Santa Cruz Nomad – Eine kurze beeindruckende Bekanntschaft – Test

Nomaden hält nichts lange an einem Ort. Unabhängig zu sein und schnell die Orte wechseln zu können, das ist die Maxime dieser Menschen, welche das sesshafte Leben ablehnen. Alles andere würde einem Gefängnis gleichkommen. Diese Charakterzüge sind auch bei dem Santa Cruz Nomad zu finden. Es will sich nicht in eine Kategorie einordnen lassen, um dort sein Leben fristen zu müssen. Nein, es ist der Nomade unter den Bikes. Wir hatten eine kurze, aber sehr interessante Begegnung mit dem Nomad.

Bei der ersten Begegnung stellte sich das Santa Cruz so vor, wie man es von Nomaden vermuten sollte. Das Nomad, eigentlich nur als Rahmen erhältlich, war auf lange und weite Touren eingestellt. Gleich wie die Nomaden in der Wüste, die den Ballast der Zivilisation schnell hinter sich lassen wollen. Der Aufbau unseres Nomad begünstigte diese Absicht. Doch mit ein wenig Aufmerksamkeit und Fingerspitzengefühl eröffnen sich für das Nomad unglaublich abwechslungsreiche Spielmöglichkeiten.

Schon optisch hebt sich das Nomad von der Masse ab. Die Form des Rahmens erinnert an die Schnittigkeit eines Windhundes. Der Rahmen ist sehr verwindungssteif und bietet mit 165 mm Federweg genug Potential, auch gröberes Gelände unter die Stollen zu nehmen. Auch beim Ausfallende entflieht das Nomad dem Mainstream. Das Ausfallende ist mitsamt Schaltauge komplett austauschbar. Was wäre ein Santa Cruz ohne Virtual Pivot Point, kurz VPP, welches dafür sorgt, dass sich der Dämpfer immer in einer antriebsneutralen Position befindet?!

Standardmäßig wird das Nomad mit einem Fox Float R Dämpfer vertrieben. Wir haben das Nomad mit einem Fox DHX Air 5.0 Dämpfer kennengelernt, der unglaublich viele Einstellmöglichkeiten bietet. Erstaunlich leichtfüßig lässt es sich mit dem Nomad pedalieren. Sitzend lässt sich spielend so mancher Uphill bewältigen. Lange Freeridetouren werden mit dem Santa Cruz zu Genusstouren, zumal das Nomad sehr spurstabil läuft. Lediglich beim Fahren im Sitzen schob das Nomad in den Kurven leicht über das Vorderrad. Wiegetritt quittiert das VPP leider mit unschönem Pedalrückschlag.

Auf Singletrails, Northshores und technischen Trails fühlt sich das Nomad samt Fahrer sauwohl. Die Sitzposition würden wir als leicht hecklastig bezeichnen. Der Hinterbau des Nomad spricht sehr sensibel an und bügelt die Trails geradezu platt. Das Tretlager liegt sehr tief, weshalb beim Beschleunigen in der Kurve oder auf schmalen Singletrails am Hang aufgepasst werden muss. Ein großer Vorteil des Nomad ist die voll versenkbare Sattelstütze. Die Verarbeitung des Rahmens ist über alles erhaben. Das sehr edle Design gepaart mit der Funktionalität lässt sich Santa Cruz natürlich auch dementsprechend bezahlen.

Über die perfekten Komponenten für das Nomad lässt sich sicherlich genauso streiten wie über die Einstellung des Dämpfers. Hier muss der Käufer selber entscheiden, wo er die Schwerpunkte setzen möchte. Die Stärke des Nomad ist für uns die Hatz über Singletrails, wo es durchaus auch mal berghoch gehen kann. Drops und Kanten nimmt das Nomad auf der Abfahrt sehr gerne mit. Für den Vertrieb von Santa Cruz Bikes in Deutschland ist der Dämpferspezialist Shock Therapy verantwortlich.

Fazit:
Der Rahmen des Nomad glänzt mit einer sehr guten Verarbeitung, einem exklusiven Design, einem sehr guten Ansprechverhalten, allerdings aber auch mit Schwächen beim Wiegetritt.

Rahmengrößen: S, M, L und XL erhältlich (14, 17, 19 und 21 Zoll)
Gewicht: etwa 3,3 Kilogramm
Preis: ab 2639 Euro (inkl. Fox Float R Dämpfer)

Mehr Infos unter:
www.santacruzmtb.com
www.shock-therapy.com

GT Ruckus 2006 i-drive 7 3.0 – Der Freerider im Test

Die 1972 gegründete Firma GT war schon sehr früh im Radsportbereich wegweisend. Fahrer wie Greg Hill sorgten in den achtziger Jahren für die Erfolge bei BMX Rennen und die Skateparklegende Eddie Fiola heizte mit GT den Zuschauern mächtig ein. In den folgenden Jahren folgte ein auf und ab der Kultschmiede aus den USA, dennoch vermochte GT immer wieder mit Innovationen für Aufsehen zu sorgen. Die Produktplattform 2006 beinhaltet die meisten Neuentwicklungen seit 1972. Das Ruckus i-drive 7 3.0 ist eines davon. Wir haben in einem Test das Ruckus kräftig zur Brust genommen.

Auffallend beim GT ist neben der Dämpferbefestigung das i-drive System. Die erste Ausfahrt bescheinigt dem ausgetüfftelten System direkt gute Noten. Der Hinterbau des sehr verwindungssteifen Rahmens, mit etwa 180mm Federweg, spricht sensibel an und liegt satt auf dem Trail. Durch das i-drive System sind keine Antriebseinflüsse bemerkbar. Es pedaliert sehr angenehm und selbst größere Freeridetouren sind kein Problem. Dank der zwei verbauten Kettenblätter klettert das GT sogar noch recht anständig. Selbst im Wiegetritt kann das i-drive überzeugen. Das Handling des GT kann ebenso begeistern. Für schnelle Abfahrten würden wir uns dennoch einen etwas flacheren Lenkwinkel wünschen.

Die verbauten Komponenten verdienen Lob und Tadel gleichermaßen. Das leichte Untersteuern des GT wird durch die Wahl der vorne etwas breiteren Reifen gut unterbunden. Das Ruckus rollt auf Tioga Blue Dragon, vorne in der Breite 2.5, hinten in der Breite 2.3. Die Alex DP20 Disc Felgen können genauso überzeugen wie die Truvativ Kurbeln. Von Truvativ sind auch das Innenlager, der Lenker und die Sattelstütze. Die schraubbaren Griffe von GT sind ebenfalls mit einem großen Plus zu versehen. Es könnte alles so schön sein, wenn nicht auf der anderen Seite dieses gute Bild durch andere Komponenten in Mitleidenschaft gezogen werden würde.

In keinster Weise konnte uns die verbaute Manitou Stance Blunt überzeugen. Das Ansprechverhalten der 150mm bietenden Federgabel ist sehr zäh und wirkt dem gut ansprechenden Rahmen entgegen. Wurzelpassagen und Steinfelder, die der Hinterbau mit einem lockeren Schmatzer absorbiert, zwangen uns dank der Stance zu akrobatischen Fahrmanövern. Leider sind auch die Einstellmöglichkeiten der Stance sehr dürftig. Bis auf die Einstellung der Zugstufe bietet die Stance Blunt keinerlei Möglichkeiten, schnell und unkompliziert die Gabel an den Fahrer und die Fahrweise anzupassen.

Ein weiterer negativer Punkt auf unserer Liste sind die Bremsen. Die Hayes Sole ist dem Power des GT nicht gewachsen. Hier würden wir uns von Hayes definitiv andere Bremsen wünschen. Die Verwendung des Maxle Schnellspann-Steckachsensystem von Rock Shox an der Hinterachse ist vorbildlich. Ohne Werkeug lässt sich schnell und unkompliziert das Hinterrad ausbauen. Leider verstummt die Freude beim Ausbau des Vorderrades, hier funktioniert ohne Werkzeug leider nichts mehr.

Auch das speziell für den Umwerfer angebrachte Rohr sollte GT noch einmal überdenken. Die kurze Schweißnaht kann im Falle eines Sturzes und der dadurch eventuell entstehenden seitlichen Belastung nicht gerecht werden. Bei uns verabschiedete sich so das Rohr samt Umwerfer. Der Rohrstummel kann aber durch eine interne Schraube zusätzlich fixiert werden, welche sich unter der Gummiabdeckung befindet. Wir empfehlen, unbedingt darauf zu acheten, das im Innern des Rohres diese Befestigungsschraube angebracht wurde!

Fahrtechnisch und vom Handling kann der Rahmen des GT begeistern. Harte Drops sind mit dem Ruckus ebenso möglich wie weite Touren. Das Bike lässt sich hervorragend pedalieren. Lediglich die Gabel und die Bremse stehen dem guten Fahrwerk des GT entgegen. Damit ist besonders auf ruppigen Abfahrten der Fahrspaß stark eingeschränkt. Für fetzige Downhills würden wir uns einen flacheren Lenkwinkel wünschen. Die Verarbeitung des GT kann, bis auf die Schweißnaht des Rohrstummels für den Umwerfer, absolut überzeugen. Auch die Lackierung zeigte kaum Macken nach dem Test. Der Preis von knapp 2000 Euro ist eine Kampfansage in der Klasse der Freerider.

Fazit:
Viele gute Komponenten, das sehr gut arbeitende i-drive und nicht zuletzt der Preis von knapp 2000 Euro sprechen für das GT Ruckus i-drive 7 3.0. Allerdings bleibt das GT durch die verbaute Manitou Stance Blunt und Hayes Sole weit unter seinen Möglichkeiten.

Rahmengrößen: M, L
Farbe: bentonite blue
Gewicht: etwa 17,7 kg (ohne Pedalen)
Preis: 1999 Euro

Mehr Infos unter: www.gtbicycles.com

Bikepark Winterberg – Spot-Check

Eine unglaubliche Auswahl an Möglichkeiten zum Austoben auf und mit dem Bike bietet der Bikepark Winterberg. Neben einem Downhill finden sich hier ein Six-Cross, ein Free-Cross, der Evil Eye, ein Funride und ein Slopestyleparcours. Nicht zu vergessen der Übungsparcours mit kleineren Northshores und Jumps direkt an der Bikestation. Mit dem Slopestyle und den vielen Northshoreelementen, die einen fast den Überblick verlieren lassen, zeigt sich der Bikepark Winterberg zudem voll trendy.

Der erste Besuch des Bikeparks Winterberg wird viele verwundernd die Augen reiben lassen. Es finden sich Wippen, Gaps in allen(!) erdenklichen Höhen und jede Menge Wallrides. Die Auswahl an Strecken ist erstaunlich. Sehr positiv in Winterberg ist die Tatsache, dass die verschiedenen Strecken fast alle nahezu am gleichen Punkt starten und das Ziel der meisten Strecken auch die Talstation des Sesselliftes ist. Dieser befördert den Biker dann in knapp 5 Minuten wieder nach oben.

Es fällt uns schon fast schwer es zu sagen, aber der Downhill rückt bei der unglaublichen Auswahl an Strecken und Möglichkeiten fast in den Hintergrund. Der Downhill, seit Jahren unverändert, bereitet nach wie vor viel Spaß. Mit sehr viel Flow kann man über die Kanten pfeffern und die vielen Bremslöcher lassen am Abend, nach dem Besuch des Bikeparks, an den schweren Armen erkennen, wie schwer man anscheinend doch arbeiten musste. Großartige Wurzelpassagen oder Steinfelder wird man auf der Abfahrt jedoch leider nicht finden. Eine kleine nette Wurzelpassage bietet sich allerdings auf einem Chickenway, an einer Kante vorbei, an. Der Abfahrtsspaß ist allerdings schnell zu Ende. Die etwa 900 Meter lange Strecke, die fast ausschließlich durch den Wald führt, hat man schnell hinter sich gelassen. Wir hatten das Glück, den Downhill im Regen zu erleben. Dann wird es sehr, sehr spaßig 🙂

Auch der benachbarte Evil Eye ist schon älteren Semesters. Auf etwa 750 Meter Länge bieten sich eine unglaubliche Ansammlung von unterschiedlichsten Northshoreelementen. Hier gibt es neben den normalen Hühnerleitern noch jede Menge Wippen, Steilkurven, Drops, Sprünge und ein Rondell. Die Northshores finden sich in allen erdenklichen Höhen und Breiten. Anfänger sollten diesen Bereich jedoch meiden! Doch die Northshores sind nicht nur auf den Evil Eye beschränkt. Überall finden sich auf dem Gebiet des Bikeparks Northshores. Der gute Zustand der Hühnerleitern kann sogar uns begeistern.

 

Der Slopestyleparcours bietet nicht nur jede Menge Herausforderungen, sondern ist zudem auch noch Zuschauermagnet. Mittelpunkt ist sicherlich die Funbox. Die Möglichkeiten an Variationen mit den Wallrides, den Gaps und den Sprüngen lassen nicht nur die Zuschauer staunen. Besonders die jüngeren Biker zeigen sich von dem Parcours sehr angetan.Der Free-Cross als auch der Six-Cross haben eine Eigenschaft gemeinsam: Es ist wie Karussellfahren, beim Free-Cross allerdings noch etwas ausgeprägter. Der Free-Cross bietet 1300 Meter Abfahrtsspaß bis zur Talstation des Sesselliftes. Der Six-Cross beschränkt sich auf den oberen Teil des Berges, in dessen Anschluss der Slopestyleparcours beginnt.

Der Sessellift bringt den müden Biker entspannt und in kurzer Zeit wieder nach oben. Wer lange Warteschlangen vermeiden möchte, dem empfehlen wir einen Besuch des Bikeparks Winterberg in der Woche. Am Wochenende kann man sich unter Umständen auf längere Wartezeiten einrichten. Die Liftpreise halten wir auch für fair. Diese sind sogar nach Uhrzeiten gestaffelt und betragen zur Zeit für eine Tageskarte maximal 23 Euro. Natürlich können auch Mehrtageskarten oder Einzelfahrten erworben werden. Als zusätzlicher Anreiz für die Girls ist Montags bis Dienstags „Ladys Day“, außer an Feiertagen und in den Ferien. Was wäre dieses perfekte Paket nicht noch ohne eine Möglichkeit zur Bikewäsche?! Genauso stellten wir uns einen Bikepark vor! Und es wird gebaut und gebaut 🙂

Fazit:

Winterberg zeigt, wie ein perfekter Bikepark auszusehen hat! Das ganze Komplettpaket könnte nicht besser dastehen. Lediglich beim Downhill würden wir ein kleines Minus setzen. Langeweile ist im Bikepark Winterberg ausgeschlossen!

Mehr Infos unter www.bikepark-winterberg.de

Bikepark Beerfelden – Freeriden im Odenwald

Einen gewissen Sinn für skurrilen Humor kann man den Beerfeldern nicht abstreiten. Dies mussten wir am eigenen Leibe bei einem Besuch des Örtchens Beerfelden im Odenwald erleben. Selbst im Biergarten treiben die Wirte Schabernack mit ihren Gästen. Immerhin kann man in Beerfelden auch eine „Sehenswürdigkeit“ bestaunen, den aus dem Mittelalter stammenden Galgen. Doch auch dies konnte uns nicht abschrecken und so nahmen wir unerschrocken den Bikepark Beerfelden unter die Stollen.

Die erste Überraschung erwartet den Biker mit dem Shuttleservice. Kein Schlepplift bringt den Biker auf den Berg, sondern ein Shuttlebus. Das erinnert ein wenig an Downhillracing in deutschen Landen. Für nur 13 Euro kann man den ganzen Tag, entspannt und relativ schnell, shutteln. Zumindest fast den ganzen Tag. Die letzte Abfahrt, die wir geplant hatten, fiel leider aus, weil der Shuttlefahrer auf einmal weg war. Nun gut, wir sind nicht nachtragend!!! Die zweite Überraschung sind die von uns erwarteten Northshores. Wer meint, er könne über viele Meter Hühnerleiter shreddern, wird enttäuscht sein. Lediglich ein nur wenige Meter langer Northshore und einige Northshorekicker locken hier den Biker. Der Northshore bzw. die Kicker sind mit den beiden Strecken, einem Singletrail und einem Freeride, gekoppelt. Diese können nach Lust und Laune mit den Strecken kombiniert werden, oder auch nicht.

Der Singletrail, als leicht ausgewiesen, erweist sich ruppiger als erwartet. Nette Wurzeln warten hier auf die erschreckten Anfänger. Hehehe. Es muss ein Genuss sein, diesen Trail bei Nässe zu fahren. Kanten und Sprünge sind auf dem Singletrail nicht zu finden. Hierfür bietet sich der Freeride an. Auch dieser kann mit einer schönen Streckenführung und einem hohen Spaßfaktor überzeugen, ohne jedoch besonders spektakulär zu sein. Der softe Waldboden mit den Wurzeln und Sprüngen ist spaßig, ausgeprägte Wurzelpassagen finden sich aber leider auch hier nicht. Genauso vermissen wir Steinfelder. Beide Strecken sind etwa 1 Kilometer lang und bieten etwa 90 Höhenmeter. Gute Nachricht: Es ist eine dritte Strecke, die verschärft sein soll, in Bau. Man darf gespannt sein.

Ein Fahrer, den wir trafen, äußerte sich zum Thema Northshores. Es habe Tatsache mal einige Northshores gegeben, die aber wieder abgerissen werden mussten. Die Überreste sieht man tatsächlich noch am Rand liegen. Schade eigentlich…

Fazit:

Für einen Bikepark zur Zeit leider zu wenig Spielmöglichkeiten. Die vorhandenen Trails bringen Fahrspaß, aber man vermisst die Vielfalt. Vorteil ist hier der Shuttleservice, gleich ob Schlepplift oder Shuttlebus, zu einem sehr fairen Kurs.

Mehr Infos unter www.bikepark-beerfelden.de

Focus First Expert – Auf Abwegen – Der Marathonexperte im Test

Das Focus First Expert, von Focus selbst im Bereich Marathon angesiedelt, besticht durch eine mutige und sehr eigenwillige Anordnung des Dämpfers. Die verbauten Komponenten des Focus sind einen Zungenschnalzer wert. Ob das First Expert auch First Class ist, galt in einem harten Test herauszufinden. Neben vielen Einsätzen auf unseren Hometrails, in der Provence und in der Eifel musste das Focus noch eine andere Disziplin bewältigen: Kurzerhand haben wir mit dem First Expert an einem XC-Rennen teilgenommen. Konnte das Focus das Team der Fraktur überzeugen?

Beim First Expert fällt direkt die sehr ungewöhnliche Rahmenkonstruktion auf. Der DT Swiss SSD-190 Dämpfer findet Raum in einer Aussparung im Oberrohr, welches sich quasi am Dämpfer vorbeischlängelt. Unsere Bedenken, mit dem Oberschenkel permanent das Oberrohr an dieser verdickten Stelle zu streifen, bestätigte sich nicht. Vorteil dieser Rahmenkonstruktion ist der gute Schutz des Dämpfers vor Dreck. Während der Hebel zum Blockieren des absolut überzeugenden Dämpfers noch gut erreichbar ist, bedarf es bei der Einstellung der Zugstufe etwas Fingerspitzengefühl. Mit der passenden Pumpe stellt dagegen die Zugänglichkeit zum Ventil für die Luftunterstützung kein Problem dar.

Die Sitzposition auf dem First Expert ist angenehm sportlich. Wir würden die Sitzposition zwischen Tour und Race anordnen. Selbst lange Touren sind mit dem Focus ein Genuss. Der leicht gekröpfte und relativ breite Lenker sorgt zudem für ein gutes Handling. Die Magura Louise FR mit einer 180 mm Bremsscheibe vorne und einer 160 mm Bremsscheibe hinten verzögert das leichtfüßige Bike sicher und sehr gut dosierbar. Auch bei Schaltwerk und Umwerfer legt Focus höchsten Wert auf Präzision. Nicht weniger als Shimano XTR wurde an dem First Expert verbaut, bei den Schalthebeln finden immer noch XT-Hebel Verwendung.

Bei der Federgabel hat sich Focus für die Rock Shox Reba Race mit 100 mm Federweg entschieden. Die Wahl der Federgabel erweist sich als äußerst gelungen. Durch das Remote Poploc lässt sich die Reba schnell und unkompliziert vom Lenker aus blockieren. Auch das Lösen der Blockierung geschieht völlig ohne Kraftaufwand. Wie durchdacht die Rock Shox ist, zeigt das Motion Control, welches die Dämpfung der Gabel steuert. Zusätzlich erlaubt die Einstellung des Floodgates eine Feinjustierung der Sperrposition. Die Zug- als auch die Druckstufe sind bequem von außen einstellbar, zudem bietet die sehr sensibel ansprechende Gabel die Möglichkeit, den Positiv- als auch Negativfederweg mittels Autoventil einzustellen.

In Verbindung mit der Rock Shox Reba Race läuft das Focus First Expert zur Höchstform auf. Der Viergelenker mit 100 mm Federweg lässt sich hervorragend beschleunigen. Nichts wippt unnötig und trübt somit den Vorwärtsdrang. Bei Unebenheiten spricht der Viergelenker sensibel an und selbst größere Brocken werden noch weggeschluckt, ohne dass Unruhe ins Fahrwerk kommt. Hier zeigt sich die Klasse des DT Swiss Dämpfers. Vor allem die Kletterfähigkeit des Focus weiß zu überzeugen. Selbst sehr steile Uphills meistert das Focus ohne widerwillig die Nase zu heben.

Der sehr gut arbeitende Hinterbau sorgt für genialen Vortrieb. Selbst beim Wiegetritt kann die Traktion für Begeisterung sorgen. Zielstrebig lässt sich das gutmütige Focus über Singletrails peitschen. In Grenzsituationen am Rande der Traktion bleibt das Focus sehr gut beherrschbar und vermittelt dem Fahrer ein gutes und sicheres Gefühl. Lediglich in Kurven mit sehr hoher Geschwindigkeit konnten wir ein leicht schwammiges Fahrverhalten feststellen, welches aber keinen Grund zur Sorge darstellt.

Kommen wir zu unserem Lieblingspunkt Reifen. Am First Expert sind Continental in der Breite 2.3 verbaut. Vorne versieht ein Gravity Pro seinen Dienst, der definitiv mehr Traktion bietet als der hinten verbaute Flow Pro. Aber beide verbauten Continental weisen Schwächen auf losem Untergrund und vor allem bei Nässe auf. Absoluter Pluspunkt der Continental ist dagegen das sehr gute Rollverhalten. Vor allem Marathonfahrer wissen dies zu schätzen. Alles in allem kann man für den Einsatzbereich des First Expert die Reifenwahl als gut bezeichnen.

Neben vielen Einsätzen auf Trails am Niederhein, in Südfrankreich und in der Eifel, sollte das Focus First Expert seine Stärken bei einem Rennen unter Beweis stellen. Kurzerhand haben wir mit dem Focus das XC-Rennen in Kollerbeck bestritten und bei den Masters den achten Platz belegt. Ein Beweis, wie giftig aggressiv das Focus bewegt werden kann, wenn es sein muss. Ein Sporttourer mit einem unglaublichem Potential! Knapp 2200 Euro sind kein Pappenstiel für ein Bike, aber dafür bekommt man ein sehr gut durchdachtes System, welches perfekt funktioniert. Das Focus First Expert bereitet richtig Laune beim Fahren. Die Verarbeitungsqualität und Lackierung des Focus geben auch keinerlei Grund zur Kritik. Selbst im Bereich der Kettenstrebe wies die Lackierung kaum Macken auf. Die vielen verbauten Komponeten von FSA, wie zum Beispiel die Kurbel und der Lenker, versahen ihren Dienst ebenso perfekt und zuverlässig wie die DT Swiss Laufräder.

Fazit:

Erneut beweist Focus wieder, wie sportlich aggressiv Sporttourer sein können, ohne dabei an Komfort einbüßen zu müssen. Der genial arbeitende Viergelenker kann voll überzeugen und die verbauten Komponenten werden dem Focus First Expert absolut gerecht – First Class eben!

Preis: 2199 Euro
Gewicht: etwa 12,3 Kilogramm (ohne Pedalen)
Farbe: salt/bahamabeige
Rahmengrößen: 44, 49, 54 cm
Mehr Infos unter www.focus-bikes.de

TSG Evolution Helm – Jetzt gibt es was auf die Murmel! Test

Nicht nur Timo Pritzel vertraut den Kunststoffschalen der bereits 1988 gegründeten Kultschmiede TSG. Der eigentlich aus dem Skateboardbereich stammende TSG Evolution Helm erfreut sich unglaublicher Beliebtheit bei Skateboardern. Wir haben uns den TSG Evolution, das Non-Plus-Ultra der Skateboarder, der mittlerweile auch BMXer und Mountainbiker in seinen Bann zieht, genauer angeschaut. Auffallend ist der tiefe Schnitt des Evolution. Der Ausschnitt an den Ohren und im Nacken ist tiefer als bei anderen Helmen.

Bereits das Überstülpen der Murmel lässt Freude aufkommen. Der TSG Evolution sitzt wie angegossen. Die Pads des Helms lassen sich dank Klett herausnehmen. Dadurch kann der Helm optimal gereinigt werden. Allerdings wird es mollig warm unter dem Helm. Die 14 Belüftungslöcher bringen nicht wirklich viel Abkühlung für den Schädel. Das Gewicht von etwa 450 Gramm halten wir akzeptabel und sollte auf keinen Fall mit dem Gewicht eines normalen MTB-Helms verglichen werden. Zu unterschiedlich sind Bauform und Einsatzzweck. Für die Stoßdämpfung sorgt, im Falle eines Sturzes, eine dicke Styroporschicht. Die Außenschale des Evolution besteht aus einer dicken Polycarbonatschicht. Verschlossen wird der Helm mit einem praktischen Schnappverschluss. Nervige Fummelorgien beim Schließen des TSG sind damit, selbst mit Handschuhen, ausgeschlossen.

Der sehr robuste Helm bietet sehr viel Sicherheit…nur das Verweigern sämtlicher sportlichen Aktivitäten mit dem Bike würde die Sicherheit definitiv steigern. Für die Verweigerer dieser Helmform sei noch erwähnt, dass durch den tiefen Nackenschutz in diesem Bereich erheblich mehr Sicherheit geboten wird, als bei einem herkömmlicher MTB-Helm. Die umfangreiche Farbpalette dürfte für jeden Biker das passende Outfit bieten. Natürlich erfüllt der TSG Evolution die gängigen Sicherheitsstandards wie der CE EN 1078 und der U.S. CPSC.

Fazit:

Phatte Optik gepaart mit hohem Schutz und einer perfekten Passform. Nicht nur das Non-Plus-Ultra für Skateboarder, sondern auch für BMXer, Dirter und alle, die sich im Skatepark tummeln!

Gewicht: etwa 450 Gramm
Größen: S/M, L/XL
Preis: etwa 49,95 Euro

Vertrieb:
KHE Fahrradhandels GmbH
Gablonzer Straße 10
76185 Karlsruhe

Mehr Infos unter:
www.ridetsg.com
www.khe-bmx.de

Sprungsucht auf dem Flugfeld – Dirtpark Remscheid

Mit einem verschmitzten Lächeln erklärt uns „Peda“, einer der Fahrer des Teams Sprungsucht aus Remscheid, den Werdegang des Dirtparks. Eigentlich aus einer Stratftat und einer Anzeige resultierend, nahm der illegale Streckenbau in Remscheid eine unglaubliche Kehrtwende. Viel Eigeninitiative der Biker und das Bereitstellen eines Grundstücks sowie von Werkzeug durch die Stadt Remscheid ließ einen Dirtspot entstehen, wie er offizieller nicht mehr sein kann: Das „Flugfeld“…

Die Anzeige gegen die Biker wurde fallengelassen, durch Sponsorengelder konnte für eine Woche ein Bagger gemietet werden und eine Baufirma spendierte das notwendige Erdreich. Seitdem ist viel geschehen und viel passiert. Nicht immer lief alles nach Plan, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Brüderlich wurde ein verwildeter Fußballplatz geteilt, die eine Hälfte für die Soccer, die andere Hälfte für die Biker. Knapp 45 x 45 Meter beherbergen jetzt mehrere Lines, wobei sogar ein Wallride als Abschluss dienen kann.

Die unterschiedlichen Charaktere der Lines und die verschiedenen Größen bieten für jeden Sprungsüchtigen die passende Line. So finden sich hier Lines mit Tables, Doubles, Stepjumps und die eine oder andere Möglichkeit für Transferjumps. Gestartet wird auf einer Erhöhung, die man bequem über eine Holztreppe erreichen kann. Die offizielle Eröffnung der „BMX-Radsportanlage“, wie es so schön in Beamtendeutsch heißt, fand am 27. Mai 2006 statt. Einem Besuch des Dirtparks „Flugfeld“ steht also nichts im Wege 🙂

Der Dirtpark in Remscheid ist ein Vorzeigeprojekt der Extraklasse. Aber Vorsicht, nicht immer verlaufen die illegalen Buddeleien so glimpflich. Also besser vorher(!) die Lage abchecken! Zu finden ist das Flugfeld im Remscheider Norden am Holz. Eine Anfahrtsskizze und die Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln findet ihr auf der Webseite des Teams Sprungsucht. Mehr Infos unter www.sprungsucht.de

BMW Mountainbike Enduro im Test – Freude am Fahren?!

Bereits seit 1992 bietet BMW eine eigene Produktlinie für Fahrräder an. In früheren Jahren war die Optik der BMW Mountainbikes sehr gewöhnungsbedürftig und fand wenig Zustimmung bei den Bikern. Mit dem neuen Enduro MTB präsentiert sich BMW dafür umso selbstbewusster. Das Bike mit dem formschönen Alu-Rahmen wirkt sehr edel und gefällt auf Anhieb. Der Rahmen wird im Tiefziehverfahren hergestellt und ermöglicht so diese extravagante Rahmenform. Optik, die gefällt. Kann das BMW Enduro auch in der Praxis überzeugen?

Schon der erste Blick auf das BMW MTB Enduro zeigt die Liebe zum Detail. Die vorbildlichen Schweißnähte sind ebenso überzeugend wie die hochwertige zweifarbige Pulverbeschichtung. Bereits jetzt darf erwähnt werden, dass diese nicht nur edel aussieht, sondern auch von der Qualität zu überzeugen weiß. Understatement wird bei BMW groß geschrieben. Nur ein kleines BMW-Logo, das bekanntlich einen Propeller am Himmel abbildet, weist auf die Firma BMW hin. Kein riesiger Schriftzug, wie sonst üblich, ziert den Rahmen.

Der Hinterbau des BMW Bikes mit 145 mm Federweg bei den Rahmengrößen M und L (die Rahmengröße S bietet lediglich 110 mm Federweg) arbeitet hervorragend. Sensibel schluckt der Viergelenker Unebenheiten weg und sorgt für gute Traktion. Bergauf als auch bergab kann das Fahrwerk des BMW Enduro absolut überzeugen. Der verbaute Manitou Radium RL Air Dämpfer leistet hervorragende Arbeit und lässt sich zum Tourenfahren bequem per Hebel blockieren. Der Hinterbau wurde bewusst in Matt gehalten und trotzt auch den hartnäckigen Schlägen der Kette.

Das Oberrohr des BMW Bikes ist sehr lang. Durch den schönen und praktischen Vario-Vorbau ist die Sitzposition aber leider viel zu gestreckt und trübt so etwas die Freude am Fahren. Dies ist sicherlich ein Zugeständnis an eine breitere Käuferschicht. Die Montage eines kurzen Vorbaus wirkte im Test aber direkt Wunder. Die Sitzposition wird aufrechter und das Bike handlicher. Mit dem kürzeren Vorbau lädt das Bike direkt zum Spielen ein. In diesem Zusammenhang würden wir einen breiteren Lenker empfehlen, um das Potential des BMW Enduro voll auszuschöpfen.

Bei der Federgabel hat sich BMW für die Manitou Black Platinum Air mit 120 mm Federweg entschieden, die sich mit ihrer Funktion sehr gut in das Gesamtkonzept einfügt. Die Einstellmöglichkeiten von Gabel und Dämpfer lassen eine gute Abstimmung an die persönlichen Bedürfnisse zu. Mit dem vollen zur Verfügung stehenden Federweg der Manitou Gabel werden steile Uphills allerdings zur Qual. Nervös hebt das BMW schnell die Nase und zwingt den Biker zu akrobatischen Balanceakten. Doch auch hier hat BMW mitgedacht. Die Reduzierung des Federwegs der Manitou Black auf 35 mm sorgt bei steilen Uphills für sicheres Vorankommen.

Die Absenkung der Gabel geschieht bequem vom Lenker mit einem Schalter. Durch ein erneutes Bedienen des Schalters und Entlastung des Vorderrades wird der volle Federweg wieder hergestellt. Eine perfekte Problemlösung! Dank des guten Fahrwerks mit dem sehr tiefen Tretlager liegt das BMW MTB Enduro satt auf den Trails. Besonders bei ruppigen Trails lernt man schnell das Fahrwerk zu schätzen. Probleme macht das tiefe Tretlager nur beim Pedalieren in Wurzelpassagen, Kurven und Steinfeldern.

Die Hayes HFX Mag XC Bremse sorgt mit ihrer guten Dosierbarkeit und dem herzhaften Biss für eine zuverlässige Verzögerung des Bikes. Die SRAM X.9 Schaltung glänzt durch präzise Schaltvorgänge und reiht sich nahtlos in das gut funktionierende Gesamtpaket ein. Sorgenkind sind für uns mal wieder die Continental Reifen. Die montierten Gravity Pro in der Größe 2.3 können uns weder von der Pannensicherheit noch vom Grip, besonders auf nassem Untergrund, überzeugen. Tourenfahrer werden bei den Continental Reifen jedoch den niedrigen Rollwiderstand zu schätzen wissen.

Sehr überrascht sind wir von der Robustheit des Bikes. Selbst harte Touren nimmt das BMW dem Biker nicht übel, wie auch unser Test auf dem Wildride im Fun-Park Todtnau zeigte. Somit kommen auch Freunde der härteren Gangart auf ihre Kosten, zumal das BMW eine aggressive Fahrweise zulässt. Haupteinsatzgebiet des BMW Mountainbike Enduro sind für uns aber schöne flowige Singletrails und sehr anspruchsvolle Touren. Und da darf es ruhig mal härter zur Sache gehen!

Erhältlich ist das Bike nicht nur bei ausgesuchten BMW Händlern und im Internet unter www.bmw-shop.com/lifestyle, sondern erstmalig auch über den Vertriebspartner Winora.

Fazit:

Mit dem BMW Mountainbike Enduro ist BMW ein großer Wurf geglückt. Das BMW MTB Enduro ist ein edles, erstklassiges und sehr hochwertiges Bike mit einem sehr breiten Einsatzgebiet. Die sehr gute Verarbeitung, das exclusive Design und die guten Fahreigenschaften verdienen unser höchstes Lob.

Preis: 2499 Euro
Größen: S, M und L (42, 45 und 50 cm)
Gewicht: etwa 14,2 Kilogramm

Mehr Infos unter www.bmw-shop.com/lifestyle