Stevens S-7 Pro 2005 – Definition von Reinkultur?! Test

Puristik läßt sich definieren als die Konzentration auf das Wesentliche, frei von Spielerei und unnötigem Beiwerk. Frei übersetzt könnte man auch das Motto „weniger ist manchmal mehr“ anwenden. Selbst Comicheld Superman zeigte schon, daß es nicht unbedingt eines Batmobils bedarf, um überragendes leisten zu können. In der heutigen Zeit wird durch die Werbung oft der Blick auf das Wesentliche getrübt.

„Darf es auch etwas mehr sein?“ ist nicht mehr nur ein Spruch vom Metzger nebenan. Und jedes Kind weiß, daß jedes „etwas mehr“ auch immer etwas mehr kostet. Ob man das etwas mehr nun benötigt oder nicht, sollte der Käufer im Vorfeld genau abchecken. Wo macht das „mehr“ einen Sinn, wo ist es nur eine unnötige Geldausgabe?! Mit dem Stevens S-7 Pro 2005 steht dem Biker ein Mountainbike ohne unnötiges Geschnörkel zur Verfügung. Stevens beschreibt das S-7 selber als „Stevens-Konzept in Reinkultur“. Der Blick auf das S-7 mit den verbauten Parts scheint Stevens recht zu geben. Das Bike wirkt nicht aufdringlich, sondern schon fast Understatement. Keine blitzenden Scheibenbremsen zieren das Stevens, sondern der Klassiker Magura HS11 ist für die Verzögerung zuständig. Die schmalen Mavic XM117 Felgen fallen ebenso wenig auf wie die bewährte Schaltkombination Deore / Deore LX von Shimano. Und dennoch besticht das Bike durch sein Herzstück, dem Rahmen in der „Laguna Blue“ Lackierung. Ist das Konzept eines Bikes der Reinkultur zeitgemäß? Wir werden sehen…

Das Herzstück des S-7 ist zweifelsohne der sauber verschweißte Rahmen. Mit der Lackierung in „Laguna Blue“ wird nicht nur optisch ein Highlight gesetzt. Bestückt mit einer Scheibenbremsaufnahme, ist man für das eventuelle spätere Nachrüsten einer Scheibenbremsanlage gewappnet. Die Geometrie des Rahmens ist definitiv als sportlich einzustufen. Der steife Rahmen sorgt für einen guten und direkten Vortrieb. Die Qualität der Lackierung kann man als zufriedenstellend bewerten. Lediglich an der Kettenstrebe fanden sich nach dem Test einige unschöne Macken. Sehr schön finden wir die vom Werk aus angebrachten Klebestreifen an den üblichen Scheuerstellen, um den Lack zu schonen. Fahrtechnisch gut zum Rahmen paßt die Manitou Gabel Splice Elite mit 80mm Federweg. Die 80mm Federweg stellten sich als völlig ausreichend raus. Allerdings bedarf die Gabel einer Einstellung der Zugstufe und Federvorspannung, um ihr Potential in Verbindung mit dem Rahmen und des Geländes voll auszuschöpfen. Dies kann direkt vor Ort geschehen, notfalls sogar während der Fahrt. Werkzeug wird nicht benötigt, die Drehknöpfe sind so groß, daß man sie sogar mit dem Fuß bedienen könnte.

Optisch passen die großen Plastikdrehknöpfe nicht ganz zum zierlich wirkenden Bike, sind aber dafür ziemlich praktisch. Hat man für sich die optimale Einstellung der Manitou erstmal ermittelt, funktioniert die Splice sogar recht gut. Selbst eine Lockout-Funktion bietet diese Gabel und läßt somit das S-7 noch besser die Berge erklimmen. Am Stevens S-7 Pro wurde, wie bereits erwähnt, die bewährten Hydraulikbremsen HS11 von Magura verbaut. Wartungsarm und mit einer überzeugenden Bremsleistung bei einem geringen Gewicht sprechen schon seit Jahren für diese Felgenbremse. Nur bei Schlammfahrten treibt die Bremse, typisch für Felgenkneifer, dem Biker so manch Angstschweiß auf die Stirn. Die Bremsleistung bei eingesauten Felgen ist sehr dürftig. Wer viel im Regen und Schlamm unterwegs und dabei auf beste Bremsleistung angewiesen ist, kann im Bedarfsfall die Bremsgummis ohne großen Aufwand gegen spezielle Regengummis austauschen.

Nicht überzeugen konnte uns die Bereifung des Stevens. Die Continental Vapor Pro in der Breite 2.1 enttäuschten auf nassem lehmigen Untergrund genauso wie auf nassem Asphalt. Deshalb montierten wir für den weiteren Testverlauf die Blue Groove von Kenda. Zu der montierten Schaltgruppe muß man eigentlich keine großen Worte verlieren. Der Riese aus Japan stellt mit der Deore LX- und Deore-Gruppe schon seit Jahren eine feste und beständige Größe bereit. Shimano schaltet, schaltet und schaltet. Sorge hatten wir wegen der sehr schmalen Felgen. Die Mavic XM117 würde man von der Breite eher an einem Tourenbike vermuten.

Allerdings bewies die schmale Felge im Test erstaunliche Nehmerqualitäten. Selbst harte Kanten und so manchen Jump verkraftet die Mavic XM117 zu unserem Erstaunen. Etwas Schwächen zeigte das Laufrad in Bezug auf die Speichen. Diese lockerten sich, was aber bei vielen Neurädern zu beobachten ist. Unsere nicht gerade zimperliche Fahrweise beschleunigte diesen Vorgang, was eine der Speichen mit dem Ende ihres Lebens quittierte. Der Käufer sollte auf jeden Fall die vorgeschriebenen (empfohlenen) Inspektionen, zumindest die Erstinspektion, einhalten. Das Ganze geschnürt zu einem Paket läßt sich wirklich als Reinkultur ansehen. Die Sitzposition ist sportlich, wie der Einsatzbereich des S-7 Pro auch. Das Bike ist sehr agil, neigt aber etwas zur Nervosität. Das Stevens folgt prompt jeder Lenkbewegung, tendiert dabei im Grenzbereich zum Untersteuern. Durch das agile Handling motiviert das Stevens sogar zum Spielen, was man aber immer in gewissen Grenzen tun sollte. Der Wermutstropfen an dem Bike ist so klein, aber nicht minder ärgerlich. Die Sattelklemme. Ohne Werkzeug ist kein verstellen möglich. Ärgerlich wenn man unterwegs ist und nach einem Uphill den Sattel für die bevorstehende technische Abfahrt absenken will. Hier sollte auf jeden Fall eine Sattelklemme mit Schnellverschluß Anwendung finden.

Fazit:

Stevens ist für sein gutes Preis-/ Leistungsverhältnis schon seit Jahren bekannt. Auch das S-7 Pro 2005 reiht sich nahtlos in dieser Tradition ein. Für sein Geld bekommt man ein gutes und töchtiges Bike. Das Stevens S-7 Pro eignet sich besonders für diejenigen, die irgendwie alles mit einem Bike machen wollen bzw. ein gutes Allroundbike suchen. Das Konzept der Reinkultur geht auf: Weniger sollte es nicht sein, mehr muß es nicht sein. Ein großes Lob gebührt auch dem Online-Auftritt von Stevens. Gute Informationen mit Preisangaben und einem individuellen Bikekonfigurator runden das gute Gesamtbild von Stevens ab.

Farbe: Laguna Blue
Erhältliche Größen: 17, 19, 21 Zoll
Preis: 899 Euro
Gewicht: etwa 12,2 kg

Mehr Infos unter www.stevensbikes.de

Kenda John Tomac Signature Series Reifen im Test

Einer der größten Reifen- und Schlauchhersteller der Welt ist die taiwanische Firma Kenda. Bereits seit 1962 fertigt Kenda Reifen und Schläuche für Fahrräder. Mit der „John Tomac Signature Series“ strebt Kenda nun endgültig in den Bereich der High-End-Reifen vor. Grund genug für das Team der FRAKTUR, zwei Vertreter dieser Serie mal genauer unter die Stollen zu schauen.

Kenda Nevegal

Der Hersteller Kenda strotzt geradezu vor Selbstvertrauen. Das drückt sich auch in der Namensgebung der Reifen aus. Mit dem Namen Nevegal verbindet man natürlich die legendäre Downhillstrecke in Italien, bekannt durch viele großartige Rennen. Somit ist die Erwartung an den gleichnamigen Reifen immens groß. Den Kenda Nevegal haben wir auf diversen Downhillpisten wie zum Beispiel in Innsbruck, Winterberg und Chaudefontaine getestet. Der faltbare Reifen in der Größe 26×2.35 ist mit knapp 800 Gramm Gewicht relativ leicht. Dennoch überzeugt der Kenda Nevegal in Verbindung mit Downhillschläuchen durch eine bemerkenswerte Pannensicherheit. Der Rollwiderstand des Nevegal ist recht hoch, was bei einem Downhillschluffen jedoch nicht unbedingt so ein großer Nachteil ist.

Sehr gut gefiel uns das Dämpfungsverhalten des Nevegal. Das Zauberwort heißt STICK-E, einer speziellen Gummimischung, welche die Rückstoßgeschwindigkeit des Reifens verlangsamt. Die Traktion auf Strecken mit Waldboden ist genial. Der Nevegal leistet sich hier keinerlei Schwächen, auch nicht bei schlechten, sprich nassen, Witterungsverhältnissen. Die Selbstreinigung des Reifens funktioniert ebenfalls vortrefflich. Auch Wurzelpassagen meistert der Nevegal vorbildlich und ohne Probleme. Leichte Schwächen zeigte der Nevegal lediglich bei Regen auf der nassen steinigen Strecke in Chaudefontaine. Hier büßte der Nevegal etwas an Grip ein.

Fazit: Der Kenda Nevegal ist eine sehr gute Alternative zu den bekannten Downhillreifen der Konkurrenz. Trotz der griffigen Gummimischung ist der Nevegal recht langlebig. Nachteil ist sicherlich der etwas hohe Preis. Den Reifen gibt es in allen möglichen Breiten und Ausführungen. Für Freunde des 24 Zoll Laufrades gibt es den Kenda Nevegal auch in einer 24 Zoll Ausführung.
Preis des Kenda Nevegal 26×2.35: 49,99 USD

Kenda Blue Groove

Das niedrige Stollenprofil des Kenda Blue Groove wurde speziell für den Einsatz auf hartem und steinigem Untergrund entwickelt. Wir haben den Blue Groove beim Crosscountry, auf leichten Downhillpassagen und beim Urbanriding getestet. Der erste Blick auf den Blue Groove ließ etwas unsere Augenbraue beben. Der fabrikneue Reifen sieht mit der niedrigen Stollenhöhe fast wie ein abgefahrener Reifen aus. Genau wie der Kenda Nevegal verfügt der Blue Groove über die spezielle Gummimischung STICK-E, als auch über L3R Pro, welche den Rollwiderstand, speziell für den Einsatz beim Crosscountry, verringern soll. Der faltbare Kenda Blue Groove in der Lite Version bringt in der Größe 26×2.00 knapp 600 Gramm auf die Waage. Wie schon der Kenda Nevegal überzeugt der Blue Groove durch perfekten Grip auf Strecken mit Waldboden.

Die Traktion in Kurven ist hervorragend, und im Grenzbereich läßt sich der Kenda sehr gut beherrschen. Selbst beim Antritt auf matschigem Untergrund überzeugt der Blue Groove durch gute Traktion. Trotz der geringen Stollenhöhe verbeißt sich der Blue Groove in den Untergrund. Die Selbstreinigung des Kendas läßt keine Wünsche offen. Lediglich auf grobschottrigem Untergrund schlichen sich leichte Schwächen ein. Der Rollwiderstand des Kenda Blue Groove bewegt sich trotz L3R Pro nur im Bereich des Akzeptablen. Richtig Fun brachte der Kenda auch nach der Montage auf ein Dualslalombike. Hier bekamen wir auf der Straße beim Urbanriding und auf Slalomkursen richtig Spaß in den Backen.

Fazit: Ein downhill-/ dualslalomorientierter Reifen für den Einsatz beim Crosscountry, Urbanriding und Slalom/BMX. Nachteil ist auch hier der recht hohe Preis. Dafür bekommt man aber auch einen sehr guten und langlebigen Reifen. Der Blue Groove wird ebenfalls in allen möglichen Breiten und Ausführungen, auch in einer 24 Zoll Version, angeboten.

Preis des Kenda Blue Groove 26×2.00: 44,99 USD

Fazit:

Mit der John Tomac Signature Series ist Kenda zweifelsohne ein großer Wurf gelungen. Die Reifen sind nicht unbedingt billig, dennoch preiswert, was heißen soll, daß diese Reifen ihr Geld wert sind. Inwieweit sich Kenda gegen die großen Konkurenten, die beide mit M anfangen, durchsetzen kann, wird sicherlich mit Interesse zu verfolgen sein.

Vertrieb: Messingschlager GmbH & Co. KG
Mehr Infos unter: www.messingschlager.com

Rose Red Bull Stiffee FR-400 im Test – MTBsche Formeln: XC + DH = FR?

In den frühen neunziger Jahren erfreute sich eine Fernsehsendung mit dem Titel „Zwei Stühle, zwei Meinungen“ größter Beliebtheit. Hier fetzten sich vor Millionen von Fernsehzuschauern zwei Parteien um mehr oder weniger brisante Themen. Das Lager war gespalten, die Fronten klar. So wie in den achtziger Jahren noch alles klar getrennt wurde. Ost gegen West, Amiga gegen Atari, Tom gegen Jerry. Doch die Zeiten ändern sich. „Wieso trennen was zusammengehört?!“ fragten sich viele Menschen zu dieser Zeit. Auch am Mountainbike ging diese Bewegung nicht spurlos vorbei. Das gespaltene Lager der Crosscountryfahrer und Downhiller sollte um das Lager der Freerider erweitert werden, quasi als Schlichter der bestehenden Fronten, ein Bike für jedermann, leichtfüßig bergauf, schnell und sicher bergab. Ein schweres und nicht unproblematisches Unterfangen.

Nichts ist gegensätzlicher als die Grundgedanken der Downhill orientierten Fahrer gegenüber den der Crosscountryfahrer. Und nichts ist höher als die Erwartungen beider Fraktionen an einen Freerider. Das Red Bull Stiffee FR-400 vom Rose Versand bietet rein theoretisch die besten Voraussetzungen, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Mit einem Federweg von 80mm bis zu 130 mm am Heck und einer Marzocchi Drop Off Comp Federgabel mit 130mm Federweg, kombiniert mit einem Gewicht von etwa 15 Kilogramm, sollte der Weg zum ultimativen Freerider geebnet sein. Fahrwerkstechnisch kommt das FR-400 als Viergelenker daher. Das ganze Paket ist komplett zu einem Preis für unter 1400 Euro erhältlich. Zweifelsohne ein Seitenhieb gegen die Konkurrenz.

Das Gewicht des FR-400 ist für einen Freerider, aus der Sicht eines Downhillers relativ niedrig, aus der Sicht eines XC-Fahrers relativ hoch. Ohne Pedalen bringt das Stiffee etwa 15,2 Kilogramm auf die Waage und ist damit immer noch leicht genug für Uphills, ohne nach den ersten Metern berghoch das Bike an der nächsten Ecke gefrustet wieder verkaufen zu wollen. Doch nicht nur das Gewicht, sondern auch das Fahrwerk spielt eine enorme Rolle für ein gutes Klettern. Die Erwartungen an den Viergelenker sind daher besonders hoch. Das Stiffee FR-400 enttäuscht nicht, zumindest nicht, solange man auf dem Sattel sitzen bleibt. Dank des gut arbeitenden Hinterbaus und der präzise schaltenden Shimano Kombination aus XT und LX, schraubt sich das Stiffee unaufhaltsam die Berge hoch. Die Traktion des Hinterrades ist bergauf ein Genuß, sicherlich auch ein Verdienst der Michelin Hot S Reifen.

Das Vorderrad, welches beim Klettern eine leichte Neigung zum Steigen hat, läßt sich mit etwas Druck auf die Frontpartie des Bikes beschwichtigen. Beim Wiegetritt enttäuscht uns allerdings das leicht schwammige Fahrverhalten. Wer allerdings erst mal auf dem WTB Power DH Race Platz genommen hat, wird so schnell freiwillig nicht mehr aus dem an ein Sofa erinnernden Sattel steigen wollen. Der Schnellspanner der Sattelklemme als auch die voll versenkbare Sattelstütze läßt die Sitzposition in Sekundenschnelle an das jeweilige Terrain anpassen. Ein feiner, aber nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber so manch anderem Bike der Konkurrenz, wo sich die Sattelstütze konstruktionsbedingt nicht komplett versenken läßt. Für ein Optimum an Verzögerung sorgen die hydraulischen Magura Luise FR Bremsen. Vorne beißen sich die Bremsklötze in eine 210mm große Scheibe und am Heck in eine 190er Scheibe. Selbst ein Anker würde das Bike nicht so brutal verzögern wie diese Bremsen.

Als Felgen werden Xtreme Funride Disc FR verbaut, die uns keinerlei Grund zur Beanstandung gaben. Bei der Federgabel handelt es sich um eine Marzocchi Drop-Off Comp mit 130mm Federweg mit SSV. SSV bedeutet, daß es sich um ein System handelt mit geschwindigkeitsabhängigen Ventil mit 5 Ventilkreisen, welches die Dämpfung aufgrund von der Zug- und Druckstufengeschwindigkeit und der Gabelposition im Federweg kontrolliert. Hört sich kompliziert an, soll aber heißen, die Gabel funzt! Eine Einstellung der Zugstufe ist leider nicht möglich, lediglich die Luftvorspannung mittels Pumpe. Ein Lockout-Funktion sucht man bei der Marzocchi vergeblich. Auch beim für den Hinterbau verantwortlichen gut funktionierden Fox Vanilla R Dämpfer vermißt man eine Einstellmöglichkeit der Zugstufe.

Negativ fällt der hohe Aufbau des Bikes auf. Der Fahrer thront hoch oben auf dem FR-400, dadurch stellt sich ein leicht „stelziges“ Fahrgefühl ein. Das fällt besonders bei steilen Downhillpassagen ins Gewicht, wodurch sich etwas Unsicherheit beim Fahrer einstellt. Ein tieferer Schwerpunkt in Verbindung mit einem flacheren Lenkwinkel würde zwar die Fraktion der Downhill orientierten Biker beglücken, aber andererseits Zornesfalten auf die Stirn der XC-Fahrer zaubern. Das Stiffee ist in den Größen 17, 19 und 21 Zoll erhältlich. Gut beraten ist, wer dem Größenberechner vom Rose Versand Beachtung schenkt. Unser Tip wäre, von der Größe eher nach unten zu tendieren als nach oben.

Die Verarbeitung des Red Bull gibt keinen Grund zum Nörgeln. Die Lackierung verträgt einiges und die Kombination der am Viergelenker verbauten Lager von Industrie- und Gleitlagern funktioniert einwandfrei. Die Industrielager wiesen nach dem Test weder Spiel noch Gebrauchsspuren auf. Lediglich die zwischen Ausfallende und Kettenstrebe verbauten Gleitlager benötigten etwas Pflege. Klug ist, wer sich über die von Rose angebotenen Serviceleistungen informiert und diese nutzt. Darunter fällt vor allem der Pro Service. Kostenfreier Abholservice und Rücktransport inbegriffen.

Fazit:

Es ist wie in einer Ehe. Ein Zusammenfügen unterschiedlicher Charaktere setzt Kompromißbereitschaft voraus. Das FR-400 ist ein guter Allrounder mit dem Schwerpunkt Tour und Crosscountry, trotz des etwas höheren Gewichts. Das Stiffee bietet viel Bike für sein Geld. Durch den gut funktionierenden Hinterbau, Viergelenker sei Dank, läßt sich die Kraft gut auf den Untergrund übertragen. Das etwas „stelzige“ Fahrgefühl trübt leider den ansonsten guten Eindruck vom Stiffee FR-400.

Preis: 1390 Euro

Mehr Infos unter: www.roseversand.de

Poison Mescalin – Two in One – Test

Bereits in grauer Vorzeit war bekannt, daß eine Verbindung zweier oder mehrerer unterschiedlicher Stoffe ein Ergebnis besonderer Güte hervorbringen kann. So entstand aus den Metallen Kupfer und Zinn die Legierung Bronze, nach der prompt eine ganze Zeitepoche benannt wurde. Auch der Druide Miraculix, stellvertretend für eine ganze Berufssparte, zeigte, wie man durch gekonntes Mischen von sonst recht harmlosen Einzelstoffen ein Ergebnis zauberte, welches die Römer buchstäblich aus den Socken haute. Verbinden mehrerer Einzelstoffe zum Maximieren des Zieles. Diesen Weg beschreitet auch das Poison Mescalin.

Das Poison Mescalin wartet durch einen sauber verarbeiteten Alurahmen auf, an dessen Heck ein Carbonhinterbau mit CNC Ausfallenden klebt. Ein Schnippen des Fingers vor die Rohre des Alurahmens mit dem daraus resultierenden blechernen Klang, welcher stark an die Akkustik einer Coladose erinnert, der Blick auf die gelochte Gabelkrone der Marzocchi MX Comp ETA und die filigranen CNC Ausfallenden trieben uns vor Beginn des Tests etwas Angstschweiß auf die Stirn. Ob das hält? Das geht doch bestimmt kaputt, oder…? Werden die verklebten Verbindungen zwischen Alu und Carbon halten oder sich gar lösen? Fragen, die das Team der Fraktur zu beantworten hatte. Die Schonfrist für das Mescalin war abgelaufen…

Schon nach den ersten Metern zaubert das Mescalin ein Leuchten in die Augen des Bikers. Leichtfüßig gleitet das Mescalin über die Straße. Ein Gang runter, antreten, Lenker ziehen und mit einem Wheelie zieht man von dannen. Die Continental Explorer Pro in der Breite 2.1 überzeugen durch guten Grip, nicht nur auf der Straße, wie sich später herausstellen sollte. Auch auf Waldwegen und unebenem Terrain kann man mit dem Poison unglaubliche Geschwindigkeiten vorlegen. Die Verbindung der gut rollenden Contis mit dem nicht unbedingt ganz leichten, aber agilen Rahmen erweist sich als weiser Griff der Macher von Poison.

Das gute und ausgewogene Fahrverhalten des Mescalin verdrängt nach und nach die am Anfang geäußerten Bedenken. Das Gelände wird härter und manchmal vergißt man, auf welch filigranem Bike man die eine oder andere mit Wurzeln gespickte Abfahrt gerade hinter sich gelassen hat. Durch den Carbonhinterbau sind selbst Rüttelpisten angenehm im Sitzen zu absolvieren. Auch die Traktion profitiert von dem leicht nachgebenden Carbonhinterbau. Bergauf kommt das Mescalin in Hochform. Das Motto heißt sitzenbleiben, Gang runter und sich die Berge hochschrauben. Selbst bei kürzester Übersetzung bleibt das Vorderrad kontrolliert am Boden, ohne zusätzlich Gewicht auf die Frontpartie des Mescalin legen zu müssen.

Schwächen zeigt das Mescalin dafür im Wiegetritt. Wie heißt es so schön, ohne Licht kein Schatten. Der fürs Sitzen so angenehme Carbonhinterbau verleiht dem Mescalin beim Wiegetritt ein schwammiges Fahrverhalten. Ein Reduzieren des Federwegs der Gabel durch die ETA Lockout-Funktion mit der daraus resultierenden Versteifung bringt etwas Besserung. Negativ aufgefallen ist uns kurioserweise die Shimano HG Kette, die trotz guter Kettenlinie nach kurzem Einsatz im Bereich der Vernietung auseinanderging. Im Gegensatz zu Miraculix Zaubertrank sind die Bestandteile des Mescalin bekannt. Alles in allem ein feiner und gut abgestimmter Mix. Die Magura Luise funktioniert wie gewohnt perfekt.

Auch hier erwies sich der Griff der Poison Leute zur Magura als gute Entscheidung, so wie die Wahl der Federgabel, einer Marzocchi MX Comp ETA. Zugegebenermaßen deuchten die Bohrungen in der Gabelkrone nichts Gutes, aber sie hielt. Die Gabel flext beim harten Bremsen durch die bissige Magura zwar etwas, aber das liegt im Rahmen des Akzeptablen. Das Ansprechverhalten der MX Comp ETA ist typisch für Marzocchi sehr gut, und auch die Dämpfung läßt keine Wünsche offen. Stahlfeder und offenes Ölbad sei Dank. Als Felgen wurden der Klassiker Mavix X 223 Disc verbaut, gespickt mit den Cerit Naben von DT Swiss. 2004er Shimano XT Schaltung, Umwerfer und Hollowtech2 Kurbeln runden das sehr gute Gesamtbild ab.

Miraculix hätte es nicht besser machen können, abgesehen von den Lenkergriffen. Wie von uns schon am Poison Taxin bemerkt, haben die Amoeba Lenkergriffe einen unglaublichen Drang zum Wandern. Unsere Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Was wir dem Mescalin auch antaten, es hielt…bis auf…den Amoeba Vorbau. Ein Riss an der Lenkerklemme bedeutete das Aus für diese Komponente. Sollte nicht passieren, kann aber passieren. Hier ist vielmehr ausschlaggebend, was der Hersteller oder Vertrieb, in diesem Fall Poison, daraus macht. Wir müssen Poison die Note 1 für Kundenservice verleihen. Nur wenige Tage nach Reklamation lag ein nagelneuer Vorbau vor. Ohne Murren, ohne Knurren. Wir haben bei so manch „großen namhaften alteingesessenen“ Firmen auch schon das Gegenteil erlebt. Das es auch anders geht zeigt die Firma Poison.

Das Poison Mescalin hat eindeutig Racecharacter. Die Seitensteifigkeit kann allerdings nicht so recht überzeugen. Kein Bike für den Artisten auf dem Zweirad, sondern für Leute mit Ambitionen schnell beim CC unterwegs zu sein und sich die Berge hochzuschrauben. Ohne wenn und aber…und das zu einem sehr fairen Preis.

Preis: in der Ausstattung des Mescalin mit XT-Ausstattung 1499 Euro (ohne Pedalen)
Gewicht: etwa 11,2 Kilogramm (ohne Pedalen)

Mehr Infos: www.poison-bikes.de

Ghost Dual Racing Pro im Test – Golden Ghost

Kaum ein anderes Dualbike spaltet die Massen so sehr wie das Ghost Dual Racing Pro. Mit seiner sehr auffallend goldenen Lackierung (offizielle Bezeichnung der Farbe: camo sand) hebt das Ghost geradezu provozierend den Zeigefinger unter dem Motto „schaut her, hier bin ich“.

Der Name des Ghost Dual Racing Pro ist Programm. Auf schnellen BikerX Pisten und auf Dualkursen mit schnellen weiten Sprüngen ist das Ghost in seinem Element. Spurtstark und wendig lässt es sich über die Kurse bewegen. Der ziemlich breite Lenker mit 72 cm und die Manitou Sherman Flick in der Einstellung mit 130mm Federweg verleihen dem Biker über das Ghost die nötige Kontrolle, um sich mit dem Ghost am Limit zu bewegen. Genauso verhält es sich auf ruppigen Downhillpassagen. Schneller Antritt, Spurtreue, die hervorragend ansprechende Federgabel und ein agiles Handling zaubern schnell ein breites Grinsen auf das Gesicht des Fahrers.

Nur die etwas spärliche Traktion des Schwalbe Fat Albert Light Tire im Downhill auf nassem Waldboden und Wurzeln zeigen dem Biker die Grenzen auf. Ebenso lässt die Pannensicherheit des Schwalbe etwas zu wünschen übrig. Nachteile die auf BikerX Pisten und Dualslalom Kursen aber nicht ins Gewicht fallen. Die verbauten Komponenten sind von A bis Z erste Wahl. Die im Ghost Dual Racing Pro verbauten Mavic XM321 Felgen sind ebenso für den harten Einsatz konzipiert wie die von Truvativ stammenden Kurbeln und das Innenlager. Die Magura Louise Freeride brechen einem beim Verzögern des leichtgewichtigen Bikes fast die Hände. Da toleriert man auch gerne mal die „glucksenden“ Geräusche der Magura. Ein Bestücken der Bremse mit anderen Bremsklötzen könnte hier akkustisch Abhilfe schaffen. Die Truvativ Kettenführung funktioniert genauso hervorragend wie die Shimano XT Schaltung. Ein insgesamt hervorragend geschnürtes Paket um Spaß zu haben.

Die Vorteile des Ghost Dual Racing Pro für den Einsatz auf schnellen Pisten, dank des breiten Lenkers und dem relativ langen Oberrohr von 572mm, verpuffen allerdings etwas beim Dirten. Hier dürfte bei vielen Bikern eine gewisse Eingewöhnungszeit von Nöten sein, um auch hier das Potential des Bikes voll auszunutzen. Ein Herabsetzen der Manitou auf 90mm Federweg kommt dem Biker beim Dirten sehr entgegen. Das sonst softe Ansprechverhalten der Sherman wird straffer und der Lenkwinkel steiler. Der breite Lenker, der auf schnellen Passagen viel Sicherheit bietet, stört beim Dirten defentiv. Hier wäre ein schmalerer Lenker zum Zaubern in der Luft die bessere Wahl.

Das neutrale und gutmütige Fahrverhalten, auch im Grenzbereich, lassen den Besuch eines Skateparks zum Genuss werden. Aber auch hier wünscht man sich einen etwas schmaleren Lenker oder dementsprechend längere Arme. Funboxen, Miniramps und Treppen animieren zum Ausprobieren. Das Ghost verleitet dazu, durch seine gute Beherrschbarkeit, neue Tricks anzutesten. Nicht umsonst besteht das Ghost Dual Team mit Sascha Meyenborg und Marcus Staudacker aus zwei BMXern.

Die vieler Orts kritisierte Qualität der Lackierung können wir nicht bemängeln. Lediglich an der Bremssattelaufnahme des Hinterbaus löste sich im Bereich der Verschraubung der Lack etwas. Das Ghost ist allgemein sehr gut verarbeitet und mit einigen Feinheiten einen genauen Hingucker wert. Das lange Oberrohr verleiht nicht nur Fahrstabilität auf schnellen Trails, es ermöglicht auch größeren Bikern mit längeren Beinen ein entspanntes Fahren mit dem Ghost, welches nur in einer Größe mit einer Rahmenhöhe von 40cm angeboten wird. Für Individualisten gibt es den Rahmen auch einzeln.

Für das Jahr 2005 bietet die aus aus dem oberpfälzischen Waldsassen stammende Firma Ghost zwei verschiedene Ausführungen des Ghost Dual mit leicht veränderten Komponenten an: das Dual Pro und das Dual Team.

Preis des Komplettbikes: 1499 Euro
Gewicht: etwa 15 kg

Mehr Infos unter: www.ghost-bikes.de

Focus Black Forest – German Lightweight Technology – Fahrtest

Nur allzu oft schaut man über den großen Teich, wo Träume zur Realität werden. Hört man sich in Deutschland um, könnte wirklich der Eindruck entstehen, nur in den USA wäre das Verwirklichen von Träumen möglich. Die Präsenz der großen Marken aus Übersee und der Einfluss der US-amerikanischen Fahrer auf bestimmte Produktlinien, und damit deren Erfolg, unterstützen diese Meinung. Doch so weit muss man gar nicht schauen. Auch Deutschland bietet erstklassige Sportler und Bikeschmieden, sowie den Willen des Individuums, bereits bestehendes mit eigenen Ideen und Erfahrungen zu verfeinern und zu verbessern oder gar neue Wege zu beschreiten.

Einer der herausragendsten Sportler, die Deutschland zu bieten hat, ist Mike Kluge. Die gewonnenen Titel lassen sich an einer Hand nicht mehr abzählen: Mehrfacher Weltmeister und deutscher Meister im Querfeldein sowie mehrere Titel beim Mountainbiken einschließlich Sieg in Kaprun beim Worldcup im Downhill. Es kam wie es kommen musste. Anfang der neunziger Jahre gründete „Mike the bike“ eine eigene Fahrradmarke mit dem Namen Focus. Die Erfahrung von Mike Kluge und deutsche Ingenieurskunst bescherten der Marke Focus schnell große Beliebtheit und Ansehen. Letztendlich profitieren aber nicht nur die gefertigten Bikes von diesem Know-How, sondern speziell die Biker, die diese Geräte bewegen.

Ein Bike, welches dies besonders gut wiederspiegelt, ist das Black Forest aus der Sport Series. Zugegebenermaßen war die Erwartungshaltung der mtb-extreme an das Black Forest sehr hoch. Ein langer Praxistest sollte zeigen, ob sich das Focus behaupten können wird. Bevor man mit dem „Black Forest“ zu Land und Tal zieht, sollte bei der verbauten Gabel, einer Suntour Axon (SF-AXO-E LO), auf den richtigen Luftdruck geachtet werden. Ein zu geringer Luftdruck lässt die Gabel schnell in die Knie gehen und ein Durchschlagen ist vorprogrammiert. Die Gabel mit den schwarzen Standrohren lässt sich mit der Lockout-Funktion zum Uphillen oder Straßenfahren blockieren.

Somit reduziert sich der Federweg von 100mm auf quasi 0. Ein minimaler Restfederweg bleibt als Reserve bestehen. Die Funktion und das Flexverhalten der Suntour kann man als akzeptabel bewerten. Die schmalen Little Albert von Schwalbe in der Breite 2.1 bieten wenig Rollwiderstand bei weitgehendst guter Haftung. Schwächen leistet sich der Reifen im nassen Terrain, hier schmiert er schon mal gerne weg. Das Herzstück des Black Forest, der superleichte und steife Rahmen, überzeugt durch gute Verarbeitung und einer erstklassigen Lackierung. Die Schlagworte heissen „German Lightweight Technology“ und „Superlight Double-Butted 7005 Alloy bioval tubing“.

Die Liebe steckt im Detail. Kabelbindersockel zur Befestigung der Bremsleitung, der integrierte Steuersatz und die edel wirkende matte Lackierung. In Verbindung mit den eingesetzten Komponenten wird die auf die Pedalen gebrachte Energie prompt in Vorwärtsbewegung umgesetzt. Beim steilen Klettern ist allerdings ein leichter Druck des Fahrers auf die Front des Black Forest nötig, weil es sonst die Nase hebt. Etwas Nervosität tritt auf ruppigem Untergrund auf. Das Bike fährt sich ansonsten sehr kontrolliert und die Magura Julie lassen das leichtgewichtige Bike schnell und gut dosierbar verzögern. Die Sitzposition ist sportlich entspannt und auch bei längeren Fahrten verkrampft sich der Biker nicht.

Das Black Forest passt einfach. Rahmengeometrie, Sitzposition, Lenker und Vorbau bilden ein hervorragendes Gesamtkonzept. Eine sechs Stunden andauernde Fahrt quer durch das Ruhrgebiet hinterließ bei mir, abgesehen von meinem Allerwertesten, keinerlei Spuren. Das beim Black Forest eine erstklassige Schaltung wie die Shimano XT verbaut wird, bedarf keiner weiteren Ausführung. Auch die Verwendung von Shimano LX Komponenten wie Umwerfer und Hollowtech Kurbeln bedürfen keiner weiteren Erläuterung. Das Bike fährt und fährt und fährt. Keines der angebauten Teile bereitete während des Tests irgendwelche Probleme, mit Ausnahme der Pedalen.

Aber eingefleischte XC-Biker werden sich wahrscheinlich sowieso Klickpedalen montieren. Auch eine ruppige Fahrweise und kleinere Jumps toleriert das Leichtgewicht, aber hier bitte in Maßen. Das Black Forest will dem Namen gerecht eingesetzt werden. Ein Bike mit einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis, welches XC- und Tourenfahrten zum Spaß werden lässt. Wald, Felder und Straße sind die Domänen, wo sich das Bike und der darauf befindliche Biker pudelwohl fühlen. Auf beiden Rädern oder auch mal auf einem Rad im Wheelie fahrend 🙂

Preis: 999,00 Euro
Gewicht: etwa 12,6 kg

Mehr Infos unter www.focus-bikes.de

HAI Dirt – Vorsicht Bissig! Test

Nicht erst seit Disneys „Findet Nemo“ oder Steven Spielbergs „Der weisse Hai“ ist das leicht bissige Verhalten dieser possierlichen Raubfische bekannt. Wie jeder weiss, besitzt der Hai mehrere, hintereinanderliegende Zahnreihen, um bei Bedarf, wenn ein Zahn abgebrochen ist, einfach den Zahn der hinteren Reihe nach vorne zu schieben…somit hat der Hai immer, in jeder Situation, den richtigen Biss…der Natur sei Dank.

Doch soll diese kleine Exkursion ins Tierreich nicht die Leser zum kleinen Tierfreund ausbilden, sondern über höchst bemerkenswerte Gemeinsamkeiten zwischen Natur und Technik zeigen. Schon alleine vom Namen her bietet sich hier das HAI Dirt an. Sogar die Farbe des HAI Dirt weist enorme Ähnlichkeiten mit dem gefürchteten Fisch auf. Schauen wir uns die Kettenblätter des HAI Dirt an, so erspähen wir auch dort mehrere Zahnreihen, genauer gesagt drei. Diese sorgen in Verbindung mit der XT-Schaltung für genialen und immer passenden Vortrieb, sei es bergauf oder bergab. Die Gänge sitzen, wie von XT gewohnt, perfekt. Durch das breite Schaltungsspektrum von 27 Gängen wird das Einsatzgebiet sehr weit gestreut.

Auch wenn die Bezeichnung auf den Spaß in der Luft hinweist, macht das HAI Dirt als Kletterziege eine ganz ordentliche Figur. So lässt man sich mit dem Bike auch schon mal zu einer CrossCountry-Tour hinreissen. Hier scheint auch das ideale Einsatzgebiet der Suntour XC Pro-D (SF-XC-PRO-NS-TD) mit 10 cm Federweg zu liegen. Zu Beginn des Tests konnte die Federgabel in keinster Weise überzeugen. Sie federte nicht wirklich soverän und sensibel Schläge weg. Die Federung war defentiv zu hart und die Zugstufe überdämpft. Downhillpassagen wurden mit der Suntour zur Mutprobe. Allerdings verbesserte die Suntour ihre Fahreigenschaften im Laufe des Tests. Durch das offene Ölbad könnte ein Befüllen der Gabel mit einem Öl niedrigerer Viskosität der Suntour von Anfang an ein besseres Ansprechverhalten geben. Die bordeigenen Mittel zum Einstellen der Gabel beschränken sich ausschliesslich auf die Federvorspannung mittels Plastikdrehknopf. Die Stabilität der Gabel mit den CroMo-Standrohren konnte uns voll überzeugen.

Enttäuscht haben uns in Punkto Stabilität die Rodi Excalibur Freeride Felgen. In Zeiten, wo die Anforderung an das Material der Freerider immer höher wird, enttäuscht uns hier das Label Freeride. Nachdem wir uns dreimal hintereinander eine ergonomisch gestylte Acht in das Hinterrad gefahren haben, können wir bei den Rodi Excalibur Freeride Felgen nur achselzuckend resignieren. Dafür enttäuschte das auf der Felge angebrachte Label „Antisnakebite“ nicht. Die Kurbeln und Lager von Truvativ überzeugten auf der ganzen Linie, ebenso die XLC Freeride Pedalen, welche wir Anfangs zugegebenerweise sehr argwöhnisch betrachtet haben. Selbst nach zahllosen Schlamm- und Regenschlachten liefen die Pedalen wie geschmiert. Kein Knacken, kein Knarzen. Von der Firma XLC stammen auch der Lenker und der Vorbau. Witzig ist hier, das auf dem Vorbau vor Downhilleinsätzen, Stunts und extremen Offroadeinsätzen gewarnt wird. Die Klemmung mit drei Schrauben erscheint wirklich nicht sehr vertrauenserweckend, hielt im Test aber ohne Probleme.

Auch wenn Downhillpassagen in der hier getesteten Version des Komplettbikes nicht zur Stärke des HAI Dirt gehören, überzeugt das HAI Dirt durch agiles Handling, vorausgesetzt, der Vorbau wird so tief wie möglich montiert. Ein Vorbau mit weniger Steigung würde dem Bike sehr gut stehen. Durch das gute Handling macht das Bike auf Dualpisten richtig Spaß. Die Michelin Hot Wildgripper haften genial und lassen eine gute Verzögerung der beschleunigten Masse zu. Die Magura Julie sind für den Einsatz im Dual und beim Dirten mehr als ausreichend.

Das Herz des Bikes, der Rahmen, ist vom Feinsten. Nicht nur optisch ansprechend, sondern auch sehr gut verarbeitet. Der von Hand geschweißte Rahmen aus 7005er Aluminium verleiht dem Bike Exklusivität. Im Steuerrohrbereich sorgt neben einem Gusset mit dem HAI-Schriftzug ein Tiger Teeth Gusset für extreme Verstärkung. Der Hinterbau ist nach BMX Vorbild gebaut. Die Lackierung des HAI Dirt sieht nicht nur gut aus, sie ist es auch. Die Lackierung ist ziemlich schlag- und scheuerfest. Das der Rahmen Disc als auch V-Brake kompatibel ist und ein austauschbares Schaltauge besitzt, muss wohl kaum erwähnt werden.

Fazit:

Das HAI Dirt trägt den Namen zurecht, wenngleich in der angebotenen Version des Komplettbikes leichte Abstriche gemacht werden müssen. Stabilere Felgen und ein ansprechenderes Verhalten der Gabel würden dem wirklich guten Rahmen sehr gut stehen. Für 999,00 Euro ist das HAI Dirt absolut empfehlenswert. Da das HAI allerdings auch als Rahmenkit erhältlich ist, hat jeder die Möglichkeit, sein Traumbike selber zusammenzustellen. So gewappnet kann man mit dem HAI Dirt unbesorgt auf den heimischen Dirts und Dualpisten erscheinen und mächtig abrocken. Somit wäre auch das Verhalten zum gleichnamigen Raubfisch geklärt 🙂

Preis: 999 Euro

Mehr Infos unter: www.haibike.de

oder direkt bei:
Winora-Staiger GmbH
Postfach 1422
97404 Schweinfurt

Univega RAM DS942 – ride it your way – Test

Mit dem Ziel Bikes zu fertigen, die jedem das geben, was er sich wünscht, hat sich Univega eine schwer lösbare Aufgabe gestellt. 1970 hat der Amerikaner Ben Lawee, Gründer von Univega, mit Auslagerung der Bikeproduktion nach Asien eine neue Ära eingeläutet. Seit dieser Zeit hat sich einiges getan. Produktentwicklung und Management ist mittlerweile „made in Switzerland“ mit Distributoren in 12 Ländern. Seit 1990 wird der Vertrieb in Deutschland aufgebaut. Das Ziel ist aber in diesen Jahren immer das gleiche geblieben: Bikes zu bauen die innovativ und ästhetisch sind, die Fahrvergnügen garantieren, die Abenteuerlust stillen, die Nerven kitzeln, die Sicherheit und Komfort bieten.

Das Theorie und Praxis bisweilen weit voneinander entfernt sein können, mußten wir in unserem Leben schon oft erfahren. Milli Vanilli sang nicht selber und ob die Mondlandung wirklich stattgefunden hat, darüber streiten sich ja mittlerweile die Gelehrten. Auch wenn wir von der FRAKTUR nicht in der Lage sind, den aktuellen Status der Mondlandung zu belegen oder zu widersprechen, so können wir aber das, was uns am Herzen liegt, nämlich das Biken, umso exzessiver auskosten und ausleben. Und so mußte das Univega RAM DS942 zeigen, ob Univega getreu nach dem Motto „ride it your way“ des Firmengründers Ben Lawee handelt.

Das RAM DS942 ist das Flagschiff in der Staffel der Dualbikes bei Univega. Und optisch weiß das DS942 bereits im Stand zu überzeugen. Der Blick über das Univega bereitet großes Vergnügen. Der sauber geschweißte schwarz-silberne Rahmen mit den Gussets und den vertikalen Ausfallenden gefällt sehr gut, die Rahmengeometrie ist eindeutig auf Dual und Dirt ausgelegt. Das wuchtige OnePointFive Steuerrohr mit der Manitou Sherman Breakout sprechen eindeutig eine Sprache…dieses Bike ist für den Hardcoreeinsatz ausgelegt. Auch die Saint-Gruppe, sprich Bremsen, Schaltung und Kurbeln sprechen diese Sprache. Und dann der Blick auf die Pedalen…kreisch…was ist das? Mit der Bezeichnung VP-585 „ziert“ eine Kunststoffpedale dieses Bike. Etwas skeptisch wandert der Blick auf die Felgen. Hier wurden Mavic X-223 verbaut, die eigentlich eher an einem CC-Bike Verwendung finden. Aber wir werden sehen…

Haupteinsatzgebiet ist, wie schon an der Bezeichnung des RAM DS942 erkennbar, das shreddern auf BMX-Tracks und Dualstrecken. So sind wir direkt nach Dortmund zur EDG-Halde um das DS942 auf dem BikerX zu testen. Das Bike liegt sehr geil auf dem Kurs, das Fahrverhalten ist sehr ausgeglichen. Das Bike driftet kontrolliert über beide Räder und die Tioga Factory DH verrichten gut und unauffällig ihre Arbeit. Das Bike lässt sich blitzschnell über den Kurs bewegen, und die Sprünge sind je nach belieben und Fahrweise gut zu schlucken, oder aber auch phatt abzujumpen. Das Bike macht einfach Spaß. Nur das Knacken und Knarzen, welches von den Pedalen kommt, sowie das Quitschen der oberen Truvativ Hussefelt Kettenführung nerven etwas. Ein bisschen Öl auf die Rolle der oberen Kettenführung und das Quitschen ist weg. Die Kettenführung funktioniert ansonsten einwandfrei.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die inverse Schaltung der Saint und der etwas schmale Lenker, wenn man sonst mit einem Downhill-Lenker unterwegs ist. Beim Dirten und Abjumpen merkt man das spielerische Verhalten des Univegas. Es fliegt super kontrolliert durch die Luft und macht einfach Spaß. Abgesehen von der Beschleunigungsphase. Die Pedalen knarzen vor sich hin und trüben somit den Beschleunigungsspaß. Sehr zufriedenstellend ist auch die Funktion der Manitou Sherman Breakout. Mit der Standardeinstellung von 112mm besitzt das RAM942DS ein optimales Handling. Auf schnellen ruppigen Passagen haben wir den Federweg der Sherman von 112mm auf 152mm eingestellt. Das bringt Laufruhe. Auch hier macht das Bike richtig Spaß.

Als wir uns dann bei den Pedalen auch noch ein paar Stifte rausgebrochen haben, und aufgrund nasser Witterungsverhältnisse darüber hinaus auch noch ein paar mal von den Pedalen abgerutscht sind, haben wir diese direkt verbannt und gegen DMR ausgetauscht…und siehe da…Silenzio…und als positiven Nebeneffekt hat man auch bei Nässe wieder Grip auf den Pedalen. Die hintere Felge hat uns aber den Ausritt auf dem Downhill etwas übelgenommen. Sie musste nachzentriert werden. Sehr genial funktionierten auch die Teile der Shimano Saint Gruppe. Die Bremsen haben den richtigen Biss kombiniert mit einer sehr guten Dosierbarkeit und der Schaltung konnten auch Schlammfahrten nichts anhaben. Der Gang sitzt, dank Saint.

Bis auf die Felgen und die Pedalen ist dieses Bike der absolute Hammer. Mit einem Preis von 2499 Euro nicht ganz billig, aber mit einem sehr geilen Rahmen und sehr geilen Parts lässt es das Herz eines jeden Bikers höher schlagen. Wir würden uns wünschen, das andere Felgen und andere Pedalen zum Einsatz kommen. Im verbauten Steuersatz verrichten herkömmlich Kugellager ihren Dienst. Hier bedarf es etwas Pflege. Auch sollte unbedingt abundzu der Hinterradbremssattel auf festen Sitz geprüft werden. Aber ansonsten bleibt zum RAM DS942 nur zu sagen: …erste Sahne…

Fazit:

Es stimmt also doch: … Bikes, die jedem das geben, was er sich wünscht – oder mit den Worten von Ben Lawee ausgedrückt: „Ride it your way“

Mehr Infos unter: www.univega.com