Point Alien Pedalen auf den Zahn gefühlt – Test

Mit dem Headliner „Gutes muss nicht teuer sein“ trifft Point den Nerv vieler Biker. Viele preisgünstige Parts werben um die Gunst der Käufer. Die umfangreiche Palette deckt den größten Teil der Bedürfnisse eines Bikers ab. Unter dem Label „Point Racing“ wird dem Trend zu einer extremeren Gangart beim Mountainbiken Rechnung getragen. „High End for Low Budget“ soll jedem Biker, der sich der extremeren Fahrweise oder zumindest derer Komponenten verschrieben hat, auch die extremeren Parts ermöglichen. Doch was taugen die Komponenten für den Hardcorebereich, die oft billiger sind als die Produkte für Otto Normalverbraucher der mächtigen Bikekonzerne? Anhand zwei verschiedener Modelle fühlen wir Point regelrecht auf den „Zahn“…

Point Alien 2 (LU 953)

Die Point Alien 2 sind ein typischer Vertreter der sogenannten Bärentatzen. Ein um die Achse gezogener Ring mit scharfkantigen Zähnen verleiht nicht nur einen enormen Grip auf den Pedalen, er ziert auch mit seinem Abdruck so manches Schien- und Wadenbein. Die Alien 2 überzeugen durch bombastischen Grip. Egal bei welchem Wetter und welcher Bodenbeschaffenheit, auf den Point Alien 2 steht man wie festgewachsen. Ein Abrutschen von den Pedalen ist fast unmöglich. Sollte dies dennoch einmal geschehen, versteht man die Bedeutung des Wortes Bärentatze. Gleich einem Hieb eines Bären schlägt die Alien 2 eine tiefe Wunde in das ungeschützte Bein. Wer in diesem Moment einen Schienbeinschutz trägt, darf sich glücklich schätzen.

Nicht ganz so wie der Grip auf den Pedalen überzeugt uns die Stabilität der Pedale. Bereits nach kurzer Zeit verbog der zur Kurbel zeigende offene Ring des Außenkreises. Die in Fahrtrichtung zeigenden Zähnen verbogen bei Bodenkontakt. Aber selbst bei verbogenen Zähnen und Käfig überzeugen die Point Alien 2 immer noch durch Grip. Nachteil sind die starren Zähne, welche nicht ausgewechselt werden können. Sind diese abgenutzt und umgebogen, hilft nur noch der Griff zu Feile und Zange. Die Konuslager, welche nach einiger Zeit den Käfig „klackern“ lassen, können nicht mit den in anderen Pedalen verbauten Industrielagern mithalten. Der Preis von 25 Euro ist allerdings ein Hammer und läßt über diese Schwächen etwas hinwegsehen.

Preis: 25 Euro
Gewicht: etwa 540 Gramm

Fazit: Bissig, aber mit Schwächen, dafür ein Hammer beim Preis- /Leistungsverhältnis

Point Alien 1 (B57)

Die Point Alien 1 sind ein Bilderbuchvertreter der Plattformpedalen. Groß dimensionierte auswechselbare Pins und eine große Standfläche sorgen für perfekten Grip und Halt auf den Alien 1. Selbst bei Nässe kann der Grip der Pedale überzeugen. Der Einsatz von Industrie- und Gleitlagern ist für Pedalen in dieser Preisklasse üblich. Die Pedalen „laufen“ gut und selbst nach vielen harten Einsätzen konnten wir kein Gerappel des Pedalkäfigs feststellen.

Die Pins der 560 Gramm schweren Pedalen sollte allerdings öfters auf festen Sitz kontrolliert werden, da diese sich sonst schon mal verabschieden. Wer dennoch den einen oder anderen Pin verlieren sollte, kann diese auch bei Point separat nachbestellen. Der Preis von 79 Euro ist im Vergleich zu den Alien 2 recht hoch, aber gerechtfertigt. Mit der Alien 1 hat man definitiv die bessere Pedale, auch wenn der Grip der Bärentatze extremer ist.

Preis: 79 Euro
Gewicht: etwa 560 Gramm

Fazit: Plattformpedale nach Maß. Guter Grip, stabil, laufen gut, und im Falle eines Falles lassen sich die Pins auswechseln.

Mehr Infos unter www.pointbike.de

Norco Fluid 1.0 im Test – Die kanadische Umsetzung eines Freeriders

Der Schweiß rinnt von der Stirn. Langsam, aber unaufhaltsam, kurbelt sich der Fahrer des strahlend blauen Gefährts den La Grande Montagne. Ein blau, welches perfekt zum strahlend blauen südfranzösischen Himmel paßt. Jenseits der Straße sprießen aus der kargen Felslandschaft Gebüsche und Bäume hervor. Noch immer kurbelt sich der Biker diesen herrlichen Berg hoch, überglücklich solch eine Landschaft bei schönstem Wetter genießen zu dürfen. Der Blick gleitet nach links über das unter ihm liegende Tal hinweg und läßt in greifbarer Nähe den Grand Luberon erkennen. Bereits jetzt hat das blaue Gefährt, ein Norco Fluid 1.0, bewiesen, wie perfekt die Kanadier die Kriterien an einen Freerider in die Praxis umgesetzt haben.

Das Team der FRAKTUR auf dem Weg zum letzten großen Test des Norco Fluid. Die über den Rucksack gestülpte Protektorenjacke und der Fullfacehelm lassen erahnen, welch schwere Disziplin das Norco an diesem Tage zu bewältigen hat. Abgesehen von den Tests in heimischen Gefilden, absolvierte das Norco Fluid alleine in den letzten drei Tagen Aufenthalt in Südfrankreich über 5000 Höhenmeter. 5000 Höhenmeter harter Uphill, sowohl über Straße als auch über höchst technisch Trails mit Wurzeln und Steinen. Das Norco ist trotz des relativ hohen Gewichts von etwa 15,8 Kilogramm erstaunlich flink beim Uphill, benötigt aber auch schon mal, bei sehr technischen Passagen, harten Körpereinsatz. Die Fahrten bergab sind ein Genuß. Unbeirrt gleitet das extrem wendige Norco über Kanten und Wurzeln. Sprungeinlagen nimmt das Fluid gelassen entgegen.

Der Hinterbau, der von Specialized entwickelte und patentierte Horstlink, arbeitet perfekt. Anders kann man es nicht sagen. Der Viergelenker spricht sensibel auf alle Unebenheiten an. Die Verwendung von Industrielagern zahlt sich nicht nur beim Ansprechverhalten des Viergelenkers aus, sondern auch in Bezug auf Langlebigkeit. Der Luftdämpfer, ein Float RP3 von Fox, steckt auch heftige Schläge weg und erwies sich im Test als überrraschend hart im Nehmen. Die etwa 141mm Federweg, oder bei Bedarf einstellbaren etwa 115mm Federweg, erwiesen sich für den Freerider meist als ausreichend.

Das Konzept des Fluid erweist sich als sehr ausgeklügelt. Der Hinterbau nimmt Reifen von einer Breite bis zu 2.3 ohne Probleme auf. Probleme gibt es nur, wenn sich der Reifen bei Schlammfahrten enorm zusetzt. Wer meint, durch das Schleifen von Steinen in solch einem Fall dem Rahmen Schaden zuzufügen, wird eines besseren belehrt. Klever haben die Kanadier ein Extrablech im unteren Bereich der Schwinge für solche Fälle aufgebracht. Ein kleiner Nachteil des Norco ist das konstruktionsbedingt superkurze Sitzrohr. Aber auch hier dachten die Kanadier weiter. Eine Teleskopsattelstütze läßt den Biker die Sattelhöhe an den jeweiligen Trail anpassen. Nur bei Tragepassagen muß der Besitzer des Norco passen. Ein Schultern des Bikes ist nicht möglich. Aber wer mag schon sein Bike tragen?!

Vor dem Einsatz in Südfrankreich mußte das Bike bereits sein Können auf heimischen Trails beweisen. Die erste positive Überraschung war das gute Handling beim Jumpen. Der Fahrer eines Fluid ist sicherlich nicht in der Kategorie Dirtjumper einzuordnen, es geht ihm viel mehr um die gute Kontrolle bei Sprüngen auf Trails. Das Fluid läßt sich hervorragend in der Luft manovrieren und in die Landung dirigieren. Das Fluid liebt Singletrails, sei es bergauf oder bergab. Wer hohe Kanten oder mächtige Gaps springen möchte, sollte sich aber nicht für ein Fluid entscheiden. Der Luftdämper und der Federweg lassen Bigairs nicht zu. Norco gibt an, daß 90% aller Trails mit dem Fluid machbar oder fahrbar sind. Wir können dies nach dem Test bestätigen. Bigairs und phatte Dirts zählen definitiv zu den anderen 10%.

Der stolze Besitzer eines Fluid kann sich an einem hervorragend funktionierenden Freerider erfreuen, der recht hart im Nehmen ist. Der harte Test in Südfrankreich untermauert nochmal dieses Fazit. Das gut durchdachte Konzept des Norco zeigt sich auch in der Wahl der verwendeten Anbauteile. Die Hayes HFX-9 Bremse konnte auch bei Dauerbelastung überzeugen. Ein knackiger dauerhafter Druckpunkt sprechen für diese perfekt funktionierende Bremse. Die Manitou Nixon, ebenfalls in einer strahlend blauen Lackierung, paßt sich hervorragend in das Gesamtgefüge des Fluid ein.

Auch hier erwiesen sich die 145 mm Federweg meist als ausreichend, auch wenn das eine oder andere mal die Gabel bis zum Anschlag eintauchte. Die Verstellmöglichkeiten der Nixon sind immens, nur eine Lockout-Funktion fehlt. So läßt sich der Federweg unkompliziert per Drehschalter von 115 bis 145 mm einstellen. Genauso hervorragend ist der für den Hinterbau verantwortliche Luftdämpfer mit Propedal-Hebel. Dieser bewirkt bei Wunsch eine Versteifung des Hinterbaus beim Uphill, und ein sanfteres Ansprechen beim Downhill. Auch bei den Felgen wurde nicht gespart. Nicht weniger als die CrossLand von Mavic finden an dem Fluid Verwendung.

Einziges Makel sind unserer Meinung nach die Hutchinson Scorpion Reifen. Diese rollen zwar relativ gut und lassen das Fluid beim Uphill gut klettern, enttäuschen aber durch fehlenden Grip. Besonders auf nassen Wurzeln und Steinen können diese Reifen dem guten Fahrwerk des Fluid nicht gerecht werden. Ansonsten ist Sicherheit ist für die Kanadier ein wichtiger Faktor. So spendierten die Kanadier den Mavic CrossLand, die in Verbindung mit dem Hutchinson Scorpion tubeless, also schlauchlos gefahren werden können, dennoch zusätzlich einen Schlauch. Sicher ist sicher!

Auch bei der Wahl der Schaltung gehen die Kanadier ihren eigenen Weg. Als Schalthebel dienen an dem Norco Fluid die Sram X-9 Trigger. Diese sind einzig mit dem Daumen zu bedienen und konnten absolut überzeugen. Das für die hintere Schaltung verantwortliche Sram X-9 Schaltwerk erfreut durch präzise Gangwechsel. Der Gang sitzt, egal bei welchem Wetter. Doch ganz haben sich die Kanadier nicht dem japanischen Großkonzern entzogen. Zumindest der Umwerfer ist noch von Shimano. Einige der Anbauteile stammen von Truvativ, wie zum Beispiel die Kurbeln, der Vorbau und der Lenker. Ebenfalls eine gute Wahl der Kanadier. Dies zeichnet sich auch bei der Verwendung von schraubbaren Lenkergriffen aus.

Das Team der FRAKTUR war von dem Fluid so angetan, daß wir es diesem letzten und extrem harten Test unterwarfen. Eine Abfahrt, die selbst einem schweren Downhillboliden einiges abverlangt. Ein extrem technischer, mit losem Geröll und dicken Steinen durchsetzter Trail. Im unteren Verlauf wird diese Abfahrt zunehmend schneller und verlangt ein ausgewogenes Fahrwerk. Eine Abfahrt, die das Fluid an den Rand des Machbaren brachte. Der relativ steile Lenkwinkel von 69 Grad forderte seinen Tribut. Die losen dicken Brocken dieses Downhills brachten Unruhe und Nervosität in das bis dahin absolut überzeugende Fahrwerk des Fluid. Aber auch diese Abfahrt zählt mit Sicherheit zu den übrigen 10%. Nicht nur eine Höchstanforderung an den Biker und das Fahrwerk. Auch die Lackierung mußte zeigen, welche Nehmerqualität in ihr steckt. Die wild umherfliegenden Steine ließen nicht nur einmal ein lautes „Plöng“ erklingen, wenn diese auf den Rahmen aufschlugen. Die Lackierung sieht nicht nur gut aus, sie ist es auch.

Fazit:
So macht Freeride Spaß! Gut und leichtfüßig bergauf, schnell und sicher bergab. Extrem wendig und handlich läßt sich das Norco flink über die Trails bewegen. Die gute Verarbeitung und die gut gewählten Komponenten gibt es natürlich nicht zum Nulltarif. Das Norco Fluid scheint uns besonders für die Biker interessant, die ihr Leben nicht im Sessellift fristen oder ihre Körner für die Suche nach einem Shuttleservice verbrauchen wollen, „nur“ um den Abfahrtsspaß zu genießen. Für das Team der FRAKTUR die perfekte Umsetzung eines Freeriders ohne spezielle Vorlieben.

Farbe: Candy Blue
Preis: 2990,00 Euro
Gewicht: etwa 15,8 kg
Größen: S, M, L

Vertrieb: Fritz Wittich GmbH, Hallenstrasse 10-14, 33609 Bielefeld

Mehr Infos unter www.norco-bikes.de

Red Bull Scandium Four-500 Test – Rendez-vous in den Alpen

Es gibt sicherlich viele Gründe nach Riva del Garda zu reisen. Sei es zum puren DH-Spaß, sich beim Crosscountry zu verausgaben oder einfach nur um den Anblick des Lago di Garda zu genießen. Der Blick von Riva über den Gardasee hinweg ist schon etwas besonderes. So läßt man abends, bei einem Vino Rosso den Blick gen Monte Altissimo gerichtet, gerne den erlebten Tag vor dem geistigen Auge Revue passieren. Diesen unvergeßlichen Augenblick genießen zu dürfen, bedarf es natürlich der Anfahrt an den Gardasee, die meist mit dem Auto aus unseren Breitengraden erfolgt. Zumindest meistens. Es geht aber auch anders.

Ein besonderes Highlight ist sicherlich die Anfahrt mit dem Mountainbike über die Alpen. Eine Herausforderung für Mensch und Material gleichermaßen. Der Rose Versand aus Bocholt vergibt für das Red Bull Scandium Four-500 volle Punktzahl bei der Einstufung des Einsatzgebietes Crosscountry/Alpencross. Eine selbstbewußte Einstufung, die unser Interesse weckte. Kann das Scandium Four-500 den Strapazen eines AlpenX tatsächlich standhalten? Das Team der mtb-extreme wollte wissen, ob diese Einstufung zu Recht erfolgt ist und bat das Red Bull um ein Rendez-vous mit einem gemeinsamen Ziel: Riva del Garda.

Bereits in der heißen Vorbereitungsphase zum Härtetest über die Alpen überzeugte das Scandium Four-500 durch einen erstklassigen Vortrieb. Das straffe, aber perfekt ansprechende Fahrwerk, wußte uns von Anfang an zu begeistern. Alleine in den Alpen mußte das Scandium über 19000 Höhenmeter zurücklegen. Selbst auf ruppigem und losem Untergrund überzeugt der Viergelenker durch Traktion und setzt die Kraft perfekt in Vorwärtsdrang um. Gerade bei technisch schwierigen Uphills schätzt man die Klettereigenschaften des verwindungssteifen Scandium.

Die Kombination des Viergelenkers mit dem verbauten Fox Float RP3 Luftdämpfer und der Federgabel Fox F80 RLT mit 80mm Federweg läßt das Scandium zu einer Einheit verschmelzen. Sowohl die Einstellmöglichkeiten an der Federgabel als auch die Einstellmöglichkeiten des Luftdämpfers sind First Class. Der Fox Float RP3 ermöglicht mit der dreifach verstellbaren Propedal-Einstellung eine blitzschnelle Anpassung des Hinterbaus an das jeweilige Gelände. Auch eine Zugstufeneinstellung ist für diesen Dämpfer selbstverständlich. Die Federgabel ist ebenfalls einen Zungenschnalzer wert.

Die Möglichkeiten zur Abstimmung der Fox F80 RLT lassen keine Wünsche offen. Das Ansprechverhalten der Fox ist erstklassig. Zusätzlich läßt sich der Hinterbau durch eine Änderung der Dämpferanlenkung, schnell und bequem per Schnellspanner und Drehknopf, von sportlich straff auf komfortabel einstellen. Natürlich erlaubt ein solch ausgezeichnetes Fahrwerk mit der damit verbundenen Fahrsicherheit enorme Geschwindigkeiten auf Abfahrten.

Nicht selten erreichten wir beim Alpencross Geschwindigkeiten über 70 km/h. Nicht selten waren auch brutale und beherzte Bremsmanöver nötig, die bei diesen Geschwindigkeiten und plötzlich auftretenden Spitzkehren erforderlich wurden. Ein Griff in die Bremshebel, und die enorme Bremsleistung der Shimano Deore XT Scheibenbremse verzögert brachial das Bike. Das gelegentlich bei Nässe auftretende Quitschen lassen wir angesichts der überragenden Bremsleistung und der perfekten Dosierbarkeit außer acht.

Die Brems-Schalthebelkombination mit dem Namen Dual Control verdient sowieso höchstes Lob. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit möchte man diesen Bestandteil der Deore XT Gruppe kaum noch missen. Mit ihren präzisen Schaltvorgängen erfreute uns die Shimano Deore XT bis zum Ende des AlpenX. Bemerkenswert ist bei heftigen Bremsmanövern und Lastwechsel das Fahrverhalten des Red Bull Scandium. Das Scandium läßt keine Unruhe und kein Flattern aufkommen. Das Four-500 fährt sprichwörtlich wie auf Schienen.

Lediglich die Bereifung mit den Continental Explorer Protection 2.1 schränkt das Fahren am Limit ein. Den guten Grip, den die Contis auf trockenem Asphalt vorweisen, vermißt man bei Nässe. Der geringe Rollwiderstand und das geringe Gewicht sprechen dennoch für den Einsatz bei einem AlpenX. Die von Rigida hergestellten Xtreme Disc XC-1 559 Felgen steckten den harten Einsatz ohne Probleme weg. Nur kleine Macken und Dellen zeugen von dem harten Einsatz. Selbst das oft zu beobachtende Lockern der Speichen an Bikes anderer Hersteller konnten wir am Scandium nicht feststellen.

Die Wahl der verbauten Komponenten am Scandium Four-500 kann man durchweg als sehr gut bezeichnen. Vom Lenker über den integrierten Steuersatz bis zur Sattelstütze finden sich Xtreme Komponeneten, die alle perfekt ihren Dienst versahen. Lediglich der Xtreme Flaschenhalter aus Carbon, ein visueller Leckerbissen, konnte bereits im Vorfeld zum AlpenX unserem hektischen Handeln nicht standhalten. Die Wahl der Pedalen bleibt dem Biker selbst überlassen, das Scandium wird ohne Pedalen ausgeliefert.

Die Liebe zum Detail steckt im verborgenenen. Dort, wo keiner hinschaut. So sind zum Beispiel im Four-500 hochwertige Continental Schläuche verbaut. Überzeugen konnte uns auch die abschließende Überprüfung der Lager des Hinterbaus. Wir konnten weder ein Lagerspiel noch trockenlaufende Lager feststellen. Die für die Schmierung der Gleitlager veranwortlichen Nuten wiesen noch hinreichend Fettreserven auf.

Fazit:

Das perfekte Fahrwerk, erstklassige Komponenten und die Zuverlässigkeit verdienen unser höchstes Lob. Mit dem Red Bull Scandium Four-500 würden wir jederzeit wieder einen AlpenX bestreiten.

Erhältliche Größen: 17, 19 und 21 Zoll
Farbe: scotch-special-design (alu-gebürstet mit Polyurethanbeschichtung)
Gewicht: etwa 12 kg (ohne Pedalen)
Preis: 2099,00 Euro

Mehr Infos unter www.roseversand.de

Fahrradflickzeug – Mehr als nur Flickwerk? Test

Jede noch so schöne Tour oder Abfahrt wird dem Biker vermiest durch den Verlust des Luftdrucks der Reifen. Nicht selten bedeutet es das Aus für diese Unternehmung. Nicht jeder Biker möchte direkt zu einem Ersatzschlauch greifen, sei es aus ökonomischen oder aus ökologischen Gründen. Der Handel überschüttet den Hilfesuchenden mit Produkten aller Art zum Flicken des in Mitleidenschaft gezogenen Schlauchs. Wir haben einige dieser Vertreter unter die Lupe genommen, um zu testen, ob es sich bei der Reparatur letztendlich nur um ein Provisorium handelt oder um eine dauerhafte Lösung.

Dabei haben wir auf die verschiedensten Vertreter von Flickzeug zurückgegriffen. Darunter befinden sich nicht nur die herkömmlichen Flickenpflaster, sondern auch selbstklebende Flicken und ein Reifenpannenspray. Um die Alltagstauglichkeit zu überprüfen, haben wir diesen Versuch nicht in einem sterilen Labor, sondern direkt bei Tour und Training durchgeführt. Also immer dann, wenn nicht uns, sondern dem Reifen wirklich die Luft ausging.

Im Test:

Selbstklebende Flicken:

  • Prophete 5101

Pannenspray:

  • Prophete 5210

Flickmatten:

  • Prophete 5106

Fahrradflickzeug Kombiboxen/Reparaturboxen:

  • Prophete 5043
  • Victoria Flickzeug
  • Victoria Flickzeug super + air
  • TIP TOP TT 05 / TIP TOP TT 05 Profi
  • TIP TOP TT 06

Selbstklebende Flicken:

Prophete 5101

Wenn es besonders schnell gehen soll, bietet der Handel unter dem Begriff „selbstklebende Flicken“, wie der Name schon besagt, selbstklebende Flicken an. Der Einsatz dieser Flicken soll dabei besonders einfach von statten gehen. Das Aufbringen geschieht völlig ohne Einsatz externer Vulkanisierlösung, die sonst ein wesentlicher Bestandteil zur Flickenmontage ist. Einfach das Loch im Schlauch lokalisieren, den selbstklebenden Flicken aufkleben und gut ist. Keine Wartezeiten, kein Geschmiere mit der Vulkanisierlösung. Prophete bietet unter der Artikelnummer 5101 solch einen Wunderflicken an. Dieser Flicken ist 5-schichtig aufgebaut und verspricht somit ein langes Flickenleben. Selbst ein Aufrauhen soll laut Anleitung nicht nötig sein. Leider bestätigte sich dies im Test nicht. Ohne ein Aufrauhen des Schlauches konnten wir keine befriedigende Verbindung des Flickens mit dem Schlauch feststellen. Nach einem Aufrauhen des Schlauches saß der Flicken aber erstaunlich fest. Im Laufe der Zeit, das bezieht sich hier auf mehrere Tage, unterwandert aber die zurückgehaltene Luft den Flicken nach und nach, bis dieser die Luft wieder freigibt. Letztendlich kann man festhalten, das die selbstklebenden Reifenflicken als Notreparatur bestens geeignet sind, wenn man den Schlauch vor der Flickenmontage ein bißchen aufrauht. Allerdings sollte der Schlauch nach dem Einsatz gewechselt, oder der Flicken entfernt werden und durch einen „normalen“ Flicken ausgetauscht werden.

Fazit: Für die schnelle und unkomplizierte Notreparatur für Unterwegs, jedoch keine dauerhafte Lösung

Inhalt: 4 Flicken
Preis: 3,49 Euro
Mehr Infos unter www.prophete.de

Pannenspray

Prophete 5210

Noch einfacher als der Einsatz von selbstklebenden Flicken versprechen Pannensprays. Hierzu muß noch nicht einmal das Laufrad ausgebaut werden oder der Mantel von der Felge gezogen werden, vorausgesetzt, die Pannenursache steckt nicht noch im Schlauch oder Mantel. Prophete bietet in seinem Sortiment ein Pannenspray dieser Art an. Hierbei muß man nur das Ventil der Dose auf das Schlauchventil setzen, egal ob es sich um ein Auto- oder französisches Ventil handelt. Die anschließend frei werdende „Flickmasse“ strömt in den Schlauch und muß nur durch das Drehen des Rades im Schlauch verteilt werden. Dabei entfällt sogar ein späteres Aufpumpen. Soweit die Theorie. Klappt auch ganz gut, wenn ein kleines Loch im Schlauch ist. Bei einem phatten Snakebite ist das Projekt zum Scheitern verurteilt, und die entstehende Sauerei bedeutet mehr Frust als alles andere. Auf jeden Fall klebt das Zeug wie Teufel. Auch dort, wo es nicht kleben soll.

Fazit: Für uns stellt Pannenspray keine Alternative dar

Inhalt: 50ml
Preis: 4,95 Euro
Mehr Infos unter www.prophete.de

Flickmatten

Prophete 5106

Eine preiswerte Möglichkeit bieten Flickmatten zum selber Schneiden. Der Vorteil liegt darin, daß neben des günstigen Preises, eine individuelle Größe der Flicken möglich ist. Nachteil ist, daß man natürlich unterwegs nicht immer eine Schere oder Messer mit sich führt, um die Flicken zu schneiden. Dementsprechend muß man Schneidzeug mit sich führen, die Flicken vor der Tour schneiden oder die Flicken für die Reparatur zu Hause verwenden. Ein weiterer Nachteil dieser Flicken besteht darin, daß die Flicken zum Rand hin nicht flacher werden. Dadurch bildet sich eine Angriffsstelle für Reibung. Auch dem Ausdehnungsdrang des Schlauches können die selfmade Flicken aufgrund ihres Aufbaus nicht ganz folgen. Die Verbindung des Flickens zum Schlauch konnte uns aber überzeugen. Nur das Lösen des Flickens von der Trägerfolie zauberte uns manchmal die Zornesfalte auf die Stirn. Das Set 5106 von Prophete beinhaltet neben den Flickmatten auch Vulkanisierlösung.

Fazit: Gute und preiswerte Alternative

Inhalt: 2 Flickgummis 80x65mm, Vulkanisierlösung 10g
Preis: 1,49 Euro
Mehr Infos unter www.prophete.de

Fahrradflickzeug Kombiboxen / Reparaturboxen

Prophete 5043

Prophete bietet unter der Artikelnummer 5043 eine Box mit Fahrradflickzeug an. Diese beinhaltet neben der Vulkanisierlösung und verschiedenen Flicken auch zwei Reifenheber aus Kunststoff. Die Qualität der Flicken als auch der Reifenheber sind sehr gut. Die aus Kunststoff bestehenden Reifenheber helfen Kratzer in der Felge zu vermeiden. Die Flicken verflachen zum Flickenrand und gehen eine hartnäckige Verbindung mit dem Schlauch ein. Das Dehnungsverhalten der Flicken konnte uns ebenfalls überzeugen. Da die Flicken in schwarz gehalten sind, sieht ein Schlauch auch nach mehreren Reparaturen nicht nach einem Flickwerk aus.

Fazit: Diese Box gefiel uns sehr gut und kann ohne Einschränkung empfohlen werden.

Inhalt: 4 Flicken in 3 Größen, Vulkanisierlösung 5g, 2 Reifenheber, u.a.
Preis: 2,79 Euro
Mehr Infos unter www.prophete.de

Victoria Flickzeug

Die Albert Kienzle GmbH & Co. KG bietet unter dem schlichten Namen „Victoria Flickzeug“ eine Box mit Flicken und Vulkanisierlösung an. Die Flicken überzeugen. Eine sehr gute Verbindung mit dem Schlauch und die Verflachung zum Flickenrand bedeuten ein langes Flickenleben. Die Flicken sind in schwarz gehalten und lassen den Schlauch auch nach der Reparatur nicht als Flickwerk erscheinen. Die Flicken lassen sich sehr gut vom Trägermaterial lösen und verhindern somit unnötige Knibbelarbeit. Auch bei den Victoria Flicken kann uns das Dehnungsverhalten überzeugen.

Fazit: Das Flickzeug von Victoria weiß zu überzeugen

Inhalt: 6 Flicken in 3 Größen, Vulkanisierlösung 5g , u.a.
Mehr Infos bei A. Kienzle GmbH & Co. KG, Industriestraße 2, 74321 Bietigheim-Bissingen

Victoria Flickzeug super + air

Passend zum kleinen Bruder „Victoria Flickzeug“ bietet die Albert Kienzle GmbH & C. KG die Reparaturbox „Victoria Flickzeug super + air“ an. Bei der großen Box handelt es sich um ein komplettes Reparaturkit für die Tour. Komplett heißt in diesem Fall wirklich komplett. Angefangen von den Flicken und der Vulkanisierlösung bis hin zu den beiden Füllpatronen. Auch hier überzeugen die Flicken und die Verbindung, welche die Flicken mit dem Schlauch eingehen. Kein Wunder, denn es handelt sich um die gleichen Flicken wie beim kleinen Bruder, allerdings in etwas anderen Maßen und Mengen. Lediglich die im großen Set beigelegten Reifenheber kosten Minuspunkte. Diese sind zwar superstabil, aber leider vermackt man sich mit den Hebern aus Metall schnell die Felge.

Fazit: Komplett, kompakt, gut

Inhalt: 7 Flicken in 3 Größen,Vulkanisierlösung 5g, 2 Füllpatronen nebst Zubehör, Ventilaufsätze, 2 Reifenheber aus Metall, u.a.
Mehr Infos bei A. Kienzle GmbH & Co. KG, Industriestraße 2, 74321 Bietigheim-Bissingen

TIP TOP TT 05 / TT 05 Profi

Die Palette der vom Unternehmensbereich TIP TOP angebotenen Produkte der STAHLGRUBER Otto Gruber GmbH & Co KG ist so umfangreich, daß wir Jahre bräuchten, die komplette Palette der Reparaturmittel sowie des Zubehörs vorzustellen. Wir beschränken uns somit auf eine kleine Auswahl von TIP TOP Produkten. Das Schlauch-Reparatur-Set TT 05 beinhaltet neben den gebräuchlichsten Flickengrößen zwei Reifenheber aus Kunststoff. In der praktischen Plastikdose findet man somit das Notwendigste für die Reparatur eines Schlauches. Nur für Luft muß man bei diesem Set selber sorgen, oder man greift auf die größere Ausführung TT 05 Profi zurück, welche zusätzlich eine Füllpatrone enthält. Die Flicken sind, wie schon zu Großvaters Zeiten gewohnt, möchte man sagen, erstklassig. Die Flicken mit dem flachen und gezahnten Flickenrand gehen eine hartnäckige Verbindung mit dem Schlauch ein, bei einem sehr guten Dehnungsverhalten. Die Reifenheber aus Kunststoff schonen Schlauch und Felge. Lobenswert ist die Beigabe eines Mantelflickens für den Fall aller Fälle.

Fazit: Die Flicken von TIP TOP stellen für uns nach wie vor die Referenz unter den Flicken dar.

Inhalt: 4 Flicken in 3 Größen, 1 Mantelflicken, Vulkanisierlösung 5g , 2 Reifenheber aus Kunststoff, u.a. , 1 Füllpatrone nebst Zubehör (nur TT05 Profi)
Preis: 3,99 Euro (TT 05), 9,99 Euro (TT 05 Profi)
Mehr Infos unter www.rema-tiptop.de

TIP TOP TT 06

Die große Reparaturbox TT 06 weiß zu überzeugen. Zu den für eine Reparatur eines Schlauches notwendigen Flicken, Reifenhebern aus Kunststoff und der Vulkanisierlösung findet man noch einen Mantelflicken. Somit kann man der nächsten Tour ohne Angst entgegentreten. Die Luft geht einem dabei auch nicht aus, weil zum Lieferumfang noch zwei Füllpatronen gehören. Das ganze ist in einer praktischen Reparaturbox verstaut. Die Qualität der Flicken ist wie bereits erwähnt erstklassig und läßt in Puncto Verbindung zum Schlauch und Dehnverhalten keine Wünsche offen.

Fazit: Die Referenz der Fraktur praktisch verpackt

Inhalt: 6 Flicken in 3 Größen, 1 Mantelflicken, Vulkanisierlösung 5g, 2 Füllpatronen nebst Zubehör, Ventilaufsätze, 2 Reifenheber aus Kunststoff, u.a.
Preis: 15,99 Euro
Mehr Infos unter www.rema-tiptop.de

Fazit des Tests:

Das wichtigste bei einer Reparatur ist eine gute und saubere Vorbereitung. Jeder noch so gute Flicken hat keine Chance mit dem Schlauch eine dauerhafte Verbindung einzugehen, wenn die Vorbereitung schlecht ist. Ein sauber aufgebrachter Flicken kann bis zum Lebensende des Schlauches halten. Auf jeden Fall lohnt sich ein Preisvergleich. Die Firma Prophete zum Beispiel vertreibt neben ihrem eigenen Flickzeug auch Reparaturmaterial von Tip-Top und Victoria.

Stevens S-7 Pro 2005 – Definition von Reinkultur?! Test

Puristik läßt sich definieren als die Konzentration auf das Wesentliche, frei von Spielerei und unnötigem Beiwerk. Frei übersetzt könnte man auch das Motto „weniger ist manchmal mehr“ anwenden. Selbst Comicheld Superman zeigte schon, daß es nicht unbedingt eines Batmobils bedarf, um überragendes leisten zu können. In der heutigen Zeit wird durch die Werbung oft der Blick auf das Wesentliche getrübt.

„Darf es auch etwas mehr sein?“ ist nicht mehr nur ein Spruch vom Metzger nebenan. Und jedes Kind weiß, daß jedes „etwas mehr“ auch immer etwas mehr kostet. Ob man das etwas mehr nun benötigt oder nicht, sollte der Käufer im Vorfeld genau abchecken. Wo macht das „mehr“ einen Sinn, wo ist es nur eine unnötige Geldausgabe?! Mit dem Stevens S-7 Pro 2005 steht dem Biker ein Mountainbike ohne unnötiges Geschnörkel zur Verfügung. Stevens beschreibt das S-7 selber als „Stevens-Konzept in Reinkultur“. Der Blick auf das S-7 mit den verbauten Parts scheint Stevens recht zu geben. Das Bike wirkt nicht aufdringlich, sondern schon fast Understatement. Keine blitzenden Scheibenbremsen zieren das Stevens, sondern der Klassiker Magura HS11 ist für die Verzögerung zuständig. Die schmalen Mavic XM117 Felgen fallen ebenso wenig auf wie die bewährte Schaltkombination Deore / Deore LX von Shimano. Und dennoch besticht das Bike durch sein Herzstück, dem Rahmen in der „Laguna Blue“ Lackierung. Ist das Konzept eines Bikes der Reinkultur zeitgemäß? Wir werden sehen…

Das Herzstück des S-7 ist zweifelsohne der sauber verschweißte Rahmen. Mit der Lackierung in „Laguna Blue“ wird nicht nur optisch ein Highlight gesetzt. Bestückt mit einer Scheibenbremsaufnahme, ist man für das eventuelle spätere Nachrüsten einer Scheibenbremsanlage gewappnet. Die Geometrie des Rahmens ist definitiv als sportlich einzustufen. Der steife Rahmen sorgt für einen guten und direkten Vortrieb. Die Qualität der Lackierung kann man als zufriedenstellend bewerten. Lediglich an der Kettenstrebe fanden sich nach dem Test einige unschöne Macken. Sehr schön finden wir die vom Werk aus angebrachten Klebestreifen an den üblichen Scheuerstellen, um den Lack zu schonen. Fahrtechnisch gut zum Rahmen paßt die Manitou Gabel Splice Elite mit 80mm Federweg. Die 80mm Federweg stellten sich als völlig ausreichend raus. Allerdings bedarf die Gabel einer Einstellung der Zugstufe und Federvorspannung, um ihr Potential in Verbindung mit dem Rahmen und des Geländes voll auszuschöpfen. Dies kann direkt vor Ort geschehen, notfalls sogar während der Fahrt. Werkzeug wird nicht benötigt, die Drehknöpfe sind so groß, daß man sie sogar mit dem Fuß bedienen könnte.

Optisch passen die großen Plastikdrehknöpfe nicht ganz zum zierlich wirkenden Bike, sind aber dafür ziemlich praktisch. Hat man für sich die optimale Einstellung der Manitou erstmal ermittelt, funktioniert die Splice sogar recht gut. Selbst eine Lockout-Funktion bietet diese Gabel und läßt somit das S-7 noch besser die Berge erklimmen. Am Stevens S-7 Pro wurde, wie bereits erwähnt, die bewährten Hydraulikbremsen HS11 von Magura verbaut. Wartungsarm und mit einer überzeugenden Bremsleistung bei einem geringen Gewicht sprechen schon seit Jahren für diese Felgenbremse. Nur bei Schlammfahrten treibt die Bremse, typisch für Felgenkneifer, dem Biker so manch Angstschweiß auf die Stirn. Die Bremsleistung bei eingesauten Felgen ist sehr dürftig. Wer viel im Regen und Schlamm unterwegs und dabei auf beste Bremsleistung angewiesen ist, kann im Bedarfsfall die Bremsgummis ohne großen Aufwand gegen spezielle Regengummis austauschen.

Nicht überzeugen konnte uns die Bereifung des Stevens. Die Continental Vapor Pro in der Breite 2.1 enttäuschten auf nassem lehmigen Untergrund genauso wie auf nassem Asphalt. Deshalb montierten wir für den weiteren Testverlauf die Blue Groove von Kenda. Zu der montierten Schaltgruppe muß man eigentlich keine großen Worte verlieren. Der Riese aus Japan stellt mit der Deore LX- und Deore-Gruppe schon seit Jahren eine feste und beständige Größe bereit. Shimano schaltet, schaltet und schaltet. Sorge hatten wir wegen der sehr schmalen Felgen. Die Mavic XM117 würde man von der Breite eher an einem Tourenbike vermuten.

Allerdings bewies die schmale Felge im Test erstaunliche Nehmerqualitäten. Selbst harte Kanten und so manchen Jump verkraftet die Mavic XM117 zu unserem Erstaunen. Etwas Schwächen zeigte das Laufrad in Bezug auf die Speichen. Diese lockerten sich, was aber bei vielen Neurädern zu beobachten ist. Unsere nicht gerade zimperliche Fahrweise beschleunigte diesen Vorgang, was eine der Speichen mit dem Ende ihres Lebens quittierte. Der Käufer sollte auf jeden Fall die vorgeschriebenen (empfohlenen) Inspektionen, zumindest die Erstinspektion, einhalten. Das Ganze geschnürt zu einem Paket läßt sich wirklich als Reinkultur ansehen. Die Sitzposition ist sportlich, wie der Einsatzbereich des S-7 Pro auch. Das Bike ist sehr agil, neigt aber etwas zur Nervosität. Das Stevens folgt prompt jeder Lenkbewegung, tendiert dabei im Grenzbereich zum Untersteuern. Durch das agile Handling motiviert das Stevens sogar zum Spielen, was man aber immer in gewissen Grenzen tun sollte. Der Wermutstropfen an dem Bike ist so klein, aber nicht minder ärgerlich. Die Sattelklemme. Ohne Werkzeug ist kein verstellen möglich. Ärgerlich wenn man unterwegs ist und nach einem Uphill den Sattel für die bevorstehende technische Abfahrt absenken will. Hier sollte auf jeden Fall eine Sattelklemme mit Schnellverschluß Anwendung finden.

Fazit:

Stevens ist für sein gutes Preis-/ Leistungsverhältnis schon seit Jahren bekannt. Auch das S-7 Pro 2005 reiht sich nahtlos in dieser Tradition ein. Für sein Geld bekommt man ein gutes und töchtiges Bike. Das Stevens S-7 Pro eignet sich besonders für diejenigen, die irgendwie alles mit einem Bike machen wollen bzw. ein gutes Allroundbike suchen. Das Konzept der Reinkultur geht auf: Weniger sollte es nicht sein, mehr muß es nicht sein. Ein großes Lob gebührt auch dem Online-Auftritt von Stevens. Gute Informationen mit Preisangaben und einem individuellen Bikekonfigurator runden das gute Gesamtbild von Stevens ab.

Farbe: Laguna Blue
Erhältliche Größen: 17, 19, 21 Zoll
Preis: 899 Euro
Gewicht: etwa 12,2 kg

Mehr Infos unter www.stevensbikes.de

Kenda John Tomac Signature Series Reifen im Test

Einer der größten Reifen- und Schlauchhersteller der Welt ist die taiwanische Firma Kenda. Bereits seit 1962 fertigt Kenda Reifen und Schläuche für Fahrräder. Mit der „John Tomac Signature Series“ strebt Kenda nun endgültig in den Bereich der High-End-Reifen vor. Grund genug für das Team der FRAKTUR, zwei Vertreter dieser Serie mal genauer unter die Stollen zu schauen.

Kenda Nevegal

Der Hersteller Kenda strotzt geradezu vor Selbstvertrauen. Das drückt sich auch in der Namensgebung der Reifen aus. Mit dem Namen Nevegal verbindet man natürlich die legendäre Downhillstrecke in Italien, bekannt durch viele großartige Rennen. Somit ist die Erwartung an den gleichnamigen Reifen immens groß. Den Kenda Nevegal haben wir auf diversen Downhillpisten wie zum Beispiel in Innsbruck, Winterberg und Chaudefontaine getestet. Der faltbare Reifen in der Größe 26×2.35 ist mit knapp 800 Gramm Gewicht relativ leicht. Dennoch überzeugt der Kenda Nevegal in Verbindung mit Downhillschläuchen durch eine bemerkenswerte Pannensicherheit. Der Rollwiderstand des Nevegal ist recht hoch, was bei einem Downhillschluffen jedoch nicht unbedingt so ein großer Nachteil ist.

Sehr gut gefiel uns das Dämpfungsverhalten des Nevegal. Das Zauberwort heißt STICK-E, einer speziellen Gummimischung, welche die Rückstoßgeschwindigkeit des Reifens verlangsamt. Die Traktion auf Strecken mit Waldboden ist genial. Der Nevegal leistet sich hier keinerlei Schwächen, auch nicht bei schlechten, sprich nassen, Witterungsverhältnissen. Die Selbstreinigung des Reifens funktioniert ebenfalls vortrefflich. Auch Wurzelpassagen meistert der Nevegal vorbildlich und ohne Probleme. Leichte Schwächen zeigte der Nevegal lediglich bei Regen auf der nassen steinigen Strecke in Chaudefontaine. Hier büßte der Nevegal etwas an Grip ein.

Fazit: Der Kenda Nevegal ist eine sehr gute Alternative zu den bekannten Downhillreifen der Konkurrenz. Trotz der griffigen Gummimischung ist der Nevegal recht langlebig. Nachteil ist sicherlich der etwas hohe Preis. Den Reifen gibt es in allen möglichen Breiten und Ausführungen. Für Freunde des 24 Zoll Laufrades gibt es den Kenda Nevegal auch in einer 24 Zoll Ausführung.
Preis des Kenda Nevegal 26×2.35: 49,99 USD

Kenda Blue Groove

Das niedrige Stollenprofil des Kenda Blue Groove wurde speziell für den Einsatz auf hartem und steinigem Untergrund entwickelt. Wir haben den Blue Groove beim Crosscountry, auf leichten Downhillpassagen und beim Urbanriding getestet. Der erste Blick auf den Blue Groove ließ etwas unsere Augenbraue beben. Der fabrikneue Reifen sieht mit der niedrigen Stollenhöhe fast wie ein abgefahrener Reifen aus. Genau wie der Kenda Nevegal verfügt der Blue Groove über die spezielle Gummimischung STICK-E, als auch über L3R Pro, welche den Rollwiderstand, speziell für den Einsatz beim Crosscountry, verringern soll. Der faltbare Kenda Blue Groove in der Lite Version bringt in der Größe 26×2.00 knapp 600 Gramm auf die Waage. Wie schon der Kenda Nevegal überzeugt der Blue Groove durch perfekten Grip auf Strecken mit Waldboden.

Die Traktion in Kurven ist hervorragend, und im Grenzbereich läßt sich der Kenda sehr gut beherrschen. Selbst beim Antritt auf matschigem Untergrund überzeugt der Blue Groove durch gute Traktion. Trotz der geringen Stollenhöhe verbeißt sich der Blue Groove in den Untergrund. Die Selbstreinigung des Kendas läßt keine Wünsche offen. Lediglich auf grobschottrigem Untergrund schlichen sich leichte Schwächen ein. Der Rollwiderstand des Kenda Blue Groove bewegt sich trotz L3R Pro nur im Bereich des Akzeptablen. Richtig Fun brachte der Kenda auch nach der Montage auf ein Dualslalombike. Hier bekamen wir auf der Straße beim Urbanriding und auf Slalomkursen richtig Spaß in den Backen.

Fazit: Ein downhill-/ dualslalomorientierter Reifen für den Einsatz beim Crosscountry, Urbanriding und Slalom/BMX. Nachteil ist auch hier der recht hohe Preis. Dafür bekommt man aber auch einen sehr guten und langlebigen Reifen. Der Blue Groove wird ebenfalls in allen möglichen Breiten und Ausführungen, auch in einer 24 Zoll Version, angeboten.

Preis des Kenda Blue Groove 26×2.00: 44,99 USD

Fazit:

Mit der John Tomac Signature Series ist Kenda zweifelsohne ein großer Wurf gelungen. Die Reifen sind nicht unbedingt billig, dennoch preiswert, was heißen soll, daß diese Reifen ihr Geld wert sind. Inwieweit sich Kenda gegen die großen Konkurenten, die beide mit M anfangen, durchsetzen kann, wird sicherlich mit Interesse zu verfolgen sein.

Vertrieb: Messingschlager GmbH & Co. KG
Mehr Infos unter: www.messingschlager.com

Rose Red Bull Stiffee FR-400 im Test – MTBsche Formeln: XC + DH = FR?

In den frühen neunziger Jahren erfreute sich eine Fernsehsendung mit dem Titel „Zwei Stühle, zwei Meinungen“ größter Beliebtheit. Hier fetzten sich vor Millionen von Fernsehzuschauern zwei Parteien um mehr oder weniger brisante Themen. Das Lager war gespalten, die Fronten klar. So wie in den achtziger Jahren noch alles klar getrennt wurde. Ost gegen West, Amiga gegen Atari, Tom gegen Jerry. Doch die Zeiten ändern sich. „Wieso trennen was zusammengehört?!“ fragten sich viele Menschen zu dieser Zeit. Auch am Mountainbike ging diese Bewegung nicht spurlos vorbei. Das gespaltene Lager der Crosscountryfahrer und Downhiller sollte um das Lager der Freerider erweitert werden, quasi als Schlichter der bestehenden Fronten, ein Bike für jedermann, leichtfüßig bergauf, schnell und sicher bergab. Ein schweres und nicht unproblematisches Unterfangen.

Nichts ist gegensätzlicher als die Grundgedanken der Downhill orientierten Fahrer gegenüber den der Crosscountryfahrer. Und nichts ist höher als die Erwartungen beider Fraktionen an einen Freerider. Das Red Bull Stiffee FR-400 vom Rose Versand bietet rein theoretisch die besten Voraussetzungen, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Mit einem Federweg von 80mm bis zu 130 mm am Heck und einer Marzocchi Drop Off Comp Federgabel mit 130mm Federweg, kombiniert mit einem Gewicht von etwa 15 Kilogramm, sollte der Weg zum ultimativen Freerider geebnet sein. Fahrwerkstechnisch kommt das FR-400 als Viergelenker daher. Das ganze Paket ist komplett zu einem Preis für unter 1400 Euro erhältlich. Zweifelsohne ein Seitenhieb gegen die Konkurrenz.

Das Gewicht des FR-400 ist für einen Freerider, aus der Sicht eines Downhillers relativ niedrig, aus der Sicht eines XC-Fahrers relativ hoch. Ohne Pedalen bringt das Stiffee etwa 15,2 Kilogramm auf die Waage und ist damit immer noch leicht genug für Uphills, ohne nach den ersten Metern berghoch das Bike an der nächsten Ecke gefrustet wieder verkaufen zu wollen. Doch nicht nur das Gewicht, sondern auch das Fahrwerk spielt eine enorme Rolle für ein gutes Klettern. Die Erwartungen an den Viergelenker sind daher besonders hoch. Das Stiffee FR-400 enttäuscht nicht, zumindest nicht, solange man auf dem Sattel sitzen bleibt. Dank des gut arbeitenden Hinterbaus und der präzise schaltenden Shimano Kombination aus XT und LX, schraubt sich das Stiffee unaufhaltsam die Berge hoch. Die Traktion des Hinterrades ist bergauf ein Genuß, sicherlich auch ein Verdienst der Michelin Hot S Reifen.

Das Vorderrad, welches beim Klettern eine leichte Neigung zum Steigen hat, läßt sich mit etwas Druck auf die Frontpartie des Bikes beschwichtigen. Beim Wiegetritt enttäuscht uns allerdings das leicht schwammige Fahrverhalten. Wer allerdings erst mal auf dem WTB Power DH Race Platz genommen hat, wird so schnell freiwillig nicht mehr aus dem an ein Sofa erinnernden Sattel steigen wollen. Der Schnellspanner der Sattelklemme als auch die voll versenkbare Sattelstütze läßt die Sitzposition in Sekundenschnelle an das jeweilige Terrain anpassen. Ein feiner, aber nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber so manch anderem Bike der Konkurrenz, wo sich die Sattelstütze konstruktionsbedingt nicht komplett versenken läßt. Für ein Optimum an Verzögerung sorgen die hydraulischen Magura Luise FR Bremsen. Vorne beißen sich die Bremsklötze in eine 210mm große Scheibe und am Heck in eine 190er Scheibe. Selbst ein Anker würde das Bike nicht so brutal verzögern wie diese Bremsen.

Als Felgen werden Xtreme Funride Disc FR verbaut, die uns keinerlei Grund zur Beanstandung gaben. Bei der Federgabel handelt es sich um eine Marzocchi Drop-Off Comp mit 130mm Federweg mit SSV. SSV bedeutet, daß es sich um ein System handelt mit geschwindigkeitsabhängigen Ventil mit 5 Ventilkreisen, welches die Dämpfung aufgrund von der Zug- und Druckstufengeschwindigkeit und der Gabelposition im Federweg kontrolliert. Hört sich kompliziert an, soll aber heißen, die Gabel funzt! Eine Einstellung der Zugstufe ist leider nicht möglich, lediglich die Luftvorspannung mittels Pumpe. Ein Lockout-Funktion sucht man bei der Marzocchi vergeblich. Auch beim für den Hinterbau verantwortlichen gut funktionierden Fox Vanilla R Dämpfer vermißt man eine Einstellmöglichkeit der Zugstufe.

Negativ fällt der hohe Aufbau des Bikes auf. Der Fahrer thront hoch oben auf dem FR-400, dadurch stellt sich ein leicht „stelziges“ Fahrgefühl ein. Das fällt besonders bei steilen Downhillpassagen ins Gewicht, wodurch sich etwas Unsicherheit beim Fahrer einstellt. Ein tieferer Schwerpunkt in Verbindung mit einem flacheren Lenkwinkel würde zwar die Fraktion der Downhill orientierten Biker beglücken, aber andererseits Zornesfalten auf die Stirn der XC-Fahrer zaubern. Das Stiffee ist in den Größen 17, 19 und 21 Zoll erhältlich. Gut beraten ist, wer dem Größenberechner vom Rose Versand Beachtung schenkt. Unser Tip wäre, von der Größe eher nach unten zu tendieren als nach oben.

Die Verarbeitung des Red Bull gibt keinen Grund zum Nörgeln. Die Lackierung verträgt einiges und die Kombination der am Viergelenker verbauten Lager von Industrie- und Gleitlagern funktioniert einwandfrei. Die Industrielager wiesen nach dem Test weder Spiel noch Gebrauchsspuren auf. Lediglich die zwischen Ausfallende und Kettenstrebe verbauten Gleitlager benötigten etwas Pflege. Klug ist, wer sich über die von Rose angebotenen Serviceleistungen informiert und diese nutzt. Darunter fällt vor allem der Pro Service. Kostenfreier Abholservice und Rücktransport inbegriffen.

Fazit:

Es ist wie in einer Ehe. Ein Zusammenfügen unterschiedlicher Charaktere setzt Kompromißbereitschaft voraus. Das FR-400 ist ein guter Allrounder mit dem Schwerpunkt Tour und Crosscountry, trotz des etwas höheren Gewichts. Das Stiffee bietet viel Bike für sein Geld. Durch den gut funktionierenden Hinterbau, Viergelenker sei Dank, läßt sich die Kraft gut auf den Untergrund übertragen. Das etwas „stelzige“ Fahrgefühl trübt leider den ansonsten guten Eindruck vom Stiffee FR-400.

Preis: 1390 Euro

Mehr Infos unter: www.roseversand.de

Poison Mescalin – Two in One – Test

Bereits in grauer Vorzeit war bekannt, daß eine Verbindung zweier oder mehrerer unterschiedlicher Stoffe ein Ergebnis besonderer Güte hervorbringen kann. So entstand aus den Metallen Kupfer und Zinn die Legierung Bronze, nach der prompt eine ganze Zeitepoche benannt wurde. Auch der Druide Miraculix, stellvertretend für eine ganze Berufssparte, zeigte, wie man durch gekonntes Mischen von sonst recht harmlosen Einzelstoffen ein Ergebnis zauberte, welches die Römer buchstäblich aus den Socken haute. Verbinden mehrerer Einzelstoffe zum Maximieren des Zieles. Diesen Weg beschreitet auch das Poison Mescalin.

Das Poison Mescalin wartet durch einen sauber verarbeiteten Alurahmen auf, an dessen Heck ein Carbonhinterbau mit CNC Ausfallenden klebt. Ein Schnippen des Fingers vor die Rohre des Alurahmens mit dem daraus resultierenden blechernen Klang, welcher stark an die Akkustik einer Coladose erinnert, der Blick auf die gelochte Gabelkrone der Marzocchi MX Comp ETA und die filigranen CNC Ausfallenden trieben uns vor Beginn des Tests etwas Angstschweiß auf die Stirn. Ob das hält? Das geht doch bestimmt kaputt, oder…? Werden die verklebten Verbindungen zwischen Alu und Carbon halten oder sich gar lösen? Fragen, die das Team der Fraktur zu beantworten hatte. Die Schonfrist für das Mescalin war abgelaufen…

Schon nach den ersten Metern zaubert das Mescalin ein Leuchten in die Augen des Bikers. Leichtfüßig gleitet das Mescalin über die Straße. Ein Gang runter, antreten, Lenker ziehen und mit einem Wheelie zieht man von dannen. Die Continental Explorer Pro in der Breite 2.1 überzeugen durch guten Grip, nicht nur auf der Straße, wie sich später herausstellen sollte. Auch auf Waldwegen und unebenem Terrain kann man mit dem Poison unglaubliche Geschwindigkeiten vorlegen. Die Verbindung der gut rollenden Contis mit dem nicht unbedingt ganz leichten, aber agilen Rahmen erweist sich als weiser Griff der Macher von Poison.

Das gute und ausgewogene Fahrverhalten des Mescalin verdrängt nach und nach die am Anfang geäußerten Bedenken. Das Gelände wird härter und manchmal vergißt man, auf welch filigranem Bike man die eine oder andere mit Wurzeln gespickte Abfahrt gerade hinter sich gelassen hat. Durch den Carbonhinterbau sind selbst Rüttelpisten angenehm im Sitzen zu absolvieren. Auch die Traktion profitiert von dem leicht nachgebenden Carbonhinterbau. Bergauf kommt das Mescalin in Hochform. Das Motto heißt sitzenbleiben, Gang runter und sich die Berge hochschrauben. Selbst bei kürzester Übersetzung bleibt das Vorderrad kontrolliert am Boden, ohne zusätzlich Gewicht auf die Frontpartie des Mescalin legen zu müssen.

Schwächen zeigt das Mescalin dafür im Wiegetritt. Wie heißt es so schön, ohne Licht kein Schatten. Der fürs Sitzen so angenehme Carbonhinterbau verleiht dem Mescalin beim Wiegetritt ein schwammiges Fahrverhalten. Ein Reduzieren des Federwegs der Gabel durch die ETA Lockout-Funktion mit der daraus resultierenden Versteifung bringt etwas Besserung. Negativ aufgefallen ist uns kurioserweise die Shimano HG Kette, die trotz guter Kettenlinie nach kurzem Einsatz im Bereich der Vernietung auseinanderging. Im Gegensatz zu Miraculix Zaubertrank sind die Bestandteile des Mescalin bekannt. Alles in allem ein feiner und gut abgestimmter Mix. Die Magura Luise funktioniert wie gewohnt perfekt.

Auch hier erwies sich der Griff der Poison Leute zur Magura als gute Entscheidung, so wie die Wahl der Federgabel, einer Marzocchi MX Comp ETA. Zugegebenermaßen deuchten die Bohrungen in der Gabelkrone nichts Gutes, aber sie hielt. Die Gabel flext beim harten Bremsen durch die bissige Magura zwar etwas, aber das liegt im Rahmen des Akzeptablen. Das Ansprechverhalten der MX Comp ETA ist typisch für Marzocchi sehr gut, und auch die Dämpfung läßt keine Wünsche offen. Stahlfeder und offenes Ölbad sei Dank. Als Felgen wurden der Klassiker Mavix X 223 Disc verbaut, gespickt mit den Cerit Naben von DT Swiss. 2004er Shimano XT Schaltung, Umwerfer und Hollowtech2 Kurbeln runden das sehr gute Gesamtbild ab.

Miraculix hätte es nicht besser machen können, abgesehen von den Lenkergriffen. Wie von uns schon am Poison Taxin bemerkt, haben die Amoeba Lenkergriffe einen unglaublichen Drang zum Wandern. Unsere Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Was wir dem Mescalin auch antaten, es hielt…bis auf…den Amoeba Vorbau. Ein Riss an der Lenkerklemme bedeutete das Aus für diese Komponente. Sollte nicht passieren, kann aber passieren. Hier ist vielmehr ausschlaggebend, was der Hersteller oder Vertrieb, in diesem Fall Poison, daraus macht. Wir müssen Poison die Note 1 für Kundenservice verleihen. Nur wenige Tage nach Reklamation lag ein nagelneuer Vorbau vor. Ohne Murren, ohne Knurren. Wir haben bei so manch „großen namhaften alteingesessenen“ Firmen auch schon das Gegenteil erlebt. Das es auch anders geht zeigt die Firma Poison.

Das Poison Mescalin hat eindeutig Racecharacter. Die Seitensteifigkeit kann allerdings nicht so recht überzeugen. Kein Bike für den Artisten auf dem Zweirad, sondern für Leute mit Ambitionen schnell beim CC unterwegs zu sein und sich die Berge hochzuschrauben. Ohne wenn und aber…und das zu einem sehr fairen Preis.

Preis: in der Ausstattung des Mescalin mit XT-Ausstattung 1499 Euro (ohne Pedalen)
Gewicht: etwa 11,2 Kilogramm (ohne Pedalen)

Mehr Infos: www.poison-bikes.de