Gravel-Bike – Das Rennrad für mehr

Dort, wo die Straße aufhört und Feld-/Waldwege anfangen, tritt das moderne Gravel-Bike auf den Plan. Breite Reifen und Scheibenbremsen machen die Räder allwegetauglich. Doch das sind nicht die einzigen Unterschiede zum klassischen Renner. Wir werfen mit unseren Kollegen vom pd-f einen Blick auf den neuen Trend.

Trend Gravel-Bike / Foto: www.sram.com | pd-f

Der Rennradsport erlebt derzeit eine Befreiung von der unerschütterlichen Bindung an Asphaltstraßen. Mit Gravel-Bikes können Rennradler neue Gebiete erforschen, ohne dabei auf ihren geliebten Sport verzichten zu müssen. Ebenfalls hoch im Kurs steht in Verbindung mit dem neuem Bike-Trend das Thema Bikepacking, dem sportlichen Reisen mit kleinem Gepäck. Möglich machen das die breiteren Reifen: Sie eliminieren die Pannengefahr, die mit herkömmlichen, schmalen Reifen abseits der Straßen immer droht. Da breite Reifen mit weniger Luftdruck gefahren werden können und so eine größere Auflagefläche bieten, wird die Traktion auf loserem Untergrund erhöht. Zudem wahren sie aber – entgegen verbreiteter Vorstellungen – auch das sportlich-flotte Vorankommen, denn baugleiche Reifen rollen desto besser, je breiter sie sind. Das macht die Gravel-Bikes quasi zum „Rennrad für mehr“, weshalb der Trend auch „Road plus“ genannt wird.

Das Gravel-Bike: Neue Möglichkeiten durch technische Innovationen

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Gravel-Bikes sind die vom Mountainbike übernommen Scheibenbremsen, die mittlerweile auch in der typischen Rennrad-Bremsgriffform erhältlich sind. Begünstigt wurde die Entwicklung dieses Bremsentyps durch die Genehmigung des internationalen Radsportverbandes UCI, Cyclocross Räder mit Scheibenbremsen in Wettkämpfen verwenden zu dürfen. Daraufhin folgten schnell die ersten Versuche, Rennräder mit Scheibenbremsen zu produzieren. Da diese Bremsen direkt an der Radnabe wirken, konnte man auf die bei Rennrädern üblichen Felgenbremszangen verzichten, welche die Felgen- und Reifenbreite begrenzten. Eine weitere entscheidende Rolle beim Trend Gravel-Bike spielte die Entwicklung der Tubeless-Reifen, die im Vergleich zum klassischen Schlauchreifen deutlich leichter rollen.

Neue Möglichkeiten durch technische Innovationen / Foto: www.sram.com | Nils Nilsen | pd-f

Der Unterschied zum Endurance-Rad

Das Endurance-Bike kann in weiten Teilen als Vorläufer des Gravel-Bikes bezeichnet werden. Wie beim Gravel-Bike kommen auch hier breitere Reifen für ein komfortableres Fahren zum Einsatz. Allerdings sind diese Reifen nur dezent breiter als Rennradreifen. Gravel-Bikes ermöglichen hingegen meist die Aufnahme von noch breiteren Reifen und können auch eine sehr sportliche Sitzpositionen aufweisen – diese ist bei Endurance-Bikes meist entspannter ausgelegt. Zwischen den einzelnen Gattungen der Räder mit Rennlenker verwaschen die Grenzen allerdings zusehends. Bisweilen erinnern Gravel-Bikes fürs Gröbere auch schon mal an Cross-Country Mountainbikes oder ein Randonneur in vollem Gepäck-Ornat an ein Reiserad. Mitunter überschneiden sich auch Reifenbreite, -profil und Schaltung, der spielerischen Entwicklungslust sind kaum noch Grenzen gesetzt. Klares Unterscheidungsmerkmal ist aber immer die Lenkerform.

Über Stock und Stein / Foto: www.vaude.com | pd-f

Nutzungsspektrum überwiegt

Im Grunde ist die Idee, breitere Reifen mit weniger Druck zu fahren, keineswegs eine Innovation. Denn bereits in den Anfängen des Radsports wurden breitere Reifen verwendet, was angesichts damaliger Straßenbeläge auch nötig war. Erst in den 1980er-Jahren kamen schmalere, prallere Reifen für höhere Geschwindigkeiten auf. Die momentane Renaissance breiterer Reifen wurde vorrangig von Maßrahmenbauern und Kleinserienherstellern vorangetrieben. Auch unter Reiseradlern findet sich schon immer ein Klientel, das wegen der vielen Griffpositionen lieber mit Rennlenkern unterwegs ist. Erst als die Gravel-Räder eine stärkere öffentliche Aufmerksamkeit erhielten, wurde immer mehr Radsportlern klar, dass hier nur wenig von der Fahrdynamik des Rennrads verloren geht und der Gewinn durch ein größeres Nutzungsspektrum deutlich überwiegt. Als Folge stiegen auch größere Firmen in die Produktion mit ein. Die Vielfalt momentan angebotener Road-Plus- und Rennräder schließt auch Varianten mit Gepäckträger und Nabendynamo-Lichtanlagen ein. Gravel-Bikes werden somit nicht nur als reines Sportgerät genutzt, sondern oft auch als Alltags- oder Pendler-Räder.

Redaktion

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