Hutchinson Cougar – Ein Alleskönner-Reifen für jeden Bereich?

Einen wahren Alleskönner verspricht Hutchinson mit dem Cougar. Der Blick auf die angebotenen Ausführungen zeigt nahezu für jeden Einsatzbereich den passenden Reifen. Vom XC mit 26×2.0 bis zum DH mit 26×2.6 deckt der Cougar nahezu alle Bereiche ab, wo der Reifen mit Dreck um sich wirft bzw. werfen soll.

Wir haben uns für den Einsatzbereich AM/Enduro entschieden und uns mit dem Cougar Hardskin faltbar in der Ausführung 26×2.4 (66 TPI, TS – nicht tubeless) eingedeckt. Die interne Bezeichnung des von uns getesteten Reifens ist PV522412. Entgegen der oftmals in Fernost gefertigten Reifen dürfen wir uns hier an „Made in France“ erfreuen. Angegeben ist der Reifen für den Einsatz bei trockenen Verhältnissen und auf steinigem Untergrund.

Der Faltreifen (nicht durch die Bezeichnung „Hardskin“ irritieren lassen!) drückte bei uns mit 750 Gramm auf die Waage, was also 1,5 Kilogramm für das Paar bedeutet. Damit fällt der Reifen etwas schwerer aus, als werksseitig angegeben ist. Die Karkasse vermittelt einen stabilen Eindruck und auch die Profilgestaltung gefällt uns. Der Reifen ist für den Einsatz als Vorderradreifen als auch als Hinterradreifen gedacht, man muss lediglich bei der Montage auf die Laufrichtung achten. Um einen besseren Eindruck vom Cougar zu gewinnen, haben wir den Reifen auf mehreren Laufrädern montiert. Auffallend war, dass der Reifen teilweise recht leicht zu montieren war (z.B. bei den DT Swiss AM60), was allerdings keinen Einfluss auf den Test hatte – von der Felge ist uns der Schluffen nicht gerutscht!

Eigentlich könnte es der kürzeste Testbericht aller Zeiten sein: Der Hersteller trifft mit seiner Angabe des Einsatzgebietes schon ziemlich genau ins Schwarze. Doch da nicht jeder von uns das Glück hat, immer in der Provence oder in der Region Languedoc-Roussillon unterwegs zu sein, ist es ganz interessant zu wissen, wie sich der Reifen in unseren Breitengraden schlägt. Der Jahreszeit entsprechend waren wir meistens bei Mischverhältnissen unterwegs, teilweise trocken, oftmals schlammig. Eingesetzt haben wir den Reifen überwiegend im deutschen Mittelgebirge mit all seinen Gemeinheiten. Hierdurch konnten wir einige sehr interessante Informationen über den Reifen sammeln, über seine Stärken als auch Schwächen.

Seine Stärken spielt der Cougar tatsächlich bei Trockenheit aus. Der Grip in den Kurven kann überzeugen, vor allem auf staubigem Untergrund überraschte uns der Hutchinson positiv. Der Vorderradreifen zeigt sich sehr kurvenstabil und zieht sauber seine Bahn. Gelungen ist Hutchinson das Verhalten im Grenzbereich, der Cougar agiert beim einsetzenden Drift sehr gutmütig und lässt sich gut kontrollieren. Die guten Fahreigenschaften zeigt der Reifen auf festem Untergrund als auch auf losem, mit Steinen übersäten Untergrund. Ein wichtiger Aspekt ist bei AM/Enduro-Reifen der Rollwiderstand. Der Cougar rollt, wir waren ja immerhin mit der 2.4er Pelle unterwegs, recht leichtfüßig. Den Reifenverschleiß würden wir als akzeptabel einstufen. Nicht ganz überzeugend ist die Kraftübertragung auf Schotter bergan: Hier rutscht schon mal das Hinterrad durch.

Die Pannensicherheit gibt keinen Anlass zum Nörgeln, ebensowenig wie das Bremsverhalten. Mit dem Cougar über den Trail jagend kann man bestimmt in die Kurven hineinbremsen und profitiert auch hier vom gutmütigen Verhalten des Reifens in Grenzsituationen. Nicht ganz so überzeugend erwies sich für uns der Cougar bei Nässe. Obwohl der Reifen keinerlei Tendenz zum Zusetzen zeigt, fängt der Reifen auf matschigem Boden an zu schwimmen. Die Lenkkontrolle, die auf trockenem Boden noch so überzeugte, schwimmt im wahrsten Sinne des Wortes leider dahin. Schneller als vom Cougar erwartet schmiert in der Kurve das Heck weg und seifige steile Uphills werden mit durchrutschendem Hinterrad quittiert, womit wir ja schon bei Trockenheit auf Schotter Probleme hatten.

Besonders das Fahrverhalten des Hinterradreifens leidet unter den nassen widrigen Bedingungen. Wir würden uns eine eigene angepasste Ausführung des Hinterradreifens für diese Verhältnisse wünschen – die entgegengesetzte Montage des Hinterradreifens gegenüber dem Vorderradreifen erweist sich für uns als nicht ausreichend. Trotz dieser Schwächen ist der Hutchinson Cougar in der von uns getesteten Ausführung ein guter AM/Enduro-Reifen, der seine Stärken auf trockenem steinigem und staubigem Untergrund hat – in diesem Fall müssen wir der Herstellerangabe tatsächlich zustimmen! Es hätte also wirklich ein kurzer Test werden können…

Preis: Etwa 50 Euro

Andreas Waldera

Andreas Waldera

Das Urgestein der Fraktur! Bereits im Jahre 1996 stößt Andreas als Team-Fahrer und Texter zur Fraktur, damals ein Fanzine ausschließlich für Downhill Biker. Nach vier Jahren ruft er das MTB/Lifestyle Onlinemagazin "Fraktur - Das Magazin" ins Leben – bis heute eine Herausforderung, die dem begeisterten Fahrradfahrer geradezu auf den Leib geschrieben ist.

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