Special Alpencross: Etappe 10 – Endspurt – Alle Wege führen nach Riva

Fahrzeit: 7:06 Stunden
Zurückgelegte Strecke: 88 Kilometer
Zurückgelegte Höhenmeter: 2005 Meter

Am zehnten und letzten Tag unseres Alpencrosses sollte alles anders werden. Ein getrenntes Fahren war nicht mehr vorgesehen und der Anteil an Straßenfahrten sollte im akzeptablen Bereich bleiben. Klar definierte Richtlinien für eine klar definierte Route! Doch wie so oft im Leben und vor allem bei unserem Alpencross sollte auch dieser letzte Tag komplett anders verlaufen als es geplant war.

Wir waren mittlerweile zehn Tage unterwegs. Zehn Tage, die ihre Spuren hinterließen. Die zehn Tage zerrten nicht nur an unseren Kräften, sondern auch an unseren Nerven. Die Stimmung zwischen Markus und mir war leicht gereizt. Lust zum Biken verspürten wir beide nur noch wenig. Das Ziel Riva war zum Glück in greifbare Nähe gerückt. Zum ersten Mal auf unserer Tour hatte ich nach dem Aufstehen das Gefühl, dass die Beine nicht das machen wollten, was das Gehirn ihnen befahl. Dennoch sollte diese letzte Etappe wieder mal alles von uns abverlangen. Psychisch als auch konditionell.

Auffahrt zum Rifugio Papa

Von Posina fuhren wir den Tag beginnend zum Colle Xomo hoch. Etwa 500 Höhenmeter auf einer gut fahrbaren kleinen Straße mussten wir mit müden Beinen hochkurbeln. Doch die Power aus den Beinen war definitiv raus. Der Blick in die schöne Landschaft wurde immer mehr zu einem leeren Blick, der sich in der Landschaft verlor. Von Colle Xomo folgten wir der Strada degli Scarubbi Richtung des Rifugio Papa. Nach insgesamt knapp 1300 zurückgelegten Höhenmetern war sie wieder da: Höhenangst! Der Schotterweg, der als Asphaltweg begann, war zwar breit und sicher gebaut, allerdings führte dieser direkt am Steilhang entlang.

Das erste und auch das letzte Mal auf dieser Tour musste ich, wegen aufkommender Höhenangst, den Rückwärtsgang einlegen. Die ganze Quälerei des Tages war somit umsonst. Und das zu einem Zeitpunkt, wo wir sowieso schon sprichwörtlich auf dem Zahnfleisch gingen. Es gab keine große Diskussionen und jeder schlug seine Richtung ein. Markus setzte seine Route über das Rifugio Papa zum Rifugio Lancia fort. Unser nächstes Wiedersehen sollte erst wieder in Riva stattfinden. Wie sich herausstellen sollte, war die von mir getroffene Entscheidung für mich die richtige Wahl. Markus würde dies am Abend in Riva bestätigen. Es sollte für Markus nochmals richtig heftig werden. Davon habe ich aber nichts mehr mitbekommen. Für mich ging der Weg 800 Höhenmeter hinunter zum Colle Xomo. Und wieder begann die Fahrt gegen die Zeit. Viele Kilometer standen mir bevor. Die Keulerei und Hatz über Straße begann. Über die Strada 46 gelangte ich nach Rovereto. Erstaunlicherweise ist diese Straße recht verkehrsarm. Eine wunderschöne Aussicht gibt es gratis dazu. Langsam fing ich an zu realisieren, dass der Gardasee nur noch ein Steinwurf entfernt war.

Lago di Speccheri
Kurz vor Rovereto – Die Einsiedelei di San Colombano

Von Markus sah ich weit und breit nichts. Weder er noch ich griffen zum Telefon. Ab Rovereto ging es im weiteren Verlauf über Mori und Torbole auf Radwegen zum Endziel der Tour: Riva del Garda. Innehalten sollte man kurz vor Riva am Ortsausgang von Nago. Der Blick auf den Gardasee ist jedes mal aufs neue beeindruckend!

Markus erreichte ein wenig später Riva. Er erzählte dann von Tragepassagen an Steilwänden und von einem genialen Downhill als Belohnung, wobei er sich aber leider einen Platten nach dem anderen holte. Völlig entnervt und mittlerweile ohne Flickzeug wurde er von einem vorbeikommenden Jeep bis nach Rovereto mitgenommen. Nach dem Kauf eines neuen Schlauches konnte er die Fahrt bis nach Riva fortführen, wo wir uns dann trafen.

Riva, wir sind da!!!

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Andreas Waldera

Andreas Waldera

Das Urgestein der Fraktur! Bereits im Jahre 1996 stößt Andreas als Team-Fahrer und Texter zur Fraktur, damals ein Fanzine ausschließlich für Downhill Biker. Nach vier Jahren ruft er das MTB/Lifestyle Onlinemagazin "Fraktur - Das Magazin" ins Leben – bis heute eine Herausforderung, die dem begeisterten Fahrradfahrer geradezu auf den Leib geschrieben ist.

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