Canyon Torque FRX 9.0 LTD – Koblenzer Dampfhammer! Test

Das Torque FRX 9.0 der Koblenzer Bikeschmiede Canyon gibt es in zwei verschiedenen Versionen. Mit der Singlecrown RockShox Totem Coil mit 180 mm an der Front und Avid Elixir Bremsen ist die Hardcore Variante eines Freeriders für 2699 Euro erhältlich, das auf Downhill getrimmte FRX 9.0 LTD wechselt für 3299 Euro den Besitzer. Neben der mächtigen FOX 40 RC2 FIT Gabel für die Schockabsorbierung an der Front sorgt Formula’s „The One“ für die Verzögerung. Den Einsatzbereich des FRX 9.0 LTD wollen wir aber nicht nur auf Downhill beschränken, sondern auch auf das ausweiten, was Biker mitsamt Bike ohne technische und motorisierte Unterstützung gen Himmel treibt – und damit meinen wir nicht Uphill!

Für knapp 3300 Euro bekommt man mit dem Canyon Torque FRX 9.0 LTD ein optisch äußerst schickes und phattes Rädchen mit einem Wohlfühlpaket in Form der ausgewählten Komponenten. Dazu gehören neben den Mavic Deemax Laufrädern die Shimano Saint Schaltung, die schon erwähnte FOX 40 RC2 FIT Federgabel, Truvativ Holzfeller OCT Kurbeln, Sunline Direct Mount Vorbau samt Lenker mit einer Breite von 737 mm und noch weiteren netten Schmankerln. So mächtig und phatt das Canyon Torque FRX 9.0 LTD sich auch präsentiert, selbst nach der Montage von Plattformpedalen (nicht im Lieferumfang!) bleibt das Canyon noch deutlich unterhalb der 18 Kilogramm Marke. Wir hatten vor geraumer Zeit bereits das Playzone von Canyon im Test. Was uns direkt auffiel war der hohe Wohlfühl-Charakter des Bikes ab der ersten Sekunde des Aufsitzens. Auf das Bike setzen, Helm auf und Gas geben, souveräner kann ein Bike zu Beginn eines Tests sich kaum empfehlen. Man hatte das Gefühl, das Bike schon ewig unter seinem Allerwertesten zu haben! Optisch sieht das FRX 9.0 dem Playzone sehr ähnlich, aber alles am FRX ist phatter, viel phatter! Was sich nicht ändert ist das gute Gefühl, sobald man auf dem Bike Platz genommen hat. Vor der ersten Abfahrt eine grobe Einstellung des Fahrwerks und ab geht die Post!

Für optimale Bedingungen ist natürlich ein vernünftiges Setup des Fahrwerks erforderlich! Aufwand und Arbeit, die sich aber in Form von perfekten Runs auszahlt. Bei der FOX 40 RC2 FIT Federgabel und dem FOX DHX RC4 Dämpfer kann man sich nach Lust und Laune auslassen. Einstellen kann man alles, angefangen von der geschwindigkeitsabhängigen Dämpfung bis zur Zugstufe. Keine Arbeit für mal eben in der TV-Werbepause, aber der Aufwand lohnt sich! Das Fahrwerk spricht sensibel an, ohne dass man allerdings Gefahr läuft, das Canyon an die Grenzen seines Schaffens zu bringen. Die 20 Zentimeter am Heck werden effektiv zur Streckenebnung eingesetzt. Ebenso effektiv arbeitet die Fox an der Front. Trotz ihres voluminösen Äußeren hat man nicht das Gefühl, einen schweren Klotz unterhalb der Lenkzentrale zu haben – kein Wunder, mit knapp über drei Kilo ist die Fox sogar ziemlich leichtgewichtig. Die Stärken des Bikes kann man vor allem auf den heimischen winkeligen Strecken ausspielen! Mit einer unglaublichen Wendigkeit lässt sich das Canyon um die Ecken drücken und das sehr gute Beschleunigungsvermögen reißt den Untergrund geradezu in Stücke. Wie die Koblenzer den Hinterbau so effektiv gestaltet haben, verdient schon höchsten Respekt.

Das Canyon ist trotz des sehr gut arbeitenden Hinterbaus keine Sänfte und vermittelt immer einen guten Eindruck darüber, was gerade unter dem Bike stattfindet. Es poltert nicht einfach nur den Trail runter, es will runtergepeitscht werden! Mit Nachdruck muss man das Bike in den Trail pushen, es am Zügel packen und den Weg weisen. Um das Canyon perfekt zu Nutzen ist aktives Fahren angesagt. Das Canyon honoriert das mit einem sehr direkten Fahrverhalten, ein Ruck am Lenker reicht und das Torque FRX folgt brav und ohne Umschweife der gewünschten Richtung. Besonders technisch versierte Fahrer werden dieses direkte Fahrverhalten zu schätzen wissen. Auf sehr schnellen Pisten wünscht man sich allerdings etwas mehr Laufruhe, hier könnte vielleicht ein flacherer Lenkwinkel von Vorteil sein und ein etwas tieferes Tretlager. Dies zu ändern würde natürlich bedeuten, dass sich der Charakter des Bikes wieder ändern würde. Die Koblenzer bieten mit dem FRX 9.0 kein kompromissloses DH-Bike an, sondern versuchen, alle positiven Gene in einem Bike zu vereinen. Hier muss man sich fragen, was man mit dem Bike vor hat – und vor allem wo! Das Jagdgebiet des Torque FRX sind die heimischen Pisten mit all den herrlichen Fiesheiten. Doch das Canyon hat noch so einiges mehr auf dem Kasten!

Zum Beispiel Jumpen! Das Canyon fliegt einfach nur unglaublich geil! Ohne großartig am Bike ziehen zu müssen fliegt man sicher wie der Airbus durch die Lüfte. Das gute Gefühl verleitet dann zu einigen Spökes in der Luft, welche oft nur durch die Doppelbrückengabel eingeschränkt werden. Selbst wenn der Spot nicht viele Höhenmeter hat, dank der guten Beschleunigung kann man auch auf ebenem Gelände mächtig abrocken! Auch ungewohnt für einen Downhiller: Ein Ruck am Lenker und die Front steigt einladend für Manuals. Und wer mit dem Canyon keinen Wheelie schafft, wird es wohl nie schaffen! Unterstützt wird das sichere Fahrgefühl durch die verbauten Komponenten. Wirklich sehr überzeugend agiert die Formula „The One“ Bremse. Da soll mal einer sagen, die Italiener können nur Pizza backen! Die Koblenzer haben dem Rahmen ebenbürtig die Komponenten ausgewählt. Der Preis geht für diesen Rahmen mit dieser Ausstattung auf jeden Fall in Ordnung – wenn man bedenkt, was alleine die Fox Federgabel kosten würde! Vielleicht auch für einige Biker sehr interessant: Mit dem Canyon kann man sogar einigermaßen kurbeln – dank des guten Vortriebs und dem durchgehenden Sattelrohr – alles das, was mit einem Kettenblatt halt geht!

Fazit Canyon Torque FRX 9.0 LTD

Wir haben uns vor dem Test des Canyon Torque FRX 9.0 LTD das Bike anders vorgestellt – enttäuscht wurden wir aber definitiv nicht! Das Bike macht mächtig Spaß und das Fahrwerk arbeitet hervorragend! Wir sehen nach dem Test das Canyon aber nicht in der Downhillecke, sondern mehr als Freerider mit Downhillambitionen. Erstes und vorrangiges Ziel mit dem Canyon ist der Bikepark mit allen seinen Spielmöglichkeiten und Variationen! Wenn dann ein Downhill vor Ort sein sollte, umso besser 😉

SE Bikes OM Flyer Dollar – Test – Geld stinkt nicht!

Zugegeben, wir hatten schon viele Bikes im Test, aber noch nie verursachte ein Bike so eine Hysterie wie das OM Flyer Dollar von SE Bikes. Das OM Flyer Dollar ist komplett anders als alle anderen Bikes, die wir bis dato im Test hatten! Schon das Erscheinen am heimischen Spot verursachte geradezu einen Massenauflauf. Von einem schönen Teller alleine wird man aber bekanntlich nicht satt! Ist das OM Flyer also nur ein kleiner Appetitanreger oder doch ein ausgewogenes sättigendes Mahl?

Ausgereifte Serienmodelle – da kann meist nichts schief laufen. Zu Tausenden laufen die Bikes vom Fließband und meist sind die Kinderkrankheiten schon ausgemerzt. Messen sind für die Hersteller natürlich eine wunderbare Plattform für PR. Vorabmodelle schüren die Neugierde der Besucher auf die neuen Serienmodelle. Nicht immer entsprechen die Vorabmodelle und Messe-Muster zu 100% den späteren Serienmodellen. Da wird oft noch schnell was hergerichtet oder optisch angepasst. Wir hatten das OM Flyer Dollar als Messeausstellungsstück im Test, resultierend daraus weicht die Serie leicht von unserem Testbike ab. Wir lassen im Test natürlich nichts unerwähnt, weisen aber an entsprechender Stelle darauf hin. Doch kommen wir zum Kern des Tests. Um was genau handelt es sich bei dem OM Flyer Dollar eigentlich? Das OM Flyer ist im Grunde ein zu großes BMX, eigentlich ein viel zu großes BMX! Wie die Ur-Cruiser bewegt sich das Bike auf 26″ Laufrädern.

Wer jetzt meint, dass es dann vielleicht doch eher ein MTB wäre, wenngleich auch ein Singlespeed, tappt aber vollends im Dunkeln. Ehrlich gesagt, als BMX Veteran würde unsereins Magenkrämpfe bekommen, wenn SE Bikes in die Kategorie MTB rutschen würde! Die Traditionsmarke aus den USA, die schon vor über 30 Jahren für Furore sorgte, ist ein Meilenstein in der Fahrradgeschichte – in der BMX Geschichte – wir denken da nur mal an das legendäre PK Ripper! Ein Tatsache, die man selbst als eingefleischter Kuwahara-Fan nicht abstreiten kann – und auch gar nicht möchte. Der Vorbau und der Lenker zeigen auf, dass das OM Flyer definitiv nicht zur Kategorie MTB gehört und auch nicht gehören will! Die Front ist höher als beim Mountainbike und die Gabel ist starr – eine Federgabel wäre bei einem BMX ein schlechter Witz gewesen. Die Gene sind eindeutig BMX-lastig, was natürlich sehr erfreut, womit aber auch klar wird, dass das OM Flyer allerdings immer ein Nischenprodukt bleiben wird. Mainstream, nein, das will der OM Flyer Biker nicht wirklich!

Das OM Flyer gibt es in mehreren Ausführungen und in mehreren Farben, auch Jahrgangsmäßig wird immer wieder etwas verändert – womit wir wieder beim Thema Messe-Muster wären. Das OM Flyer besticht erstmal durch seine Optik. Bei der Lackierung bleibt einem echt der Atem weg! So eine geile Lackierung haben wir an einem normalen Bike wirklich noch nie gesehen! Die gute Nachricht ist, dass diese Lackierung Serie ist! Den Rahmen zieren 100 Dollar Noten, keine Stelle wurde ausgelassen und lassen das OM Flyer zu einem Kunstwerk werden! Wir von der Fraktur sind uns einig: Dem Designer gebührt ein Preis! Damit alles passt, wurde auch noch die Gabel (mit dem typischen Erscheinungsbild der Landing Gear) als auch der Lenker mit den 100 Dollar Noten verziert – frei nach dem Motto „Geld stinkt nicht!“. Bis hierher unterscheidet sich unser Bike noch nicht vom Serienmodell. Als gelungene optische Unterstützung dienen die goldenen Alex Felgen mit den grünen Naben, die goldene Sattelklemme, der grüne Sattel, die grünen Pedalen und der grüne BMX-Vorbau.

Der Vorbau und die Naben entsprechen zwar der Serie, wurden aber für die Messe kurzfristig von rot auf grün überlackiert. SE Bikes versprach uns, dass man sich beim Serienmodell diesbezüglich keine Sorgen machen müsse, da die meisten Teile in der Serie eloxiert wären. Ansonsten machte auch das Messe-Muster einen sehr guten Eindruck. Die Komponenten wurden gut ausgewählt, optisch als auch funktionell. Das wird zum Beispiel auch durch die dreiteilige BMX-Kurbel mit dem phatten BMX-Lager bestätigt. Der Rahmen besteht aus 6061 Aluminium und die Landing Gear Gabel aus Cr-Mo. Wer vom MTB kommt wird sich erstmal etwas umorientieren müssen. Die Haltung ist anders, die Front höher und dadurch ungewohnt. Die starre Gabel verzeiht nur wenig Fehler, dennoch ist das Bike aufgrund der Größe natürlich fehlertoleranter als ein 20″ BMX. Obwohl das OM Flyer wegen seiner Größe träger ist als ein 20″ BMX, lädt das OM Flyer dennoch zum Spielen ein. Wer dafür eine Vorderradbremse braucht, bekommt diese beim Serienmodell mitgeliefert.

Die Übersetzung gefällt sehr gut, sie stellt einen guten Kompromiss aus Beschleunigung und schneller Fahrt dar. Das 12,2 Kilogramm schwere Bike entwickelt sich auf dem Racetrack zu einem Geschoss. Für die Verzögerung ist eine stylische grüne Tektra Bremse verbaut, die hart zupackt. Uns nervte die Bremse mit gelegentlichen Klemmattacken, zum Beispiel bei 180’s aus der Bowl heraus mit anschließendem hartem Break. Der Grund lag beim Bremszug, aber auch hier soll es in der Serie keinerlei Probleme geben. Das OM Flyer lässt sich schön aus Cornern heraus beschleunigen und gefällt durch das direkte Handling. Fahrspaß ist garantiert – und neidische Blicke! Die Zielgruppe für das Bike? Man könnte sagen BMX orientierte coole Twens, der junggebliebene Oldschool-BMXer, der gemütliche Stadt-Cruiser oder einfach alle, die ein wenig OM sind! OM, das steht übrigens für „Old Man“, dem Nicknamen des SE Bikes Gründers Scot Breithaupt. Was wir uns wünschen würden? Einen etwas flacheren Lenker, Skinwall-Reifen und Oldschool-Pads 🙂

Fazit:
Einfach nur geil! Geniale Optik, gute Komponenten und garantierter Fahrspaß! Was will man mehr?

Preis: 800 USD

Vertrieb Deutschland: Advanced Sports GmbH

ABUS Salisbury und Xtreme easybag – Zwei Lenkertaschen im Test

Wer kennt es nicht? Bei langen Touren, besonders wenn sich diese über mehrere Tage erstrecken, ist das Packen des Reisegepäcks ein langwieriger und zeitraubender Aufwand. Man packt ein, stellt fest es ist zu viel, packt wieder aus, sortiert aus und packt wieder ein. Diese Prozedur wiederholt sich dann noch einige Male. Wenn man fertig ist stellt man fest, dass der Rucksack immer noch zu schwer ist. Eine Lösung wäre es, einen Teil des Gepäcks auszulagern und auf dem Bike, anstatt auf dem Rücken, zu transportieren. Wir haben deshalb für euch von ABUS die Lenkertasche ST 3350 KF Salisbury und von Xtreme die easybag Lenkertasche ans Bike geschraubt!

ABUS Lenkertasche ST 3350 KF Salisbury

Die Lenkertasche ST 3350 KF Salisbury bietet neben der Aufnahme des Gepäcks (immerhin 5,5 Liter Fassungsvermögen) den Vorteil, dass die Tourenkarte im handelsüblichen Querformat sichtbar im Blickfeld des Fahrers auf dem Deckel der Tasche in einer transparenten Hülle untergebracht werden kann. Besonders die sichtbare Aussparung für das GPS bzw. das Handy zeigt, dass man sich bei ABUS wirklich Gedanken bei dieser Lenkertasche gemacht hat. Die Hülle lässt sich natürlich komplett per Klett von der Tasche lösen. Doch bevor man mit der Tasche auf Reise gehen kann, muss die Tasche am Lenker befestigt werden. Das KLICKfix System ist ein einfach zu bedienendes Befestigungssystem mittels eines Adapters, bei dem die Tasche problemlos am Lenker befestigt und genauso unproblematisch wieder gelöst werden kann – und das ohne Werkzeug. Die notwendige Trägerplatte wird mit zwei Schraubklemmen am Lenker besfestigt und mit einem Seilzug gehalten. Der Seilzug wirkt den hohen Kräften entgegen, die durch die Last in der Tasche und den permanenten Erschütterungen durch das Fahren entstehen. Das System klappt ausgezeichnet, allerdings muss man auf den Durchmesser des Lenkers achten, da die Schellen nur für einen Lenkerdurchmesser von 22 bis 26 mm mitgeliefert werden. Im Zubehör sind allerdings KLICKfix-Schellen für Oversized-Lenker mit einem Durchmesser von 31,8 mm erhältlich – wenn nötig, dann also direkt mitbestellen! Sollte kurzfristig kein Adapter verfügbar sein, kann man sich notfalls mit Kabelbindern weiterbehelfen. Die Tasche ist gut gepolstert und bietet neben einem Tragegurt einen Regenschutz. Die Reflektorstreifen und die verschiedenenen Staufächer (die äußeren Fächer sind natürlich verschließbar) gefallen uns sehr gut und verdienen Lob. Der Lenkeradapter ist laut Hersteller bis zu 7 Kilogramm belastbar, allerdings würden wir empfehlen, aus Sicherheitsgründen wegen des hohen Schwerpunktes deutlich unter dieser Belastung zu bleiben. Der Preis von knapp 60 Euro ist bei der hohen Qualität und den durchdachten Detailslösungen absolut gerechtfertigt.

Xtreme Lenkertasche easybag L-T-S 3 WP

Deutlich günstiger in der Anschaffung ist die sytlische Xtreme Lenkertasche easybag L-T-S 3 WP. Diese kostet mit 33,90 Euro auf den ersten Blick fast nur die Hälfte der ABUS Lenkertasche. Doch der Eindruck täuscht! Wie die ABUS wird auch die Xtreme Lenkertasche mit dem KLICKfix System am Lenker befestigt. Da der Lenkeradapter nicht zum Lieferumfang gehört, muss der Adapter separat mitbestellt werden. Somit summieren sich zu dem Preis der Lenkertasche die Anschaffungskosten des Adapters – immerhin 15,90 Euro! Somit schrumpft der Preisvorteil der Xtreme Lenkertasche deutlich! Die Lenkertasche bietet ein Fassungsvermögen von 6 Litern und bietet im Frontbereich ein Netzfach für diverse Dinge. Die für die Tour nötige Karte kann in der transparenten Hülle auf dem Deckel im Sichtfeld des Fahrers untergebracht werden. Leider müssen wir hier eine große Kritik aussprechen! Handelsübliche Tourenkarten im Querformat passen nur nach großem Kampf in die Hülle. Nach mehreren Tagen ergab sich die Hülle als Fetzen, was uns bei der Tour schon sehr verärgert hat. Natürlich lässt sich auch bei der Xtreme easybag die Hülle per Klett von der Lenkertasche lösen und so auch gegen eine neue Hülle austauschen. Optisch kann die Tasche sehr punkten, da sie sich durch die runde Bauweise deutlich von den üblichen Lenkertaschen abhebt. Mit dem Schultergurt ausgestattet kann man diese auch schön als normale Alltagstasche, z. B. für die Kamera, durch die Stadt tragen. Ernüchternd ist der Blick in den Innenraum der Tasche. Die Lenkertasche ist mehr wie ein Hardcase aufgebaut und nicht gepolstert. Ebenfalls vermissen wir verschiedene Verstaumöglichkeiten. So kann es schon mal passieren, dass der Schlüssel auf einer Tour mächtig durch Klappern auf dem Taschenboden nervt. Dafür lässt sich der vernähte Nyloninnensack mit einer Kordel verschließen und durch die Bauweise benötigt die easybag Lenkertasche keinen Regenschutz – sie ist von Haus aus regendicht! Der Deckel der Tasche wird mit einem Klettverschluss verschlossen, wir waren zwar erst skeptisch, aber der Verschluss hält. Für uns eine schöne und praktische Lenkertasche für den täglichen Einsatz in der City, unserer Meinung nach für die Tour aber nur bedingt empfehlenswert.

KLICKfix System

Das KLICKfix System ist wirklich eine feine Sache. Die Montage des Adapters ist unkompliziert und sollte für jeden geübten Schrauber kein Problem darstellen. Die Taschen werden oben eingehakt und mit einem Klick eingerastet. Das Lösen der Tasche vom Adapter geschieht ebenfalls sekundenschnell. Somit ist die Lenkertasche mobil und kann beim Verlassen des Fahrrades mitgenommen werden, ohne Werkzeug und ohne Stress. Der Adapter darf laut Angaben bis maximal 7 Kilogramm belastet werden, wir empfehlen aber wegen der Lenksicherheit deutlich unter dieser Grenze zu bleiben. Wir hatten auf unserer Tour die Lenkertaschen mit knapp 4 Kilogramm beschwert, was wir als guten Kompromiss empfanden. Man gewöhnt sich aber schnell an das Gewicht und die merkbar trägeren Lenkbewegungen. Für die Tour absolut top und empfehlenswert!

ABUS Satteltasche – Wenn einer eine Reise tut – Test

Ein Outsourcen des Gepäcks wäre, neben einer Lenkertasche, durch den Einsatz einer Satteltasche möglich. Doch nicht nur auf einer Tour macht eine Satteltasche Sinn, sondern auch für den täglichen Weg zur Arbeit. Wenn man die Luftpumpe am Rahmen befestigt, kann man so das Werkzeug und das Flickzeug bequem ohne Rucksack transportieren. Mit der ABUS Satteltasche ST 3085 KF Canson haben wir uns einen vielversprechenden Vertreter seiner Art unter den Sattel geschnallt!

1 Dose Bier, eine handelsübliche Menge Buttermilch oder eine kleine Flasche Öl – Die ABUS Satteltasche ST 3085 KF Canson bietet immerhin 0,5 Liter Stauraum. Natürlich sollte man nach Möglichkeit diese Flüssigkeiten nicht in die Satteltasche einfüllen, aber rein theoretisch könnte man es! Der Stauraum reicht, um das Werkzeug, das Flickzeug sowie einen dünnen Reserveschlauch zu verstauen! Damit das ganze Gedöns in der Satteltasche nicht nass wird, liefert ABUS direkt die passende Regenhülle mit – separat in einem kleinen Innenfach. Auch bei der Satteltasche findet sich zur Befestigung ein KLICKfix System. Die Trägerplatte wird direkt an die Sitzstreben des Sattels festgeschraubt. Eine Tätigkeit, die selbst unerfahrene Schrauber meistern können.

Die Satteltasche wird dann wie ein Schlitten auf die montierte Trägerplatte geschoben – klick. Das wackelt nicht, verrutscht nicht und sitzt bombenfest. Viele Satteltaschen anderer Hersteller werden nur durch Klemmung am Sattel gehalten und machen sich so, früher oder später, oft selbständig. Egal ob in der Stadt, Treppen runter oder auf dem ruppigen Trail – keine Frisur sitzt so gut und fest wie diese Satteltasche. Das KLICKfix System kann begeistern, zumal die Tasche ohne Aufwand wieder von der Trägerplatte gelöst werden kann – sekundenschnell und ohne Werkzeug. Wer einen Rückstrahler verwenden will, dem hat ABUS eine kleine Befestigungsschlaufe am Deckel spendiert. Der angebrachte Reflektorstreifen sorgt für ein Plus an Verkehrssicherheit. Knappe 18 Euro, die gut angelegt sind.

Mehr Infos unter www.abus.de

Geax Datura – High Performance Reifen für kleines Geld? Test

Produkttests sind ja immer so eine Sache! Besonders wenn das Wetter und die Trails hohe Ansprüche stellen, greift man gerne auf altbewährtes Material zurück. Wer will schon gerne einen sicheren Run gegen Ungewissheit eintauschen? Wir haben keine große Wahl gehabt, der GEAX Datura wartete auf seinen Einsatz – und so zogen wir aus, um bei Regen, Schnee und Matsche dem Datura auf den Zahn zu fühlen!

Der Datura besticht durch eine sehr markante Optik! Optisch unterstreicht der Datura nachdrücklich das vom Hersteller gedachte Einsatzgebiet: Nasser, feuchter, matschiger und loser Untergrund. Der erste optische Eindruck: Die groben und mittelhohen Stollen könnten in der Tat das halten, was der Hersteller verspricht. Auf einen Mittelstollen hat GEAX beim Datura verzichtet, dafür sind die Stollen versetzt angeordnet und nicht wie beispielsweise beim Schwalbe Dirty Dan als Pärchen nebeneinander. Allerdings machte sich bei uns direkt die Sorge breit, wie sehr der Vortrieb bei dem Profil zu leiden hätte. Angeboten wird der Reifen in der Breite 2.0 und 2.2 in mehreren Ausführungen, wir hatten im Test die breitere Version mit der Sticky Soft Gummimischung. Das Gewicht des Datura in dieser Ausführung liegt bei etwa 1050 Gramm. Wie gesagt, in diesem Winter boten sich alle Wetterbedingungen, die wir auch gnadenlos ausgenutzt haben. Wir hatten zwischenzeitlich dann auch noch mehr als genug Schnee, pausieren gab und gibt es nicht für uns! Richtige Biker zieht es bei jedem Wetter aufs Bike, schließlich sind wir keine Miezekätzchen! Eines haben wir bei diesem Test gelernt: Den GEAX Datura zu lieben! Das Profil sieht nicht nur zornig aus, sondern zeigt sich ebenso griffig. Alleine schon die Fahrten bei Schnee, wo viele Reifen einfach nur noch unkontrolliert hin und her glitschen, waren die reinste Freude. Mit dem Datura konnte man unbeirrt seine Bahnen ziehen, Grip und Traktion waren, den Umständen entsprechend, beeindruckend. Auf weichen feuchten Böden geht der Datura fantastisch, allerdings war hier etwas weniger Luft in den Reifen angesagt, um den maximalen Grip zu erreichen. Der Datura gräbt sich förmlich in die Strecke und vermittelt ein sehr gutes und kontrollierbares Gefühl, auch beim leicht einsetzenden Drift. Selbst in „seifigen“ vollständig durchgefrorenen Anliegern, wo bei kurzem Tauwetter nur die oberste Schicht aufweicht und diese dadurch extrem rutschig werden, überzeugt der Datura durch seinen Biss. Diese Pluspunkte gelten auch beim Beschleunigen aus dem Anlieger oder Kurven heraus. Hartes Anbremsen, auch hier keine Probleme!

Sollte der Boden abtrocknen braucht man sich weiterhin keine Sorgen zu machen, solange sich die Stollen irgendwo und irgendwie reingraben oder verkeilen können, so wie es bei Steinen und Wurzeln der Fall ist. Die Anpassung des Luftdrucks an die verschiedenen Anforderungen macht sich beim Datura bezahlt und man sollte sich auch die Zeit dafür nehmen – der Reifen dankt es mit einer super Performance. Weicher Waldboden ist ebenfalls ein willkommener Untergrund für den Datura, auch wenn die Strecke nach mehreren Runs aussieht, als wenn da ein MX-Hobel sein Unwesen getrieben hätte. Das würde alles natürlich nur schlecht funktionieren, wenn GEAX beim Thema Selbstreinigung geschluddert hätte…aber auch hier, ein großes Lob von unserer Seite! Erstaunt darf man über den Vortrieb sein, der Reifen schluckt weniger Energie als befürchtet. Das Einsatzgebiet des Datura liegt auf der schnellen Abfahrt als auch der Hatz über Trails, findet also am Downhillbike ebenso seinen Platz wie am Enduro. Der Verschleiß hält sich in Grenzen, wenn man die Gummimischung und den Einsatzbereich bedenkt, gibt es auch da nichts zu meckern. Der GEAX Datura – wir sind (zugegeben) mit viel Skepsis in diesen Test eingestiegen, aber vom Reifen mehr als positiv überrascht worden! Kauftipp!

Preis: etwa 25 Euro

Tioga Comp III Skinwall – Wiederauflage des Klassikers!

Wer ein BMX aus den 80er Jahren restauriert oder komplett neu aufbaut, wird um langwieriges Suchen und Recherchieren nach bestimmten Teilen nicht vorbei kommen. Ein großes Auktionshaus bietet gute Chancen, auch noch seltenste Teile aus aller Welt zu bekommen. Was bei Rahmen, Gabeln, Lenker und Co. materialtechnisch eher noch weniger ein Problem darstellt, vorausgesetzt man bringt genug Geduld und Geld mit, sieht bei Verschleißartikeln wie Reifen schon ganz anders aus!

Machen wir uns nichts vor, nach über 20 Jahren Stand- oder Lagerzeit sieht es mit der Gummimischung von Reifen meist weniger rosig aus. Wer noch ein Original erhaschen kann, darf sich nicht wundern, wenn das Gummi bei Beanspruchung oder schon beim Aufpumpen reißt. Reifen für „moderne“ BMX gibt es zwar wie Sand am Meer, aber welcher Oldschool BMXer möchte an seinem Liebling schon solche Dinger verbauen? Da steht er nun, der Traum in Chrom, nur leider ohne die richtigen Schluffen. Und man will doch fahren – meistens zumindest! In Gedanken findet man sich in den 80ern wieder, eine Zeit, in der vor allem der Mitsuboshi Competition 3 Skinwall bei den BMX Reifen ganz vorne mitmischte!

Das Profil des Reifens ist legendär und findet auch heutzutage noch Verwendung. Leider sind Reifen mit Skinwall nicht mehr angesagt, dennoch finden sich immer wieder Remakes oder, schlimmer noch, Reifen mit seitlich gefärbter Wall. Umso glücklicher darf man sein, dass Tioga jetzt den Classic Comp III mit Skinwall anbietet. Der Reifen scheint direkt aus den Achtzigern in die Neuzeit gebeamt worden zu sein! Bemerkenswert und wichtig ist, dass es sich hier tatsächlich um einen echten Skinwall Reifen handelt und nicht um einen „gepimpten“ modernen Reifen mit Gumwall. So sind natürlich auch die Fäden des Nylongewebes sichtbar – das sieht schon mal sehr gut aus und wirkt dementsprechend.

Der Tioga Comp III hat standesgemäß gelbe Labels, wie schon erwähnt das bekannte markante Profil und wird in Taiwan hergestellt. Optisch auf jeden Fall sehr gelungen! Sehr gespannt waren wir auf die Kompatibilität des Reifens zu den Skyway Tuff Wheels, bei modernen Reifen ist der Sitz des Reifens auf dieser Kult-Felge ja leider nicht immer ganz so glücklich. Aber auch hier weiß der Tioga zu überzeugen, der Reifen sitzt sehr gut auf den Tuffs. Tioga bietet den Competition III in zwei verschiedenen Größen an, in 20 x 2.125 für vorne und dem schmaleren 20 x 1.75 für hinten. Wer sich jetzt noch andere Reifen auf sein BMX aufzieht, ist eigentlich selber schuld!

Preis: Etwa 40 bis 50 USD pro Paar

Kuwahara KZ – Unter japanischer Flagge – Langzeittest – Eine Zeitreise…

Ein BMX Testbericht, wie er vor 25 Jahren hätte erscheinen können oder sollen: Der Langzeittest des Kuwahara KZ. Drehen wir die Zeit um ein Vierteljahrhundert zurück und tauchen nochmal ein in die Zeit, als BMX in den USA ganz groß war und in Deutschland bei den „Großen“ nur auf Unverständnis stieß. Eine Zeit, in der die Musik neue Formen annahm und geniale Bands wie Depeche Mode oder FGTH (Frankie goes to Hollywood) hervorbrachte – allerdings auch so etwas wie Modern Talking. Wir schreiben das Jahr…

…1984!

Nach fast zwei Jahren Einsatz meines Kuwa’s werde ich euch meine Erkenntnisse über dieses BMX mitteilen. Fast zwei Jahre, da ist einiges passiert. Angefangen hat alles mit einem sehr abenteuerlichen Kauf des Rahmens. Ganze 309 DM kostet der Rahmen, ohne Gabel. Wenn man bedenkt, daß die Konkurrenz aus den USA mit den schillernden Namen wie Pro-Neck oder GT direkt mit 379 DM zu Buche schlagen, ist das Kuwa geradezu preiswert – und nicht nur beim Preis den Amis ein Dorn im Auge!

BMX, das ist USA! Man lebt USA, man liebt die USA, in der hiesigen Pommesbude heißt der Hamburger nicht einfach nur Hamburger, sondern ausgesprochen Hämbörger, schön laaaaaang gezogen! Natürlich mit einigem Unmut der Verkäuferinnen. Wie können die Verkäuferinnen in der Pommesbude sich so der Zeit verschließen? Doch ich will nicht abschweifen, es ist halt alles USA, zumindest für uns – und dann kommt eine kleine Firma aus Japan und dringt in den von den USA dominierten BMX Markt ein. Dabei hat das Kuwa alles, was ein BMX in der heutigen Zeit zu einem richtig guten BMX werden lässt.

Die Rohre sind aus feinstem 4130 CroMoly, die Rohre wirken im Vergleich zu dem GT etwas dünner und zierlicher, dafür erstrecken sich zwischen Ober-, Steuer- und Unterrohr zwei Verstärkungsbleche. Der Rahmen ist, wie sollte es anders sein, verchromt. Die Schweißnähte sind sehr fein und beweisen, dass man auch in Osaka fähig ist, vernünftig zu schweißen. Natürlich gibt es auch farbige Varianten, sogar in Moers gibt es ein weißes Kuwahara. Das Kuwa gibt es auch als Komplettrad, je nach Baujahr und Ausstattung handelt es sich um das KZ1 oder das KZ2. Was das Komplettrad kostet, kann ich aber leider nicht sagen. Es hat auch, egal ob das KZ1 oder das KZ2, eine komplett andere Ausstattung als mein Kuwa, aber dazu später mehr.

Wie gesagt, 309 DM, das ist eigentlich sehr preiswert – aber erzählt das mal meinen Eltern und Großeltern. Ich habe also heimlich gespart und meinen Kumpel Jogi losgeschickt, damit er für mich das Kuwa im Laden kauft. Wieso? Die Verkäufer rufen die Eltern an, und beim Jogi ist das egal, der kauft dauernd neue Teile. Nachdem ich das Kuwa mit zittrigen und verschwitzten Händen vor dem Laden dann endlich entgegennehmen durfte, war großes Umbauen angesagt. Am Anfang fehlte mir natürlich das Geld für vernünftige Parts, so musste ich halt viele Teile meines alten Shogun verbauen.

Also alles, was noch irgendwie brauchbar war oder sowieso vorab schon durch andere Teile ersetzt worden war – der zweite Punkt überwiegt. Natürlich haben sich meine Großeltern später irgendwie gewundert, wieso das Fahrrad auf einmal nicht mehr schwarz, sondern verchromt war. So richtig nachgefragt haben sie bis jetzt aber nicht. Ich hatte nur noch Geld für eine Gabel, da musste eine Tange ARX her, die durch ihre schlanke aerodynamische Bauform optisch gut an das Kuwa mit den dezenten Rohren passt. Kostenpunkt 79 DM. Später folgte der Redline Vorbau und dann als Weihnachtsgeschenk die lang ersehnten schwarzen Skyway Tuff Wheels II. Yeah!!!

Damit wird klar, daß mein Kuwa sich enorm vom Original Aufbau des Kuwas KZ1/KZ2 unterscheidet. Anstelle des Seriensattels Elina habe ich einen Kashimax Aero, einfach genial, wenn er nicht die Hose am Hintern immer auffressen würde. Anstatt der Suntour Pedalen habe ich Shimano DX Pedalen verbaut. Der größte Unterschied liegt wohl bei den Felgen, wobei sich hier auch das KZ1 und das KZ2 enorm unterscheiden. Beim KZ1 sind ACS Z-Rims und ACS Naben verbaut, beim KZ2 dagegen UKAI Felgen mit Suntour Naben.

Bei den Griffen hat man von A’me zu OKG Kuwahara Griffen gewechselt, ich bevorzuge ganz klar Oakley. Die halten zwar nicht wirklich lange, aber fühlen sich dafür richtig gut an (irgendwie ein bisschen wie ein Radiergummi) und man rutscht nicht ab. Das Problem ist die vordere Bremse, die man für Tricks ja braucht. Ich habe eine Dia-Compe MX mit dem Weinmann Adjuster verbaut, die mit dem Adjuster vor das Unterrohr stößt – das Problem haben aber auch andere BMX Räder. Dann habe ich noch eine einteilige Takagi-Kurbel, die man wohl als Standard bezeichnen dürfte. Die hält zwar nicht ewig, aber doch recht lange.

Gefahren bin ich eigentlich alles, was die kleinste Großstadt Deutschlands, also Moers, zu bieten hat. Lustig ist, dass die Postleitzahl von Moers der Kennzeichnung von CroMo entspricht: 4130. Mangels Halfpipe bzw. eines Skateparks, wie er in den USA normal zu sein scheint, zumindest erweckt die BMX Action den Eindruck, haben wir uns aus Holz selber eine Quarterpipe gebaut. Was soll ich sagen, die stand natürlich bei dem besagten Jogi. Die einzige Vorraussetzung war, die Jogis Vater an uns stellte, das Tragen eines Helms. Na toll, aber was soll’s, bei Rennen ist die Murmel auf dem Kopp ja auch Pflicht!

So bin ich nicht nur in der Quarterpipe gefahren, sondern auch diverse Rennen, zu denen uns die Händler brachten, von denen wir immer die Teile kauften. Gleichzeitig haben wir uns am GSV Moers noch ein paar nette Jumps gebaut, die freundlicherweise von den Stadtgärtnern immer wieder abgerissen werden – zum Glück gibt es aber noch einen abgelegenen kleinen Wald mit einem Bombenloch. Aber egal was ich mit dem Kuwa anstellte, es hielt. Springen ist mit dem Rad genial, meine Stärke ist der Tabletop, den bis jetzt nicht viele aus Moers so hinbekommen. Dann dürfte ich wohl in Moers noch den Rekord im Bunnyhop aufgestellt haben mit 85 cm, gefolgt von Jogi auf seinem Redline mit 82 cm.

Das Kuwahara lässt sich spielerisch fahren, ziehen und in der Luft dirigieren. Auf BMX-Strecken bei Rennen lässt es sich sehr gut beschleunigen und über die Sprünge drücken. Richtig Spaß machen natürlich auch Powerslides und alles, was gerade an Tricks angesagt ist wie zum Beispiel Kickturn, Cowboy, Curb Endo, Back- und Frontwheel-Hop, Wheelie oder einfach nur Treppen runterspringen. Auf der BMX-Bahn fühlt sich das Kuwahara sauwohl, und so erreichte ich beim De Beukelaer Pokal in Kempen im September ’83 bei meinem ersten Rennen direkt den dritten Platz. In der ganzen Zeit erwies sich mein Kuwahara als das perfekte BMX für mich, während viele Anbauteile leider den Dienst quittierten. Mehrere Shimano DX Pedalen sind mir abgebrochen, diverse Lenker gebrochen oder verbogen, diverse Vorbauten wie der Sugino haben ebenfalls den Geist aufgegeben (bis auf den Redline).

Die Tange ARX musste leider auch einer anderen Gabel weichen, die dann sehr monströs ausfiel. Bei Rabbit oder Hajos habe ich die Robinson Gabel entdeckt und geordert – wow, was für ein dickes und leider etwas schweres Gerät. Aber sie hält! Ob die Tuff’s wirklich im Eisfach eine Acht verlieren, weiß ich nicht – unser Eisfach zu Hause ist nicht groß genug. Nur einmal hatte ich abends eine Acht im Hinterrad, aber nach einer Nacht in der kalten Garage war morgens nichts mehr davon zu sehen.

…25 Jahre später

Eines ist sicher, ich werde wohl immer ein Fan von Kuwahara bleiben – nicht umsonst hat sich E.T. für seinen Flug auch ein Kuwahara ausgesucht – zusammen mit dem Bob Haro Team – und schon wieder ein Seitenhieb gegen die US Amerikanischen Firmen. Das E.T. Kuwahara dürft ihr allerdings nicht mit dem KZ1/KZ2 verwechseln, der Rahmen ist nicht komplett CroMo, der Hinterbau ist nur HiTen, und es ist wohl etwas kürzer. Übrigens fährt auch Skateparklegende Eddie Fiola mit einem Kuwahara, und so wie zu lesen war, ist das Kuwa das einzige Rad, was er noch nicht geschrottet hat! Muß ich noch mehr sagen? BMX, das ist Kuwahara, das ist Made in Osaka – und das liegt in Japan!

Focus Project 2.0 – Mit dem Herz eines Kämpfers – Test

Mit dem Project hat Focus ein Bike auf den Markt geworfen, welches das Kämpferherz eines Enduros mit der Ausdauer eines Allmountain Bikes haben soll. Ein Longtravel Bike von Focus, das ist für uns eine komplett neue Erfahrung. Bisher kannten wir Focus Bikes mehr aus dem XC Bereich, so wie beispielsweise das Black Forest, welches wir für die mtb-extreme.com getestet haben. Dort konnte die XC-Feile überzeugen, wie verhält es sich allerdings mit einem AM bzw. Enduro des Unternehmens, welches lobenswerterweise für „Made in Germany“ steht?

Die Eckdaten des Focus Project 2.0 hören sich gut an: 16 cm Federweg an der Front und 15 cm Federweg am Heck, dazu gesellen sich einige Parts, die für sich alleine schon das Bike in die Enduro-Ecke manövrieren. Der aufmerksame Leser wird jetzt allerdings den Finger heben, denn eigentlich bietet das Project 2.0 vorne „nur“ 15 cm Federweg! Im Gegensatz zum Serienmodell mit der Fox Talas Fit RL war bei uns die Fox Talas RC2 verbaut. Ebenfalls anders als in der Serie war bei uns die Avid Code Bremse montiert, am Serienmodell sorgt die Avid Elixir R für die Verzögerungsarbeit. Auf die Waage bringt das Focus in dieser Ausführung einschließlich Plattformpedalen etwa 14,7 Kilogramm.

Focus hat sich aber nicht nur bei der Wahl der Komponenten große Mühe gegeben, sondern auch dem Herzstück des Bikes, dem Rahmen, ordentlich Dampf unter die Haube gehaucht. Die Rahmenform wirkt auf den ersten Blick zwar nicht sonderlich spektakulär, dennoch wurde hier ordentliche Entwicklungsarbeit geleistet. Der Rahmen ist sehr seitensteif, welches durch die Knuckle Box Technologie erreicht wurde. Die Anlenkung des Eingelenkers ist recht aufwendig und durch das konische Steuerrohr konnten das Oberrohr und das Unterrohr, den Belastungen entsprechend, voluminös dimensioniert werden, was zusätzliche Lenksteifheit bringt.

Der Rahmen und die Schwinge wirken robust, so wie es sich für ein Enduro gehört. Komponenten wie die Fox Talas und die SRAM X.0 Schaltung mit den SRAM X.9 Triggern zeigen die preisliche Richtung, denn mit 3299 Euro ist das Project 2.0 nicht gerade kompatibel mit schmalen Geldbeuteln. Fairerweise müssen wir hier noch anmerken, dass es für 2399 Euro das Project 3.0 gibt, welches natürlich andere Parts verbaut hat. Wer eine Hammerschmidt und die Fox Talas Fit RC2 sein Eigen nennen möchte, kann beim Project 1.0 zuschlagen – Kostenpunkt: 5999 Euro. Natürlich lassen sich auch die beiden anderen Project mit der Hammerschmidt nachrüsten.

Jetzt schieben wir allerdings die Finanzen und technischen Eckdaten zur Seite und widmen uns dem eigentlichen Zweck dieser Zeilen, dem Test in der Praxis. Uns stand das Bike mit einem 43 cm Sitzrohr zur Verfügung, welches der Größe M entspricht. Und hier gibt es einige Überraschungen. Zielgruppe Enduro – Das erste Aufsitzen auf dem Bike vermittelt ein anderes Gefühl, es fühlt sich eher an wie ein Allmountaintourer. Die Sitzhaltung ist leicht gestreckt, der Lenker wirkt trotz der normal hochbauenden Front zu tief. Die geringe Steigung des Lenkers unterstützt diesen Eindruck. Die Wahl des Lenkers finden wir weniger prickelnd, der kurze Vorbau gefällt uns allerdings sehr gut.

Auf dem Trail begeistert das Project durch sehr guten Vortrieb. Der gut arbeitende Hinterbau sorgt dafür, dass auch bei technisch schweren Uphills die Energie ohne lästiges Wippen in Vorwärtsdrang umgesetzt wird. Das Focus lässt sich sehr gut beschleunigen, Sprints gehen richtig gut. Der Hinterbau ist zwar sportlich straff, arbeitet aber effektiv. Hier können wir ein großes Lob verteilen. Allerdings will durch die Haltung auf dem Bike keine Spielfreude aufkommen. Auf der Abfahrt wirkte das Focus auf uns nervös und frontlastig. Trotz des wirklich gut arbeitenden Fahrwerks zeigte das Project hier Schwächen und trübte unseren Fahrspaß.

Das Sattelrohr ist im unteren Bereich leicht gebogen, dadurch hat man leider nicht die komplette Sattelrohrlänge für die Sattelstütze zur Verfügung. Das Bike ist hochwertig aufgebaut, seien es die Mavic Crossmax ST Laufräder oder die Truvativ Komponenten. Zwei Kettenblätter mit Rockring – auch das gefällt uns natürlich außerordentlich gut. Bei unserem Test waren wir unter anderem in Südfrankreich unterwegs, doch auch dort konnten die ruppigen Pisten das Focus nicht zu Ausfallzeiten zwingen und unterstrichen die Robustheit des Project.

Wir wollen an dieser Stelle das Focus nicht kritisieren, sondern für uns zeigen sich die Stärken des Project bei Allmountaintouren, bei denen es auch mal richtig kernig bergauf gehen kann oder sogar soll, aber weniger als Bike für den Bikeparkbesuch. Das Fahrwerk ist durchdacht und bietet genug Reserven, das zeigt sich auch bei Kanten, die sich in den Weg stellen. Bei Jumps verhält sich das Bike etwas unhandlich, auch das würden wir uns von einem Enduro anders wünschen. Wir denken, dass ein kürzeres Oberrohr beim Project Wunder wirken würde und unserem Fahrverhalten mehr Rechnung tragen würde.

Fazit:

Das Focus Project 2.0 stellt sich für uns als ein zuverlässiges und robustes Allmountain dar, welches besonders den anspruchsvollen Tourer ansprechen dürfte. Der Hinterbau arbeitet ausgezeichnet und der Rahmen begeistert durch seine Steifheit und dem sehr guten Vortrieb. Über die Wahl der Komponenten kann man auch nicht meckern – mal abgesehen vom zu flachen Lenker. Ein Kämpferherz hat das Project allemal, für uns allerdings nicht in Form eines Enduros.

Preis: 3299 Euro

Mehr Infos unter www.focus-bikes.de