colle Xomo. Und wieder begann die Fahrt gegen die Zeit. Viele Kilometer standen mir bevor. Die Keulerei und Hatz über Straße begann. Über die Strada 46 gelangte ich nach Rovereto. Erstaunlicherweise ist diese Straße recht verkehrsarm. Eine wunderschöne Aussicht gibt es gratis dazu. Langsam fing ich an zu realisieren, dass der Gardasee nur noch ein Steinwurf entfernt war.

Lago di Speccheri
Kurz vor Rovereto – Die Einsiedelei di San Colombano

Von Markus sah ich weit und breit nichts. Weder er noch ich griffen zum Telefon. Ab Rovereto ging es im weiteren Verlauf über Mori und Torbole auf Radwegen zum Endziel der Tour: Riva del Garda. Innehalten sollte man kurz vor Riva am Ortsausgang von Nago. Der Blick auf den Gardasee ist jedes mal aufs neue beeindruckend!

Markus erreichte ein wenig später Riva. Er erzählte dann von Tragepassagen an Steilwänden und von einem genialen Downhill als Belohnung, wobei er sich aber leider einen Platten nach dem anderen holte. Völlig entnervt und mittlerweile ohne Flickzeug wurde er von einem vorbeikommenden Jeep bis nach Rovereto mitgenommen. Nach dem Kauf eines neuen Schlauches konnte er die Fahrt bis nach Riva fortführen, wo wir uns dann trafen.

Riva, wir sind da!!!

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Special Alpencross: Etappe 9 – Posina oder der Wettlauf gegen die Zeit

Fahrzeit: 5:47 Stunden
Zurückgelegte Strecke: 86 Kilometer
Zurückgelegte Höhenmeter: 1505 Meter

Durch den unfreiwilligen Stop in Stoner mussten am neunten Tag von mir einige Kilometer gutgemacht werden. Mein Treffen mit Markus sollte in Posina erfolgen. Die letzte gute Möglichkeit doch noch gemeinsam Riva zu erreichen und den Alpencross zu beenden. Ein Rennen gegen die Zeit begann. Zusätzliches Handicap für uns beide war das Fehlen von Kartenmaterial – wie sollte es auch anders sein?! Die Kompass Karte 78 wäre Gold wert gewesen, so mussten mir allerdings die Übersichtstafeln an Ortseingängen und in den Orten den richtigen Weg weisen.

Der Dom in Asiago

Der Weg nach Asiago erfolgte über Landstraße, die zum Glück nicht so stark von Autos frequentiert wurde, wie ich befürchtet hatte. Passiert wurden dabei die Ortschaften Foza und Gallio. Der Flair der italienischen Städtchen ist nicht von der Hand zu weisen. Auch Asiago kann begeistern. Ab Asiago winkt der Radweg nach Canove di Roana. Aufgrund der fehlenden Karte wurde im weiteren Verlauf die Straße bis nach Cesuna genommen. Eine bis dahin technisch wenig ansprechende Fahrt. Die schönen Städtchen trösteten über den fehlenden technischen Anspruch hinweg. Es sollte aber wieder anspruchsvoller werden. Erstmal waren Forstwege angesagt.

Nicht nur die Bergwelt weiß zu begeistern. Die Orte sind malerisch schön und eine Stadtbesichtigung lohnt immer. Viele Straßencafés und Restaurants prägen das Bild italienischer Städte. Hier erlebt man die italienische Lebensart, das süße Leben, la Dolce Vita.

Comune di Caltrano

Am Monte Magnaboschi vorbei führt der ausgewiesene Radweg im Val Magnaboschi zum Rifugio Alpino. Ein kleiner asphaltierter Waldweg führt vom Rifugio am Malga di Fondi indirekt zum Wanderweg 689, der sämtliche Bodenbeschaffenheiten beinhaltet.

Schneller rutschiger Schotter ist ebenso Bestandteil dieses Weges, wie eine Wiesenpassage und ein genialer, aber leider etwas zugewachsener Downhill, der in San Dona endet. Nach Abschütteln sämtlicher Ungeziefer konnte es dann frohen Mutes und mit Adrenalin aufgepumpt weiter gehen. Leider endete hiermit auch der Fahrspaß wieder. Da noch viel Zeit gutgemacht werden musste und auch weiterhin keine Karte vorlag, war wieder die Fahrt über Straße angesagt. Ab Caltrano führt ein Radweg bis hinter Arsiero. Dieser meist aus Schotter bestehende Weg folgt dem Verlauf des Flusses Posina. Die letzten Kilometer bis nach Posina spulte ich wieder auf der Straße ab. Jetzt konnte der letzte Tag des Alpencrosses doch noch zu zweit bestritten und hoffentlich auch beendet werden. Vor uns stand nur noch ein einziger Tag.

Schnell fanden wir eine Unterkunft für die Nacht und kehrten für das Abendessen in ein nahegelegenes Restaurant ein. Wie so oft auf unserer Tour wurden wir auch hier freundlichst begrüßt und beantworteten den anderen Gästen gerne die Fragen zu unserer Tour. Zum Glück waren auch ortsansässige Gäste im Restaurant, von denen wir Auskünfte über unsere letzte bevorstehende Etappe erhielten. Wir wussten, dass uns zum Rifugio Papa noch eine große Auffahrt bevorstand. Meine Frage galt natürlich der Fahrbarkeit des Weges und meiner Höhenangst. Uns wurde von den Gästen allerdings grünes Licht gegeben…

Nur noch ein Tag bis zum Gardasee! Jetzt hatten wir auch endlich wieder eine Karte an Bord! Wir waren guter Dinge und das Ziel war mittlerweile greifbar nah. Eigentlich sollte von jetzt an alles gut gehen. Dachten wir…

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Special Alpencross: Etappe 8 – Der Monte Ortigara oder der Tag der Qualen

Fahrzeit: 7:33 Stunden
Zurückgelegte Strecke: 98 Kilometer
Zurückgelegte Höhenmeter: 2525 Meter

Zugegeben, es ist schon ein arg mulmiges Gefühl, wenn man fernab der Zivilisation auf einem Berg munter in den Abend radelt, nebenbei beim Passieren eines Soldatenfriedhofs noch Nebel aufzieht und das ersehnte Nachtlager und Essen in immer weitere Ferne rückt. Geradezu umarmen kann man dann den Gastwirt des Gasthauses, der dann fast selbstverständlich sagt: „Si, kein Problem“. Wir haben an diesem Tag gelernt, dass viele Rifugien entweder ausgebucht, geschlossen oder reine Wochenendbetriebe sind.

Um diese kleine Unannehmlichkeit zu vermeiden, sollte unbedingt vorab abgeklärt werden, wo man einkehren will. Ohne Karte natürlich ein schwieriges Unterfangen. Auch wenn wir bis zu diesem Tag das Fehlen von diversen Karten recht gut kompensieren konnten, sollte der achte Tag zu einem Desaster werden. Doch wie kam es zu diesem chaotischen Verlauf?

Eigentlich fing alles perfekt an. Das Wetter war himmlisch, das Frühstück fast noch besser. Doch bereits die Ausfahrt aus Castello Tesino gestaltete sich schwieriger als angenommen. Durch ein Rennradrennen wurden sämtliche Zufahrtsstraßen gesperrt. Unser Vorhaben, sehr früh aufzubrechen, wurde somit vereitelt. Um dann vielleicht doch noch vorzeitig einen Ausweg aus Castello Tesino zu finden, fuhren wir in diesem Städtchen hin und her. Am Ende summierte sich diese Suche auf 150 Höhenmeter. 150 Höhenmeter für nichts. Dafür haben wir jetzt alle Ecken diesen kleinen und wunderschönen Örtchens gesehen. Gegen Mittag wurden die Straßensperren endlich aufgehoben und es konnte los gehen.
Natürlich ohne Karte! Bis dahin wussten wir noch nicht, dass dieser Tag zu einem negativen Paradebeispiel für eine Fahrt ohne Karte werden sollte. Über eine asphaltierte Serpentinenstraße fegten wir runter nach Grigno. Der Blick bei der Abfahrt ins Tal ist beeindruckend. Wir überquerten den Fluss Brenta und fuhren weiter in Richtung Selva. Eine brütende Hitze erwartete uns in diesem Tal, das unter diesen Umständen einem Hexenkessel glich.

Der folgende Uphill kostete bei Temperaturen um die 36 Grad ziemlich viel Körner. Und Wasser. Leider kamen wir mit dem Nachfüllen der verlorenen Flüssigkeit nicht mehr nach. Seit diesem Tag wissen wir, dass eine Flasche Wasser mitzuführen nicht ausreicht, auch wenn dieses oft behauptet wird. Völlig dehydriert kämpften wir uns den Weg zum Rifugio alla Barricata hoch. Abgesehen von den lästigen italienischen Fliegenschwärmen, die uns begleiteten, verlief die Auffahrt über den Forstweg 213 ohne Komplikationen. Am Rifugio ergab sich endlich die Möglichkeit wieder wertvolles Nass nachzutanken. So langsam ließen auch diese unglaublich hartnäckigen Fliegen von uns ab. Stanken wir mittlerweile wirklich schon so sehr?

Kurz nach dem Rifugio sollte sich Markus und mein Weg trennen. Der Schieberei der letzten Tage wollte ich entgehen und beschloss die Route auf fahrbaren Wanderwegen fortzusetzen. Markus wollte unbedingt nach Tourenvorlage am Monte Ortigara entlang. Ein Wanderer, den wir unterwegs trafen, meinte dieser Weg wäre nicht fahrbar. Ein kurzer Blick in seine Karte und für uns war der weitere Verlauf sonnenklar. Nach den Strapazen der letzten Tage war die Stimmung mittlerweile leicht gereizt. Irgendwie war jeder froh, endlich mal für sich seinen Weg ohne den anderen fahren zu können. Die Kommunikation zwischen Markus und mir hatte in den letzten zwei Tagen sowieso den Tiefstpunkt erreicht. So trennten wir uns und jeder fuhr seinen Weg – beide ohne Karte. Was danach begann war Chaos pur – für uns beide!

Auf dem Weg zum Rifugio alla Barricata

Endlich alleine unterwegs. Frohen Mutes kurbelte ich über den vermeintlichen Weg. Nach einer Stunde gelangte ich allerdings wieder an den letzten Zwischenstopp. Vielleicht vertan? Also fuhr ich nochmal in die Berge rein. Nach einer weiteren Stunde war ich wieder am besagten Zwischenstopp. Guter Rat war teuer, keine Karte griffbereit und keine Menschenseele weit und breit zu sehen. Als es Anfing zu dämmern und Nebel aufzog, von Markus per Handy keinerlei Reaktionen erfolgten, gab es nur noch eine Möglichkeit: Runter, nichts als runter, wohin es letztendlich auch immer gehen würde. Drei Rifugien passierte ich, die entweder geschlossen hatten oder überfüllt waren. Die Frage nach einem Nachtlager wurde meist belächelt und lapidar mit einem „immer dem Weg nach“ beantwortet. Somit landete ich irgendwie in Stoner bei Enego. Rechtzeitig bevor die Dunkelheit herein brach.

Und Markus? Er fuhr bis weit in die Dämmerung hinein, war dafür aber noch auf dem richtigen Weg. In letzter Minute kam er in einer Käserei unter. Keine Dusche, kein Essen. Es war kein Gastbetrieb, weshalb die Unterkunft nur eine Notunterkunft war. Dennoch war Markus für diese Bleibe dankbar, er hätte sonst mit seinem Schlafsack in der freien Natur übernachten müssen. Vielleicht hat es mich dann doch besser getroffen, auch wenn ich ziemlich weit weg von der Route war. Unser kurzes und sehr knappes Telefonat ergab das nächste Tagesziel, wo wir uns dann treffen sollten: Posina.

Viele der Wege, auf denen wir uns beim Alpencross bewegen, spielten im ersten Weltkrieg eine bedeutende Rolle – leider auch eine blutige! Die für uns jetzt zum Teil wunderbaren Wege waren im ersten Weltkrieg blutgetränkt. Auch der Monte Ortigara weist eine blutige Vergangenheit auf. Bei den Kämpfen um den Ortigara starben im ersten Weltkrieg etwa 55.000 Menschen. Trotz der Schönheit der Berge sollte dies nie vergessen werden!

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Special Alpencross: Etappe 7 – Pass der 5 Kreuze – Passo Cinque Croci

Fahrzeit: 6:58 Stunden
Zurückgelegte Strecke: 73 Kilometer
Zurückgelegte Höhenmeter: 2095 Meter

Welch ein wundervoller Morgen. Geweckt durch die Sonnenstrahlen, welche einem sprichwörtlich in der Nase kitzeln, glitt der erste und zugegebener Weise noch verschlafene Blick durch das geöffnete Fenster, auf die beeindruckende Bergwelt der Dolomiten. Das Frühstück konnte man zwar nicht unbedingt als ausreichend bezeichnen, allerdings war die Nacht in dieser vergleichbar teuren Region nicht nur preiswert, sondern auch erholsam und gut. Den freundlichen Service und die gute Laune des Personals am frühen Morgen gab es gratis dazu.

Nach dem Verlassen von San Martino di Castrozza

Von dem Hostel ging es, mal wieder ohne Karte an Bord, über den Wanderweg 350 zum Lago di Calaita. Danach erwartete uns Highspeed pur. Über siebzig km/h lassen die Frage aufkommen, ob manche Radler nicht vielleicht doch einen Führerschein bräuchten. Da die Straße sehr breit und dazu noch asphaltiert ist, konnte man das Bike problemlos laufen lassen. Es war fast wie Moped fahren.

Wir streifen auf unserer Tour unglaublich schöne Seen – so wie den Lago di Calaita! Der See liegt auf einer Höhe von 1600 Metern und bietet einen herrlichen Blick auf die Bergkette Pale di San Martino.

Wir passierten die Stadt Canal San Bovo und folgten im weiteren Verlauf dem Fluss Vanoi. Dabei kamen wir am Rifugio Refavaie vorbei. Den Wanderweg 316 folgend ging es stetig auf einem Forstweg bergauf.

Pferde fressen alles! Gras, Rucksäcke, Fahrräder…

Kein Alpencross ohne dem Pass der fünf Kreuze! Zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man die verschiedenen Werke zum Thema Alpencross studiert. Auch wir haben den Passo Cinque Croci in unseren Alpencross integriert. Die Höhe des Passes liegt bei 2018 Metern. Fünf kleine, an einer Stange befestigte Kreuze markieren die Passhöhe. Nur wenige Meter daneben befindet sich eine Ansammlung von Wegschildern, die dem Radfahrer und dem Wanderer den weiteren Weg weisen.

Der Uphill Spaß blieb uns bis zum Passo Cinque Croci – dem Pass der fünf Kreuze – erhalten und sorgte dafür, dass die Beine kräftig brannten. Da der Forstweg gut fahrbar ist, kann man sich ohne Probleme über die Baumgrenze schrauben. Doch es sollte noch etwas höher gehen. Es war ein steiniger und harter Weg zugleich, den uns der Wanderweg 326 bescherte. Hier war wieder Schieben angesagt.

Passo Cinque Croci – Pass der fünf Kreuze

Auch auf der Abfahrt zum Malga Sorgazza ist diese alte Militärstraße zum Teil nahezu unfahrbar. Leicht gefrustet wurde das Bike mal geschoben, mal getragen. Danach folgte auf der Straße wieder der absolute Highspeed Abfahrtsthrill. Durch wunderschöne kleine Orte gelangten wir nach Castello Tesino, nicht weniger entzückend und reizend als die vorher passierten Orte.

Wir kommen dem Gardasee immer näher, dies ist nicht zu übersehen. Nicht nur das Klima und die Häuser verbreiten allmählich den Flair des Gardasees, sondern auch die Preise für Übernachtungen. Doch hatten wir wieder das Glück des Tüchtigen. Das Albergo Alpina bietet erstklassige Übernachtungsmöglichkeiten und ein perfektes Frühstück zu humanen Preisen. Wir können die italienische Gastfreundschaft, die wir während unserer Alpenüberquerung genossen haben, nicht genug loben. Das Hotel hatte an diesem Tag Ruhetag und wurde extra für uns geöffnet. Mille grazie!

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Special Alpencross: Etappe 6 – Passo di Valles und Passo Rolle

Fahrzeit: 6:01 Stunden
Zurückgelegte Strecke: 67 Kilometer
Zurückgelegte Höhenmeter: 2440 Meter

Der Morgen des sechsten Tages begann wieder mit herrlichem Sonnenschein. Die Befürchtung, die Schmerzen des Sturzes würden am nächsten Morgen stärker sein, bestätigte sich zum Glück nicht. Schmerzen wären an diesem Tage aber auch das letzte gewesen, was man hätte gebrauchen können. Vor uns lag die Überquerung von zwei Pässen, ein Garant für vergnügliches bergauf kurbeln. Von Masare starteten wir auf der recht stark von Autos befahrenen Strada 203 nach Cencenighe Agordino. Natürlich sollte auch diesmal nicht alles nach Plan ablaufen!

Da uns leider mal wieder eine Karte fehlte, genauer gesagt die Kompass Karte 76, begann schon recht früh an diesem Tage eine kleine Irrfahrt. Sicherlich ein Umweg mit einem gewissen Charme. Um den Tunnel zu umgehen, schlug es uns in die Berge nach San Tomaso. Dieser kleine Ausflug sorgte an diesem sechsten Tage für die Extraportion Höhenmeter und Kilometer. Zu Beginn dieses kleinen Abstechers sahen wir in die Röhren des Tunnels, dessen Durchfahrt wir unbedingt vermeiden wollten. Was uns auch definitiv gelang. Nach einigen Höhenmetern und abgerissenen Kilometern kamen wir wieder auf die durch den Tunnel führende Straße zurück – diesmal knapp hinter dem Tunnel. Da wir für die Umfahrung zu viel Zeit geopfert hatten, mussten wir uns jetzt mächtig sputen.

Die Auffahrt zum Passo di Valles erfolgte über eine breite asphaltierte Passstraße, welche von Motorradfahrern aufgrund der genialen Straßenführung ziemlich geliebt wird. Bis auf über 2000 Meter ü. NN schraubt man sich hier gen Himmel.
Einige entgegenkommende Motorradfahrer honorierten dies durch einen Gruß. Wann wird man als Radfahrer schon mal von einem Motorradfahrer gegrüßt?! Im Rifugio auf dem Pass gab es die Belohnung für diese Schufterei: Genialste Spaghetti und einen herrlichen Latte Macchiato.

Am Passo di Rolle

Der Passo di Valles befindet sich, ebenso wie der Passo di Rolle, auf dem Gebiet des 1967 gegründeten Naturparks Paneveggio.

Viel Zeit zum Entspannen bleib leider nicht. Ein weiterer anstrengender Pass stand uns noch bevor: Der Passo di Rolle. Das erste Teilstück vom Passo di Valles in Richtung Passo Rolle erfolgte bergab auf der Passstraße bis zum Einstieg im Val Venegia. Der breite Schotterweg begleitete uns bis zum Passo Rolle. Dieser führte uns bis auf 2170 Meter über NN bei Baita Segantini und bei etwa 2000 Meter über NN über den Passo Rolle. Ein Weg der auch für Menschen mit Höhenangst möglich und machbar ist – zumindest hatte ich keine Probleme. Wenig technisch, aber gut zu kurbeln, bereitete der Aufstieg keinerlei Probleme.

Das Tagesziel San Martino di Castrozza erreichten wir durch Vernichtung von 700 Höhenmetern auf Schotterwegen sowie auf Straße. Ein Tag, der die Dolomiten von einer herrlichen Seite zeigte.

Beim Passo di Rolle handelt es sich um eine der ältesten Straßen in den Dolomiten. Der Pass ist mit seinen 1989 Metern nicht ganz so hoch wie der Passo di Valles (2032 Metern). Höher liegt dagegen die Schutzhütte Baita Segantini mit 2170 Metern. Egal von welchem Blickwinkel man in die Welt der Dolomiten eintaucht, der Anblick der schroffen Felsen ist atemberaubend.

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Special Alpencross: Etappe 5 – Croda da Lago und Monte Pelmo

Fahrzeit: 4:46 Stunden
Zurückgelegte Strecke: 32 Kilometer
Zurückgelegte Höhenmeter: 1675 Meter

Der erste Gedanke nach dem Aufwachen galt den am Abend entfernten Decken. Der Blick zu den Decken beruhigte uns. Die Decken lagen immer noch da wo wir sie abgelegt hatten. Die Nacht im Schlafsack war allerdings ungewohnt – zumindest für mich, der immer feudale Pensionen und Hotels bevorzugte. Für Markus war eine Übernachtung im Schlafsack eigentlich nichts Ungewöhnliches. Eine Übernachtung im Schlafsack in einem Gästezimmer war allerdings auch für ihn eine Premiere. Zumindest hatten wir die Schlafsäcke offensichtlich nicht umsonst mitgeschleppt.

Nach dem vorherigen „Ruhetag“ mit etwas über 80 Kilometern und 1000 Höhenmetern sollte uns am fünften Tag direkt zu Beginn ein Uphill Leckerbissen erwarten. Der fünfte Tag war gleichzeitig der Einstieg zu der 2002er Tour der faszination-alpen.de. Knapp 1200 Höhenmeter am Stück galten direkt am Anfang zu vernichten. Nach etwa 1000 Höhenmeter, die erst auf Asphalt beginnen und im späteren Verlauf auf immer loseres Geröll übergehen, besteht allerdings die Möglichkeit, im Rifugio Croda da Lago eine Stärkung zu sich nehmen. Was wir auch taten! Urlaub ist Urlaub! So genossen wir bei schönstem Sonnenschein und herrlichen Temperaturen mit einem herrlichem Blick auf den Federa-See und die umliegenden Berge sehr leckere Spaghetti. Nach der Stärkung verließen wir ab dem Rifugio Croda da Lago die bis dahin gefahrene Wanderroute 432, um auf den Wanderweg 434 zu wechseln, der sich am Croda da Lago bis zum Becco di Mezzodi empor streckt. Mit dem Wanderweg 434 erwartete uns ein technischer, aber sehr feiner Uphill über einen schmalen und steinigen Singletrail.

Am Croda da Lago

Der Federa-See, sprich der Lago Federa, ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Der auf 2038 Meter gelegene See dient auch vielen Wanderern als Etappenpunkt für die Besteigung des Croda da Lago und des Becco die Mezzodi. In diesem Bereich ist deshalb vermehrt mit Wanderern zu rechnen.

Der weitere Verlauf der Tour erfolgt abwärts über die Wanderroute 458 und 467 bis zum Rifugio Citta di Fiume mit schönen, zum Teil technischen Singletrailabfahrten. Der bis dahin perfekte Tag sollte dennoch einen negativen Beigeschmack bekommen. Im Gegensatz zur vorgegebenen Tour der www.faszination-alpen.de wählten wir ab dem Rifugio Citta di Fiume die Wanderroute 472. Ein Fehler wie sich herausstellen sollte. Die Wanderroute 472 ist für Biker definitiv nicht zu empfehlen, es sei denn, man schiebt sein Bike gerne.

Die Schiebepassagen bedeuteten mehr Frust als Lust. Genervt setzte ich einen Fuß vor den anderen. Natürlich ereilt einen in solchen Situationen auch noch Murphys Law. Das geniale Wetter wandelt sich – leider mal wieder – in Regen. Natürlich! Gefrustet durch die Schieberei, laut fluchend und dadurch nicht mehr mit der nötigen Aufmerksamkeit unterwegs, ging ich dann auch noch in einer endlich fahrbaren Abfahrt über den Lenker. Hier machte sich direkt der nächste Frust breit: Markus war voraus gefahren und ich lag kopfüber unter dem Fahrrad wenige Meter abseits des Weges. Von Markus keine Spur. Ich krabbelte wieder auf den Weg und fuhr bis zur nächsten Abzweigung, wo mich Markus erwartete.

Der Sturz blieb bis auf eine Prellung an den Rippen und einigen Löchern in der Regenkombi ohne Folgen. Nicht auszudenken, wenn hier unser Alpencross, aufgrund einer Verletzung, hätte beendet werden müssen. So konnte es nach einer Verschnaufpause und nachlassendem Adrenalinspiegel wieder weiter gehen.

Zwischen dem 2158 Meter hohen Crot und dem 3168 Meter hohen Monte Pelmo befindet sich der Gebirgspass Forcella Staulanza. Hier findet sich auch eine Raststätte und ein Parkplatz. Der Monte Pelmo gehört mit seinen 3168 Metern zu den höchsten Gipfeln der Dolomiten. Die Erstbesteigung des Monte Pelmo geschah übrigens erst im Jahre 1857 durch den Iren Sir John Ball.

Ab Forcella Staulanza erwartet einen dann auf der ausgewiesenen MTB-Strecke sehr viel Downhillspaß. Die sehr technisch mit vielen Steinen, Wurzeln und Kehren durchsetzte Abfahrt lässt so manchen Bikepark vor Neid erblassen. Mein vorangegangener Sturz veranlasste uns das Tagesziel vorzuziehen und schon in Alleghe zu nächtigen. In Alleghe gestaltete sich die Suche nach einem preiswerten Zimmer ebenso zeitintensiv wie in Cortina d’Ampezzo. Wer suchet, der findet aber auch hier. Fündig wurden wir in Masare, einem kleinen Nachbarörtchen.

Die Betten und die Bettdecken waren diesmal hervorragend, warmes Wasser zum Duschen ist ja nicht unbedingt zwingend notwendig. Ich duschte mit kaltem Wasser, während Markus diesmal auf die Dusche verzichtete – wer konnte es ihm verdenken?!

Die kleine Gemeinde Alleghe liegt direkt am Lago d’Alleghe. Der See entstand im Jahre 1771 durch einen Erdrutsch. Dabei wurden die Ortschaften Fusine, Riete und Marin begraben und die Ortschaften Costa, Peron, Sommariva und Torre durch das aufstauende Wasser überflutet. Aus der damaligen Katastrophe entstand ein traumhafter See. Doch nicht nur Mountainbiker, Skifahrer und Wanderer haben Alleghe für sich entdeckt – durch die traumhafte Lage in den Dolomiten gastiert hier auch regelmäßig die Giro d’Italia.

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Special Alpencross: Etappe 4 – Durch das Pustertal und die Dolomiten

Fahrzeit: 4:40 Stunden
Zurückgelegte Strecke: 83 Kilometer
Zurückgelegte Höhenmeter: 1050 Meter

Das erste Mal bei unserem Alpencross machten sich nach der Nachtruhe die Beine bemerkbar. Es war aber nicht der Uphill der Tribut forderte, sondern die endlos erscheinende Überquerung des Felber Tauern im Schnee zu Fuß. Der Oberkörper schmerzte und der rechte Oberschenkel quittierte die vorangegangen Tragepassagen des dritten Tages mit einer Unzahl blauer Flecken. Der Griff zu den zum Trocknen aufgehängten Klamotten und Schuhe ließ die Laune auch nicht unbedingt besser werden.

Die Schuhe waren trotz allerlei Tricks immer noch nass. Widerwillig wurden die nassen Schuhe übergestreift. Das Wetter zeigte sich dagegen beim Start von seiner besten Seite. Mit dem vierten Tage verließen wir die beschriebene Tour von Achim Zahn um Anschluss an die Tour der www.faszination-alpen.de zu finden. Die Tour des vierten Tages glich einer Transrapid-Strecke. Eine schnelle, direkte und einfache Verbindung von Lienz nach Cortina d’Ampezzo stand uns bevor. Wir überschritten wieder eine Landesgrenze, diesmal von Österreich nach Italien. Da der Kraftakt des dritten Tages seinen Tribut forderte, waren wir mit dem unspektakulären Verlauf der Strecke nicht unbedingt unglücklich. Die Tour führte uns auf dem Pustertal-Radweg, später dem Drau-Radweg, durch das Pustertal an der Drau entlang. Bei dem Radweg handelt es sich um einen breiten asphaltierten und gut zu pedalierenden Weg, der uns bis nach Italien führt. Der Radweg gleicht geradezu einer Autobahn, was durch den enormen Fahrradbetrieb unterstrichen wurde. Der Übergang von Österreich nach Italien gestaltete sich wettertechnisch mal wieder von seiner gewohnten Seite.

Ein altes und leer stehendes Ospitale kurz vor Cortina d’Ampezzo

Bereits vor San Candido (Innichen) war wieder Regenkleidung angesagt. Schade eigentlich, da die Schuhe gerade trocken waren. Über einen breiten Radweg gelangten wir nach Dobbiaco (Toblach). Von nun an führte uns ein kiesiger Forstweg, ein ausgewiesener Radweg, durch die Pragser Dolomiten auf der einen Seite und die Sextener Dolomiten auf der anderen Seite. Das beeindruckende Landschaftsbild lässt uns schnell den Regen vergessen. Vielleicht gewöhnt man sich aber auch einfach nur an diese Wetterverhältnisse.

Die Dolomiten sind eine Gebirgskette, welche sich ausschließlich auf italienischem Gebiet (Venetien und Trentino-Südtirol) befindet. Den höchsten Berg bildet die Marmolata mit einer stattlichen Höhe von 3342 Metern. Unter den wichtigsten Bergmassiven der Dolomiten zählen unter anderem auch die Pragser Dolomiten und die Sextener Dolomiten, die wir in unsere Tour integriert haben. Die Sextener Dolomiten sind die nordöstlichste Gebirgsgruppe der Dolomiten.

Unser Weg führte im weiteren Verlauf durch das Höhlensteintal und das Val di Landro mit einem beeindruckendem Blick auf die Höhenzüge der Dolomiten. Besonders beeindruckend sind die letzten Kilometer nach Cortina d’Ampezzo auf dem Bahnweg mit seinen Überquerungen der Schluchten und die Fahrten durch die Tunnel der ehemaligen Gleisanlagen. Die Suche nach einer preiswerten Übernachtungsmöglichkeit gestaltete sich zeitintensiver als zunächst vermutet.

Nach einiger Zeit fanden wir eine preisgünstige Pension. Die uns von der älteren Dame des Hauses bereitgestellten Decken entfernten wir vorsichtig von den Betten. Wir zogen es vor im Schlafsack zu übernachten, da die Decken ein Eigenleben zu führen schienen. Ein kurzer Blick zu den Decken, vor dem verdienten Schlaf, beruhigte: Die Decken hatten sich noch nicht fortbewegt.

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Special Alpencross: Etappe 3 – Im Schneesturm über den Felber Tauern nach Lienz

Fahrzeit: 7:20 Stunden
Zurückgelegte Strecke: 66 Kilometer
Zurückgelegte Höhenmeter: 1890 Meter

Alleine der Anblick der Hohen Tauern ließ mich schon fast vor Ehrfurcht erstarren. Nicht die Höhenmeter die vor uns lagen waren für mich besorgniserregend. Vielmehr war es jenes ungute Gefühl der Hilflosigkeit. Schlagartig wurde ich mir wieder meiner nicht vorhandenen Schwindelfreiheit bewusst. Auch wenn wir nicht wussten was uns genau erwarten würde, dieses ungute Gefühl war dennoch bereits vorhanden. Doch es nutzte alles nichts, wir mussten rüber!

Da geht’s lang! Wenn wir gewusst hätten…

Der Hauptkamm der Hohen Tauern ist etwa 120 Kilometer lang. Die höchste Stelle liegt mit dem Großglockner bei 3798 Metern. Hier befinden sich die höchsten Berge Österreichs – zusammen mit den Ötztaler Alpen (Wildspitze 3768 Meter). Kein Pass wurde in der Römerzeit in den Hohen Tauern mehr genutzt als der Felber Tauern. Der Gebirgspass liegt bei 2481 Meter. Niemals sollte man in diesen Höhen das Wetter unterschätzen! Weniger spektakulär ist die Fahrt mit dem Auto. Seit Mitte der sechziger Jahre sorgt der etwas über fünf Kilometer lange Felbertauerntunnel für die Verbindung zwischen Salzburg und Osttirol. Für uns als Mountainbiker im Rahmen des Alpencrosses natürlich keine Option!

Übernachtung im Tauernhaus Spital – Uriger geht es nicht!

Der Start von dem „Tauernhaus Spital“ auf dem asphaltierten Weg am Hintersee vorbei verlief genial. Uns begleitete bestes Wetter, die Sonne lachte und so gestaltete sich der knapp 1100 Höhenmeter umfassende Uphill zum Breitling als wahres Vergnügen.

Kurz bevor es richtig ungemütlich werden sollte
Obwohl es von den Temperaturen nicht besonders heiß war und von uns eher als angenehm empfunden wurde, strotzte die Sonne vor unglaublicher Kraft. Trotz Sonnenmilch verbrannte ich mir die Oberschenkel. Ein dickeres Auftragen der Sonnenmilch wäre sicherlich sinnvoll gewesen oder man hätte zumindest den Lichtschutzfaktor höher ansetzen müssen. Unglaublich, und das mir als Sonnenanbeter! Der asphaltierte Untergrund ging im späteren Verlauf in einen steinigen Forstweg über, um dann letztendlich zu einem Wiesenweg zu werden. Die Strapazen wurden mit einem phantastischen Blick auf den unten liegenden Hintersee und die gegenüberliegenden, mit Schneefetzen bedeckten Felsmassive belohnt. Unablässig schossen die Wassermassen mit einem unglaublichen Getöse ins Tal. Die Berge leben ihr eigenes imposantes Leben! Als der Höhenmesser 1800 Meter ü NN. anzeigte, musste die Windjacke übergestreift werden. Nicht das letzte Kleidungsstück an diesem Tage. Es wurde zusehends frischer. Wir erreichten die vom Gastwirt beschriebene Mauer und folgten aufgrund des heftigen Windes dessen Rat, etwa 50 Meter höher den Übergang zum Wanderweg zu finden. Ab jetzt folgte das, was ich immer zu vermeiden versuchte. Schieben, schieben und nichts als schieben. Zur Abwechslung durfte das Bike aber auch mal getragen werden. Die Tour wurde langsam zur Tortur. Immer mehr Schneefelder taten sich auf und das Wetter wurde immer bedrohlicher.

Die „Fahrt“ zum Felber Tauern

Eine dunkle Wolkenfront stand direkt vor uns. „Auch das noch! Bloß jetzt nicht in ein Unwetter geraten“ schoss es mir durch den Kopf. Nervosität tat sich auf. Es folgten vermehrt Schiebepassagen durch Schneefelder, an Hängen, deren Ende man nicht abschätzen konnte. Vielleicht sogar zu meinem Glück. Wer weiß, ob nicht der Blick in einen Abgrund zur Umkehr gezwungen hätte. Es wurde bitterkalt. Die Temperatur schien ins Bodenlose zu fallen. Als dann auch noch Schneesturm aufkam, musste mal wieder die Regenkombi herhalten. Zeit und Lust für Fotos blieb nicht mehr. Wir mussten weiter!
Nicht auszudenken hier mit falscher Bekleidung unterwegs zu sein. Der Weg zur St. Pöltner Hütte wurde für mich zum persönlichen Alptraum. Menschen mit Höhenangst stoßen hier definitiv an ihre Grenzen. Dazu wurde die Sicht immer schlechter und die Eiskörner des Schneeregens pickten ins Gesicht. Spätestens jetzt stellte sich mir die Frage, was das noch mit Mountainbiken zu tun hat! Endlos erscheinende Stunden des Schiebens und Tragens der Bikes durch den Schnee vergingen. Irgendwann erreichten wir die St. Pöltner Hütte, die aufgrund des Schneesturms kaum noch zu erkennen war. Jetzt konnte ich nachempfinden, weshalb Menschen, die in die Alpen stiegen, nicht mehr zurückgekehrt sind. Wie unwirtlich und unmenschlich die Berge sein können! Ich hätte nie daran geglaubt, dass ich so brutal an meine eigenen Grenzen stoßen werde – so etwas kannte ich bis dahin nicht: Momente, in denen ich dachte, ich würde das nicht überstehen.

Kurz bevor es richtig ungemütlich werden sollte

Die vor uns liegende Abfahrt sollte sich anfänglich auch als nicht besonders angenehm herausstellen. Durch die widrigen Umstände war ein Fahren nur teilweise möglich, meist wurde geschoben, getragen oder gerollt. Zeitweise verloren wir die Orientierung, durchquerten zu Fuß mit dem geschulterten Bike einen eiskalten Bach um wenige hundert Meter später festzustellen, dass man sich genau diese Aktion dank einer Brücke hätte ersparen können. Wir waren wieder auf dem richtigen Weg. Mit fallenden Höhenmetern ließ der Sturm immer mehr nach und die Temperatur kletterte wieder in angenehmere Bereiche. Der Tauernbach blieb vorerst unser Begleiter. Irgendwann erreichten wir endlich den Tauerntalweg, einen breiten Forstweg. Am Tauernbach entlang ging es im Regen nach Matrei. Der weitere Verlauf erfolgte ohne nennenswerte Höhepunkte bei anhaltendem Regen an der Isel entlang bis nach Lienz. Die Anspannung und die Strapazen der Überquerung des Felber Tauern stand uns am Abend im Gesicht geschrieben. Genug Höhepunkte für einen Tag! Wir waren einfach nur froh diesen Tag überstanden zu haben!

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