Joachim Witt: Thron – Review

Review: Im September letzten Jahres erblickte mit „Thron“ das mittlerweile 16. Studioalbum von Joachim Witt das Licht der Welt. Natürlich wurde auch dieses Album des Hamburgers mit Spannung erwartet, wechselt dieser doch ungeniert Genres und mischt Stile, wie es ihm gerade in den Sinn kommt. Doch trotz aller künstlerischen Wandlungen bleibt sich Joachim Witt stets treu, wie auch das neue Album beweist.

Joachim Witt ist zweifellos einer der kreativsten Musiker überhaupt – ein Meister des Wortes und der Stimme. Bereits in den frühen 1980er Jahren, damals noch mit blonden Haaren, verknüpfte der sympathische Hanseate auf seine unvergleichliche Art eingängigen Sound mit sozialkritischen Texten. Schon damals abseits des Mainstreams, auch wenn natürlich Hits wie der Goldene Reiter zum Aushängeschild einer ganzen Musikbewegung wurde. Sind es doch geniale Songs wie Exil oder Kosmetik, die die gekonnte Gratwanderung von Joachim Witt zwischen Genialität und Wahnsinn beweisen – was übrigens auch die Mimik und den Tanzstil bei Auftritten betrifft. We love it!

Nach Höhen und Tiefen im Leben des Joachim Witt dürfen wir uns jetzt also am 16. Studioalbum des Altmeisters erfreuen. Enthalten sind elf Songs, die einmal mehr die unglaubliche Schaffenskraft dieses außergewöhnlichen Musikers unter Beweis stellen. Der Zuhörer wird durch alle erdenklichen Stimmungslagen gepeitscht, mit einer Intensität, wie es eigentlich nur Joachim Witt zu Können vermag. Die Songs treffen tief ins Herz, vernichtend und aufbauend zugleich. Mal düster und schwarz, dann aber auch wieder als Hymne für und an das Leben. Typisch für Joachim Witt kommt unterschwelliger Humor nicht zu kurz – wie bereits erwähnt, er bleibt sich treu!

Joachim Witt / Fotocredit: Franz Schepers

Hervorheben lässt sich keiner der Songs – jeder ist für sich ein Meisterwerk. Vertreten ist alles – von Ballade bis Neue Deutsche Härte. Den Anfang des Thron Albums markiert „Einheit“, ein feiner Synthie-Track, der durch die Stimme von Witt eine unglaubliche Dynamik erhält. Zart startet der Song „Geh Deinen Weg“ mit einem Klavier-Intro, baut sich aber infernalisch auf mit einem verdammt starken Refrain – und verklingt am Ende so zart, wie er begonnen hat. Ein tiefgründig geniales und mit tiefer Stimme dargebotenes Meisterwerk ist zweifelsohne der Track „Thron“. Hier wechseln sich gesprochene Texte mit kräftigem Gesang ab, ausdrucksstark und ergreifend. Was für eine Stimme! Gänsehaut garantiert!

Beim energiegeladenen Song „Alle nicken“ ist der Ärger mit den Nachbarn übrigens vorprogrammiert. Der selbstironische Verweis auf seine Bayreuth-Trilogie kommt als NDH-Klopper mit brachialem Gesang und genialen Gitarrenriffs – und schreit geradezu danach, den Lautstärkeregler auf Maximum zu stellen. Ein Song, der die Bude abfackelt! Sollte übrigens nicht wörtlich genommen werden, ist dem guten Mann im Frühjahr letzten Jahres seine Hütte tatsächlich abgebrannt. Ein Schicksalsschlag, den Joachim Witt in „So oder so“ verarbeitet. Resignation weicht Kampfgeist und spiegelt letztendlich das Credo des Musikers wider, immer nach vorne zu blicken.

Joachim Witt: Thron – Fazit

Der Altmeister in Bestform! Ein Album, das – wenn wir denn eine Punktesystem hätten – volle Punktzahl bekommen würde. Wir fassen unser Fazit daher liebenswert kurz in einem Wort zusammen: Genial!!!

Joachim Witt: Thron – Tracks

  1. Einheit
  2. Geh deinen Weg
  3. Rain from the Past
  4. Tag für Tag
  5. So oder so
  6. Alle nicken
  7. Winterwald
  8. Wenn du mich rufst
  9. Weit ist der Weg
  10. Lebe dein Leben
  11. Thron

Joachim Witt: Thron – Details

  • Label: Ventil
  • Vertrieb: Believe Digital / Soulfood
  • VÖ: 09. September 2016
  • joachimwitt.de
Andreas Waldera

Andreas Waldera

Das Urgestein der Fraktur! Bereits im Jahre 1996 stößt Andreas als Team-Fahrer und Texter zur Fraktur, damals ein Fanzine ausschließlich für Downhill Biker. Nach vier Jahren ruft er das MTB/Lifestyle Onlinemagazin "Fraktur - Das Magazin" ins Leben – bis heute eine Herausforderung, die dem begeisterten Fahrradfahrer geradezu auf den Leib geschrieben ist.

Weitere Artikel