Wer aktuell in den Wäldern und auf Feldern unterwegs ist, kehrt selten ohne ungebetene Gäste heim. Der Sommer ist nicht nur für uns Biker absolute Hochsaison, sondern auch für Zecken und Bremsen. Damit die nächste Tour nicht im Juckreiz-Fiasko endet, haben wir die wichtigsten Fakten, vorbeugende Maßnahmen und die besten Erste-Hilfe-Tipps aus der Redaktions-Praxis zusammengetragen.
Hinweis der Redaktion: Der Artikel spiegelt ausschließlich unsere persönlichen Erfahrungen als Biker wider und ersetzt ausdrücklich keinen medizinischen Rat!

Zecken und Bremsen: Wer lauert wo?
Früher gab es die Mär, Zecken würden auf Bäumen warten und sich auf ihre Opfer fallen lassen. Das ist natürlich totaler Quatsch. Die Zecke sitzt im hohen Gras, im Unterholz und im Farn am Trailrand und wird ganz unspektakulär im Vorbeifahren abgestreift. Ein Zeckenstich ist nicht ohne: Neben dem lästigen Jucken lauert die Gefahr von Krankheiten wie FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Borreliose.
Bei Bremsen handelt es sich hingegen um fliegenähnliche Biester, die vor allem an feuchten Waldrändern, Bachläufen und in der Nähe von Weiden leben. Sie reagieren auf Bewegung, Wärme und Schweiß – schlagen also genau dann zu, wenn man sich den Berg hochquält. Ihr Biss tut sofort weh, hinterlässt oft dicke Schwellungen und nicht selten fließt sogar etwas Blut.
Vorbeugen: Wie kann ich mich vor Zecken und Bremsen schützen?
Auf dem Markt gibt es verschiedene Wirkstoffe, die den körpereigenen „Duft“ für Insekten unattraktiv machen. Bei uns in der Praxis bewährt haben sich vor allem die nachfolgend aufgeführten Produkte. Wie bei allen frei verkäuflichen Mitteln sollte vor der Anwendung die Packungsbeilage aufmerksam gelesen werden – vor allem bezüglich möglicher Nebenwirkungen, Unverträglichkeiten oder der Anwendung bei Kindern.
Autan (Defense-Linie): Setzt auf den Wirkstoff Icaridin. Das hält Bremsen und Mücken für einige Stunden auf Distanz, muss aber bei starkem Schwitzen am Berg nachgelegt werden.
Anti Brumm (Forte / Zecken Stopp): Die klassische rote Variante setzt auf DEET – ein extrem starkes Repellent, das auch Zecken effektiv abwehrt. Achtung: DEET kann Kunststoffe (wie Brillenbügel oder Helmgurte) angreifen. Die „Zecken Stopp“-Variante nutzt hingegen Icaridin und Citriodora-Öl.
Ballistol Stichfrei (Classic): Der Klassiker für Haut und Gewebe. Riecht angenehm, pflegt ein wenig und bietet einen soliden Basisschutz für normale Runden.
Wichtig zu wissen: Während man sich gegen das FSME-Virus beim Arzt per Impfung schützen kann, gibt es gegen die bakteriell übertragene Borreliose aktuell keinen Impfstoff. Hier hilft nur schnelles Handeln – sprich das schnellstmögliche Entfernen der Zecke!

Wenn es dann doch passiert ist
Erste Regel: Nicht kratzen, um sekundäre Infektionen zu vermeiden! Das Eindringen von Bakterien in die Wunde kann im schlimmsten Fall zu einer schweren lokalen Entzündung oder gar zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen.
Bevor man sich der Wundpflege widmen kann, muss eine Zecke zuerst vollständig entfernt werden. In der Apotheke gibt es spezielle Zeckenzangen, Zeckenhaken oder Zeckenkarten, die ein unkompliziertes, sicheres und effektives Entfernen des Plagegeistes ermöglichen. Bei einer herkömmlichen Pinzette besteht die Gefahr, dass der Körper der Zecke zerdrückt wird – und somit gefährliche Krankheitserreger direkt in unsere Blutbahn befördert werden. Falls du unsicher bist, suche bitte immer einen Arzt auf!
Unser Top-Tipp: Die Hitze-Waffe
Elektronische Stichheiler (wie der bekannte Bite Away Stift oder die kompakten Geräte von Beurer) nutzen Physik statt Chemie. Der Stift wird für wenige Sekunden auf ca. 50 bis 53 °C erhitzt. Die konzentrierte Hitze kann die Proteine und Eiweißverbindungen im Insektenspeichel zersetzen, die für das Jucken und Anschwellen verantwortlich sind. Wer das Ding direkt nach dem Bremsenstich nutzt, verhindert die dicke Schwellung meist komplett. Funktioniert übrigens auch super bei Mückenstichen.
Lebenswichtiger Hinweis: Der elektronische Stichheiler darf niemals angewendet werden, solange die Zecke noch in der Haut steckt! Die Hitze würde die Zecke extrem stressen, wodurch sie im Todeskampf schlagartig infizierte Sekrete in die Blutbahn abgibt. Die Zecke muss immer zuerst mechanisch entfernt werden.
Wann bieten sich Gele an?
Ist der Stich älter oder kein elektronischer Stichheiler verfügbar, helfen kühlende und entzündungshemmende Gele wie Fenistil Gel oder Soventol Gel. Wer es natürlicher mag, kann auch auf reines Aloe-Vera-Gel zurückgreifen. Auch wenn diese Gele frei verkäuflich sind, sollte vor der ersten Anwendung immer ein Blick in den Beipackzettel geworfen werden. Selbst bewährte Wirkstoffe (wie Bamipin in Soventol) oder enthaltene Hilfsstoffe können in seltenen Fällen Hautreizungen auslösen, falls man hochallergisch reagiert. Im Zweifel gilt auch hier: Kurz in der Apotheke nachfragen.

Bissstelle im Auge behalten – wann der Gang zum Arzt zwingend ist
Auch wenn die meisten Stiche harmlos verlaufen, sollte das „Souvenir“ aus dem Wald in den Tagen und Wochen danach genau genau werden. Bei folgenden Warnsignalen ist der Gang zum Arzt unumgänglich:
Warnsignal „Wanderröte“ (Erythema migrans): Wenn sich Tage oder sogar Wochen nach einem Zeckenstich eine kreisrunde, sich ausbreitende Rötung um die Einstichstelle bildet (oft in Form eines Rings, der in der Mitte blasser wird), ist das das klassische Leitsymptom für eine Borreliose-Infektion. Hier muss sofort ein Arzt draufschauen, um rechtzeitig mit Antibiotika gegenzusteuern.
Wichtig zu wissen: Die Wanderröte tritt nicht immer auf! Eine Borreliose kann auch schleichend verlaufen. Sollten Wochen oder Monate nach der Tour unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Fieber oder unerklärliche neurologische Beschwerden auftreten, weise deinen Arzt unbedingt darauf hin, dass du im Sommer einen Zeckenstich hattest.
Heftige Bremsen-Allergien: Bremsenstiche neigen ohnehin dazu, dick zu werden. Wenn die Schwellung aber extreme Ausmaße annimmt, pocht, sich heiß anfühlt oder rote Streifen (Anzeichen einer Lymphbahnen-Entzündung / Lymphangitis) sichtbar werden, sollte das unbedingt medizinisch abgeklärt werden.
Fortschreitende Entzündungen: Beginnt die Einstichstelle extrem zu eitern oder breitet sich der Schmerz aus, ist ebenfalls Vorsicht geboten, um Komplikationen wie eine Sepsis zu vermeiden.
Allergischer Schock (Anaphylaxie): Sollten nach einem Stich oder Biss systemische Reaktionen wie Kreislaufprobleme, Atemnot, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen oder plötzliche, extreme Muskelschwäche einsetzen, gilt: Keine Zeit verlieren und sofort den Notruf (112) wählen!
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information, spiegelt die Erfahrungen unserer Redaktion wider und ersetzt keine medizinische Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt. Im Zweifel oder bei anhaltenden Beschwerden sollte immer unverzüglich ein Mediziner aufgesucht werden!




