Stevens S-7 Pro 2005 – Definition von Reinkultur?! Test

Puristik läßt sich definieren als die Konzentration auf das Wesentliche, frei von Spielerei und unnötigem Beiwerk. Frei übersetzt könnte man auch das Motto „weniger ist manchmal mehr“ anwenden. Selbst Comicheld Superman zeigte schon, daß es nicht unbedingt eines Batmobils bedarf, um überragendes leisten zu können. In der heutigen Zeit wird durch die Werbung oft der Blick auf das Wesentliche getrübt.

„Darf es auch etwas mehr sein?“ ist nicht mehr nur ein Spruch vom Metzger nebenan. Und jedes Kind weiß, daß jedes „etwas mehr“ auch immer etwas mehr kostet. Ob man das etwas mehr nun benötigt oder nicht, sollte der Käufer im Vorfeld genau abchecken. Wo macht das „mehr“ einen Sinn, wo ist es nur eine unnötige Geldausgabe?! Mit dem Stevens S-7 Pro 2005 steht dem Biker ein Mountainbike ohne unnötiges Geschnörkel zur Verfügung. Stevens beschreibt das S-7 selber als „Stevens-Konzept in Reinkultur“. Der Blick auf das S-7 mit den verbauten Parts scheint Stevens recht zu geben. Das Bike wirkt nicht aufdringlich, sondern schon fast Understatement. Keine blitzenden Scheibenbremsen zieren das Stevens, sondern der Klassiker Magura HS11 ist für die Verzögerung zuständig. Die schmalen Mavic XM117 Felgen fallen ebenso wenig auf wie die bewährte Schaltkombination Deore / Deore LX von Shimano. Und dennoch besticht das Bike durch sein Herzstück, dem Rahmen in der „Laguna Blue“ Lackierung. Ist das Konzept eines Bikes der Reinkultur zeitgemäß? Wir werden sehen…

Das Herzstück des S-7 ist zweifelsohne der sauber verschweißte Rahmen. Mit der Lackierung in „Laguna Blue“ wird nicht nur optisch ein Highlight gesetzt. Bestückt mit einer Scheibenbremsaufnahme, ist man für das eventuelle spätere Nachrüsten einer Scheibenbremsanlage gewappnet. Die Geometrie des Rahmens ist definitiv als sportlich einzustufen. Der steife Rahmen sorgt für einen guten und direkten Vortrieb. Die Qualität der Lackierung kann man als zufriedenstellend bewerten. Lediglich an der Kettenstrebe fanden sich nach dem Test einige unschöne Macken. Sehr schön finden wir die vom Werk aus angebrachten Klebestreifen an den üblichen Scheuerstellen, um den Lack zu schonen. Fahrtechnisch gut zum Rahmen paßt die Manitou Gabel Splice Elite mit 80mm Federweg. Die 80mm Federweg stellten sich als völlig ausreichend raus. Allerdings bedarf die Gabel einer Einstellung der Zugstufe und Federvorspannung, um ihr Potential in Verbindung mit dem Rahmen und des Geländes voll auszuschöpfen. Dies kann direkt vor Ort geschehen, notfalls sogar während der Fahrt. Werkzeug wird nicht benötigt, die Drehknöpfe sind so groß, daß man sie sogar mit dem Fuß bedienen könnte.

Optisch passen die großen Plastikdrehknöpfe nicht ganz zum zierlich wirkenden Bike, sind aber dafür ziemlich praktisch. Hat man für sich die optimale Einstellung der Manitou erstmal ermittelt, funktioniert die Splice sogar recht gut. Selbst eine Lockout-Funktion bietet diese Gabel und läßt somit das S-7 noch besser die Berge erklimmen. Am Stevens S-7 Pro wurde, wie bereits erwähnt, die bewährten Hydraulikbremsen HS11 von Magura verbaut. Wartungsarm und mit einer überzeugenden Bremsleistung bei einem geringen Gewicht sprechen schon seit Jahren für diese Felgenbremse. Nur bei Schlammfahrten treibt die Bremse, typisch für Felgenkneifer, dem Biker so manch Angstschweiß auf die Stirn. Die Bremsleistung bei eingesauten Felgen ist sehr dürftig. Wer viel im Regen und Schlamm unterwegs und dabei auf beste Bremsleistung angewiesen ist, kann im Bedarfsfall die Bremsgummis ohne großen Aufwand gegen spezielle Regengummis austauschen.

Nicht überzeugen konnte uns die Bereifung des Stevens. Die Continental Vapor Pro in der Breite 2.1 enttäuschten auf nassem lehmigen Untergrund genauso wie auf nassem Asphalt. Deshalb montierten wir für den weiteren Testverlauf die Blue Groove von Kenda. Zu der montierten Schaltgruppe muß man eigentlich keine großen Worte verlieren. Der Riese aus Japan stellt mit der Deore LX- und Deore-Gruppe schon seit Jahren eine feste und beständige Größe bereit. Shimano schaltet, schaltet und schaltet. Sorge hatten wir wegen der sehr schmalen Felgen. Die Mavic XM117 würde man von der Breite eher an einem Tourenbike vermuten.

Allerdings bewies die schmale Felge im Test erstaunliche Nehmerqualitäten. Selbst harte Kanten und so manchen Jump verkraftet die Mavic XM117 zu unserem Erstaunen. Etwas Schwächen zeigte das Laufrad in Bezug auf die Speichen. Diese lockerten sich, was aber bei vielen Neurädern zu beobachten ist. Unsere nicht gerade zimperliche Fahrweise beschleunigte diesen Vorgang, was eine der Speichen mit dem Ende ihres Lebens quittierte. Der Käufer sollte auf jeden Fall die vorgeschriebenen (empfohlenen) Inspektionen, zumindest die Erstinspektion, einhalten. Das Ganze geschnürt zu einem Paket läßt sich wirklich als Reinkultur ansehen. Die Sitzposition ist sportlich, wie der Einsatzbereich des S-7 Pro auch. Das Bike ist sehr agil, neigt aber etwas zur Nervosität. Das Stevens folgt prompt jeder Lenkbewegung, tendiert dabei im Grenzbereich zum Untersteuern. Durch das agile Handling motiviert das Stevens sogar zum Spielen, was man aber immer in gewissen Grenzen tun sollte. Der Wermutstropfen an dem Bike ist so klein, aber nicht minder ärgerlich. Die Sattelklemme. Ohne Werkzeug ist kein verstellen möglich. Ärgerlich wenn man unterwegs ist und nach einem Uphill den Sattel für die bevorstehende technische Abfahrt absenken will. Hier sollte auf jeden Fall eine Sattelklemme mit Schnellverschluß Anwendung finden.

Fazit:

Stevens ist für sein gutes Preis-/ Leistungsverhältnis schon seit Jahren bekannt. Auch das S-7 Pro 2005 reiht sich nahtlos in dieser Tradition ein. Für sein Geld bekommt man ein gutes und töchtiges Bike. Das Stevens S-7 Pro eignet sich besonders für diejenigen, die irgendwie alles mit einem Bike machen wollen bzw. ein gutes Allroundbike suchen. Das Konzept der Reinkultur geht auf: Weniger sollte es nicht sein, mehr muß es nicht sein. Ein großes Lob gebührt auch dem Online-Auftritt von Stevens. Gute Informationen mit Preisangaben und einem individuellen Bikekonfigurator runden das gute Gesamtbild von Stevens ab.

Farbe: Laguna Blue
Erhältliche Größen: 17, 19, 21 Zoll
Preis: 899 Euro
Gewicht: etwa 12,2 kg

Mehr Infos unter www.stevensbikes.de