Special Alpencross: Zwei Sättel, zwei Meinungen

Zu unterschiedlich sollten die Bestreiter eines Abenteuers dieser Art nicht sein. Parallelen müssen vorhanden sein, immerhin ist man einige Tage sehr viele Stunden zusammen unterwegs. Man verbringt den Tag sowie die Nächte zusammen – und die Tage scheinen bei einem Alpencross immer länger zu werden. Bereits vor Beginn der Tour war klar, dass sich Markus und mein Weg das eine oder andere mal trennen sollte. Markus, leidenschaftlicher Kletterer, nimmt auch gerne einen Aufstieg zu Fuß und Schiebepassagen in Kauf, um zum höchsten Gipfel eines Berges zu gelangen. Für ihn gehört es einfach mit dazu. Ich für meinen Teil bezeichne mich als absoluten Nur-Biker, für den Schiebe- oder Tragepassagen zum absoluten Horror gehören. Viele Höhenmeter über anspruchsvolle Trails möglichst weit oben, aber immer fahrbar, standen auf meiner Wunschliste ganz weit oben – natürlich nicht direkt an Abgründen, die endlos ins Tal abfallen. Mir war natürlich klar, dass dies bei einem Alpencross nicht immer zu realisieren ist. Ich hoffte einfach nur, dass es nicht zu schlimm für mich werden würde.

 

Reicht die Kondition?

Natürlich sollte man nicht ganz unvorbereitet zu einem Alpencross starten. Auch wir haben uns für unsere Verhältnisse recht umfangreich auf den Alpencross vorbereitet. So starteten wir mehrmals gen Niederlande um die dortigen ATB Routen zu befahren. Um ein wenig Gebirgsflair zu erhaschen, fuhren wir zum Training in die Eifel und in die Schwäbische Alb. Selbst unser Aufenthalt in Südfrankreich wurde zum ausgiebigen Training für den Alpencross genutzt. Der tägliche Weg zur Arbeit wurde nicht mehr mit dem Auto bewältigt, sondern mit dem Fahrrad. Ob die Kondition für den Alpencross reichen würde, wussten wir natürlich nicht – wir hofften es einfach!

Red Bull Scandium Four-500

Die Bikes – Wer fährt was?

So grundverschieden wie die Ansichten eines idealen Alpencrosses waren auch die Anforderungen an die Bikes. So kamen zwei völlig verschiedene Vertreter von Mountainbikes zum Einsatz. Für Markus, einem absoluten Hardtailfreak, kam ein Fully in keinster Weise in Frage. Seine Argumentation für das Hardtail reichte von wartungsarm über unanfällig bis zum geringen Gewicht eines Hardtails. Für mich hingegen kam für den AlpenX nur ein Fullsuspension in Frage. Neben der sehr guten Traktion beim Hochfahren auf unbefestigtem Untergrund sprach vor allem das rückenschonendere Fahrwerk für das Fully. Der Rucksack belastet auf Dauer schon genug und somit wollte ich meinem Rücken etwas Gutes tun. Über 700 Kilometer in zum Teil recht unwegsamen Gelände und einem über neun Kilogramm schweren Rucksack würden genug vom Körper abverlangen. Dennoch sollte das Bike, trotz Vollfederung und guter Ausstattung, durch ein geringes Gewicht glänzen. Das Wichtigste ist allerdings, dass man sich auf dem Bike wohlfühlt – bergauf als auch bergab. Man sollte das Bike kennen und wissen wie es reagiert. Der Sattel muss passen, immerhin wird dieser über viele Kilometer hinweg den Bürostuhl und den abendlichen Fernsehsessel ersetzen. Daher ist es wichtig, niemals mit neuen und ungetesteten Bauteilen zu diesem Abenteuer aufzubrechen.

Markus Wahl fiel somit auf das Hardtail Poison Zyankali mit HS33 Bremsen von Magura und einer Marzocchi MX Comp Federgabel mit ETA System. Meine Wahl fiel auf ein Red Bull Scandium Four-500 mit Shimano XT-Komponenten samt Scheibenbremse und einer Fox Federgabel. Der Nachteil des Red Bull gegenüber dem Poison war die schlechtere Handhabung bei Tragepassagen. Ein Nachteil, den ich allerdings gerne in Kauf nahm. Am Ende sollte die Frage des idealen Bikes reine Philosophie bleiben. Beide Mountainbikes überzeugten durch Zuverlässigkeit und brachten uns, vorweg gesagt, sicher ans Ziel.

Poison Zyankali

Kompromisse – Ohne geht es nicht!

Wie so oft im Leben muss man natürlich Kompromisse eingehen. Um genau zu sein besteht der ganze Alpencross aus Kompromissen. Nicht nur dem Mitfahrer gegenüber, sondern auch bei der Wahl des Gepäcks und bei dem Bike. Natürlich hätte man sich das eine oder andere Mal auf der Abfahrt ein schnittiges Downhillbike gewünscht, aber man muss ja auch noch die Berge hochkurbeln können. Eine Marathon Rennfeile ist für Passagen bergauf vielleicht ganz witzig, aber für technische Passagen bergab nicht unbedingt die beste Wahl. Ein Shuttleservice ist zwar auch immer nett, aber kam für uns gar nicht in Frage. Wir wollten den Alpencross alleine bestreiten und bestehen.

Seine persönlichen Vorlieben sollte man – nicht nur zu Gunsten des Reisekomforts – ebenfalls überdenken. Ich bin beim Alpencross mit Lenkerhörnchen gefahren – eine Komponente, mit der ich im Alltag normalerweise niemals fahren würde. Wer mit einem Hardtail starten möchte, sollte sich über eine gefederte Sattelstütze Gedanken machen. Eine absenkbare Sattelstütze kann ebenfalls Sinn machen. Trinkflaschenhalter gehören auf jeden Fall ans Bike und auch eine Satteltasche macht Sinn. Der Sattel sollte bequem und auf jeden Fall tourentauglich sein. Doch auf die verschiedenen Komponenten werden wir nachher noch kommen.

Ebenfalls anders als sonst zeigt sich auch die Wahl der Bekleidung – hier war nicht mehr die kurze und coole FOX-DH Pant angesagt, sondern eine Radlerhose mit Polster. Das entspricht zwar nicht ganz unserem Geschmack, ist aber definitiv beim Alpencross die bessere Wahl! Bis auf das Mehrgewicht und den erhöhten Platzbedarf spricht natürlich nichts dagegen, die lässige und coole Short über die Radlerhose anzuziehen. Man sollte allerdings immer bedenken, dass man alles mitschleppen und verstauen muss. Wie gesagt…eine Tour mit sehr vielen Kompromissen!

Zurück zur Hauptübersicht Unser Alpencross – Das etwas andere Mountainbike-Abenteuer

Special: Unser erster Alpencross – Das etwas andere Mountainbike-Abenteuer

Der Alpencross – welcher Mountainbiker träumt nicht davon, eines der letzten Abenteuer unserer Zeit zu erleben?! Die Alpen sind für die meisten von uns nur ein Steinwurf weit entfernt und dennoch so fremd. Markus und ich, zwei ambitionierte Biker vom Niederrhein, die seit vielen Jahren zusammen auf Achse sind, nahmen diese Herausforderung an. Wir wussten, dass wir uns aufeinander verlassen konnten und zumindest fahrtechnisch auf einem Level waren. Viele Kilometer haben wir schon gemeinsam hinter uns gelassen. Was sollte somit schon schief gehen?

Wie schwer es ist, eine wunderschön geplante Tour in die Praxis umzusetzen, wurde uns während unserer 10-tägigen Reise unverblümt aufgezeigt. Auch die Koordination und die Arbeitsteilung zweier verschiedener Charaktere warf doch einige Probleme auf, denen wir vorab keine Bedeutung beigemessen hatten. Das Fehlen von Kartenmaterial und unzureichende Informationen über die Tagesziele sollte uns das eine oder andere Mal in eine etwas missliche Lage bringen. Probleme, die man mit einer genaueren Absprache sicherlich hätte verhindern können. Auch die verschiedenen Ansprüche an die Streckenführung brachten mehr Probleme, als wir vorher geglaubt haben. Die psychischen als auch physischen Belastungen stellten eine ziemlich harte Prüfung und große Herausforderung für unsere Freundschaft dar!

Bereut haben weder Markus noch ich den Alpencross. Doch sollte die Überquerung der Alpen nicht ganz spurlos an uns vorübergehen. Unser Abenteuer soll den Leser zu seinem eigenen Alpencross ermutigen. Diese Reiseerzählung soll aber nicht nur ermutigen, sondern auch auf aufzeigen, welche Belastungen auf den Biker zukommen können und werden. Begleitet uns auf unserer unterhaltsamen Reise durch die Alpen – von der Vorbereitung der Tour bis zum Ziel in Riva.

Die Geburt einer Idee

Jeder Mountainbiker verspürt irgendwann den Drang, etwas Besonderes zu unternehmen. Er möchte in Bereiche vorstoßen, die er nie vorher gesehen und erlebt hat. Extreme Situationen zu erfahren und an seine eigenen Grenzen zu stoßen üben eine unglaubliche Faszination aus. Eine Faszination, die schon fast bizarr wirkt. Eigentlich bestand die Idee einer Alpenüberquerung schon seit einigen Jahren, aber im Jahre 2005 sollte es dann endlich soweit sein. Immer wieder sprach Markus mich darauf an. Markus, der die Welt bereist und neben dem Biken mit Begeisterung klettert, sah diesem Abenteuer gelassener entgegen als ich. Mein größte Sorge galt der Höhe. Damit meine ich nicht die Strapazen des Hochfahrens, sondern der Anblick der uns erwartenden Abgründen. Ich bin nicht schwindelfrei, zugegeben eine denkbar schlechte Voraussetzung für die Bestreitung eines Alpencrosses. Doch verspürte ich den Drang, dieses Abenteuer zu erleben. Worauf wir uns da genau einlassen würden, wussten weder Markus noch ich vor dem Alpencross natürlich nicht. Trotz der jahrelangen Erfahrung beim Mountainbiken und der einen oder anderen größeren Tour sollten wir uns mit unserer ersten Alpenüberquerung auf völlig neuem Terrain bewegen. Wir haben uns natürlich vor unserem Abenteuer Alpencross auf die vor uns liegenden Strapazen heiß gemacht. Die Videos „Abenteuer Alpencross“ und „Auf Heckmairs Spuren – Mit dem Mountainbike über die Alpen“ ließen unsere Herzen bereits vor dem Alpencross höher schlagen. Natürlich wollen wir dem Leser dieser Lektüre diese Einheizer nicht vorenthalten und werden ihm diese vorstellen. Doch trotz aller Theorie kann man sich nur bedingt auf einen Alpencross vorbereiten, vor allem dann, wenn man wie wir aus dem flachsten Flachland stammt, genauer gesagt vom Niederrhein. Können zwei Biker, die ihr bisheriges Leben mit dem Mountainbike hauptsächlich der Abfahrt gewidmet haben, eine solche Belastung, die sich über Tage hinweg zieht, überhaupt überstehen? Wir waren selber gespannt!

Anmerkung

Die Angaben in den einzelnen Artikeln erfolgen ohne Garantie, ohne Anrecht auf Vollständigkeit und Aktualität sowie ohne jegliche Verpflichtungen seitens des Autors. Der Autor weist darauf hin, dass das Befahren der Wege nach der Beschreibung eigenverantwortlich geschieht! Die Qualität der Wege und die Fahrbarkeit, auch in Bezug auf die Gesetzeslage, ist vom Reisenden selbst zu prüfen und seinem persönlichen Können anzupassen!

Das Recht der Nutzung von Wegen und Passagen kann sich jederzeit ändern! Straßen und insbesondere Wanderwege unterliegen oftmals Änderungen in Bezug auf Streckenführung, Kennzeichnung, Beschaffenheit und Verkehrsauflagen. Die Beschreibungen der Touren befreien nicht von gesetzlichen Auflagen! Den gesetzlichen Auflagen  ist unbedingt Folge zu leisten! Gesperrte Wege und Privatwege, die offensichtlich der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, dürfen nicht befahren/betreten werden! Sollte dieses Werk in einer Beschreibung einen dieser Punkte verletzt haben, bittet der Autor um sofortige Mitteilung, um die entsprechende Passage im Artikel zu aktualisieren.

Unser erster Alpencross – Die Entdeckung einer anderen Welt von Andreas Waldera erschien als gedruckte Buch-Version im Jahr 2011 bei der Books on Demand GmbH, Norderstedt (ISBN 978-3-8423-8359-3).

Überblick

Zwei Sättel, zwei Meinungen

Planung & Literatur

Die Route

Die Ausrüstung – Was muss mit?

Etappe 1 – Von Berchtesgaden nach Saalbach-Hinterglemm

Etappe 2 – Von Hinterglemm in das Felber Tal

Etappe 3 – Im Schneesturm über den Felber Tauern nach Lienz

Etappe 4 – Durch das Pustertal und die Dolomiten

Etappe 5 – Croda da Lago und Monte Pelmo

Etappe 6 – Passo di Valles und Passo Rolle

Etappe 7 – Pass der 5 Kreuze – Passo Cinque Croci

Etappe 8 – Der Monte Ortigara oder der Tag der Qualen

Etappe 9 – Posina oder der Wettlauf gegen die Zeit

Etappe 10 – Endspurt – Alle Wege führen nach Riva

Vom Ende und vom Anfang