Der Eifelkreis Bitburg-Prüm hat sein Alltagsradverkehrskonzept vorgestellt, das alle 233 Ortsgemeinden auf über 1.900 Kilometern als lückenloses Netz verbinden soll. Damit soll das Fahrrad auch abseits des rein touristischen Verkehrs endlich im Alltag etabliert werden. Ein Blick auf die Strecken vor der Haustür zeigt, vor welchen massiven Herausforderungen der Eifelkreis steht.

Bislang galt das Radwegenetz in der Eifel vor allem dem Tourismus. Klassiker wie der Prümtal- oder Kyllradweg zeigen, wie gut das Radeln – und auch die Akzeptanz – auf ausgebauten Trassen funktioniert. Mit dem neuen Konzept des Eifelkreises Bitburg-Prümsoll das Fahrrad nun auch für Pendler, Schüler und tägliche Erledigungen attraktiv werden. Ein wichtiger und leider längst überfälliger Schritt. Wer die Topografie und die Straßenverhältnisse der Region kennt, weiß allerdings um die Hürden.
Das Dilemma zwischen Abkürzung und Sicherheit
Das Grundproblem im ländlichen Raum ist bekannt. Wer das Rad für den Weg zur Arbeit oder zum Einkauf nutzen möchte, sucht die kürzeste und im Idealfall flachste Verbindung. Die Alternativen abseits des Autoverkehrs führen jedoch oft über unbefestigte Wald- und Wirtschaftswege, die für eine echte Alltagsnutzung – erst recht im Herbst und Winter – nicht geeignet sind. Sie müssten zumindest eine feste, wassergebundene Decke oder eine Asphaltierung aufweisen. Viele Wirtschaftswege befinden sich zudem in Privatbesitz oder liegen im Verantwortungsbereich der Ortsgemeinden. Hier lückenlose Durchgangsrechte und Ausbaustandards zu schaffen, ist rechtlich wie finanziell ein Mammutprojekt.

Wenn die Landstraße zur einzigen Option wird
Wo geeignete Parallelwege fehlen, führt das Zielnetz daher zwangsläufig über bestehende Kreis- und Landesstraßen. Wenn hier jedoch lediglich Beschilderungen angebracht werden, ohne dass gleichzeitig eine bauliche Trennung oder ein breiter Seitenstreifen realisiert wird, entsteht kein Sicherheitsgewinn. Auf den kurvigen, unübersichtlichen und zügig befahrenen Straßen der Eifel bleibt das Mitrollen im schnellen Mischverkehr für Radfahrer somit weiterhin eine Mutprobe. Solange Autos und Lkw mit hoher Geschwindigkeit eng überholen, wird das Fahrrad für viele Bürger im Alltag keine (angstfreie) Alternative zum Auto werden.
Der Wille ist da – jetzt entscheidet die Umsetzung
Dass der Eifelkreis Bitburg-Prüm das Thema Alltagsradverkehr mit einem systematischen Konzept angeht, ist ein längst überfälliges Signal. Es offenbart aber auch schonungslos die infrastrukturellen Versäumnisse der letzten Jahrzehnte. Dass es mit bunten Strichen auf der Landkarte nicht getan ist, zeigt der Blick ins Detail: Über 2.800 Einzelmaßnahmen – davon rund 1.600 bauliche Eingriffe – sind im Konzept dokumentiert. Da das Papier zunächst nur ein Planungsinstrument ohne automatische Baurechts- und Budgetgarantie ist, müssen die Kommunen jetzt liefern: Es braucht mutige bauliche Lösungen, echte räumliche Trennungen und einen langen Atem beim Ausbau der Wirtschaftswege.
Redaktion / 11.08.2026


