Raus aus dem Alltag, rein in die Natur! Hier findest du packende Spots, detaillierte Tourenberichte und Inspirationen für deine nächste Ausfahrt abseits des Asphalts. Ergänzt wird unsere Streckensammlung durch wertvolles Outdoor-Wissen und praktische Guides – von der optimalen Vorbereitung bis hin zu wichtigen Erste-Hilfe-Tipps für die Bike-Saison.
Jeder Alpencross ist etwas Besonderes. Je nach Vorlieben kann man den für sich richtigen Alpencross wählen. Unser Alpencross setzte sich mehr oder weniger aus zwei Teilen zusammen. Das Standardwerk von Achim Zahn wurde von uns genauso in die Tourenplanung einbezogen wie die Tour des Jahres 2002 der www.faszination-alpen.de. Wir haben also neben einem gedruckten Werk auch auf das Internet zurückgegriffen. Unser erstes Vorhaben, eine komplett eigene Route zu kreieren, haben wir angesichts unserer fehlenden Erfahrung auf dem Sektor Alpencross schnell wieder Beiseite geschoben.
Die ersten drei Tage unseres Alpencrosses sollten nach Vorlage und Beschreibung von Achim Zahn erfolgen. Unser Favorit für die ersten drei Tage war die Route 14 Berchtesgaden nach Venedig. Die vorgestellte Route mit dem Startpunkt Berchtesgaden und dem Zwischenziel in Lienz über Saalbach-Hinterglemm und dem Felber Tauern wusste uns zu begeistern. Das hieß natürlich, dass der vierte Tag auf eigene Rechnung geschehen musste, da wir uns ab Lienz von Achim Zahns Tour verabschieden wollten. Den nächsten Anschluss suchten wir in Cortina d’Ampezzo. Die auf der www.faszination-alpen.de vorgestellte 2002er Tour sollte bis Riva del Garda unser weiterer Richtungsweiser sein. Somit wählten wir für den vierten Tag die Fahrt durch die Pusteria und die Dolomiten bis nach Cortina d’Ampezzo. Zwischen Croda da Lago und Monte Pelmo sollte es ab dem fünften Tag dann weiter nach Alleghe gehen, bevor wir den Passo di Valles und Passo Rolle passieren würden. Der nächste Pass sollte der bekannte Passo 5 Croci sein, der Pass der fünf Kreuze. Als Highlight des achten Tages stand der Monte Ortigara auf dem Programm, nicht wissend, welches Fiasko uns dort ereilen sollte. Tagesziel des neunten Tages war das Städtchen Posina als Startpunkt für den zehnten Tag mit dem Endziel Riva del Garda über Rovereto. Auch dieser zehnte Tag sollte für einige Überraschungen sorgen.
Am Becco di Mezzodì
Berchtesgaden
↓
Saalbach-Hinterglemm
↓
Felber Tauern
↓
Lienz
↓
Pustertal
↓
Cortina d’Ampezzo
↓
Croda da Lago
↓
Monte Pelmo
↓
Alleghe
↓
Passo di Valles
↓
Passo Rolle
↓
Passo Cinque Croci
↓
Castello Tesino
↓
Monte Ortigara
↓
Posina
↓
Rovereto
↓
Riva
Es geht los – Die Eckdaten unserer Tour
Tag 1: Von Berchtesgaden nach Saalbach-Hinterglemm
78 Kilometer / 2295 Höhenmeter
Tag 2: Von Hinterglemm in das Felber Tal
47 Kilometer / 1750 Höhenmeter
Tag 3: Über den Felber Tauern nach Lienz
66 Kilometer / 1890 Höhenmeter
Tag 4: Das Pustertal und die Dolomiten
83 Kilometer / 1050 Höhenmeter
Tag 5: Croda da Lago und Mount Pelmo
32 Kilometer / 1675 Höhenmeter
Tag 6: Passo di Valles und Passo Rolle
67 Kilometer / 2440 Höhenmeter
Tag 7: Pass der 5 Kreuze – Passo Cinque Croci
73 Kilometer / 2095 Höhenmeter
Tag 8: Der Monte Ortigara
98 Kilometer / 2525 Höhenmeter
Tag 9: Posina
86 Kilometer / 1505 Höhenmeter
Tag 10: Endspurt – Alle Wege führen nach Riva
88 Kilometer / 2005 Höhenmeter
Kilometer insgesamt: 718
Höhenmeter insgesamt: 19230
Natürlich waren wir schon vor unserem Alpencross zu Gast am Gardasee. Ein bzw. zwei Probleme kannten wir bis dahin aber nicht: Platzmangel und das Packgewicht! Der Grund dafür war die komfortable Anreise mit dem PKW und dem damit verbundenen großzügigen Stauraum für das Gepäck und die Bikes. Bei einer Alpenüberquerung mit dem Bike erwarten den Mountainbiker einige zu lösende Probleme. Was muss mit, was darf mit, worauf kann man verzichten und worauf muss man sogar verzichten? Sicherlich gehört der Glitzeranzug für die nächtlichen Disco-Aktivitäten nicht zum Reisegepäck eines Alpencrossers. Ein Abwägen eventueller Risiken steht den meisten Alpencrossern bevor. So entschieden wir uns zum Beispiel aus Gewichtsgründen keinen Ersatzreifen mitzunehmen. Ein Risiko allerdings, welches jeder für sich abwägen sollte.
Ziel war es, das Gewicht des Rucksacks unter neun Kilogramm zu halten, um den Rücken zu entlasten und ein akzeptables Handling für die bevorstehenden Abfahrten zu ermöglichen. Man mag gar nicht glauben, wie wenig Gepäck neun Kilogramm sein können. Beim ersten Versuch hatten wir bereits 13 Kilogramm im Sack. Einen Teil unserer Ausrüstung , wie zum Beispiel Werkzeug und Flickzeug, musste also in der Satteltasche verstaut werden.
Nicht überraschend ist, dass der Rucksack im Verlauf der Tour immer leichter wird oder zumindest werden sollte. Der Grund hierfür liegt bei den Produkten, die wir während der Tour konsumieren – sprich verspeisen. Natürlich kann man sich auch des Kartenmaterials entledigen, welches man nicht mehr benötigt.
Man sollte sich also genau überlegen, was man nun mitnimmt und was nicht! Was wird unbedingt benötigt und was ist Luxus? Somit steht dem Alpencrosser ein nette, unterhaltsame und abendfüllende Tätigkeit bevor: Das Packen des Rucksacks!
Die Qual der Wahl: Was muss alles mit?
Rucksack und Satteltasche – Unser Kofferraum…
Grundvoraussetzung für ein angenehmes Fahren mit Rucksack ist ein guter Tragekomfort bei geringem Gewicht. Der Rucksack darf nicht wackeln und auf gar keinen Fall die Bewegungsfreiheit einschränken. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass der Rucksack die Nackenfreiheit beim Tragen des Helms nicht einschränkt. Eine Abfahrt, bei der man den Kopf nicht weit genug in den Nacken legen kann, kann sich schnell zu einem Höllenritt entwickeln. Neben einem guten Tragesystem sollte unbedingt auch auf eine Luftzirkulation im Rückenbereich geachtet werden. Ein weiterer Vorteil wäre, neben der Öffnung im oberen Bereich, eine Öffnung im unteren Bereich des Rucksacks. So gelangt man auch an die untenliegenden Sachen, ohne dass man direkt den ganzen Rucksack durchwühlen und auspacken muss. Unbedingt zum Reisegepäck gehört der Überzieh-Regenschutz für den Rucksack, um bei Regenfahrten den Inhalt vor Nässe zu bewahren. Zusätzlich oder alternativ kann man seine Sachen auch noch in einer Tüte verstauen, um die Nässe abzuhalten. Von einer Lenkertasche oder gar Seitentaschen haben wir natürlich abgesehen. Diese Verstaumöglichkeiten sind für eine familienfreundliche Tour oder auf befestigten Wegen sicherlich ganz hervorragend, bei unserer Alpenüberquerung aber völlig fehl am Platz. Meine Wahl fiel auf einen Rucksack der Firma Deuter mit 30 Litern Aufnahmekapazität. Hört sich viel an, ist es aber nicht – wie ich feststellen musste.
Bei der Satteltasche empfiehlt sich zum Beispiel die Mainstream mit dem schönen Namen MSX MS-2010M. Durch das geniale Befestigungssystem bleibt die Mainstream auch bei heftigsten Rüttelpassagen dort, wo sie hingehört: Unter dem Sattel und nicht auf dem Trail. Daneben bietet die Mainstream ein gigantisches Aufnahmevermögen. Allerdings sollte das in einer Satteltasche verstaute Gepäck rüttelfest verstaut werden, da die Vibrationen ungebremst auf das Gepäck einwirken und zum Teil hässliche Spuren im Gepäck verursachen können.
Energie – Beam me up
Neben einem guten ausgiebigen Frühstück und Abendessen ist die Versorgung mit Energie und Mineralstoffen während des Tages wichtig. Da wir keine Kaffeefahrt vor uns hatten, mussten Konzentrate her. Wir haben uns mit Energieriegeln, Energiegel und isotonischen Getränkepulvern von Xenofit eingedeckt. Eine sehr gute Wahl, wie sich später des öfteren herausstellen sollte. Knapp 700 Kilokalorien führten wir unserem Körper täglich durch die energie- und mineralstoffreichen Produkte zu. Alleine die geballte Energie von Xenofit belastete unser Gewichtskonto des Rucksacks mit etwa zwei Kilogramm. Hier am Gewicht zu sparen wäre sicherlich eine falsche Entscheidung gewesen. Zusätzlich gehörten getrocknete Bananen und Nüsse zu unserem Reisegepäck. Dem Problem der Wasserversorgung kann man in den Bergen an den Hütten oder auch an Gebirgsquellen zuvorkommen.
Allerdings würden wir der Behauptung widersprechen, ein 0,75 Liter Vorrat an Wasser würde reichen. Zwei Flaschen mit je 0,75 Liter sollte man schon am Bike mit sich führen!
Sonnenschutz – Niemals ohne!
Auf keinen Fall sollte man die Kraft der Sonne in den Bergen unterschätzen. Selbst Sonnenanbeter wie wir leiden unter der intensiven Strahlung der Sonne in den luftigen Höhen der Alpen. Unerlässlich ist ein guter Sonnenschutz. Durch die schützende und gleichzeitig pflegende Wirkung wählten wir Nivea Sun Pflegende Sonnenmilch. Ein weiterer sehr wichtiger Pluspunkt ist der Sofortschutz. Einreiben und weiter geht’s. Langes Warten gehört der Vergangenheit an. Ob man sich für die herkömmliche Sonnenmilch oder das Sun Spray entscheidet, bleibt den Vorlieben des Bikers überlassen.
Tooltime – Luftpumpe, Flickzeug und Werkzeug
Multifunktionell, platzsparend und leicht sollte es sein das Werkzeug für unterwegs. Eine eierlegende Wollmilchsau ist das Multifunktionstool T-KNOX von SKS. Ein Ersatzschlauch gehört zur Standardausrüstung eines jeden Alpencrossers und lässt sich hervorragend mit Klebeband, zum Beispiel im Rahmendreieck, fixieren. Der so verstaute Schlauch entlastet das Gewichtskonto des Rucksacks und spart Packraum. Gutes Flickzeug ist ein absolutes Muss, genau wie eine sehr leichte Pumpe. Die SKS X-Alpin überzeugt durch Handlichkeit und ihr geringes Gewicht. Die Halter für die X-Alpin lassen sich praktischerweise mit am Flaschenhalter befestigen. Somit ist diese Pumpe sicher verstaut und stört nicht. Auch ein Speichenschlüssel und ein Kettennieter dürfen auf keinen Fall vergessen werden.
Schlafsack
Wer sich beim Alpencross ausschließlich in feudalen Hotels einquartiert, kann sich das Extragewicht des Schlafsacks natürlich sparen. Allerdings ist man in den Alpen nie vor Überraschungen gefeit. Für unseren ersten Alpencross gönnten wir uns den Luxus von Übernachtungen in Pensionen und bewirtschafteten Hütten. Deshalb wurde nur der ultraleichte Mammut „Silk Liner Mummy“ und ein Baumwoll-Inlett von Tchibo verstaut, die aber dann doch Verwendung fanden. In einer von uns aufgesuchten Pension zogen wir es vor, das bereitgestellte Bettzeug, welches ein Eigenleben zu führen schien, behutsam vom Bett zu entfernen und die Nacht lieber im Schlafsack zu verbringen.
Wer überwiegend in unbewirtschafteten Hütten nächtigen will, muss sich natürlich einen wärmeren Rucksack zulegen. Es kann bitter kalt werden – was wir am eigenen Leib erfahren mussten.
Wohl gewandet beim Alpencross
Sommerlich brütende Hitze, Regen, Graupelschauer und Schneesturm…wie vielfältig und launisch das Wetter in den Alpen sein kann, erfuhren wir während unserer Alpenüberquerung am eigenen Leib. Temperaturschwankungen von 20 Grad pro Tag waren bei unserem Abenteuer in den Alpen keine Seltenheit. Beim Überqueren der Pässe bläst der Wind zum Teil so heftig, dass man Probleme hat, sein Bike festzuhalten. Um all diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss man entweder einen Kleiderschrank voll Wäsche hinter sich herziehen oder eine gezielte Auswahl an kombinationsfähiger Funktionswäsche im Rucksack verstaut haben.
Trikot und Radlerhose
Opas Jogger ist beim Biken zum Glück out. Nicht nur die Optik schmerzt, sondern mit der Zeit auch der Hintern. Gute Radlerhosen zeichnen sich durch ein perfektes Sitzpolster und Bewegungsfreiheit bei Formstabilität aus. Trägerhosen bieten zudem den Vorteil, dass die Hose nicht rutscht. Das Angebot an Radlerhosen ist immens. Beste Qualität zu einem vergleichbar niedrigen Preis bietet sogenannte „Sponsor“-Bekleidung. Damit ist nicht die sündhaft teure Produktpalette der Profiteams gemeint, sondern die meist mit Werbeschriftzug versehenen Produkte des Handels. Bestes Beispiel hierfür ist die umfangreiche Bekleidungspalette des Versandhandels Rose. Unsere Wahl in Bezug auf Radlerhosen fiel deshalb auf eine Trägerhose von Rose. Das Coolmax-Sitzpolster und das verwendete Lycra-Material sorgten während unseres Alpencrosses für ein angenehmes Sitzgefühl bei perfekter Funktion. Das abendliche Auswaschen der Hose war dank des schnell trocknenden Materials kein Problem. Neben der perfekten Funktion und Qualität sieht die Hose auch noch chic aus. Jetzt fehlt noch das Trikot! Auch hier lohnt der Blick zu Kleidungsstücken mit Werbeaufdruck.
Passend zur Trägerhose wählten wir von Rose das Radtrikot. Jeweils zwei Trikots und zwei Radlerhosen wurden für unseren zehn Tage dauernde Alpencross mitgenommen. Wir entschieden uns für kurzärmelige Trikots und kurze Radlerhosen. Im Falle eines Falles lassen sich diese mit Arm-, Bein- und Knielingen kombinieren. Für welche Trikots von welcher Firma man sich entscheidet, bleibt natürlich jedem Biker selbst überlassen. Man sollte aber auf jeden Fall die Bekleidung, besonders die Hose, vorab getestet haben!
Das geht auf keine Kuhhaut – Der wunde Hintern
Tagelanges Sitzen auf dem Bike bereitet selbst den Härtesten unter den „Ä….“ irgendwann Probleme. Ein Grund zur Sorge vor unserem Alpencross war genau dieser Punkt. Wer meint, damit müsse man leben, der irrt. Hirschtalg ist das Zauberwort. Xenofit bietet mit der Hirschtalg Sportcreme „second skin“ einen perfekten Schutz für uns Mountainbiker an. Vor Antritt der Fahrt morgens den Hintern im Bereich der Scheuerstellen einreiben und die Probleme des Wundscheuerns gehören der Vergangenheit an. Auch die Scheuerstellen auf der Schulter, hervorgerufen durch Tragen des Rucksackes, wurden mit der Xenofit-Sportcreme eliminiert.
Schuhe, Handschuhe und Helm
Ein Thema, auf das man wohl nicht mehr groß eingehen muss. Wer ohne Helm fährt ist selber schuld! Der Helm mitsamt seines Verschlusssystems muss sich in einem einwandfreiem Zustand befinden. Der Helm darf weder wackeln noch drücken. Auch auf passgenaue Handschuhe ist zu achten. Bei den Schuhen ist darauf zu achten, dass man diese, neben dem Fahrradfahren, zu diversen Wanderungen benutzen kann. Nicht immer ist in den Alpen alles fahrbar! Auch hier gilt: Nie mit ungetestetem Material starten!
Windbreaker und Regenschutz
Die bereits auf einer Tour in Südfrankreich bewährte Weste von Aldi fand auch beim Alpencross Verwendung. Damit man nicht – im wahrsten Sinne des Wortes – plötzlich im Regen steht, sollte eine sehr leichte Regenjacke mitgenommen werden, die bei Bedarf auch als Windbreaker dienen kann. Der Übergang an den Pässen ist zum Teil so windig, dass man die Regenjacke als Windbreaker zu schätzen lernt. Zudem kann diese bei leichtem Regen schnell und unkompliziert übergezogen werden. Leider sollte es ja mehr regnen als uns lieb war. Im Gegensatz zu Regenfahrten in heimischen Gefilden können Regenfahrten während des Alpencrosses ziemlich nervend werden. Die Tagesetappen sind meist sehr lang und die Zimmersuche kann zudem noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Eine Erkältung lässt schneller grüßen als einem lieb ist und ist so ziemlich das Letzte, was man bei einer Alpenüberquerung gebrauchen kann. Abhilfe verspricht hier ein guter Regenschutz. Als wenn der Alpencrosser finanziell nicht schon genug gebeutelt wäre, kostet Regenbekleidung für Mountainbiker leider auch noch richtig viel Geld. Nicht selten muss man für ein komplettes Set, bestehend aus Hose und Jacke, mehr als 200 Euro berappen. Aber es geht auch anders, wenn man bereit ist, kleine Nachteile in Kauf zu nehmen. Der Motorradhandel Polo bietet die Regenkombi FLM Stormchaser für unter 50 Euro an. Neben einem hautfreundlichen Innenfutter und dem robusten Außenmaterial, ist die Stormchaser Regenkombi dank Membranbeschichtung sogar atmungsaktiv. Nur das hohe Gewicht von etwas über einem Kilogramm, die Packmaße und die für Mountainbiker etwas ungünstige Schnittform sprechen gegen diesen Regenschutz. Dafür lacht die Geldbörse. Somit fand diese Kombi den Weg in den Rucksack. Eine Entscheidung, die während der gesamten Tour nicht einmal bereut wurde. Neben der perfekten Funktion bei Regen war der Einsatz als Kälteschutz in dem Schneesturm auf dem Felber Tauern geradezu unbezahlbar.
Armlinge und Knielinge
Armlinge, Knielinge und Beinlinge haben den enormen Vorteil, dass diese bei Bedarf schnell übergestülpt werden können. Zudem beanspruchen sie nur sehr wenig Platz. Mit kurzer Kleidung kombiniert kann eventuell auf die Mitnahme von langen Hosen und Trikots verzichtet werden. Das heißt weniger Gewicht und kleinere Packmaße. PowerBar bietet neben Energiefutter Bekleidungsartikel an. Darunter finden sich auch die von uns gewählten Arm- und Knielinge. Die Innenseite der „Schläuche“ ist für den besseren Kälteschutz speziell beschichtet. Der Einsatz während des Schneesturms am Felber Tauern zeigte: Die Dinger halten echt warm und sind zudem bequem. Für uns ein Muss für den Alpencross! Ich habe dennoch zusätzlich ein langes Trikot eingepackt, da wir für einen Alpencross ziemlich früh in der Saison gestartet sind. Nässe und Kälte können einem enorm zusetzen. Man sollte nicht glauben wie winterlich es noch in den Alpen sein kann, wenn bei uns schon der Frühsommer lockt!
Wie verpacke ich es?
Auf gar keinen Fall sollte man seine Sachen zusammenknüllen. Schön gefaltet und dann zusammengerollt verbrauchen die Sachen am wenigsten Platz. Schwerere Sachen sollten rückennah eingepackt werden. Man sollte immer darauf achten, dass sich nichts scharfkantiges im Rucksack befindet und erst recht nicht so verpackt sein, dass man sich im Falle eines Sturzes damit verletzt. Klappmesser und Multifunktionswerkzeuge immer nur im zusammengeklappten Zustand einpacken! Kein Glas transportieren! Ausnahmen bilden natürlich eventuell benötigte Medikamente. Diese sind aber mit Vorsicht zu verstauen. Bekleidung sollte man zusätzlich in einer wasserdichten Tüte verstauen. So bleiben die Sachen auch nach stundenlangem Fahren im Regen trocken.
Sonstiges – Auch daran sollte man denken
Zum Beispiel an ungebetene blinde Passagiere. Die Rede ist von den mittlerweile sehr lästigen und mitunter nicht ungefährlichen Zecken. Sicherlich kann man sich zumindest gegen den FSME Erreger impfen lassen, aber gegen die Borreliose ist immer noch keine Impfung möglich. Hier ist Vorsorge der beste Schutz. So sollte neben der FSME Impfung bei entsprechenden Passagen durch das Unterholz auf die chemische Keule zurückgegriffen werden. Auch wenn die Beurteilungen über diese Einreibemittelchen sehr variieren, würden wir es dennoch empfehlen. Ebenfalls empfehlenswert ist natürlich die Mitnahme eines Fotoapparates. Dieser ist natürlich dementsprechend gut zu verpacken. Die Kleidung bietet sich dabei als gutes Polstermaterial an. Eine Sonnenbrille schützt nicht nur vor den schädlichen UV-Strahlen, sondern auch vor tieffliegenden UFOs. Für den Fall der Fälle sollte ein kleiner Kompass mitgenommen werden – auch wenn wir diesen nicht benötigt haben. Wichtig ist ein Erste Hilfe Set. Sparen kann man sich definitiv den großen Elektrorasierer und den geliebten Radiowecker. Eine Zahnbürste, Duschgel und ein Mikrofaserhandtuch sollten sich aber im Gepäck befinden. Verschiedene Drogerien bieten Probiertübchen diverser Produkte an. Eine Beleuchtung für das Bike macht Sinn und sollte trotz des Mehrgewichts auf jeden Fall mitgeführt werden.
Fertig gepackt – Und nun?
Man wird erschrocken sein wie schwer neun Kilogramm auf Dauer sein können. Wenigstens wird der Rucksack durch Verspeisen des mitgeführten Energiefutters während des Alpencrosses immer leichter. Wer klug ist, trainiert vor dem Alpencross mit einem gefüllten Rucksack, um sich an die zusätzliche Belastung des Rückens zu gewöhnen. Hierbei lässt sich dann auch hervorragend die Bewegungsfreiheit überprüfen.
Fahrzeit: 7:06 Stunden Zurückgelegte Strecke: 88 Kilometer Zurückgelegte Höhenmeter: 2005 Meter
Am zehnten und letzten Tag unseres Alpencrosses sollte alles anders werden. Ein getrenntes Fahren war nicht mehr vorgesehen und der Anteil an Straßenfahrten sollte im akzeptablen Bereich bleiben. Klar definierte Richtlinien für eine klar definierte Route! Doch wie so oft im Leben und vor allem bei unserem Alpencross sollte auch dieser letzte Tag komplett anders verlaufen als es geplant war.
Wir waren mittlerweile zehn Tage unterwegs. Zehn Tage, die ihre Spuren hinterließen. Die zehn Tage zerrten nicht nur an unseren Kräften, sondern auch an unseren Nerven. Die Stimmung zwischen Markus und mir war leicht gereizt. Lust zum Biken verspürten wir beide nur noch wenig. Das Ziel Riva war zum Glück in greifbare Nähe gerückt. Zum ersten Mal auf unserer Tour hatte ich nach dem Aufstehen das Gefühl, dass die Beine nicht das machen wollten, was das Gehirn ihnen befahl. Dennoch sollte diese letzte Etappe wieder mal alles von uns abverlangen. Psychisch als auch konditionell.
Auffahrt zum Rifugio Papa
Von Posina fuhren wir den Tag beginnend zum Colle Xomo hoch. Etwa 500 Höhenmeter auf einer gut fahrbaren kleinen Straße mussten wir mit müden Beinen hochkurbeln. Doch die Power aus den Beinen war definitiv raus. Der Blick in die schöne Landschaft wurde immer mehr zu einem leeren Blick, der sich in der Landschaft verlor. Von Colle Xomo folgten wir der Strada degli Scarubbi Richtung des Rifugio Papa. Nach insgesamt knapp 1300 zurückgelegten Höhenmetern war sie wieder da: Höhenangst! Der Schotterweg, der als Asphaltweg begann, war zwar breit und sicher gebaut, allerdings führte dieser direkt am Steilhang entlang.
Das erste und auch das letzte Mal auf dieser Tour musste ich, wegen aufkommender Höhenangst, den Rückwärtsgang einlegen. Die ganze Quälerei des Tages war somit umsonst. Und das zu einem Zeitpunkt, wo wir sowieso schon sprichwörtlich auf dem Zahnfleisch gingen. Es gab keine große Diskussionen und jeder schlug seine Richtung ein. Markus setzte seine Route über das Rifugio Papa zum Rifugio Lancia fort. Unser nächstes Wiedersehen sollte erst wieder in Riva stattfinden. Wie sich herausstellen sollte, war die von mir getroffene Entscheidung für mich die richtige Wahl. Markus würde dies am Abend in Riva bestätigen. Es sollte für Markus nochmals richtig heftig werden. Davon habe ich aber nichts mehr mitbekommen. Für mich ging der Weg 800 Höhenmeter hinunter zum Colle Xomo. Und wieder begann die Fahrt gegen die Zeit. Viele Kilometer standen mir bevor. Die Keulerei und Hatz über Straße begann. Über die Strada 46 gelangte ich nach Rovereto. Erstaunlicherweise ist diese Straße recht verkehrsarm. Eine wunderschöne Aussicht gibt es gratis dazu. Langsam fing ich an zu realisieren, dass der Gardasee nur noch ein Steinwurf entfernt war.
Lago di SpeccheriKurz vor Rovereto – Die Einsiedelei di San Colombano
Von Markus sah ich weit und breit nichts. Weder er noch ich griffen zum Telefon. Ab Rovereto ging es im weiteren Verlauf über Mori und Torbole auf Radwegen zum Endziel der Tour: Riva del Garda. Innehalten sollte man kurz vor Riva am Ortsausgang von Nago. Der Blick auf den Gardasee ist jedes mal aufs neue beeindruckend!
Markus erreichte ein wenig später Riva. Er erzählte dann von Tragepassagen an Steilwänden und von einem genialen Downhill als Belohnung, wobei er sich aber leider einen Platten nach dem anderen holte. Völlig entnervt und mittlerweile ohne Flickzeug wurde er von einem vorbeikommenden Jeep bis nach Rovereto mitgenommen. Nach dem Kauf eines neuen Schlauches konnte er die Fahrt bis nach Riva fortführen, wo wir uns dann trafen.
Fahrzeit: 5:47 Stunden Zurückgelegte Strecke: 86 Kilometer Zurückgelegte Höhenmeter: 1505 Meter
Durch den unfreiwilligen Stop in Stoner mussten am neunten Tag von mir einige Kilometer gutgemacht werden. Mein Treffen mit Markus sollte in Posina erfolgen. Die letzte gute Möglichkeit doch noch gemeinsam Riva zu erreichen und den Alpencross zu beenden. Ein Rennen gegen die Zeit begann. Zusätzliches Handicap für uns beide war das Fehlen von Kartenmaterial – wie sollte es auch anders sein?! Die Kompass Karte 78 wäre Gold wert gewesen, so mussten mir allerdings die Übersichtstafeln an Ortseingängen und in den Orten den richtigen Weg weisen.
Der Dom in Asiago
Der Weg nach Asiago erfolgte über Landstraße, die zum Glück nicht so stark von Autos frequentiert wurde, wie ich befürchtet hatte. Passiert wurden dabei die Ortschaften Foza und Gallio. Der Flair der italienischen Städtchen ist nicht von der Hand zu weisen. Auch Asiago kann begeistern. Ab Asiago winkt der Radweg nach Canove di Roana. Aufgrund der fehlenden Karte wurde im weiteren Verlauf die Straße bis nach Cesuna genommen. Eine bis dahin technisch wenig ansprechende Fahrt. Die schönen Städtchen trösteten über den fehlenden technischen Anspruch hinweg. Es sollte aber wieder anspruchsvoller werden. Erstmal waren Forstwege angesagt.
Nicht nur die Bergwelt weiß zu begeistern. Die Orte sind malerisch schön und eine Stadtbesichtigung lohnt immer. Viele Straßencafés und Restaurants prägen das Bild italienischer Städte. Hier erlebt man die italienische Lebensart, das süße Leben, la Dolce Vita.
Comune di Caltrano
Am Monte Magnaboschi vorbei führt der ausgewiesene Radweg im Val Magnaboschi zum Rifugio Alpino. Ein kleiner asphaltierter Waldweg führt vom Rifugio am Malga di Fondi indirekt zum Wanderweg 689, der sämtliche Bodenbeschaffenheiten beinhaltet.
Schneller rutschiger Schotter ist ebenso Bestandteil dieses Weges, wie eine Wiesenpassage und ein genialer, aber leider etwas zugewachsener Downhill, der in San Dona endet. Nach Abschütteln sämtlicher Ungeziefer konnte es dann frohen Mutes und mit Adrenalin aufgepumpt weiter gehen. Leider endete hiermit auch der Fahrspaß wieder. Da noch viel Zeit gutgemacht werden musste und auch weiterhin keine Karte vorlag, war wieder die Fahrt über Straße angesagt. Ab Caltrano führt ein Radweg bis hinter Arsiero. Dieser meist aus Schotter bestehende Weg folgt dem Verlauf des Flusses Posina. Die letzten Kilometer bis nach Posina spulte ich wieder auf der Straße ab. Jetzt konnte der letzte Tag des Alpencrosses doch noch zu zweit bestritten und hoffentlich auch beendet werden. Vor uns stand nur noch ein einziger Tag.
Schnell fanden wir eine Unterkunft für die Nacht und kehrten für das Abendessen in ein nahegelegenes Restaurant ein. Wie so oft auf unserer Tour wurden wir auch hier freundlichst begrüßt und beantworteten den anderen Gästen gerne die Fragen zu unserer Tour. Zum Glück waren auch ortsansässige Gäste im Restaurant, von denen wir Auskünfte über unsere letzte bevorstehende Etappe erhielten. Wir wussten, dass uns zum Rifugio Papa noch eine große Auffahrt bevorstand. Meine Frage galt natürlich der Fahrbarkeit des Weges und meiner Höhenangst. Uns wurde von den Gästen allerdings grünes Licht gegeben…
Nur noch ein Tag bis zum Gardasee! Jetzt hatten wir auch endlich wieder eine Karte an Bord! Wir waren guter Dinge und das Ziel war mittlerweile greifbar nah. Eigentlich sollte von jetzt an alles gut gehen. Dachten wir…
Fahrzeit: 7:33 Stunden Zurückgelegte Strecke: 98 Kilometer Zurückgelegte Höhenmeter: 2525 Meter
Zugegeben, es ist schon ein arg mulmiges Gefühl, wenn man fernab der Zivilisation auf einem Berg munter in den Abend radelt, nebenbei beim Passieren eines Soldatenfriedhofs noch Nebel aufzieht und das ersehnte Nachtlager und Essen in immer weitere Ferne rückt. Geradezu umarmen kann man dann den Gastwirt des Gasthauses, der dann fast selbstverständlich sagt: „Si, kein Problem“. Wir haben an diesem Tag gelernt, dass viele Rifugien entweder ausgebucht, geschlossen oder reine Wochenendbetriebe sind.
Um diese kleine Unannehmlichkeit zu vermeiden, sollte unbedingt vorab abgeklärt werden, wo man einkehren will. Ohne Karte natürlich ein schwieriges Unterfangen. Auch wenn wir bis zu diesem Tag das Fehlen von diversen Karten recht gut kompensieren konnten, sollte der achte Tag zu einem Desaster werden. Doch wie kam es zu diesem chaotischen Verlauf?
Eigentlich fing alles perfekt an. Das Wetter war himmlisch, das Frühstück fast noch besser. Doch bereits die Ausfahrt aus Castello Tesino gestaltete sich schwieriger als angenommen. Durch ein Rennradrennen wurden sämtliche Zufahrtsstraßen gesperrt. Unser Vorhaben, sehr früh aufzubrechen, wurde somit vereitelt. Um dann vielleicht doch noch vorzeitig einen Ausweg aus Castello Tesino zu finden, fuhren wir in diesem Städtchen hin und her. Am Ende summierte sich diese Suche auf 150 Höhenmeter. 150 Höhenmeter für nichts. Dafür haben wir jetzt alle Ecken diesen kleinen und wunderschönen Örtchens gesehen. Gegen Mittag wurden die Straßensperren endlich aufgehoben und es konnte los gehen.
Natürlich ohne Karte! Bis dahin wussten wir noch nicht, dass dieser Tag zu einem negativen Paradebeispiel für eine Fahrt ohne Karte werden sollte. Über eine asphaltierte Serpentinenstraße fegten wir runter nach Grigno. Der Blick bei der Abfahrt ins Tal ist beeindruckend. Wir überquerten den Fluss Brenta und fuhren weiter in Richtung Selva. Eine brütende Hitze erwartete uns in diesem Tal, das unter diesen Umständen einem Hexenkessel glich.
Der folgende Uphill kostete bei Temperaturen um die 36 Grad ziemlich viel Körner. Und Wasser. Leider kamen wir mit dem Nachfüllen der verlorenen Flüssigkeit nicht mehr nach. Seit diesem Tag wissen wir, dass eine Flasche Wasser mitzuführen nicht ausreicht, auch wenn dieses oft behauptet wird. Völlig dehydriert kämpften wir uns den Weg zum Rifugio alla Barricata hoch. Abgesehen von den lästigen italienischen Fliegenschwärmen, die uns begleiteten, verlief die Auffahrt über den Forstweg 213 ohne Komplikationen. Am Rifugio ergab sich endlich die Möglichkeit wieder wertvolles Nass nachzutanken. So langsam ließen auch diese unglaublich hartnäckigen Fliegen von uns ab. Stanken wir mittlerweile wirklich schon so sehr?
Kurz nach dem Rifugio sollte sich Markus und mein Weg trennen. Der Schieberei der letzten Tage wollte ich entgehen und beschloss die Route auf fahrbaren Wanderwegen fortzusetzen. Markus wollte unbedingt nach Tourenvorlage am Monte Ortigara entlang. Ein Wanderer, den wir unterwegs trafen, meinte dieser Weg wäre nicht fahrbar. Ein kurzer Blick in seine Karte und für uns war der weitere Verlauf sonnenklar. Nach den Strapazen der letzten Tage war die Stimmung mittlerweile leicht gereizt. Irgendwie war jeder froh, endlich mal für sich seinen Weg ohne den anderen fahren zu können. Die Kommunikation zwischen Markus und mir hatte in den letzten zwei Tagen sowieso den Tiefstpunkt erreicht. So trennten wir uns und jeder fuhr seinen Weg – beide ohne Karte. Was danach begann war Chaos pur – für uns beide!
Auf dem Weg zum Rifugio alla Barricata
Endlich alleine unterwegs. Frohen Mutes kurbelte ich über den vermeintlichen Weg. Nach einer Stunde gelangte ich allerdings wieder an den letzten Zwischenstopp. Vielleicht vertan? Also fuhr ich nochmal in die Berge rein. Nach einer weiteren Stunde war ich wieder am besagten Zwischenstopp. Guter Rat war teuer, keine Karte griffbereit und keine Menschenseele weit und breit zu sehen. Als es Anfing zu dämmern und Nebel aufzog, von Markus per Handy keinerlei Reaktionen erfolgten, gab es nur noch eine Möglichkeit: Runter, nichts als runter, wohin es letztendlich auch immer gehen würde. Drei Rifugien passierte ich, die entweder geschlossen hatten oder überfüllt waren. Die Frage nach einem Nachtlager wurde meist belächelt und lapidar mit einem „immer dem Weg nach“ beantwortet. Somit landete ich irgendwie in Stoner bei Enego. Rechtzeitig bevor die Dunkelheit herein brach.
Und Markus? Er fuhr bis weit in die Dämmerung hinein, war dafür aber noch auf dem richtigen Weg. In letzter Minute kam er in einer Käserei unter. Keine Dusche, kein Essen. Es war kein Gastbetrieb, weshalb die Unterkunft nur eine Notunterkunft war. Dennoch war Markus für diese Bleibe dankbar, er hätte sonst mit seinem Schlafsack in der freien Natur übernachten müssen. Vielleicht hat es mich dann doch besser getroffen, auch wenn ich ziemlich weit weg von der Route war. Unser kurzes und sehr knappes Telefonat ergab das nächste Tagesziel, wo wir uns dann treffen sollten: Posina.
Viele der Wege, auf denen wir uns beim Alpencross bewegen, spielten im ersten Weltkrieg eine bedeutende Rolle – leider auch eine blutige! Die für uns jetzt zum Teil wunderbaren Wege waren im ersten Weltkrieg blutgetränkt. Auch der Monte Ortigara weist eine blutige Vergangenheit auf. Bei den Kämpfen um den Ortigara starben im ersten Weltkrieg etwa 55.000 Menschen. Trotz der Schönheit der Berge sollte dies nie vergessen werden!
Fahrzeit: 6:58 Stunden Zurückgelegte Strecke: 73 Kilometer Zurückgelegte Höhenmeter: 2095 Meter
Welch ein wundervoller Morgen. Geweckt durch die Sonnenstrahlen, welche einem sprichwörtlich in der Nase kitzeln, glitt der erste und zugegebener Weise noch verschlafene Blick durch das geöffnete Fenster, auf die beeindruckende Bergwelt der Dolomiten. Das Frühstück konnte man zwar nicht unbedingt als ausreichend bezeichnen, allerdings war die Nacht in dieser vergleichbar teuren Region nicht nur preiswert, sondern auch erholsam und gut. Den freundlichen Service und die gute Laune des Personals am frühen Morgen gab es gratis dazu.
Nach dem Verlassen von San Martino di Castrozza
Von dem Hostel ging es, mal wieder ohne Karte an Bord, über den Wanderweg 350 zum Lago di Calaita. Danach erwartete uns Highspeed pur. Über siebzig km/h lassen die Frage aufkommen, ob manche Radler nicht vielleicht doch einen Führerschein bräuchten. Da die Straße sehr breit und dazu noch asphaltiert ist, konnte man das Bike problemlos laufen lassen. Es war fast wie Moped fahren.
Wir streifen auf unserer Tour unglaublich schöne Seen – so wie den Lago di Calaita! Der See liegt auf einer Höhe von 1600 Metern und bietet einen herrlichen Blick auf die Bergkette Pale di San Martino.
Wir passierten die Stadt Canal San Bovo und folgten im weiteren Verlauf dem Fluss Vanoi. Dabei kamen wir am Rifugio Refavaie vorbei. Den Wanderweg 316 folgend ging es stetig auf einem Forstweg bergauf.
Pferde fressen alles! Gras, Rucksäcke, Fahrräder…
Kein Alpencross ohne dem Pass der fünf Kreuze! Zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man die verschiedenen Werke zum Thema Alpencross studiert. Auch wir haben den Passo Cinque Croci in unseren Alpencross integriert. Die Höhe des Passes liegt bei 2018 Metern. Fünf kleine, an einer Stange befestigte Kreuze markieren die Passhöhe. Nur wenige Meter daneben befindet sich eine Ansammlung von Wegschildern, die dem Radfahrer und dem Wanderer den weiteren Weg weisen.
Der Uphill Spaß blieb uns bis zum Passo Cinque Croci – dem Pass der fünf Kreuze – erhalten und sorgte dafür, dass die Beine kräftig brannten. Da der Forstweg gut fahrbar ist, kann man sich ohne Probleme über die Baumgrenze schrauben. Doch es sollte noch etwas höher gehen. Es war ein steiniger und harter Weg zugleich, den uns der Wanderweg 326 bescherte. Hier war wieder Schieben angesagt.
Passo Cinque Croci – Pass der fünf Kreuze
Auch auf der Abfahrt zum Malga Sorgazza ist diese alte Militärstraße zum Teil nahezu unfahrbar. Leicht gefrustet wurde das Bike mal geschoben, mal getragen. Danach folgte auf der Straße wieder der absolute Highspeed Abfahrtsthrill. Durch wunderschöne kleine Orte gelangten wir nach Castello Tesino, nicht weniger entzückend und reizend als die vorher passierten Orte.
Wir kommen dem Gardasee immer näher, dies ist nicht zu übersehen. Nicht nur das Klima und die Häuser verbreiten allmählich den Flair des Gardasees, sondern auch die Preise für Übernachtungen. Doch hatten wir wieder das Glück des Tüchtigen. Das Albergo Alpina bietet erstklassige Übernachtungsmöglichkeiten und ein perfektes Frühstück zu humanen Preisen. Wir können die italienische Gastfreundschaft, die wir während unserer Alpenüberquerung genossen haben, nicht genug loben. Das Hotel hatte an diesem Tag Ruhetag und wurde extra für uns geöffnet. Mille grazie!
Fahrzeit: 6:01 Stunden Zurückgelegte Strecke: 67 Kilometer Zurückgelegte Höhenmeter: 2440 Meter
Der Morgen des sechsten Tages begann wieder mit herrlichem Sonnenschein. Die Befürchtung, die Schmerzen des Sturzes würden am nächsten Morgen stärker sein, bestätigte sich zum Glück nicht. Schmerzen wären an diesem Tage aber auch das letzte gewesen, was man hätte gebrauchen können. Vor uns lag die Überquerung von zwei Pässen, ein Garant für vergnügliches bergauf kurbeln. Von Masare starteten wir auf der recht stark von Autos befahrenen Strada 203 nach Cencenighe Agordino. Natürlich sollte auch diesmal nicht alles nach Plan ablaufen!
Da uns leider mal wieder eine Karte fehlte, genauer gesagt die Kompass Karte 76, begann schon recht früh an diesem Tage eine kleine Irrfahrt. Sicherlich ein Umweg mit einem gewissen Charme. Um den Tunnel zu umgehen, schlug es uns in die Berge nach San Tomaso. Dieser kleine Ausflug sorgte an diesem sechsten Tage für die Extraportion Höhenmeter und Kilometer. Zu Beginn dieses kleinen Abstechers sahen wir in die Röhren des Tunnels, dessen Durchfahrt wir unbedingt vermeiden wollten. Was uns auch definitiv gelang. Nach einigen Höhenmetern und abgerissenen Kilometern kamen wir wieder auf die durch den Tunnel führende Straße zurück – diesmal knapp hinter dem Tunnel. Da wir für die Umfahrung zu viel Zeit geopfert hatten, mussten wir uns jetzt mächtig sputen.
Die Auffahrt zum Passo di Valles erfolgte über eine breite asphaltierte Passstraße, welche von Motorradfahrern aufgrund der genialen Straßenführung ziemlich geliebt wird. Bis auf über 2000 Meter ü. NN schraubt man sich hier gen Himmel.
Einige entgegenkommende Motorradfahrer honorierten dies durch einen Gruß. Wann wird man als Radfahrer schon mal von einem Motorradfahrer gegrüßt?! Im Rifugio auf dem Pass gab es die Belohnung für diese Schufterei: Genialste Spaghetti und einen herrlichen Latte Macchiato.
Am Passo di Rolle
Der Passo di Valles befindet sich, ebenso wie der Passo di Rolle, auf dem Gebiet des 1967 gegründeten Naturparks Paneveggio.
Viel Zeit zum Entspannen bleib leider nicht. Ein weiterer anstrengender Pass stand uns noch bevor: Der Passo di Rolle. Das erste Teilstück vom Passo di Valles in Richtung Passo Rolle erfolgte bergab auf der Passstraße bis zum Einstieg im Val Venegia. Der breite Schotterweg begleitete uns bis zum Passo Rolle. Dieser führte uns bis auf 2170 Meter über NN bei Baita Segantini und bei etwa 2000 Meter über NN über den Passo Rolle. Ein Weg der auch für Menschen mit Höhenangst möglich und machbar ist – zumindest hatte ich keine Probleme. Wenig technisch, aber gut zu kurbeln, bereitete der Aufstieg keinerlei Probleme.
Das Tagesziel San Martino di Castrozza erreichten wir durch Vernichtung von 700 Höhenmetern auf Schotterwegen sowie auf Straße. Ein Tag, der die Dolomiten von einer herrlichen Seite zeigte.
Beim Passo di Rolle handelt es sich um eine der ältesten Straßen in den Dolomiten. Der Pass ist mit seinen 1989 Metern nicht ganz so hoch wie der Passo di Valles (2032 Metern). Höher liegt dagegen die Schutzhütte Baita Segantini mit 2170 Metern. Egal von welchem Blickwinkel man in die Welt der Dolomiten eintaucht, der Anblick der schroffen Felsen ist atemberaubend.
Fahrzeit: 4:46 Stunden Zurückgelegte Strecke: 32 Kilometer Zurückgelegte Höhenmeter: 1675 Meter
Der erste Gedanke nach dem Aufwachen galt den am Abend entfernten Decken. Der Blick zu den Decken beruhigte uns. Die Decken lagen immer noch da wo wir sie abgelegt hatten. Die Nacht im Schlafsack war allerdings ungewohnt – zumindest für mich, der immer feudale Pensionen und Hotels bevorzugte. Für Markus war eine Übernachtung im Schlafsack eigentlich nichts Ungewöhnliches. Eine Übernachtung im Schlafsack in einem Gästezimmer war allerdings auch für ihn eine Premiere. Zumindest hatten wir die Schlafsäcke offensichtlich nicht umsonst mitgeschleppt.
Nach dem vorherigen „Ruhetag“ mit etwas über 80 Kilometern und 1000 Höhenmetern sollte uns am fünften Tag direkt zu Beginn ein Uphill Leckerbissen erwarten. Der fünfte Tag war gleichzeitig der Einstieg zu der 2002er Tour der faszination-alpen.de. Knapp 1200 Höhenmeter am Stück galten direkt am Anfang zu vernichten. Nach etwa 1000 Höhenmeter, die erst auf Asphalt beginnen und im späteren Verlauf auf immer loseres Geröll übergehen, besteht allerdings die Möglichkeit, im Rifugio Croda da Lago eine Stärkung zu sich nehmen. Was wir auch taten! Urlaub ist Urlaub! So genossen wir bei schönstem Sonnenschein und herrlichen Temperaturen mit einem herrlichem Blick auf den Federa-See und die umliegenden Berge sehr leckere Spaghetti. Nach der Stärkung verließen wir ab dem Rifugio Croda da Lago die bis dahin gefahrene Wanderroute 432, um auf den Wanderweg 434 zu wechseln, der sich am Croda da Lago bis zum Becco di Mezzodi empor streckt. Mit dem Wanderweg 434 erwartete uns ein technischer, aber sehr feiner Uphill über einen schmalen und steinigen Singletrail.
Am Croda da Lago
Der Federa-See, sprich der Lago Federa, ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Der auf 2038 Meter gelegene See dient auch vielen Wanderern als Etappenpunkt für die Besteigung des Croda da Lago und des Becco die Mezzodi. In diesem Bereich ist deshalb vermehrt mit Wanderern zu rechnen.
Der weitere Verlauf der Tour erfolgt abwärts über die Wanderroute 458 und 467 bis zum Rifugio Citta di Fiume mit schönen, zum Teil technischen Singletrailabfahrten. Der bis dahin perfekte Tag sollte dennoch einen negativen Beigeschmack bekommen. Im Gegensatz zur vorgegebenen Tour der www.faszination-alpen.de wählten wir ab dem Rifugio Citta di Fiume die Wanderroute 472. Ein Fehler wie sich herausstellen sollte. Die Wanderroute 472 ist für Biker definitiv nicht zu empfehlen, es sei denn, man schiebt sein Bike gerne.
Die Schiebepassagen bedeuteten mehr Frust als Lust. Genervt setzte ich einen Fuß vor den anderen. Natürlich ereilt einen in solchen Situationen auch noch Murphys Law. Das geniale Wetter wandelt sich – leider mal wieder – in Regen. Natürlich! Gefrustet durch die Schieberei, laut fluchend und dadurch nicht mehr mit der nötigen Aufmerksamkeit unterwegs, ging ich dann auch noch in einer endlich fahrbaren Abfahrt über den Lenker. Hier machte sich direkt der nächste Frust breit: Markus war voraus gefahren und ich lag kopfüber unter dem Fahrrad wenige Meter abseits des Weges. Von Markus keine Spur. Ich krabbelte wieder auf den Weg und fuhr bis zur nächsten Abzweigung, wo mich Markus erwartete.
Der Sturz blieb bis auf eine Prellung an den Rippen und einigen Löchern in der Regenkombi ohne Folgen. Nicht auszudenken, wenn hier unser Alpencross, aufgrund einer Verletzung, hätte beendet werden müssen. So konnte es nach einer Verschnaufpause und nachlassendem Adrenalinspiegel wieder weiter gehen.
Zwischen dem 2158 Meter hohen Crot und dem 3168 Meter hohen Monte Pelmo befindet sich der Gebirgspass Forcella Staulanza. Hier findet sich auch eine Raststätte und ein Parkplatz. Der Monte Pelmo gehört mit seinen 3168 Metern zu den höchsten Gipfeln der Dolomiten. Die Erstbesteigung des Monte Pelmo geschah übrigens erst im Jahre 1857 durch den Iren Sir John Ball.
Ab Forcella Staulanza erwartet einen dann auf der ausgewiesenen MTB-Strecke sehr viel Downhillspaß. Die sehr technisch mit vielen Steinen, Wurzeln und Kehren durchsetzte Abfahrt lässt so manchen Bikepark vor Neid erblassen. Mein vorangegangener Sturz veranlasste uns das Tagesziel vorzuziehen und schon in Alleghe zu nächtigen. In Alleghe gestaltete sich die Suche nach einem preiswerten Zimmer ebenso zeitintensiv wie in Cortina d’Ampezzo. Wer suchet, der findet aber auch hier. Fündig wurden wir in Masare, einem kleinen Nachbarörtchen.
Die Betten und die Bettdecken waren diesmal hervorragend, warmes Wasser zum Duschen ist ja nicht unbedingt zwingend notwendig. Ich duschte mit kaltem Wasser, während Markus diesmal auf die Dusche verzichtete – wer konnte es ihm verdenken?!
Die kleine Gemeinde Alleghe liegt direkt am Lago d’Alleghe. Der See entstand im Jahre 1771 durch einen Erdrutsch. Dabei wurden die Ortschaften Fusine, Riete und Marin begraben und die Ortschaften Costa, Peron, Sommariva und Torre durch das aufstauende Wasser überflutet. Aus der damaligen Katastrophe entstand ein traumhafter See. Doch nicht nur Mountainbiker, Skifahrer und Wanderer haben Alleghe für sich entdeckt – durch die traumhafte Lage in den Dolomiten gastiert hier auch regelmäßig die Giro d’Italia.