Special Alpencross: Vom Ende und vom Anfang

Da waren wir nun in Riva – Markus und ich. Wir sind zusammen gestartet und sind beide in Riva angekommen – aber nicht wie geplant zusammen. Diese zehn Tage waren eine enorme Herausforderung und eine harte Probe für unsere langjährige Freundschaft. Den Abend in Riva haben wir jeweils getrennt verbracht. Markus begab sich zum Entspannen an die Strandpromenade, während ich bei einem Pint Guinness in einem Irish Pub die vergangenen zehn Tage Revue passieren ließ.

Einsame „Zieleinfahrt“…

Die Rückfahrt nach Deutschland wurde mit einem Shuttleservice angetreten. Nahezu wortlos erfolgte auch die Fahrt zurück nach Hause. Nach dem Alpencross zog es Markus nach Südamerika, während ich meinen normalen Dienst in Deutschland versah. Es dauerte fast ein Jahr bis wir wieder Kontakt hatten. Jetzt ist unser Kontakt wie früher. Das zeichnet eine gute Freundschaft aus. Uns beiden tat die Pause sehr gut und mittlerweile lachen wir viel über das Erlebte. Was soll ich sagen?! Markus möchte den Alpencross gerne wiederholen und drängt mal wieder.

Wir würden jetzt natürlich vieles ändern und anders angehen. Die Dauer mit zehn Tagen empfinden wir jetzt, zumindest für den ersten Alpencross, als zu lang. Eine kürzere Dauer würde den Frust ab Mitte bis zum Ende der Alpenüberquerung auf jeden Fall entgegenwirken, wenn nicht sogar verhindern. Die von uns durchgeführten Etappen mit den geschafften Höhenmetern und den Entfernungen kann man allerdings als gutes Maß bezeichnen.

Der Alpencross: Eine harte Bewährungsprobe für Freundschaften

Eine Alpenüberquerung mit dem Mountainbike ist eine unglaublich faszinierende und zum Teil auch erschreckende Erfahrung. Man lernt viel über sich und seine Grenzen – und über seinen Mitbestreiter und dessen Grenzen. Dieses Abenteuer sollte man als Mountainbiker unbedingt erlebt haben!

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Special Alpencross: Zwei Sättel, zwei Meinungen

Zu unterschiedlich sollten die Bestreiter eines Abenteuers dieser Art nicht sein. Parallelen müssen vorhanden sein, immerhin ist man einige Tage sehr viele Stunden zusammen unterwegs. Man verbringt den Tag sowie die Nächte zusammen – und die Tage scheinen bei einem Alpencross immer länger zu werden. Bereits vor Beginn der Tour war klar, dass sich Markus und mein Weg das eine oder andere mal trennen sollte. Markus, leidenschaftlicher Kletterer, nimmt auch gerne einen Aufstieg zu Fuß und Schiebepassagen in Kauf, um zum höchsten Gipfel eines Berges zu gelangen. Für ihn gehört es einfach mit dazu. Ich für meinen Teil bezeichne mich als absoluten Nur-Biker, für den Schiebe- oder Tragepassagen zum absoluten Horror gehören. Viele Höhenmeter über anspruchsvolle Trails möglichst weit oben, aber immer fahrbar, standen auf meiner Wunschliste ganz weit oben – natürlich nicht direkt an Abgründen, die endlos ins Tal abfallen. Mir war natürlich klar, dass dies bei einem Alpencross nicht immer zu realisieren ist. Ich hoffte einfach nur, dass es nicht zu schlimm für mich werden würde.

 

Reicht die Kondition?

Natürlich sollte man nicht ganz unvorbereitet zu einem Alpencross starten. Auch wir haben uns für unsere Verhältnisse recht umfangreich auf den Alpencross vorbereitet. So starteten wir mehrmals gen Niederlande um die dortigen ATB Routen zu befahren. Um ein wenig Gebirgsflair zu erhaschen, fuhren wir zum Training in die Eifel und in die Schwäbische Alb. Selbst unser Aufenthalt in Südfrankreich wurde zum ausgiebigen Training für den Alpencross genutzt. Der tägliche Weg zur Arbeit wurde nicht mehr mit dem Auto bewältigt, sondern mit dem Fahrrad. Ob die Kondition für den Alpencross reichen würde, wussten wir natürlich nicht – wir hofften es einfach!

Red Bull Scandium Four-500

Die Bikes – Wer fährt was?

So grundverschieden wie die Ansichten eines idealen Alpencrosses waren auch die Anforderungen an die Bikes. So kamen zwei völlig verschiedene Vertreter von Mountainbikes zum Einsatz. Für Markus, einem absoluten Hardtailfreak, kam ein Fully in keinster Weise in Frage. Seine Argumentation für das Hardtail reichte von wartungsarm über unanfällig bis zum geringen Gewicht eines Hardtails. Für mich hingegen kam für den AlpenX nur ein Fullsuspension in Frage. Neben der sehr guten Traktion beim Hochfahren auf unbefestigtem Untergrund sprach vor allem das rückenschonendere Fahrwerk für das Fully. Der Rucksack belastet auf Dauer schon genug und somit wollte ich meinem Rücken etwas Gutes tun. Über 700 Kilometer in zum Teil recht unwegsamen Gelände und einem über neun Kilogramm schweren Rucksack würden genug vom Körper abverlangen. Dennoch sollte das Bike, trotz Vollfederung und guter Ausstattung, durch ein geringes Gewicht glänzen. Das Wichtigste ist allerdings, dass man sich auf dem Bike wohlfühlt – bergauf als auch bergab. Man sollte das Bike kennen und wissen wie es reagiert. Der Sattel muss passen, immerhin wird dieser über viele Kilometer hinweg den Bürostuhl und den abendlichen Fernsehsessel ersetzen. Daher ist es wichtig, niemals mit neuen und ungetesteten Bauteilen zu diesem Abenteuer aufzubrechen.

Markus Wahl fiel somit auf das Hardtail Poison Zyankali mit HS33 Bremsen von Magura und einer Marzocchi MX Comp Federgabel mit ETA System. Meine Wahl fiel auf ein Red Bull Scandium Four-500 mit Shimano XT-Komponenten samt Scheibenbremse und einer Fox Federgabel. Der Nachteil des Red Bull gegenüber dem Poison war die schlechtere Handhabung bei Tragepassagen. Ein Nachteil, den ich allerdings gerne in Kauf nahm. Am Ende sollte die Frage des idealen Bikes reine Philosophie bleiben. Beide Mountainbikes überzeugten durch Zuverlässigkeit und brachten uns, vorweg gesagt, sicher ans Ziel.

Poison Zyankali

Kompromisse – Ohne geht es nicht!

Wie so oft im Leben muss man natürlich Kompromisse eingehen. Um genau zu sein besteht der ganze Alpencross aus Kompromissen. Nicht nur dem Mitfahrer gegenüber, sondern auch bei der Wahl des Gepäcks und bei dem Bike. Natürlich hätte man sich das eine oder andere Mal auf der Abfahrt ein schnittiges Downhillbike gewünscht, aber man muss ja auch noch die Berge hochkurbeln können. Eine Marathon Rennfeile ist für Passagen bergauf vielleicht ganz witzig, aber für technische Passagen bergab nicht unbedingt die beste Wahl. Ein Shuttleservice ist zwar auch immer nett, aber kam für uns gar nicht in Frage. Wir wollten den Alpencross alleine bestreiten und bestehen.

Seine persönlichen Vorlieben sollte man – nicht nur zu Gunsten des Reisekomforts – ebenfalls überdenken. Ich bin beim Alpencross mit Lenkerhörnchen gefahren – eine Komponente, mit der ich im Alltag normalerweise niemals fahren würde. Wer mit einem Hardtail starten möchte, sollte sich über eine gefederte Sattelstütze Gedanken machen. Eine absenkbare Sattelstütze kann ebenfalls Sinn machen. Trinkflaschenhalter gehören auf jeden Fall ans Bike und auch eine Satteltasche macht Sinn. Der Sattel sollte bequem und auf jeden Fall tourentauglich sein. Doch auf die verschiedenen Komponenten werden wir nachher noch kommen.

Ebenfalls anders als sonst zeigt sich auch die Wahl der Bekleidung – hier war nicht mehr die kurze und coole FOX-DH Pant angesagt, sondern eine Radlerhose mit Polster. Das entspricht zwar nicht ganz unserem Geschmack, ist aber definitiv beim Alpencross die bessere Wahl! Bis auf das Mehrgewicht und den erhöhten Platzbedarf spricht natürlich nichts dagegen, die lässige und coole Short über die Radlerhose anzuziehen. Man sollte allerdings immer bedenken, dass man alles mitschleppen und verstauen muss. Wie gesagt…eine Tour mit sehr vielen Kompromissen!

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Special: Unser erster Alpencross – Das etwas andere Mountainbike-Abenteuer

Der Alpencross – welcher Mountainbiker träumt nicht davon, eines der letzten Abenteuer unserer Zeit zu erleben?! Die Alpen sind für die meisten von uns nur ein Steinwurf weit entfernt und dennoch so fremd. Markus und ich, zwei ambitionierte Biker vom Niederrhein, die seit vielen Jahren zusammen auf Achse sind, nahmen diese Herausforderung an. Wir wussten, dass wir uns aufeinander verlassen konnten und zumindest fahrtechnisch auf einem Level waren. Viele Kilometer haben wir schon gemeinsam hinter uns gelassen. Was sollte somit schon schief gehen?

Wie schwer es ist, eine wunderschön geplante Tour in die Praxis umzusetzen, wurde uns während unserer 10-tägigen Reise unverblümt aufgezeigt. Auch die Koordination und die Arbeitsteilung zweier verschiedener Charaktere warf doch einige Probleme auf, denen wir vorab keine Bedeutung beigemessen hatten. Das Fehlen von Kartenmaterial und unzureichende Informationen über die Tagesziele sollte uns das eine oder andere Mal in eine etwas missliche Lage bringen. Probleme, die man mit einer genaueren Absprache sicherlich hätte verhindern können. Auch die verschiedenen Ansprüche an die Streckenführung brachten mehr Probleme, als wir vorher geglaubt haben. Die psychischen als auch physischen Belastungen stellten eine ziemlich harte Prüfung und große Herausforderung für unsere Freundschaft dar!

Bereut haben weder Markus noch ich den Alpencross. Doch sollte die Überquerung der Alpen nicht ganz spurlos an uns vorübergehen. Unser Abenteuer soll den Leser zu seinem eigenen Alpencross ermutigen. Diese Reiseerzählung soll aber nicht nur ermutigen, sondern auch auf aufzeigen, welche Belastungen auf den Biker zukommen können und werden. Begleitet uns auf unserer unterhaltsamen Reise durch die Alpen – von der Vorbereitung der Tour bis zum Ziel in Riva.

Die Geburt einer Idee

Jeder Mountainbiker verspürt irgendwann den Drang, etwas Besonderes zu unternehmen. Er möchte in Bereiche vorstoßen, die er nie vorher gesehen und erlebt hat. Extreme Situationen zu erfahren und an seine eigenen Grenzen zu stoßen üben eine unglaubliche Faszination aus. Eine Faszination, die schon fast bizarr wirkt. Eigentlich bestand die Idee einer Alpenüberquerung schon seit einigen Jahren, aber im Jahre 2005 sollte es dann endlich soweit sein. Immer wieder sprach Markus mich darauf an. Markus, der die Welt bereist und neben dem Biken mit Begeisterung klettert, sah diesem Abenteuer gelassener entgegen als ich. Mein größte Sorge galt der Höhe. Damit meine ich nicht die Strapazen des Hochfahrens, sondern der Anblick der uns erwartenden Abgründen. Ich bin nicht schwindelfrei, zugegeben eine denkbar schlechte Voraussetzung für die Bestreitung eines Alpencrosses. Doch verspürte ich den Drang, dieses Abenteuer zu erleben. Worauf wir uns da genau einlassen würden, wussten weder Markus noch ich vor dem Alpencross natürlich nicht. Trotz der jahrelangen Erfahrung beim Mountainbiken und der einen oder anderen größeren Tour sollten wir uns mit unserer ersten Alpenüberquerung auf völlig neuem Terrain bewegen. Wir haben uns natürlich vor unserem Abenteuer Alpencross auf die vor uns liegenden Strapazen heiß gemacht. Die Videos „Abenteuer Alpencross“ und „Auf Heckmairs Spuren – Mit dem Mountainbike über die Alpen“ ließen unsere Herzen bereits vor dem Alpencross höher schlagen. Natürlich wollen wir dem Leser dieser Lektüre diese Einheizer nicht vorenthalten und werden ihm diese vorstellen. Doch trotz aller Theorie kann man sich nur bedingt auf einen Alpencross vorbereiten, vor allem dann, wenn man wie wir aus dem flachsten Flachland stammt, genauer gesagt vom Niederrhein. Können zwei Biker, die ihr bisheriges Leben mit dem Mountainbike hauptsächlich der Abfahrt gewidmet haben, eine solche Belastung, die sich über Tage hinweg zieht, überhaupt überstehen? Wir waren selber gespannt!

Anmerkung

Die Angaben in den einzelnen Artikeln erfolgen ohne Garantie, ohne Anrecht auf Vollständigkeit und Aktualität sowie ohne jegliche Verpflichtungen seitens des Autors. Der Autor weist darauf hin, dass das Befahren der Wege nach der Beschreibung eigenverantwortlich geschieht! Die Qualität der Wege und die Fahrbarkeit, auch in Bezug auf die Gesetzeslage, ist vom Reisenden selbst zu prüfen und seinem persönlichen Können anzupassen!

Das Recht der Nutzung von Wegen und Passagen kann sich jederzeit ändern! Straßen und insbesondere Wanderwege unterliegen oftmals Änderungen in Bezug auf Streckenführung, Kennzeichnung, Beschaffenheit und Verkehrsauflagen. Die Beschreibungen der Touren befreien nicht von gesetzlichen Auflagen! Den gesetzlichen Auflagen  ist unbedingt Folge zu leisten! Gesperrte Wege und Privatwege, die offensichtlich der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, dürfen nicht befahren/betreten werden! Sollte dieses Werk in einer Beschreibung einen dieser Punkte verletzt haben, bittet der Autor um sofortige Mitteilung, um die entsprechende Passage im Artikel zu aktualisieren.

Unser erster Alpencross – Die Entdeckung einer anderen Welt von Andreas Waldera erschien als gedruckte Buch-Version im Jahr 2011 bei der Books on Demand GmbH, Norderstedt (ISBN 978-3-8423-8359-3).

Überblick

Zwei Sättel, zwei Meinungen

Planung & Literatur

Die Route

Die Ausrüstung – Was muss mit?

Etappe 1 – Von Berchtesgaden nach Saalbach-Hinterglemm

Etappe 2 – Von Hinterglemm in das Felber Tal

Etappe 3 – Im Schneesturm über den Felber Tauern nach Lienz

Etappe 4 – Durch das Pustertal und die Dolomiten

Etappe 5 – Croda da Lago und Monte Pelmo

Etappe 6 – Passo di Valles und Passo Rolle

Etappe 7 – Pass der 5 Kreuze – Passo Cinque Croci

Etappe 8 – Der Monte Ortigara oder der Tag der Qualen

Etappe 9 – Posina oder der Wettlauf gegen die Zeit

Etappe 10 – Endspurt – Alle Wege führen nach Riva

Vom Ende und vom Anfang

Special Alpencross: Planung & Literatur

Bereits unsere germanischen Vorfahren zog es vom kalten Norden in den sonnigen Süden. Das Land jenseits der Alpen galt für viele Germanen als das Paradies auf Erden. Ein Paradies, welches die Kimbern durch Überquerung der Alpen zu erreichen versuchten. So setzten sich riesige Menschenmassen auf der Flucht vor Kälte und Hunger in Bewegung. Menschenmassen, welche die Römer zu Recht fürchteten. Um etwa 101 vor Christi wagten die Kimbern unter ihrem König Boiorix den letzten Vorstoß über die Alpen. Eine Geschichte mit tragischem Ausgang. Über 2100 Jahre später braucht man bei der Reise in das gelobte Land nichts mehr zu befürchten. Die Menschen sind sehr gastfreundlich und die Begeisterung für das Mountainbike überschreitet alle Landesgrenzen. Auch in dem zu durchquerenden Österreich genießt der Reisende enorme Gast- und Hilfsbereitschaft.

Traumhafte Kulisse garantiert!

Im Gegensatz zu vielen Alpenüberquerungen sollte unser Start nicht in Oberstdorf erfolgen, sondern in Berchtesgaden. Das Sprichwort „alle Wege führen nach Rom“ lässt sich, nach Betrachtung der möglichen Touren und Routen, abgeändert auch auf Riva del Garda übertragen. Die Anzahl der Möglichkeiten, nach Riva zu gelangen, ist immens. Je nach Anforderung an Mensch und Material bieten sich eine Unmenge von Möglichkeiten. Auch wir bedienten uns, um nicht direkt vor dem ersten Alpencross den Kopf zu verlieren, einiger externer Hilfen und dem Erfahrungsschatz anderer Alpencrosser.

Neben den Büchern findet man auch sehr viele Tipps im Internet. Man sollte sich nicht scheuen, in diversen Foren nach Rat zu suchen. Viele gestandene Alpencrosser geben sehr gerne Auskunft und stehen dem Alpencross-Neuling mit Rat und Tat zur Seite. Eine weitere gute Informationsquelle stellen DVD mit dem Schwerpunkt Alpencross dar. Diese sehr leicht zu konsumierenden Informationen fesseln durch die sehr schönen Landschaftsaufnahmen und die festgehaltene Geräuschkulisse zusätzlich.

Literatur zum Thema Alpencross

Sehr gute Dienste zur Vorbereitung unserer Tour leistete uns das Werk von Achim Zahn „Alpencross – Mit dem Mountainbike über die Ost- und Westalpen“ aus dem Bruckmann Verlag. Über 120 komplette Alpenüberquerung in 10 Jahren hat Achim Zahn hinter sich gebracht. Eine Erfahrung, von der man profitieren kann und auch sollte. Siebzehn detaillierte Routen gibt der Alpencross-Profi seinen Lesern preis. Hauptaugenmerk sind dabei Routen in den Ostalpen, allen voran Alpenüberquerungen ab Oberstdorf. Das magische Dreieck der Ostalpen wird genauso umfangreich und ausführlich behandelt wie die Routen über den Reschenpass und den Brenner. Für die Freunde der Westalpen finden sich drei detaillierte Routen, wie zum Beispiel der Alpencross vom Genfer See zum Mittelmeer.

Das Werk von Achim Zahn ist übersichtlich gestaltet und bietet, neben den vielen ausführlichen Routenbeschreibungen mit Tagestourenplan, sehr viel Wissenswertes zum Thema Alpencross. Von der Vorbereitung und Planung bis hin zur Wetterkunde ist in diesem Werk alles nachlesbar. Zu jeder einzelnen Route findet sich eine Kurzübersicht des Tourencharakters. Somit kann man vorab den Schwierigkeitsgrad, den Anspruch an die Fahrtechnik und Kondition sowie den Erlebniswert abschätzen. Zusätzlich findet sich zu jeder Tour ein Höhenprofil und eine Übersichtskarte. Fesselnd und leidenschaftlich geschrieben springt der Funke des Alpencrosses spätestens beim Lesen über. Der Alpencross-Baukasten am Ende des Buches bietet eine erstklassige Hilfe beim Planen einer eigenen Tour. Ein Werk, welches man getrost als die Bibel des Alpencrossers bezeichnen dürfte.

Erschienen im Bruckmann Verlag
ISBN 3-7654-4059-0
Preis 29,90 Euro

Ebenfalls aus dem Bruckmann Verlag ist der Hüttenatlas von Eugen E. Hüsler. 1300 verschiedene Hütten werden in diesem Buch vorgestellt. Neben den allgemeinen Infos zu den verschiedenen Hütten in Tabellenform, wie zum Beispiel die Lage, der Zustieg und die Kontaktmöglichkeiten, werden in diesem Buch zusätzlich einige Hütten separat vorgestellt. Hier erfahren wir mehr zur Geschichte der einzelnen Hütte und den damit verbundenen Menschen.

Eindrucksvolle Bilder unterstreichen die gewonnenen Eindrücke des Lesens. Die Übersichtskarten und Beschreibungen der jeweiligen Regionen können eine wertvolle Hilfe bei der Planung darstellen. Mit Hilfe dieses Werkes wird die Zimmerbuchung oder einfach nur die Vergewisserung, ob das Tagesziel überhaupt zugänglich ist, erheblich vereinfacht. Wermutstropfen bleibt, dass trotz der 1300 Hütten natürlich nicht alle Hütten der Alpen aufgeführt sind oder sein können. Eines unserer Tagesziele, das Tauernhaus Spital, fehlte in unserer Ausgabe komplett.

Erschienen im Bruckmann Verlag
ISBN 3-7654-3987-8
Preis 39,90 Euro

Mit diesen beiden Bänden kann man seinen persönlichen Alpencross sehr gut planen. Wir haben uns hinreichend der Informationen bedient und das angelesene Wissen in unseren eigenen Alpencross einfließen lassen. Je mehr man liest, desto heißer wird man natürlich auf die Alpenüberquerung. Jede freie Minute wurde auf dem Bike verbracht und wenn nicht, dann hing man entweder vertieft über einem Buch, stöberte im Internet oder hat sich mit einer DVD vorbereitet. Die bewegten Bilder heizen natürlich besonders ein und spätestens in diesen Momenten wünschten wir uns, bereits mit dem Bike unterwegs zu sein. Natürlich wollen wir euch diese beiden Dokumentationen vorstellen.

DVD – Auf Heckmairs Spuren – Von Oberstdorf nach Riva

Manchmal geht das Leben schon merkwürdige Wege. Umstände, die einen Menschen zwingen, sein Leben neu zu ordnen und die bisherigen Lebensinhalte zu überdenken. So erging es auch Andi Heckmair, der durch einen Lawinenunfall gezwungen wurde, seine bis dahin ausgeübte und geliebte Tätigkeit als Bergführer einzuschränken. Die Anfangs von ihm als Modeerscheinung angesehenen Mountainbikes erregten jedoch sehr schnell sein Interesse und so beschloss er 1989, als erster Mountainbiker die Alpen zu überqueren. Dabei sollte sein Weg so direkt wie nur möglich sein, so „wie der Flug der Schwalben“. 11000 Höhenmeter auf einer Länge von 450 Kilometer legte Andi Heckmair bei der Erstbefahrung der Alpen zurück. Eine sehr harte und schwere Tour. Ein Team des Bayerischen Rundfunks begleitete den Pionier des Alpencrosses 14 Jahre nach der Erstbefahrung auf dieser sehr anspruchsvollen Strecke. Eine Tour, bei der neben dem Mountainbiker vor allem der Bergsteiger gefordert wird.

Ohne Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung wäre diese Tour ein wahnwitziges Unternehmen und zum Scheitern verurteilt. Es wird geschoben, getragen, gefahren. Die Streckenführung ist so krass, dass einem und besonders mir schon beim Zuschauen schwindelig wird. Für Andi Heckmair kein Problem, der sogar Schluchten von 200 bis 300 Meter Tiefe liebt. Eindrucksvolle Aufnahmen bezeugen die Extremität dieser Tour. Den nur Mountainbiker könnte die Heckmair-Tour, angesichts der vielen Trage- und Schiebepassagen, allerdings abschrecken. Wer diese Tour fährt sollte das Mountainbike nach Aussage des Pioniers als Werkzeug betrachten. Da gibt es auch nichts zu makeln, denn die „Spielregeln kann jeder selber machen“. Dieser Aussage von Andi Heckmair können wir nur zustimmen. So führt der Weg neben Asphalt auch über viele ehemalige Schmugglerpfade. Eine Tour mit wunderschönen Impressionen, professionell vom Bayerischen Rundfunk festgehalten.

Als Bonus befindet sich auf der DVD der Beitrag „Zwischen Triglav und Adria“. Vier Stunden von München entfernt bietet sich dem Biker ein nahezu noch unberührtes Stück Natur. Eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen werben für das Biken an der Soca in Slowenien, jenseits des Massentourismus. Ein Gebiet, welches Rafter bereits für sich entdeckt haben.

Die Gesamtspielzeit der DVD „Auf Heckmairs Spuren – Mit dem Mountainbike über die Alpen – Von Oberstdorf nach Riva“ beträgt etwa 60 Minuten und der Preis 14,95 Euro.

DVD – Abenteuer Alpencross – Dokumentation von Schymik

Immer mehr Videos über extremes Biken überschwemmen den Markt. Dabei bezieht sich das Extreme auf Fahrmanöver und Sprünge, die für normal sterbliche Mountainbiker meist noch nicht einmal im Traum machbar sind. Der Markt in diesem Bereich scheint aber zu boomen. Selbst ein Backflip wird von der nach Adrenalin schreienden Masse nur noch eines flüchtigen Blickes gewürdigt. Fast könnte man meinen, dass der normale Biker in seiner natürlichen Laufbahn ausgestorben zu sein scheint. Umso mehr sticht aus der Masse der Videos eine Werk hervor, bei dem das Wort Extrem eine andere, wenngleich nicht unbedingt eine neue Bedeutung bekommt.

Welche Strapazen Mensch und Material bei einer Alpenüberquerung erleiden müssen, bedarf keiner Erläuterung. 650 Kilometer und über 20000 Höhenmeter in neun Tagen bringen Biker und Bike an den Rand des Möglichen und Machbaren. Begleitet von einem Kamerateam wagen vier Recken dieses Unternehmen. David Werner, Rolf Metzger, Carsten Schymik und Roland Schymik, Regisseur und Produzent zugleich, führen uns vom bayrischen Mittenwald aus durch sehr beeindruckende Gebirgslandschaften, teilweise am Frontverlauf des ersten Weltkrieges, bis nach Torbole am Gardasee.
Der Zuschauer schaut bei diesem 60 minütigen Video nicht nur zu, er hat das Gefühl dabei zu sein. Eine sehr gute Kameraführung vor einer unglaublichen Kulisse, unterlegt mit einer Musik, die wir zwar nicht einordnen können, die aber sehr gut zu den jeweiligen Szenen passt. Auch die sprachlich übermittelten Informationen passen sich sehr gut ins Gesamtgefüge ein und klären nicht nur über die Route, sondern auch über die Standorte und deren Geschichte auf, die zum Teil sehr blutig und grausam ist. Wer hätte gedacht, dass an so entlegenen Orten so erbarmungslos Krieg geführt wurde?!

Sehr gut gefallen uns auch die Sprachmitschnitte der Biker und die Interviews mit den Einwohnern und Gastgebern, die diese Gattung Biker mittlerweile zu schätzen gelernt hat. Nach neun Tagen ist das Ziel am Gardasee erreicht. Trotz einer Knieverletzung und eines Rahmenbruchs in den Bergen heißt es am Ende „shake hands“. Dazu passen auch die ehrlichen und offenen Statements am Ende der Tour. Die Produktion ist professionell und könnte auch einer Reportage im Fernsehen entstammen. Ein Video, welches Lust macht, sich ebenfalls den Strapazen zu stellen, um solch ein Erlebnis zu erfahren.

Der Preis der Dokumentation beträgt 15,00 Euro zzgl. Porto und Verpackung. Erhältlich ist dieses kurzweilige Abenteuer unter www.abenteuer-alpencross.de. Hier findet sich auch das dazugehörige Roadbook und weitere Titel zum Thema Alpencross.

Bei Abenteuer Alpencross handelt es sich um die erste große Dokumentation des Teams um Roland Schymik. Mittlerweile finden sich noch zwei weitere Abenteuer zum Thema Alpencross. Abenteuer Alpencross 2 beschreibt den Transalp auf der Albrecht-Route und der dritte Teil der Abenteuer Alpencross Serie beschäftigt sich mit den ebenfalls sehr faszinierenden Westalpen.

Aus dem gleichen Hause stammen übrigens auch Trailhunter Finale, Trailhunter Gardasee und Abenteuer Korsika. Anschauen lohnt!

Das Kartenmaterial

Unverzichtbar ist gutes Kartenmaterial. Ohne Kartenmaterial ist das Projekt Alpencross bereits vor der ersten Fahrt zum Scheitern verurteilt. Als Kartenmaterial haben wir uns mit Kompass-Karten eingedeckt. Der Vorteil der Kompass-Karten ist die länderübergreifende hohe Verfügbarkeit, die Aktualität der Karten und nicht zuletzt die Nennung des Kartenmaterials in den verschiedensten Quellen. Darüber hinaus kann man auf der Webseite von Kompass komfortabel die passenden Karten ermitteln. Die Karten zeigen natürlich alles, was man von einer vernünftigen Wanderkarte erwartet. Der Blick in die Karten differenziert unterschiedlichste Wegbeschaffenheiten und zeigt auch Mountainbike-Touren sowie Radrouten an. Der bei unseren Karten gebräuchliche Maßstab von 1:50.000 erwies sich als guter Kompromiss zwischen Lesbarkeit und platzsparendem Packmaß.

Das jeder Karte zusätzlich beiliegende kleine Kompass-Lexikon bietet viele wichtige Informationen über das gewünschte zu durchquerende Gebiet. Neben den aufgeführten Sehenswürdigkeiten findet sich auch viel wissenswertes über Land, Städte, Gemeinden und Leute sowie Kontaktinformationen zu Hütten und Gasthöfen. Diesen kleinen Ratgeber sollte man nicht unterschätzen und in seine Planung mit einbeziehen. Wenn man vor hat sich zu trennen, muss ein zweites Kartenblatt dieses Gebietes vorhanden sein! Damit war bereits das erste Sorgenkind unseres Alpencrosses geboren – wir haben schlicht und ergreifend nicht daran gedacht für diese Etappen einen zweiten Kartensatz mitzunehmen! Ein verhängnisvoller Fehler! Natürlich kann man auch per GPS auf Reisen gehen. Der hohe Preis und die Angst, die Technik könnte vielleicht versagen, ließ uns ausschließlich auf das altbewährte gute Papier zurückgreifen. Zumindest hatten wir einen Kompass (diesmal ist das Ding zur Bestimmung der Himmelsrichtung gemeint) dabei, den wir allerdings nie gebraucht haben.

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Special Alpencross: Die Route

Jeder Alpencross ist etwas Besonderes. Je nach Vorlieben kann man den für sich richtigen Alpencross wählen. Unser Alpencross setzte sich mehr oder weniger aus zwei Teilen zusammen. Das Standardwerk von Achim Zahn wurde von uns genauso in die Tourenplanung einbezogen wie die Tour des Jahres 2002 der www.faszination-alpen.de. Wir haben also neben einem gedruckten Werk auch auf das Internet zurückgegriffen. Unser erstes Vorhaben, eine komplett eigene Route zu kreieren, haben wir angesichts unserer fehlenden Erfahrung auf dem Sektor Alpencross schnell wieder Beiseite geschoben.

Die ersten drei Tage unseres Alpencrosses sollten nach Vorlage und Beschreibung von Achim Zahn erfolgen. Unser Favorit für die ersten drei Tage war die Route 14 Berchtesgaden nach Venedig. Die vorgestellte Route mit dem Startpunkt Berchtesgaden und dem Zwischenziel in Lienz über Saalbach-Hinterglemm und dem Felber Tauern wusste uns zu begeistern. Das hieß natürlich, dass der vierte Tag auf eigene Rechnung geschehen musste, da wir uns ab Lienz von Achim Zahns Tour verabschieden wollten. Den nächsten Anschluss suchten wir in Cortina d’Ampezzo. Die auf der www.faszination-alpen.de vorgestellte 2002er Tour sollte bis Riva del Garda unser weiterer Richtungsweiser sein. Somit wählten wir für den vierten Tag die Fahrt durch die Pusteria und die Dolomiten bis nach Cortina d’Ampezzo. Zwischen Croda da Lago und Monte Pelmo sollte es ab dem fünften Tag dann weiter nach Alleghe gehen, bevor wir den Passo di Valles und Passo Rolle passieren würden. Der nächste Pass sollte der bekannte Passo 5 Croci sein, der Pass der fünf Kreuze. Als Highlight des achten Tages stand der Monte Ortigara auf dem Programm, nicht wissend, welches Fiasko uns dort ereilen sollte. Tagesziel des neunten Tages war das Städtchen Posina als Startpunkt für den zehnten Tag mit dem Endziel Riva del Garda über Rovereto. Auch dieser zehnte Tag sollte für einige Überraschungen sorgen.

Am Becco di Mezzodì

Berchtesgaden

Saalbach-Hinterglemm

Felber Tauern

Lienz

Pustertal

Cortina d’Ampezzo

Croda da Lago

Monte Pelmo

Alleghe

Passo di Valles

Passo Rolle

Passo Cinque Croci

Castello Tesino

Monte Ortigara

Posina

Rovereto

Riva

Es geht los – Die Eckdaten unserer Tour

Tag 1: Von Berchtesgaden nach Saalbach-Hinterglemm
78 Kilometer / 2295 Höhenmeter

Tag 2: Von Hinterglemm in das Felber Tal
47 Kilometer / 1750 Höhenmeter

Tag 3: Über den Felber Tauern nach Lienz
66 Kilometer / 1890 Höhenmeter

Tag 4: Das Pustertal und die Dolomiten
83 Kilometer / 1050 Höhenmeter

Tag 5: Croda da Lago und Mount Pelmo
32 Kilometer / 1675 Höhenmeter

Tag 6: Passo di Valles und Passo Rolle
67 Kilometer / 2440 Höhenmeter

Tag 7: Pass der 5 Kreuze – Passo Cinque Croci
73 Kilometer / 2095 Höhenmeter

Tag 8: Der Monte Ortigara
98 Kilometer / 2525 Höhenmeter

Tag 9: Posina
86 Kilometer / 1505 Höhenmeter

Tag 10: Endspurt – Alle Wege führen nach Riva
88 Kilometer / 2005 Höhenmeter

Kilometer insgesamt: 718
Höhenmeter insgesamt: 19230

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Special Alpencross: Die Ausrüstung – Was muss mit?

Natürlich waren wir schon vor unserem Alpencross zu Gast am Gardasee. Ein bzw. zwei Probleme kannten wir bis dahin aber nicht: Platzmangel und das Packgewicht! Der Grund dafür war die komfortable Anreise mit dem PKW und dem damit verbundenen großzügigen Stauraum für das Gepäck und die Bikes. Bei einer Alpenüberquerung mit dem Bike erwarten den Mountainbiker einige zu lösende Probleme. Was muss mit, was darf mit, worauf kann man verzichten und worauf muss man sogar verzichten? Sicherlich gehört der Glitzeranzug für die nächtlichen Disco-Aktivitäten nicht zum Reisegepäck eines Alpencrossers. Ein Abwägen eventueller Risiken steht den meisten Alpencrossern bevor. So entschieden wir uns zum Beispiel aus Gewichtsgründen keinen Ersatzreifen mitzunehmen. Ein Risiko allerdings, welches jeder für sich abwägen sollte.

Ziel war es, das Gewicht des Rucksacks unter neun Kilogramm zu halten, um den Rücken zu entlasten und ein akzeptables Handling für die bevorstehenden Abfahrten zu ermöglichen. Man mag gar nicht glauben, wie wenig Gepäck neun Kilogramm sein können. Beim ersten Versuch hatten wir bereits 13 Kilogramm im Sack. Einen Teil unserer Ausrüstung , wie zum Beispiel Werkzeug und Flickzeug, musste also in der Satteltasche verstaut werden.

Nicht überraschend ist, dass der Rucksack im Verlauf der Tour immer leichter wird oder zumindest werden sollte. Der Grund hierfür liegt bei den Produkten, die wir während der Tour konsumieren – sprich verspeisen. Natürlich kann man sich auch des Kartenmaterials entledigen, welches man nicht mehr benötigt.

Man sollte sich also genau überlegen, was man nun mitnimmt und was nicht! Was wird unbedingt benötigt und was ist Luxus? Somit steht dem Alpencrosser ein nette, unterhaltsame und abendfüllende Tätigkeit bevor: Das Packen des Rucksacks!

Die Qual der Wahl: Was muss alles mit?

Rucksack und Satteltasche – Unser Kofferraum…

Grundvoraussetzung für ein angenehmes Fahren mit Rucksack ist ein guter Tragekomfort bei geringem Gewicht. Der Rucksack darf nicht wackeln und auf gar keinen Fall die Bewegungsfreiheit einschränken. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass der Rucksack die Nackenfreiheit beim Tragen des Helms nicht einschränkt. Eine Abfahrt, bei der man den Kopf nicht weit genug in den Nacken legen kann, kann sich schnell zu einem Höllenritt entwickeln. Neben einem guten Tragesystem sollte unbedingt auch auf eine Luftzirkulation im Rückenbereich geachtet werden. Ein weiterer Vorteil wäre, neben der Öffnung im oberen Bereich, eine Öffnung im unteren Bereich des Rucksacks. So gelangt man auch an die untenliegenden Sachen, ohne dass man direkt den ganzen Rucksack durchwühlen und auspacken muss. Unbedingt zum Reisegepäck gehört der Überzieh-Regenschutz für den Rucksack, um bei Regenfahrten den Inhalt vor Nässe zu bewahren. Zusätzlich oder alternativ kann man seine Sachen auch noch in einer Tüte verstauen, um die Nässe abzuhalten. Von einer Lenkertasche oder gar Seitentaschen haben wir natürlich abgesehen. Diese Verstaumöglichkeiten sind für eine familienfreundliche Tour oder auf befestigten Wegen sicherlich ganz hervorragend, bei unserer Alpenüberquerung aber völlig fehl am Platz. Meine Wahl fiel auf einen Rucksack der Firma Deuter mit 30 Litern Aufnahmekapazität. Hört sich viel an, ist es aber nicht – wie ich feststellen musste.

Bei der Satteltasche empfiehlt sich zum Beispiel die Mainstream mit dem schönen Namen MSX MS-2010M. Durch das geniale Befestigungssystem bleibt die Mainstream auch bei heftigsten Rüttelpassagen dort, wo sie hingehört: Unter dem Sattel und nicht auf dem Trail. Daneben bietet die Mainstream ein gigantisches Aufnahmevermögen. Allerdings sollte das in einer Satteltasche verstaute Gepäck rüttelfest verstaut werden, da die Vibrationen ungebremst auf das Gepäck einwirken und zum Teil hässliche Spuren im Gepäck verursachen können.

Energie – Beam me up

Neben einem guten ausgiebigen Frühstück und Abendessen ist die Versorgung mit Energie und Mineralstoffen während des Tages wichtig. Da wir keine Kaffeefahrt vor uns hatten, mussten Konzentrate her. Wir haben uns mit Energieriegeln, Energiegel und isotonischen Getränkepulvern von Xenofit eingedeckt. Eine sehr gute Wahl, wie sich später des öfteren herausstellen sollte. Knapp 700 Kilokalorien führten wir unserem Körper täglich durch die energie- und mineralstoffreichen Produkte zu. Alleine die geballte Energie von Xenofit belastete unser Gewichtskonto des Rucksacks mit etwa zwei Kilogramm. Hier am Gewicht zu sparen wäre sicherlich eine falsche Entscheidung gewesen. Zusätzlich gehörten getrocknete Bananen und Nüsse zu unserem Reisegepäck. Dem Problem der Wasserversorgung kann man in den Bergen an den Hütten oder auch an Gebirgsquellen zuvorkommen.

Allerdings würden wir der Behauptung widersprechen, ein 0,75 Liter Vorrat an Wasser würde reichen. Zwei Flaschen mit je 0,75 Liter sollte man schon am Bike mit sich führen!

Sonnenschutz – Niemals ohne!

Auf keinen Fall sollte man die Kraft der Sonne in den Bergen unterschätzen. Selbst Sonnenanbeter wie wir leiden unter der intensiven Strahlung der Sonne in den luftigen Höhen der Alpen. Unerlässlich ist ein guter Sonnenschutz. Durch die schützende und gleichzeitig pflegende Wirkung wählten wir Nivea Sun Pflegende Sonnenmilch. Ein weiterer sehr wichtiger Pluspunkt ist der Sofortschutz. Einreiben und weiter geht’s. Langes Warten gehört der Vergangenheit an. Ob man sich für die herkömmliche Sonnenmilch oder das Sun Spray entscheidet, bleibt den Vorlieben des Bikers überlassen.

Tooltime – Luftpumpe, Flickzeug und Werkzeug

Multifunktionell, platzsparend und leicht sollte es sein das Werkzeug für unterwegs. Eine eierlegende Wollmilchsau ist das Multifunktionstool T-KNOX von SKS. Ein Ersatzschlauch gehört zur Standardausrüstung eines jeden Alpencrossers und lässt sich hervorragend mit Klebeband, zum Beispiel im Rahmendreieck, fixieren. Der so verstaute Schlauch entlastet das Gewichtskonto des Rucksacks und spart Packraum. Gutes Flickzeug ist ein absolutes Muss, genau wie eine sehr leichte Pumpe. Die SKS X-Alpin überzeugt durch Handlichkeit und ihr geringes Gewicht. Die Halter für die X-Alpin lassen sich praktischerweise mit am Flaschenhalter befestigen. Somit ist diese Pumpe sicher verstaut und stört nicht. Auch ein Speichenschlüssel und ein Kettennieter dürfen auf keinen Fall vergessen werden.

Schlafsack

Wer sich beim Alpencross ausschließlich in feudalen Hotels einquartiert, kann sich das Extragewicht des Schlafsacks natürlich sparen. Allerdings ist man in den Alpen nie vor Überraschungen gefeit. Für unseren ersten Alpencross gönnten wir uns den Luxus von Übernachtungen in Pensionen und bewirtschafteten Hütten. Deshalb wurde nur der ultraleichte Mammut „Silk Liner Mummy“ und ein Baumwoll-Inlett von Tchibo verstaut, die aber dann doch Verwendung fanden. In einer von uns aufgesuchten Pension zogen wir es vor, das bereitgestellte Bettzeug, welches ein Eigenleben zu führen schien, behutsam vom Bett zu entfernen und die Nacht lieber im Schlafsack zu verbringen.

Wer überwiegend in unbewirtschafteten Hütten nächtigen will, muss sich natürlich einen wärmeren Rucksack zulegen. Es kann bitter kalt werden – was wir am eigenen Leib erfahren mussten.

Wohl gewandet beim Alpencross

Sommerlich brütende Hitze, Regen, Graupelschauer und Schneesturm…wie vielfältig und launisch das Wetter in den Alpen sein kann, erfuhren wir während unserer Alpenüberquerung am eigenen Leib. Temperaturschwankungen von 20 Grad pro Tag waren bei unserem Abenteuer in den Alpen keine Seltenheit. Beim Überqueren der Pässe bläst der Wind zum Teil so heftig, dass man Probleme hat, sein Bike festzuhalten. Um all diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss man entweder einen Kleiderschrank voll Wäsche hinter sich herziehen oder eine gezielte Auswahl an kombinationsfähiger Funktionswäsche im Rucksack verstaut haben.

Trikot und Radlerhose

Opas Jogger ist beim Biken zum Glück out. Nicht nur die Optik schmerzt, sondern mit der Zeit auch der Hintern. Gute Radlerhosen zeichnen sich durch ein perfektes Sitzpolster und Bewegungsfreiheit bei Formstabilität aus. Trägerhosen bieten zudem den Vorteil, dass die Hose nicht rutscht. Das Angebot an Radlerhosen ist immens. Beste Qualität zu einem vergleichbar niedrigen Preis bietet sogenannte „Sponsor“-Bekleidung. Damit ist nicht die sündhaft teure Produktpalette der Profiteams gemeint, sondern die meist mit Werbeschriftzug versehenen Produkte des Handels. Bestes Beispiel hierfür ist die umfangreiche Bekleidungspalette des Versandhandels Rose. Unsere Wahl in Bezug auf Radlerhosen fiel deshalb auf eine Trägerhose von Rose. Das Coolmax-Sitzpolster und das verwendete Lycra-Material sorgten während unseres Alpencrosses für ein angenehmes Sitzgefühl bei perfekter Funktion. Das abendliche Auswaschen der Hose war dank des schnell trocknenden Materials kein Problem. Neben der perfekten Funktion und Qualität sieht die Hose auch noch chic aus. Jetzt fehlt noch das Trikot! Auch hier lohnt der Blick zu Kleidungsstücken mit Werbeaufdruck.
Passend zur Trägerhose wählten wir von Rose das Radtrikot. Jeweils zwei Trikots und zwei Radlerhosen wurden für unseren zehn Tage dauernde Alpencross mitgenommen. Wir entschieden uns für kurzärmelige Trikots und kurze Radlerhosen. Im Falle eines Falles lassen sich diese mit Arm-, Bein- und Knielingen kombinieren. Für welche Trikots von welcher Firma man sich entscheidet, bleibt natürlich jedem Biker selbst überlassen. Man sollte aber auf jeden Fall die Bekleidung, besonders die Hose, vorab getestet haben!

Das geht auf keine Kuhhaut – Der wunde Hintern

Tagelanges Sitzen auf dem Bike bereitet selbst den Härtesten unter den „Ä….“ irgendwann Probleme. Ein Grund zur Sorge vor unserem Alpencross war genau dieser Punkt. Wer meint, damit müsse man leben, der irrt. Hirschtalg ist das Zauberwort. Xenofit bietet mit der Hirschtalg Sportcreme „second skin“ einen perfekten Schutz für uns Mountainbiker an. Vor Antritt der Fahrt morgens den Hintern im Bereich der Scheuerstellen einreiben und die Probleme des Wundscheuerns gehören der Vergangenheit an. Auch die Scheuerstellen auf der Schulter, hervorgerufen durch Tragen des Rucksackes, wurden mit der Xenofit-Sportcreme eliminiert.

Schuhe, Handschuhe und Helm

Ein Thema, auf das man wohl nicht mehr groß eingehen muss. Wer ohne Helm fährt ist selber schuld! Der Helm mitsamt seines Verschlusssystems muss sich in einem einwandfreiem Zustand befinden. Der Helm darf weder wackeln noch drücken. Auch auf passgenaue Handschuhe ist zu achten. Bei den Schuhen ist darauf zu achten, dass man diese, neben dem Fahrradfahren, zu diversen Wanderungen benutzen kann. Nicht immer ist in den Alpen alles fahrbar! Auch hier gilt: Nie mit ungetestetem Material starten!

Windbreaker und Regenschutz

Die bereits auf einer Tour in Südfrankreich bewährte Weste von Aldi fand auch beim Alpencross Verwendung. Damit man nicht – im wahrsten Sinne des Wortes – plötzlich im Regen steht, sollte eine sehr leichte Regenjacke mitgenommen werden, die bei Bedarf auch als Windbreaker dienen kann. Der Übergang an den Pässen ist zum Teil so windig, dass man die Regenjacke als Windbreaker zu schätzen lernt. Zudem kann diese bei leichtem Regen schnell und unkompliziert übergezogen werden. Leider sollte es ja mehr regnen als uns lieb war. Im Gegensatz zu Regenfahrten in heimischen Gefilden können Regenfahrten während des Alpencrosses ziemlich nervend werden. Die Tagesetappen sind meist sehr lang und die Zimmersuche kann zudem noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Eine Erkältung lässt schneller grüßen als einem lieb ist und ist so ziemlich das Letzte, was man bei einer Alpenüberquerung gebrauchen kann. Abhilfe verspricht hier ein guter Regenschutz. Als wenn der Alpencrosser finanziell nicht schon genug gebeutelt wäre, kostet Regenbekleidung für Mountainbiker leider auch noch richtig viel Geld. Nicht selten muss man für ein komplettes Set, bestehend aus Hose und Jacke, mehr als 200 Euro berappen. Aber es geht auch anders, wenn man bereit ist, kleine Nachteile in Kauf zu nehmen. Der Motorradhandel Polo bietet die Regenkombi FLM Stormchaser für unter 50 Euro an. Neben einem hautfreundlichen Innenfutter und dem robusten Außenmaterial, ist die Stormchaser Regenkombi dank Membranbeschichtung sogar atmungsaktiv. Nur das hohe Gewicht von etwas über einem Kilogramm, die Packmaße und die für Mountainbiker etwas ungünstige Schnittform sprechen gegen diesen Regenschutz. Dafür lacht die Geldbörse. Somit fand diese Kombi den Weg in den Rucksack. Eine Entscheidung, die während der gesamten Tour nicht einmal bereut wurde. Neben der perfekten Funktion bei Regen war der Einsatz als Kälteschutz in dem Schneesturm auf dem Felber Tauern geradezu unbezahlbar.

Armlinge und Knielinge

Armlinge, Knielinge und Beinlinge haben den enormen Vorteil, dass diese bei Bedarf schnell übergestülpt werden können. Zudem beanspruchen sie nur sehr wenig Platz. Mit kurzer Kleidung kombiniert kann eventuell auf die Mitnahme von langen Hosen und Trikots verzichtet werden. Das heißt weniger Gewicht und kleinere Packmaße. PowerBar bietet neben Energiefutter Bekleidungsartikel an. Darunter finden sich auch die von uns gewählten Arm- und Knielinge. Die Innenseite der „Schläuche“ ist für den besseren Kälteschutz speziell beschichtet. Der Einsatz während des Schneesturms am Felber Tauern zeigte: Die Dinger halten echt warm und sind zudem bequem. Für uns ein Muss für den Alpencross! Ich habe dennoch zusätzlich ein langes Trikot eingepackt, da wir für einen Alpencross ziemlich früh in der Saison gestartet sind. Nässe und Kälte können einem enorm zusetzen. Man sollte nicht glauben wie winterlich es noch in den Alpen sein kann, wenn bei uns schon der Frühsommer lockt!

Wie verpacke ich es?

Auf gar keinen Fall sollte man seine Sachen zusammenknüllen. Schön gefaltet und dann zusammengerollt verbrauchen die Sachen am wenigsten Platz. Schwerere Sachen sollten rückennah eingepackt werden. Man sollte immer darauf achten, dass sich nichts scharfkantiges im Rucksack befindet und erst recht nicht so verpackt sein, dass man sich im Falle eines Sturzes damit verletzt. Klappmesser und Multifunktionswerkzeuge immer nur im zusammengeklappten Zustand einpacken! Kein Glas transportieren! Ausnahmen bilden natürlich eventuell benötigte Medikamente. Diese sind aber mit Vorsicht zu verstauen. Bekleidung sollte man zusätzlich in einer wasserdichten Tüte verstauen. So bleiben die Sachen auch nach stundenlangem Fahren im Regen trocken.

Sonstiges – Auch daran sollte man denken

Zum Beispiel an ungebetene blinde Passagiere. Die Rede ist von den mittlerweile sehr lästigen und mitunter nicht ungefährlichen Zecken. Sicherlich kann man sich zumindest gegen den FSME Erreger impfen lassen, aber gegen die Borreliose ist immer noch keine Impfung möglich. Hier ist Vorsorge der beste Schutz. So sollte neben der FSME Impfung bei entsprechenden Passagen durch das Unterholz auf die chemische Keule zurückgegriffen werden. Auch wenn die Beurteilungen über diese Einreibemittelchen sehr variieren, würden wir es dennoch empfehlen. Ebenfalls empfehlenswert ist natürlich die Mitnahme eines Fotoapparates. Dieser ist natürlich dementsprechend gut zu verpacken. Die Kleidung bietet sich dabei als gutes Polstermaterial an. Eine Sonnenbrille schützt nicht nur vor den schädlichen UV-Strahlen, sondern auch vor tieffliegenden UFOs. Für den Fall der Fälle sollte ein kleiner Kompass mitgenommen werden – auch wenn wir diesen nicht benötigt haben. Wichtig ist ein Erste Hilfe Set. Sparen kann man sich definitiv den großen Elektrorasierer und den geliebten Radiowecker. Eine Zahnbürste, Duschgel und ein Mikrofaserhandtuch sollten sich aber im Gepäck befinden. Verschiedene Drogerien bieten Probiertübchen diverser Produkte an. Eine Beleuchtung für das Bike macht Sinn und sollte trotz des Mehrgewichts auf jeden Fall mitgeführt werden.

Fertig gepackt – Und nun?

Man wird erschrocken sein wie schwer neun Kilogramm auf Dauer sein können. Wenigstens wird der Rucksack durch Verspeisen des mitgeführten Energiefutters während des Alpencrosses immer leichter. Wer klug ist, trainiert vor dem Alpencross mit einem gefüllten Rucksack, um sich an die zusätzliche Belastung des Rückens zu gewöhnen. Hierbei lässt sich dann auch hervorragend die Bewegungsfreiheit überprüfen.

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Special Alpencross: Etappe 10 – Endspurt – Alle Wege führen nach Riva

Fahrzeit: 7:06 Stunden
Zurückgelegte Strecke: 88 Kilometer
Zurückgelegte Höhenmeter: 2005 Meter

Am zehnten und letzten Tag unseres Alpencrosses sollte alles anders werden. Ein getrenntes Fahren war nicht mehr vorgesehen und der Anteil an Straßenfahrten sollte im akzeptablen Bereich bleiben. Klar definierte Richtlinien für eine klar definierte Route! Doch wie so oft im Leben und vor allem bei unserem Alpencross sollte auch dieser letzte Tag komplett anders verlaufen als es geplant war.

Wir waren mittlerweile zehn Tage unterwegs. Zehn Tage, die ihre Spuren hinterließen. Die zehn Tage zerrten nicht nur an unseren Kräften, sondern auch an unseren Nerven. Die Stimmung zwischen Markus und mir war leicht gereizt. Lust zum Biken verspürten wir beide nur noch wenig. Das Ziel Riva war zum Glück in greifbare Nähe gerückt. Zum ersten Mal auf unserer Tour hatte ich nach dem Aufstehen das Gefühl, dass die Beine nicht das machen wollten, was das Gehirn ihnen befahl. Dennoch sollte diese letzte Etappe wieder mal alles von uns abverlangen. Psychisch als auch konditionell.

Auffahrt zum Rifugio Papa

Von Posina fuhren wir den Tag beginnend zum Colle Xomo hoch. Etwa 500 Höhenmeter auf einer gut fahrbaren kleinen Straße mussten wir mit müden Beinen hochkurbeln. Doch die Power aus den Beinen war definitiv raus. Der Blick in die schöne Landschaft wurde immer mehr zu einem leeren Blick, der sich in der Landschaft verlor. Von Colle Xomo folgten wir der Strada degli Scarubbi Richtung des Rifugio Papa. Nach insgesamt knapp 1300 zurückgelegten Höhenmetern war sie wieder da: Höhenangst! Der Schotterweg, der als Asphaltweg begann, war zwar breit und sicher gebaut, allerdings führte dieser direkt am Steilhang entlang.

Das erste und auch das letzte Mal auf dieser Tour musste ich, wegen aufkommender Höhenangst, den Rückwärtsgang einlegen. Die ganze Quälerei des Tages war somit umsonst. Und das zu einem Zeitpunkt, wo wir sowieso schon sprichwörtlich auf dem Zahnfleisch gingen. Es gab keine große Diskussionen und jeder schlug seine Richtung ein. Markus setzte seine Route über das Rifugio Papa zum Rifugio Lancia fort. Unser nächstes Wiedersehen sollte erst wieder in Riva stattfinden. Wie sich herausstellen sollte, war die von mir getroffene Entscheidung für mich die richtige Wahl. Markus würde dies am Abend in Riva bestätigen. Es sollte für Markus nochmals richtig heftig werden. Davon habe ich aber nichts mehr mitbekommen. Für mich ging der Weg 800 Höhenmeter hinunter zum Colle Xomo. Und wieder begann die Fahrt gegen die Zeit. Viele Kilometer standen mir bevor. Die Keulerei und Hatz über Straße begann. Über die Strada 46 gelangte ich nach Rovereto. Erstaunlicherweise ist diese Straße recht verkehrsarm. Eine wunderschöne Aussicht gibt es gratis dazu. Langsam fing ich an zu realisieren, dass der Gardasee nur noch ein Steinwurf entfernt war.

Lago di Speccheri
Kurz vor Rovereto – Die Einsiedelei di San Colombano

Von Markus sah ich weit und breit nichts. Weder er noch ich griffen zum Telefon. Ab Rovereto ging es im weiteren Verlauf über Mori und Torbole auf Radwegen zum Endziel der Tour: Riva del Garda. Innehalten sollte man kurz vor Riva am Ortsausgang von Nago. Der Blick auf den Gardasee ist jedes mal aufs neue beeindruckend!

Markus erreichte ein wenig später Riva. Er erzählte dann von Tragepassagen an Steilwänden und von einem genialen Downhill als Belohnung, wobei er sich aber leider einen Platten nach dem anderen holte. Völlig entnervt und mittlerweile ohne Flickzeug wurde er von einem vorbeikommenden Jeep bis nach Rovereto mitgenommen. Nach dem Kauf eines neuen Schlauches konnte er die Fahrt bis nach Riva fortführen, wo wir uns dann trafen.

Riva, wir sind da!!!

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Special Alpencross: Etappe 9 – Posina oder der Wettlauf gegen die Zeit

Fahrzeit: 5:47 Stunden
Zurückgelegte Strecke: 86 Kilometer
Zurückgelegte Höhenmeter: 1505 Meter

Durch den unfreiwilligen Stop in Stoner mussten am neunten Tag von mir einige Kilometer gutgemacht werden. Mein Treffen mit Markus sollte in Posina erfolgen. Die letzte gute Möglichkeit doch noch gemeinsam Riva zu erreichen und den Alpencross zu beenden. Ein Rennen gegen die Zeit begann. Zusätzliches Handicap für uns beide war das Fehlen von Kartenmaterial – wie sollte es auch anders sein?! Die Kompass Karte 78 wäre Gold wert gewesen, so mussten mir allerdings die Übersichtstafeln an Ortseingängen und in den Orten den richtigen Weg weisen.

Der Dom in Asiago

Der Weg nach Asiago erfolgte über Landstraße, die zum Glück nicht so stark von Autos frequentiert wurde, wie ich befürchtet hatte. Passiert wurden dabei die Ortschaften Foza und Gallio. Der Flair der italienischen Städtchen ist nicht von der Hand zu weisen. Auch Asiago kann begeistern. Ab Asiago winkt der Radweg nach Canove di Roana. Aufgrund der fehlenden Karte wurde im weiteren Verlauf die Straße bis nach Cesuna genommen. Eine bis dahin technisch wenig ansprechende Fahrt. Die schönen Städtchen trösteten über den fehlenden technischen Anspruch hinweg. Es sollte aber wieder anspruchsvoller werden. Erstmal waren Forstwege angesagt.

Nicht nur die Bergwelt weiß zu begeistern. Die Orte sind malerisch schön und eine Stadtbesichtigung lohnt immer. Viele Straßencafés und Restaurants prägen das Bild italienischer Städte. Hier erlebt man die italienische Lebensart, das süße Leben, la Dolce Vita.

Comune di Caltrano

Am Monte Magnaboschi vorbei führt der ausgewiesene Radweg im Val Magnaboschi zum Rifugio Alpino. Ein kleiner asphaltierter Waldweg führt vom Rifugio am Malga di Fondi indirekt zum Wanderweg 689, der sämtliche Bodenbeschaffenheiten beinhaltet.

Schneller rutschiger Schotter ist ebenso Bestandteil dieses Weges, wie eine Wiesenpassage und ein genialer, aber leider etwas zugewachsener Downhill, der in San Dona endet. Nach Abschütteln sämtlicher Ungeziefer konnte es dann frohen Mutes und mit Adrenalin aufgepumpt weiter gehen. Leider endete hiermit auch der Fahrspaß wieder. Da noch viel Zeit gutgemacht werden musste und auch weiterhin keine Karte vorlag, war wieder die Fahrt über Straße angesagt. Ab Caltrano führt ein Radweg bis hinter Arsiero. Dieser meist aus Schotter bestehende Weg folgt dem Verlauf des Flusses Posina. Die letzten Kilometer bis nach Posina spulte ich wieder auf der Straße ab. Jetzt konnte der letzte Tag des Alpencrosses doch noch zu zweit bestritten und hoffentlich auch beendet werden. Vor uns stand nur noch ein einziger Tag.

Schnell fanden wir eine Unterkunft für die Nacht und kehrten für das Abendessen in ein nahegelegenes Restaurant ein. Wie so oft auf unserer Tour wurden wir auch hier freundlichst begrüßt und beantworteten den anderen Gästen gerne die Fragen zu unserer Tour. Zum Glück waren auch ortsansässige Gäste im Restaurant, von denen wir Auskünfte über unsere letzte bevorstehende Etappe erhielten. Wir wussten, dass uns zum Rifugio Papa noch eine große Auffahrt bevorstand. Meine Frage galt natürlich der Fahrbarkeit des Weges und meiner Höhenangst. Uns wurde von den Gästen allerdings grünes Licht gegeben…

Nur noch ein Tag bis zum Gardasee! Jetzt hatten wir auch endlich wieder eine Karte an Bord! Wir waren guter Dinge und das Ziel war mittlerweile greifbar nah. Eigentlich sollte von jetzt an alles gut gehen. Dachten wir…

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