Stipvisite an der Mosel – Reisetipp

Der Geruch von gärendem Most liegt in der Luft. Beim Passieren der kleinen Moselstädtchen vernimmt man den herrlichen Duft frisch zubereiteter Speisen der regionalen Küche. Langsam fängt der Magen an, die Eindrücke zu kommentieren – auf seine Weise. Es ist die Hochsaison der Weinfreunde, es ist die Zeit der Weinlese, des Federweißers und des Zwiebelkuchens. Aber nicht nur deswegen sind wir hier. Das Moseltal ist eines der schönsten Täler Deutschlands und immer eine Reise wert.

Es ist spät. Es ist dunkel. Es ist kalt. Jetzt im Oktober werden die Nächte schon mächtig kühl, vor allem dann, wenn man auf dem Bock sitzt. Ausnahmsweise sind wir mal nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Motorrad unterwegs. Wir haben uns verspätet, aber das Ziel ist bekanntlich die Reise an sich. Selbstredend heißt das: Autobahnen und dicke Bundesstraßen weitgehendst meiden! Die Fahrt durch die Eifel über die kleinen winkeligen Landstraßen zaubern jedem Motorradfahrer ein Lächeln ins Gesicht. Vorbei an Tälern, Bächen, Burgen und saftigen Wiesen bahnt man sich seinen Weg durch das Vulkangebiet.

Für uns vom Niederrhein wird es ab dem Ahrtal interessant. Vorbei an Altenahr und Ahrbrück bahnt sich eine Lawine aus Blech den Weg zum Nürburgring – auf dieser Tour nicht unser Ziel. Die Bundesstraße B257 ist jedem Motorsportbegeisterten sehr gut bekannt und dadurch dementsprechend frequentiert. Neben Porsche, Ferrari und Golf bei den Autos sowie Duc, Bimota und Harley bei den Mopeds, sieht man hier alles, was irgendwie zwei oder vier Räder hat. Als Reiseenduristen lösen wir uns aber schnell von der Lawine und ziehen die kleinen Nebenstraßen vor.

Nebenstraßen ziehen sich kreuz und quer durch die Eifel. Welche man wählt ist abhängig vom Start, dem Ziel oder einfach nur von der Laune. Wir haben in Ahrbrück die Bundestraße verlassen und uns für die Route über Kesseling und Staffel nach Kempenich entschieden. Eine sehr schöne kurvige Strecke durch die grüne Hölle abseits der vielbefahrenen Hauptverkehrswege. Mayen wurde als nächstes Ziel anvisiert. In Mayen sollte man unbedingt Rast machen, die beeindruckende mittelalterliche Stadtbefestigung im Stadtkern darf man sich nicht entgehen lassen. Nach Mayen haben wir Kollig passiert.

Wir haben zwei Alternativen ausprobiert: Auf der Hinfahrt ein Stück über die B262, auf der Rückfahrt parallel zur B262 die Nebenstraße vorbei an Kehrig. Wir würden uns auf jeden Fall wieder für die zweite Route entscheiden. Über Mertloch gelangt man nach Münstermaifeld. Die Eifelstraße über die leicht serpentinenmäßige Abfahrt nach Hatzenport bringt uns direkt an die Mosel. Wer ein wenig mehr Zeit mitbringt, dem empfehlen wir auf jeden Fall eine Besichtigung der Burg Eltz.

Mit unzähligen Windungen schlängelt sich die Mosel durch das Moseltal. Ein ganz anderes Bild zeigt sich uns: Der grüne dunkle Wald ist dem Wein gewichen. Unzählige Weinberge und noch mehr Gastronomie zieren den Verlauf der Straße. Viele kleine urige Dörfer, aber auch die “größeren” Städte wie Cochem oder Traben-Trarbach, locken mit Weinfesten. Natürlich ist hier auf der Straße an der Mosel wieder mehr los, besonders am Wochenende bei schönem Wetter – auch andere wollen dieses schöne Fleckchen Erde genießen! Zu dieser Zeit fließt der Federweißer in Strömen. Wer keinen Federweißer trinkt, der labt sich am Moselwein. Im Gegensatz zum Ahrtal befinden wir uns hier in einer Weißweingegend. Bier läuft nach Aussage unseres Gastwirtes in Wolf, bei dem wir uns einquartiert hatten, weniger. Nach einem genialen Essen und einem abschließenden Frühstück am nächsten Tag geht es wieder zurück: Ihr wisst schon, die Reise ist das Ziel! Ab durch die grüne Hölle! Nach Hause, Geld verdienen für die nächste Tour!

Andreas Waldera

Andreas Waldera

Das Urgestein der Fraktur! Bereits im Jahre 1996 stößt Andreas als Team-Fahrer und Texter zur Fraktur, damals ein Fanzine ausschließlich für Downhill Biker. Nach vier Jahren ruft er das MTB/Lifestyle Onlinemagazin "Fraktur - Das Magazin" ins Leben – bis heute eine Herausforderung, die dem begeisterten Fahrradfahrer geradezu auf den Leib geschrieben ist.

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