Die Nordeifel entwickelt sich zunehmend zu einem echten Hotspot für Mountainbiker, BMX-Fahrer und Urban-Sports-Begeisterte. Ein besonderes Highlight im regionalen Veranstaltungskalender steht am 23. und 24. Oktober 2026 an: Auf dem Pumptrack in Hellenthal-Sieberath steigt eine Flutlicht-Session.
Wenn die Dämmerung am 23. und 24. Oktober 2026 über die Eifel hereinbricht, verwandelt sich der asphaltierte Rundkurs in Hellenthal-Sieberath in eine stimmungsvolle Arena. Fahrer aller Alters- und Leistungsklassen kommen zusammen, um bei bester Stimmung ihre Runden zu drehen. Das Event zeigt eindrucksvoll, wie viel Dynamik in der lokalen Bike-Szene steckt und wie moderne Sportstätten Jugendliche und Familien gleichermaßen begeistern können.
Foto (c) Gemeinde Hellenthal
Durch das geschickte Ausnutzen von Wellen und Steilkurven – dem sogenannten „Pumpen“ – bewegen sich die Fahrer komplett ohne Pedaleinsatz über den Kurs. Die Anlage in Sieberath bietet mit ihrem griffigen Asphaltbelag ideale Voraussetzungen für Mountainbikes, BMX, Stunt-Scooter und Skateboarder. Die Veranstaltung unter Flutlicht setzt diesem Fahrerlebnis noch eins drauf und sorgt für ein spektakuläres visuelles Rahmenprogramm.
Hellenthal-Sieberath: Ein Baustein im wachsenden Angebot der Nordeifel
Der Pumptrack in Sieberath ist jedoch nur ein Baustein im wachsenden Bike-Angebot der Nordeifel. In den vergangenen Jahren hat die Region massiv in den Ausbau von Trailparks, Pumptracks und MTB-Infrastruktur investiert, um Sportlern attraktive und legale Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten. Von den Routen im Nationalpark bis hin zu Übungsarealen für den Nachwuchs bietet die Nordeifel mittlerweile eine beeindruckende Vielfalt an Möglichkeiten.
Foto (c) Gemeinde Hellenthal
Das Flutlicht-Event in Hellenthal ist die perfekte Gelegenheit, die lokale Szene kennenzulernen, die eigene Fahrtechnik zu schärfen oder einfach als Zuschauer die mitreißende Atmosphäre an der Strecke zu genießen.
Wer mit offenen Augen durch die Eifel fährt, sieht es an jeder Ecke: Das Fahrrad ist für Kinder und Jugendliche längst kein reines Fortbewegungsmittel mehr. Es ist Sportgerät, Freiheit und sozialer Treffpunkt zugleich. Ob BMX, Dirtbike oder Mountainbike – gefühlt jedes zweite Kind steht heute auf Stollenreifen oder Rollen. Doch während die Nordeifel diesen Trend erkannt hat und einen Pumptrack nach dem anderen aus dem Boden stampft, herrscht in den Zentren im Süden der Eifel gähnende Leere. Ein kritischer Blick auf eine spürbare regionale Schieflage.
Der Norden macht es vor: Kleine Orte, riesige Wirkung
Man muss kein Städteplaner sein, um zu sehen, wie moderne Jugendsport-Förderung funktioniert. Ein Blick über die Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen reicht völlig aus.
Im beschaulichen Sieberath (Gemeinde Hellenthal) steht ein 1.300 Quadratmeter großer Pumptrack, in Kall rollt die Jugend an der Auelstraße, am Mühlenpark in Mechernich-Kommern findet sich ebenfalls eine hochmoderne Anlage – und auch in Schleiden, Nettersheim oder Blankenheim gehören durchgestaltete Asphalt-Rundkurse längst zum Ortsbild.
Das Erfolgsgeheimnis dieser Anlagen liegt auf der Hand:
Allround-Nutzung: Egal ob Bambini auf dem Laufrad, Teenager auf dem Dirtbike, Inliner-Fans oder Skateboarder – Asphalt-Pumptracks bieten Bewegung für jedes Alter und jedes Rollgerät.
Wartungsarm & Ganzjährig: Im Gegensatz zu alten Erde-Sprüngen im Wald sind asphaltierte Tracks extrem pflegeleicht und nahezu ganzjährig befahrbar.
Sozialer Treffpunkt: Hier kommen Jugendliche ohne Konsumzwang und ohne Vereinsbindung zusammen.
Dynamik und jede Menge Airtime: So sieht moderner Jugendsport auf einem asphaltierten Pumptrack aus. Im Süden der Eifel sucht man solche Trainingsmöglichkeiten vergebens. (Foto: Ben Lorse)
Der Süden hinkt hinterher: Die weiße Landkarte in den regionalen Zentren
Wer dagegen den Blick in die Südeifel, die Vulkaneifel oder den Raum Wittlich richtet, reibt sich verwundert die Augen. Wo sind die modernen Begegnungsstätten in den regionalen Zentren?
In den großen Kreisstädten und Mittelzentren wie Bitburg, Wittlich, Gerolstein, Daun oder Hillesheim sucht man städtische, asphaltierte Allround-Pumptracks vergebens. Während im Norden selbst kleine Dörfer rollende Infrastruktur bieten, werden Kinder und Jugendliche in den südlichen Zentren vielerorts auf verwaiste Bolzplätze, unbefestigte Wald-Ecken oder im schlimmsten Fall auf die Straße geschickt.
Am Geld liegt es nicht: Töpfe wie EU-LEADER werden nicht genutzt
Dass es sich bei solchen Anlagen keineswegs um unbezahlbare Millionengräber handelt, beweisen nicht nur die Gemeinden im Norden, sondern auch einzelne Positiv-Beispiele aus der Region: Der aus Erde gebaute Pumptrack in Pronsfeld zeigt zumindest, was möglich ist, wenn Förderprogramme wie das EU-Programm LEADER oder Landessportmittel konsequent genutzt werden.
Die Gelder aus Brüssel, Berlin und den Landesregierungen stehen Städten in Rheinland-Pfalz exakt genauso zur Verfügung wie Gemeinden in NRW. Warum also schaffen es kleine Dorfgemeinschaften, sechsstellige Förderquoten abzugreifen, während in den Ratshäusern von Bitburg, Gerolstein oder Wittlich beim Thema Rollsport Stillstand herrscht?
Nord vs. Süd im Eifel-Vergleich
Ein Blick auf die regionale Infrastruktur verdeutlicht das Gefälle auf zwei Rädern:
Region
Ort / Gemeinde
Status & Anlagentyp
Nordeifel (NRW)
Sieberath (Hellenthal)
✅ 1.300 m² Asphalt-Pumptrack
Nordeifel (NRW)
Mechernich / Kommern
✅ Moderner Asphalt-Pumptrack (Mühlenpark)
Nordeifel (NRW)
Kall
✅ Moderner Asphalt-Pumptrack (Auelstraße)
Nordeifel (NRW)
Schleiden
✅ Sportpark-Pumptrack & Dirtjump-Line
Nordeifel (NRW)
Nettersheim
✅ 1.200 m² Asphalt-Track
Nordeifel (NRW)
Blankenheim
✅ 145 Meter Asphalt-Pumptrack
Südeifel (RLP)
Bitburg
❌ Keine städtische Asphalt-Pumptrack-Anlage
Moseleifel (RLP)
Wittlich
❌ Keine städtische Asphalt-Pumptrack-Anlage
Vulkaneifel (RLP)
Gerolstein / Daun / Hillesheim
❌ Keine städtische Asphalt-Pumptrack-Anlage
Westeifel (RLP)
Prüm
❌ Keine städtische Asphalt-Pumptrack-Anlage
Kein Luxus, sondern Bewegungskultur: Ein Appell an die Kommunen
Ein Pumptrack ist längst kein „Trend-Gag“ für eine kleine Nische mehr. Durch das ständige Abdrücken („Pumpen“) über Wellen und Anlieger schulen Kinder spielerisch ihre Motorik, Balance und Radbeherrschung – Fähigkeiten, die ihnen auch im Straßenverkehr die nötige Sicherheit auf dem Fahrrad geben.
Dass es im Süden der Eifel an engagierten Bikern und Eltern fehlt, darf bezweifelt werden. Was fehlt, ist der Mut und der politische Wille in den Ratshäusern und Verwaltungen, das Thema Rollsport endlich als festen Bestandteil moderner Jugendarbeit zu begreifen.
Liebe Lokalpolitiker, Bürgermeister und Räte in Bitburg, Wittlich, Gerolstein und Co.: Schaut in den Norden der Eifel! Die Fördergelder liegen bereit – es braucht nur den Willen, der Jugend im Süden endlich den Raum zu geben, den sie längst verdient hat.