Hutchinson DZO – Der Regenreifen für’s Grobe! Test

Es gibt Momente, da sind wir uns unsicher, ob wir wirklich die Empfänger der Ware sein sollen. Der Blick in den voluminösen Karton zeigt zwei brutal wirkende Reifen mit mächtig zornigen Stollen. War das etwa eine Lieferung für ein Motorrad-Magazin? Nein, es war alles okay, es war eine frische Lieferung Downhill-Regenreifen, genauer gesagt dem Hutchinson DZO in der phatten Ausführung 26×2.6. Das ist auf jeden Fall kein Reifen für einen Kindergeburtstag!

Was für ein Profil! Der Reifen macht bereits optisch mächtig Eindruck! Der DZO weist eine phatte und mächtig steife Karkasse auf und das offene Profil scheint dem Einsatzgebiet entsprechend gut gestaltet zu sein. Auffallend ist die sehr hohe Bauweise des Reifens, der Hinterbau sollte schon Platz bieten, was natürlich auch für die Breite gilt. Ein Problem, welches sich bei einem DH-Bike natürlich nicht stellt. Der Hutchinson drückt mächtig auf die Waage. Diesen Eindruck vermittelt der Reifen schon beim Betrachten und beim in die Hand nehmen. Die unglaublich phatte steife Karkasse erinnert mehr an einen Motorradreifen als an einen Fahrradreifen. Das schlägt sich natürlich mit einem Kampfgewicht von fast 1300 Gramm nieder – pro Reifen wohl bemerkt! Weniger Gewicht würde der voluminösen Pelle wohl auch kaum „gerecht“ werden.

Direkt der erste Ausritt sollte die Qualität des Reifens auf die Probe stellen. Der Boden war von den vielen Tagen, die es vorher geregnet hatte, weich und tief. Auf dem nassen glitschigen Untergrund der Ruhrpott-Halden versagen sehr viele Reifen, eigentlich unfaire Bedingungen, aber wat mutt dat mutt (zu dt: was muss dass muss)! Auch die Selbstreinigung wird wegen des pampigen Untergrunds immer zum Härtefall. Absolut unbeeindruckt dessen zeigte sich der Hutchinson DZO von den vorherrschenden Verhältnissen. Wo die anderen Kollegen mit ihrer Reifenwahl an den Rand des Wahnsinns getrieben wurden, konnten wir mit dem DZO unbeirrt Bestzeiten in den Trail graben. Mit einem unglaublichen Grip beherrscht der DZO die verschlammte Piste, beißt sich in jeden Spalt, der sich zwischen den aalglatten Wurzeln und Steinen anbietet. Das offene Profil des brutalen Reifens sorgt für eine hervorragende Selbstreinigung – selbst beim tückischen Schlamm der Halden. Absolut top!

Szenenwechsel! Natürlich waren wir auch im Mittelgebirge unterwegs, um den Reifen unter „normalen“ Bedingungen zu testen. Trockener bis halbnasser Waldboden garniert mit schönen Felsbrocken sollte den Grip des Reifens erneut auf die Probe stellen. Auch hier zeigt sich der DZO von seiner brutal zupackenden Seite, gleich einer Fräse pflügt sich der Hutchinson geradezu durch den Wald. Eine wahre Wonne! Okay, Naturschützer bekommen bei dem Anblick der hinterlassenen Spuren Tränen in die Augen, aber das steht jetzt auf einem anderen Blatt. Die besten Ergebnisse erzielt der Reifen auf feuchten bis komplett nassen Böden, aber auch auf trockenen Streckenabschnitten kann man unbeirrt runterballern und das Gas stehen lassen. Wichtig ist, dass der Reifen laufen muss…der DZO zeigt sich bei der Beschleunigung etwas träge und kraftraubend. Auffallend ist das leicht träge Kurvenverhalten des Reifens, was besonders bei hohem Tempo verstärkt wahrgenommen wird. Der Verschleiß des Reifens hält sich dagegen erstaunlicherweise in Grenzen. Das Bremsverhalten gibt keinen Grund zur Kritik, besonders die Verzögerungswerte bei Nässe sind beeindruckend – beeindruckend, wie der Reifen selbst!

Ihr liebt Regen und nasse glitschige Pisten? Ihr wollt eure Kollegen in Grund und Boden fahren? Dann solltet ihr mal einen Blick auf den Hutchinson DZO werfen! Der Reifen ist auch in einer 2.35er Version erhältlich, wir hatten allerdings nur die 2.6er Pelle (PV523705) im Test.

Preis: Etwa 70 Euro

Andreas Waldera

Andreas Waldera

Das Urgestein der Fraktur! Bereits im Jahre 1996 stößt Andreas als Team-Fahrer und Texter zur Fraktur, damals ein Fanzine ausschließlich für Downhill Biker. Nach vier Jahren ruft er das MTB/Lifestyle Onlinemagazin "Fraktur - Das Magazin" ins Leben – bis heute eine Herausforderung, die dem begeisterten Fahrradfahrer geradezu auf den Leib geschrieben ist.

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