Haibike eQ Xduro FS RX – Das Allmountain-Pedelec im Test

Optisch wirkt das Haibike eQ Xduro FS RX wie aus einem Guss. Das Bike macht einen sehr durchdachten und aufgeräumten Eindruck, farblich sind die Komponenten perfekt auf das Bike abgestimmt. Auf jeden Fall ist das All-Mountainbike optisch sehr ansprechend, aber nicht unbedingt außergewöhnlich. Der Blick über das Bike verharrt letztendlich im Bereich oberhalb des Tretlagers. Ein gedrehter Bosch Motor sorgt bei dem Pedelec für die Unterstützung. Diese Symbiose macht das Haibike eQ Xduro FS RX erst zu dem, was es wirklich ist: Ein Pedelec der Begierde – zumindest optisch! Was das Pedelec dann wirklich zu Leisten vermag, sollten wir während unseres Tests erfahren.

Das Gewicht des eQ Xduro FS RX in der Größe 40 cm beträgt einschließlich des Akkus und der von uns verbauten Plattformpedalen 21,4 kg. Die Achsverteilung des Gewichts liegt nahezu bei 50%. Für die E-Power sorgt ein Bosch Mittelmotor mit 36 Volt und 250 Watt. Gespeist wird der Antrieb von einem Lithium Ionen Akku (288 Wh). Am Lenker thront das gut ablesbare LCD Bedienelement von Bosch, womit man gleichzeitig auch alle wichtigen Infos im Blick hat. Der Viergelenker wird durch einen Fox RP 2 ProPedal Dämpfer im Zaum gehalten, die Front durch eine Fox 32 RL O/B Federgabel mit Remote Lockout. Gabel als auch Dämpfer lassen sich dank der Luftunterstützung schnell und einfach anpassen. 120 mm Federweg, die nicht nur auf dem Papier hinreichend Reserven bieten.

Das Haibike begeistert mit einem unglaublich guten Handling. Besonders auf verblockten Trails und in Spitzkehren schätzt man das punktgenaue Lenkverhalten des Bikes. Das Bike folgt ohne Umschweife jeder Lenkbewegung – trotz des Gewichts von Trägheit keine Spur. Der Schwerpunkt des Bikes ist spürbar tief. Das Bike liegt satt und sicher auf dem Trail und gleitet sanft über Wurzelpassagen. In der Luft profitiert man von der ausgeglichenen Gewichtsverteilung, was uns im Test volle Kontrolle beim Jumpen und an Kanten bescherte. Der Schub des Motors kann in der höchsten Stufe fast beängstigend wirken. Steile Rampen bergauf, selbst wenn diese verblockt sind, verlieren an Schrecken. Das Fahrwerk und der Motor bilden eine Einheit, das zeigt sich nicht nur optisch mit dem gedrehten Motor.

Wohl behütet ist der Bosch-Motor im Rahmen “integriert” und bietet somit direkt noch den Vorteil, dass der Motor nicht wie ein Fremdkörper wirkt. Ein weiterer und nicht unerheblicher Vorteil ist, im Vergleich zu den “hängenden” Motoren, die Bodenfreiheit. Lediglich der Akku wirkt ein wenig dominant, durch die Farbanpassung aber durchaus vertretbar. Die Charakteristik des Bosch Motors passt zum Fahrwerk des Haibike wie der bekannte Nagel zwischen die Augen. Im Wiegetritt gehend, hilft der Griff zum Dämpfer, um dem Wippen entgegenzuwirken. Homogen und tatkräftig unterstützend zeigt sich der Motor auch im Wiegetritt – keine Spur von Bockigkeit! Überhaupt begeistert der Motor in allen Belangen. Durch den direkt einsetzenden Schub kann man definiert aus Kurven und Anliegern herausbeschleunigen und starke Steigungen anvisieren.

Der Einsatzbereich des Haibike eQ Xduro FS RX reicht vom Touren bis zum anspruchsvollen Ride über verwinkelte und verblockte Trails. Die Sitzposition ist top. Das ausgeglichene Fahrwerk sorgt in Grenzsituationen für Souveränität und Fahrsicherheit. Ein vollwertiges All-Mountainbike – das Xduro erweitert den Fahrspaß allerdings noch um Weiten, da eigentlich alle Trails – dank der E-Power – scheinbar immer leicht bergab führen. Die Agilität des Bikes und das hervorragend arbeitende Fahrwerk gehen mit dem Motor Hand in Hand. Der Fahrer hat dabei die volle Kontrolle über den Motor. Die Unterstützung ist in vier Bereiche (Eco, Tour, Sport und Speed) unterteilt – und diese wiederum in drei Teilbereiche. Somit ist eine Unterstützung von 0% bis 250% möglich. Eine Rekuperation (Energierückgewinnung) und Schiebehilfe bietet das Bike nicht.

In der schwächsten Unterstützungsstufe (Eco – Stufe 1) reicht der Akku für über 1000 Höhenmeter bei 30 Kilometer – und es war noch genügend Akkulaufzeit vorhanden. Die Fahrt zum König des Bayerischen Waldes, dem Großen Arber, kann man so zum Beispiel ohne Bedenken antreten – so wie wir es getan haben. In der stärksten Unterstützungsstufe (Speed – Stufe 3) reicht der Akku immer noch für über 700 Höhenmeter bei 20 Kilometer. Im Flachland sind 60 bis 80 Kilometer realistisch, je nach eigener Power sind weitaus mehr Kilometer möglich. Thermische Probleme sind Fremdwörter für den Bosch Antrieb. Obwohl das Haibike recht gut rollt, ohne Unterstützung des Motors lässt sich das Xduro – wegen des Gesamtgewichts – natürlich mühsamer fortbewegen als ein herkömmliches Mountainbike in dieser Klasse.

Die Magura MT 4 Bremse, farblich perfekt zum Bike passend, sorgt mit ihrem Biss für eine ordentliche, aber gut dosierbare Verzögerung des Bikes. Die MT 4 ist standfest und zeigt auch bei längeren Abfahrten keinerlei Anzeichen eines Fadings. Die Bereifung Continental X-King 26×2.2 ist dem Einsatzbereich entsprechend gut gewählt, ebenso verhält es sich mit dem DT Swiss AM60 Laufradsatz und den anderen verbauten Komponenten. Der Sattel erlaubt auch längere Touren und die Verwendung von Schraubgriffen ist ebenso lobenswert. Leider gehört die bei unserem Testrad verbaute Vario-Sattelstütze nicht zur Serienausstattung. Die Funktion der Shimano XT-Schaltung mit 10 Gängen ist vorbildlich und lässt keinen Raum für Kritik.

Doch nicht alles ist am Haibike perfekt: Bei ruppigen Passagen fällt leider die Kette vom Kettenblatt. Wenn das Abfallen der Kette nicht rechtzeitig bemerkt wird, verklemmt sich diese zwischen Kettenblatt und Motor. In diesem Fall hilft nur noch grobes zupacken, um die Kette wieder aus ihrer Zwangslage zu befreien. Da nur 1 Kettenblatt (38 Zähne) verbaut ist, tritt man sich bergab ab etwa 45 km/h einen “Wolf”. Der Motor unterstützt gesetzestreu bis 25 km/h – NUR möchte man fast schon sagen, aber natürlich völlig richtig. Bei sehr steilen Rampen wird die Nase des Bikes leicht, nicht zuletzt auch wegen der Power des Bosch Motors. Die Fox 32 RL O/B Remote funktioniert tadellos, allerdings würden wir uns eine Gabel mit Absenkung wünschen – auf die Lockout-Funktion können wir dagegen sehr gerne verzichten.

Fazit Haibike eQ Xduro FS RX

Mit dem Haibike eQ Xduro FS RX gehen einem fast schon die Argumente aus, nicht auf ein All-Mountainbike mit Motorunterstützung zu setzen. Den sportlichen Aspekt trägt das Xduro immer noch Rechnung, erweitert aber den Bereich in einigen Punkten um den Spaß-Faktor, zum Beispiel bei Singletrails, die bergan führen. Der Preis von knapp 3400 Euro ist absolut gerechtfertigt, vor allem dann, wenn man den Preis mit dem eines Allmountain ohne Motor vergleicht. Die Verarbeitung ist wie die Funktion top, dazu gesellen sich hochwertige Parts! Einzig das Gewicht, welches beim Fahren nicht auffällt, könnte (beim Tragen) geringer ausfallen – denn eines ist klar, das Bike ist ein Objekt der Begierde und gehört sicher verwahrt – also in die Wohnung oder den sicheren Keller!

Farbe: Weiß/schwarz/blau
Erhältliche Größen in cm: 40, 44, 48, 52 und 56
Preis: 3399 Euro

Andreas Waldera

Andreas Waldera

Das Urgestein der Fraktur! Bereits im Jahre 1996 stößt Andreas als Team-Fahrer und Texter zur Fraktur, damals ein Fanzine ausschließlich für Downhill Biker. Nach vier Jahren ruft er das MTB/Lifestyle Onlinemagazin "Fraktur - Das Magazin" ins Leben – bis heute eine Herausforderung, die dem begeisterten Fahrradfahrer geradezu auf den Leib geschrieben ist.

Weitere Artikel