Rose NPL-E3 Pedelec – Das Trekking-Pedelec im Test

Schon oft hatten wir Bikes vom Bocholter Versandhandel Rose im Test. Die Bikes hatten alle eines gemeinsam: Grobstollig und ausgelegt für raues Gelände! Mit dem Test des Rose NPL-E3 Pedelec beschäftigen wir uns diesmal mit einem Trekking Rad – genauer gesagt einem Trekking Pedelec. Wie jeder weiß, muss man beim Pedelec immer noch selber in die Pedale treten. Die Elektronik sorgt dafür, dass der E-Antrieb den Biker unterstützt – wenn er denn mag.

Wie immer bei Rose darf der Postbote mächtig schleppen. Der riesige Karton beinhaltet das Bike komplett montiert, womit sich der Käufer nur noch um wenige Dinge kümmern muss. Als erste Aufgabe steht die Montage der Pedalen und die Einstellung des Lenkers samt der Bedienelemente an. Kein Teufelswerk und daher schnell erledigt. Die Überprüfung des restlichen Bikes zeigt: Yessss, die Jungs von der Rose Montageabteilung haben sauber gearbeitet!

Im Gegensatz zur Serie war bei unserem Testrad kein silberner Akku verbaut, sondern ein weißer Akku. Bis auf die Farbe sind die Akkus allerdings identisch. Dass in dem Akku mächtig Energie steckt, merkt man an der langen Betriebszeit mit zugeschaltetem E-Antrieb. Wieviel Kilometer man letztendlich zurücklegen kann, ist natürlich von vielen Faktoren abhängig. Im Flachland bei Rückenwind fährt es sich natürlich energieschonender als in den Bergen mit langen Bergaufpassagen.

Ein großer Unterschied ist natürlich auch bei den E-Bikern zu suchen. So greift der passive E-Biker seltener zur Elektronik um den Energiezuschuss zu regeln, während der aktive E-Biker die Elektronik ähnlich wie eine Schaltung nutzt. Besonders im letzten Fall wäre eine zusätzliche Bedienung in Griffnähe traumhaft. Angegeben ist der 48-Volt Akku mit 420 Wattstunden, was laut Beschreibung für über 100 Kilometer reichen soll. Nachdem wir das Bike ausgiebig genutzt haben, würden wir bei normalem Gebrauch eher von realistischen 60 bis 80 Kilometern ausgehen.

Der BionX Motor (BionX PL250HT XL, 48V, G1) leistet 250 Watt und bildet das Zentrum des Hinterrades. Stattliche 6,9 Kilogramm bringt das Hinterrad alleine schon auf die Waage. Damit das Gewicht etwas ausgeglichener auf dem Bike verteilt ist, sitzt der Akku auf dem Unterrohr. Das Komplettbike in der Größe 18,5 Zoll brachte bei uns mit Akku, der alleine schon ca. 3,4 Kilogramm wiegt, etwa 23 Kilogramm auf die Waage.

Die Achslastverteilung des Leerbikes entspricht etwa 1:1,5 (v/h). Ein theoretischer Wert, der sich allenfalls beim Tragen des Bikes bemerkbar macht. Vom Start weg fühlt man sich auf dem Rose sehr wohl. Das Bike vermittelt ein sehr gutes Gefühl, lässt sich präzise Lenken und meistert enge Kehren ebenso souverän wie schnelle Kurven. Vorteilhaft ist hier sicherlich auch der höhenverstellbare speedlifter Vorbau, um den persönlichen Vorlieben Rechnung zu tragen.

Das Rose NPL-E3 Pedelec unterstützt den Fahrer mit einem sehr guten Fahrwerk. Der Viergelenker bietet stattliche 100 mm Federweg, vorne an der Front sind es immerhin noch 60 mm. Die Luftelemente lassen sich unkomlipiziert den persönlichen Anforderungen in Bezug auf das Gewicht, die Zuladung bzw. die Wegstrecke einstellen. Eine Dämpferpumpe ist natürlich erforderlich. Zusätzlich lassen sich der Dämpfer als auch die Marzocchi TXC Gabel per Lock-Out blockieren, die Gabel sogar bequem vom Lenker aus.

Die mit Gummi beschichteten Pedalen bieten einen guten Halt. Der Gangwechsel mit der Shimano XT ist ebenso präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Ebenfalls von Shimano sind die Bremsen, die mit den 160 mm Bremsscheiben sehr gut dosierbar sind und dennoch mit Biss für eine gute Verzögerung des Bikes sorgen. Die Reifen von Schwalbe überzeugen durch ein sehr gutes Rollverhalten bei gleichzeitig gutem Grip, lediglich auf sandigem und schlammigem Untergrund fängt der Reifen an zu schwimmen.

Die Ausstattung des Bikes lässt keine Wünsche offen – sei es für den gemütlichen Wochenendradler oder der weitreisenden Trekker. Angefangen von der Beleuchtung, welche der STVZO entspricht, über die ergonomischen Lenkergriffe bis zum stabilen Gepäckträger – so kann man unbesorgt auch lange Reisen antreten. Der stabile Seitenständer sorgt für einen guten Stand des Bikes. Eines sollte man alllerdings immer mit sich führen: Ein verdammt dickes Schloss, das Rose NPL mit dem unübersehbaren Akku ist nicht gerade unauffällig!

Das vollständige Laden des Akkus nimmt etwas mehr Zeit in Anspruch, als in der Beschreibung angegeben. Bei uns dauerte das komplette Laden etwa 6 Stunden, dafür bekommt man aber ein Energiepaket, welches es in sich hat! Der Schub setzt mit einer leichten Verzögerung ein. Radfahrer, die vorher noch nie ein Pedelec gefahren sind, sollten diesen Zuwachs an Power nicht unterschätzen! Die Bremse ist mit der Steuerelektronik verbunden und schaltet beim Bremsen natürlich sofort die Unterstützung ab. Auch ab 25 km/h ist Schluss mit dem Energiezuschuss.

Das BionX bietet vier Unterstützungsstufen. Der maximale Unterstützungsgrad beträgt 300 Prozent! So wie die Zahl selber ist auch der Schub beeindruckend! Selbst sehr steile Passagen lassen sich ohne Probleme meistern – Wahnsinn! Im Generatormodus kann man den Akku während des Fahrens auch wieder aufladen. Wer keinen Berg für eine Abfahrt hat, kann so sein reichhaltiges Frühstück wieder abtrainieren. Bequemer ist natürlich das Laden an der Steckdose.

Der Akku, der mit einem Schloss gesichert ist, lässt sich am Bike als auch separat aufladen. Auch bei dem kleinen Rahmen lässt sich der Akku gut entnehmen. Manchmal sind es aber die Kleinigkeiten, die etwas nerven. So lässt sich der Akku mit seiner glatten und gut zu reinigenden Oberfläche leider nur schlecht tragen – man hat immer den Eindruck, einen glitschigen Fisch in den Händen zu halten. Hier ist der Hersteller (Griffmulde?) gefordert! Das Bedienelement von BionX ist quasi selbsterklärend und lässt sich ebenfalls abnehmen.

Ein weiterer Bikecomputer ist nicht nötig, da das Bedienteil alle grundlegenden Funktionen beinhaltet. Während das Vorderrad einen Schnellspanner aufweist und die Montage/Demontage werkzeugfrei von statten geht, benötigt man für den Ausbau des Hinterrades einen 15er Schlüssel! Dieser gehört nicht zum Lieferumfang und sollte unbedingt mitgeführt werden! Ansonsten ist beim Radausbau nichts zu beachten, ausser dass am Vorderrad eine Steckverbindung und am Hinterrad zwei Steckverbindungen zu trennen sind.

Erstaunlich ist, dass das Rose Pedelec auch ohne Zuschaltung einer Unterstützung leicht zu pedallieren ist – trotz des Gewichts. Sollte also doch mal der Akku am Ende und weit und breit keine Ladestation in Sicht sein, kommt man dennoch zügig voran. Die Verarbeitung des Bikes gibt keinen Grund zur Kritik und auch die innenverlegten Schaltzüge gefallen. Ein sehr durchdachtes, qualitativ hochwertiges und sehr zuverlässiges Trekking-Bike, für das man allerdings auch knapp 3500 Euro hinblättern muss.

Rahmengrößen: 18,5″, 20,5″ und 22,5″
Farbe: anadized-black
Preis: 3499,00 Euro

Andreas Waldera

Andreas Waldera

Das Urgestein der Fraktur! Bereits im Jahre 1996 stößt Andreas als Team-Fahrer und Texter zur Fraktur, damals ein Fanzine ausschließlich für Downhill Biker. Nach vier Jahren ruft er das MTB/Lifestyle Onlinemagazin "Fraktur - Das Magazin" ins Leben – bis heute eine Herausforderung, die dem begeisterten Fahrradfahrer geradezu auf den Leib geschrieben ist.

Weitere Artikel