Der perfekte Reifen für den Herbst: Schnell und sicher auf wechselhaften Untergründen

Wenn der goldene Herbst einzieht, ändert sich der Waldboden schlagartig. Nasse Wurzeln, schmieriger Lehm und unter Blättern verborgene Steine stellen Mountainbiker vor völlig neue Herausforderungen. Um bei wechselhaften Bodenverhältnissen nicht die Kontrolle zu verlieren, kommt es vor allem auf das Zusammenspiel von Gummimischung, Profilgestaltung und dem passenden Werkstatt-Setup an. Wir zeigen dir, worauf du jetzt achten solltest.

Ob ein Reifen auf feuchten Steinen und schmierigen Wurzeln verlässlich haftet oder schlagartig wegrutscht, entscheidet unter anderem die verwendete Gummimischung. Der Härtegrad des Materials wird technisch in Shore A. Als Grundregel gilt: Je kleiner der Zahlenwert, desto weicher und griffiger ist der Gummi. Diese Elastizität sorgt dafür, dass sich der Reifen buchstäblich an den Untergrund festklebt. Allerdings steigt mit zunehmender Weichheit auch der Rollwiderstand, weshalb die Hersteller auf ausgefeilte Mehrfach-Mischungen setzen. Die Reifenproduzenten verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze.

Der perfekte Reifen für den Herbst: Schnell und sicher auf wechselhaften Untergründen

Die unterschiedlichen Gummimischungen der Reifenhersteller

Maxxis nutzt bei seinen 3C-Technologien drei verschiedene Härtegrade in einem Reifen. Während die extrem weiche MaxxGrip-Mischung an der Front für maximale Dämpfung und Traktion auf nassen Wurzeln sorgt, bietet das etwas härtere MaxxTerra am Hinterrad einen passablen Kompromiss aus Grip und Vortrieb. Schwalbe teilt seine Addix-Mischungen farblich ein: Das violette Addix Ultra Soft richtet sich an Fahrer, die auch bei niedrigen Temperaturen nicht auf Grip verzichten wollen, während das orange Addix Soft als idealer Allrounder für den Herbst gilt.

Continental sorgt mit den gestaffelten Gravity BlackChili-Mischungen wie SuperSoft für Grip auf dem Trail. Hersteller wie Michelin und Goodyear stimmen die Stollenhärten gezielt so ab, dass der Reifen auch bei starker Schräglage im Matsch stabil bleibt. Einen großen Einfluss auf die Gummimischungen hat allerdings die Temperatur. Besonders extrem weiche High-Grip-Mischungen verhärten bei einstelligen Temperaturen und büßen an Elastizität ein. Das liegt an der sogenannten Glass Transition. Die Glasübergangstemperatur dieser Mischungen ist recht hoch, wodurch die Reifen bei Unterschreitung schlagartig ihre Haupteigenschaften verlieren.

Warum die Selbstreinigung des Reifens im Herbst extrem wichtig ist

Die beste und weichste Gummimischung nützt dir jedoch wenig, wenn sich das Profil mit nasser Erde zusetzt und der Reifen innerhalb weniger Meter zum profillosen Slick mutiert. Im Herbst ist deshalb ein ausgeprägtes, offenes Profil wichtig. Große Abstände zwischen den einzelnen Profilblöcken sorgen dafür, dass die Fliehkraft bei steigender Geschwindigkeit den aufgenommenen Matsch effektiv aus den Zwischenräumen schleudert. Durch diesen Selbstreinigungseffekt bleibt der Reifen auch auf feuchten Trails griffig.

Feine Einkerbungen in den Stollen, sogenannte Lamellen oder Sipes, spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle. Sie verleihen den einzelnen Profilblöcken mehr Flexibilität, wodurch sich das Profil an die kleinsten Unebenheiten glatter Wurzeln anschmiegen kann. Für die nötige Führung in aufgeweichten Kurven und Anliegern sorgen wiederum massiv abgestützte Seitenstollen. Sie verhindern das gefürchtete Wegrutschen des Rades, wenn man mit Schwung in schlammige Streckenabschnitte sticht.

Der Werkstatt-Hack: Luftdruck und Reifensetup anpassen

Neben der Wahl des richtigen Reifens lässt sich auch über das Setup in der eigenen Werkstatt enorm viel Traktion herausholen. Der einfachste Kniff besteht darin, den Reifendruck gegenüber dem Sommer-Setup um etwa 0,2 bis 0,3 bar zu senken. Durch den geringeren Luftdruck in den Mountainbike-Reifen vergrößert sich die Auflagefläche des Gummis auf dem Boden spürbar, was wiederum zu deutlich mehr Traktion und Dämpfung auf wechselhaften Untergründen führt.

Um bei niedrigerem Luftdruck Beschädigungen an der Felge durch harte Durchschläge auf Wurzeln oder Steinen zu vermeiden, empfiehlt sich am Hinterrad der Einsatz von Tubeless-Inserts aus Schaumstoff. Als bewährte Daumenregel für die kühle Jahreszeit gilt zudem: Vorne wird auf maximale Klebewirkung und Führung gesetzt, während hinten eine etwas schneller rollende Variante für den nötigen Vortrieb sorgt. Mit diesem abgestimmten Setup lässt sich die Mountainbike-Saison ohne Rutschpartien bis in den Winter verlängern.