Spot-Check Willingen – Zwischen Himmel und Hölle

Willingen engagiert sich schon seit langer Zeit für die Mountainbiker. Bereits vor vielen Jahren lockte die damalige Freeridestrecke, welche früher sehr schöne Wurzelpassagen aufwies, die Biker in die Nähe des Sauerlandsterns. Der Sessellift befördert seit je her die Biker zuverlässig auf den Ettelsberg, und im Gegenzug die fußlahmen Partypeople runter zur Talstation. Die blöden Sprüche, der zum Teil leicht aggressiven Artgenossen, haben sich übrigens in den letzten Jahren nicht geändert. Diese darf man denn auf der etwas längeren Auffahrt, der Lift benögt etwa 15 Minuten, in aller Ruhe genießen.

Ende 2007 wird alles anders. Dann soll eine Gondel die Menschen in nur fünf Minuten nach oben schaffen. Netter Nebeneffekt: Das Gegröle würde man sich zumindest während der Auffahrt ersparen. Die Preise für den Sessellift halten wir für fair. Eine Zehnerkarte kostet zur Zeit 25 Euro, eine Tageskarte 19,50 Euro. Da man allerdings recht lange mit dem Sessellift unterwegs ist, lohnt sich unseres Erachtens eher die Zehnerkarte. Der Sessellift hat während der Bikesaison täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Doch kommen wir zum eigentlichen Punkt, den Strecken. Hier bieten sich ein Freeride, der Übungsparcours an der Eishalle, der Worldcup-BikerX und der Worldcup-Downhill an. Der Übungsparcours lockt mit kleineren Sprüngen und Anliegern. Der Parcours ist durch den Brechsand recht rutschig und kostet jede Menge Körner. Phatte Sprünge gibt es dagegen auf dem BikerX. Hier finden sich sogar drei Linien: Männer, Damen und Downhill. Die Worldcupfahrer zeigten, wie man schnell und spektakulär diesen Kurs rockt. Leider sah die Strecke, als wir da waren, sehr mitgenommen aus.

Der „neue“ Freeride besteht seit wenigen Jahren und hat die damalige Freeridestrecke abgelöst. Mit Anliegern und weichen Sprüngen kann man sich hier in BikerX-Manier den Berg runterschießen. Gut gefallen uns die Northshores, die man mit der Strecke kombinieren kann. Es sind zwar nicht besonders viele Northshores vorhanden und diese weisen zudem nicht sonderlich einfallsreiche Bauformen auf, aber immerhin. Wir würden uns hier mehr Hühnerleitern wünschen. Dass die Northshores älteren Baujahres sind, sieht man am zum Teil schlechten Zustand. Hier sollte vom Verantwortlichen Abhilfe geschaffen werden!

Der Zustand des Freerides, der sich ausschließlich durch den Wald schlängelt, ist im oberen Bereich akzeptabel, im unteren Bereich durch Bodenerosion und Bremslöcher ziemlich ruppig. Hardtailfahrer werden hier mächtig durchgeschüttelt. Als Downhiller gefällt uns natürlich, entgegen der Ansicht der meisten Besucher des Freerides, der untere Teil deshalb besonders gut. Die Wurzelpassagen längst vergangener Tage sind auf dem Freeride leider Geschichte. Das Ziel des Freerides ist recht weit von der Talsstation des Sesselliftes entfernt. Schön wäre es, die letzten Höhenmeter sinnvoller zu Tal zu bringen als über Straße.

Die zweite Strecke ist nicht EIN Downhill, sondern DER Downhill. Bereits der Startberg zeigt, dass es auf der folgenden Strecke richtig abgehen wird. Es folgt ein höllenschneller Kurs, zumindest für die Cracks. Diese haben beim Worldcup gezeigt, wie man in Willingen den Downhill abrocken muss. Besonders im oberen Teil befinden sich phatte und weite Sprünge über dicke Steine und Kanten. Wer hier fahren will, sollte sich unbedingt die Strecke vorher anschauen! Zu oft erwarten einen nach den Sprüngen und Kanten Überraschungen.

Im unteren Bereich des Waldes folgt ein Gap, bevor es dann letztendlich über bzw. neben dem BikerX des Worldcups geht. Der Downhill in Willingen ist nicht sonderlich lang, aber ziemlich heftig! Vor allem die dicken Steine und die phatten Jumps dominieren auf dieser Abfahrt. Wer hier schnell runterkommt, dem gebührt definitiv einiges an Respekt! Nicht umsonst ein Worldcup-Kurs vom Streckenbauer Didi Schneider himself. Die Abfahrt ist übrigens fahrbar und nicht abgesperrt. Leider ist auch hier das Ziel der Abfahrt recht weit vom Sessellift entfernt.

Da lediglich an den Samstagen und wenigen Feiertagen auf dem Ettelsberg Volksfest herrscht, ist es ratsamer, an anderen Tagen die Strecken in Willingen zu besuchen. An den anderen Tagen fallen die hier mitunter langen Wartezeiten und „Begegnungen der anderen Art“ weg und jeder Biker hat mehr von seinem Tag und seinem Ticket. Übrigens: Zur Zeit wird ein Konzept zur effektiven Streckenpflege und kontinuierlichen Streckenverbesserung erarbeitet. Wenn alles gut läuft, kann auch Willingen bald mit einem dauerhaft besseren Streckenniveau aufwarten!

Fazit:

Leider lässt der Zustand der einen oder anderen Strecke zu wünschen übrig. Fun ist allerdings garantiert und eine Herausforderung ist mit dem Worldcup-Downhill auch gegeben! Sollte das geplante Konzept aufgehen, dann darf man sicherlich sehr gespannt sein.

Mehr Infos unter www.ettelsberg-seilbahn.de

Seraign in Belgien – Une question de temps

Eigentlich erwartet uns in Seraign immer das gleiche Schicksal. Von der Innenstadt aus muss man sich im Grunde nur an den Hochhäusern auf dem Berg orientieren. Doch irgendwie verfehlen wir immer das Ziel. Knapp, aber sicher. Neben der Orientierung an den Hochhäusern sollte man sich zum Sportzentrum an der „Avenue des Puddleurs“ navigieren lassen. Voila. Ein kleiner Weg zum „Square des Marteleurs“ ebnet den Einstieg zu dem uns bekannten Downhill.

Seraign ist für uns eine altbekannte Strecke. Seit einigen Jahren kennen wir schon den Trail in Seraign in der Nähe von Liege (französisch: Liège). Bereits im Jahre 1999 fuhren wir dort einen Lauf zur Belgischen Downhill-Meisterschaft. Da wir seit geraumer Zeit nicht mehr vor Ort waren und sich Strecken im Laufe der Zeit zum Teil enorm verändern, wollten wir wissen, ob auch in Seraign der Zahn der Zeit nagt. Wie hat sich der Trail mit dem freeridelastigen Charakter in den letzten Jahren entwickelt?

Die erste Abfahrt bringt direkt die erste Überraschung. Mehrere Jahre Abstinenz verstrichen ohne große Änderungen der ehemaligen Meisterschaftsstrecke. Die Downhillpiste hat sich im groben, bis auf einen Table am Anfang, nicht verändert und selbst die Streckenführung wurde beibehalten. Somit ist die Strecke, wie gewohnt, sehr flüssig fahrbar und die etwas über 90 Höhenmeter lassen sich aufgrund fehlender Wurzeln und Steinpassagen flott zurücklegen. Die Streckenführung mit den flowigen Kurven auf dem Waldboden kann nach wie vor überzeugen. Gaps und Kanten sucht man in Seraign allerdings vergeblich. Da es sich um normale Wanderwege handelt, kann es natürlich zu Begegnungen mit Wanderern kommen. Die Belgier sehen das allerdings sehr locker und so kann weiter Gas gegeben werden.

Es gibt allerdings auch Neuerungen in Seraign. Neuerungen, die den Abfahrtsspaß in Seraign enorm steigern. Die bestehende Abfahrt lässt sich im oberen Teil wunderbar mit Northshore-Elementen kombinieren. Diese kannten wir bis dato noch nicht. Fleißige Bastler haben in den Wald kleine, aber feine Northshores gebaut, die für Abwechslung sorgen. Gleichfalls Abwechslung bringt der am Sportplatz befindliche BMX bzw. Dualkurs mit mehreren Doubles, Tables und Anliegern. Die BMX-Bahn zeigte sich, anders als in der Vergangenheit, in einem überraschend guten Zustand.

Die angrenzenden Straßen lassen ein Shuttlen mit dem Auto zu…wenn man denn den Weg kennt! Ansonsten lassen sich die etwa 90 Höhenmeter der Abfahrt recht schnell hochschieben bzw. sogar hochfahren. Einen Sessellift oder dergleichen gibt es in Seraign „natürlich“ nicht.

Fazit:

Seraign glänzt nicht mit krassen oder gigantischen Highlights, sondern eher mit den abwechslungsreichen Beschäftigungsmöglichkeiten. Durch die Kombination dieser Möglichkeiten kann man einen sehr schönen Tag in Seraign verleben. Manchmal sind es eben doch die kleinen Dinge im Leben, die Freude bereiten 😉