ABUS Salisbury und Xtreme easybag – Zwei Lenkertaschen im Test

Wer kennt es nicht? Bei langen Touren, besonders wenn sich diese über mehrere Tage erstrecken, ist das Packen des Reisegepäcks ein langwieriger und zeitraubender Aufwand. Man packt ein, stellt fest es ist zu viel, packt wieder aus, sortiert aus und packt wieder ein. Diese Prozedur wiederholt sich dann noch einige Male. Wenn man fertig ist stellt man fest, dass der Rucksack immer noch zu schwer ist. Eine Lösung wäre es, einen Teil des Gepäcks auszulagern und auf dem Bike, anstatt auf dem Rücken, zu transportieren. Wir haben deshalb für euch von ABUS die Lenkertasche ST 3350 KF Salisbury und von Xtreme die easybag Lenkertasche ans Bike geschraubt!

ABUS Lenkertasche ST 3350 KF Salisbury

Die Lenkertasche ST 3350 KF Salisbury bietet neben der Aufnahme des Gepäcks (immerhin 5,5 Liter Fassungsvermögen) den Vorteil, dass die Tourenkarte im handelsüblichen Querformat sichtbar im Blickfeld des Fahrers auf dem Deckel der Tasche in einer transparenten Hülle untergebracht werden kann. Besonders die sichtbare Aussparung für das GPS bzw. das Handy zeigt, dass man sich bei ABUS wirklich Gedanken bei dieser Lenkertasche gemacht hat. Die Hülle lässt sich natürlich komplett per Klett von der Tasche lösen. Doch bevor man mit der Tasche auf Reise gehen kann, muss die Tasche am Lenker befestigt werden. Das KLICKfix System ist ein einfach zu bedienendes Befestigungssystem mittels eines Adapters, bei dem die Tasche problemlos am Lenker befestigt und genauso unproblematisch wieder gelöst werden kann – und das ohne Werkzeug. Die notwendige Trägerplatte wird mit zwei Schraubklemmen am Lenker besfestigt und mit einem Seilzug gehalten. Der Seilzug wirkt den hohen Kräften entgegen, die durch die Last in der Tasche und den permanenten Erschütterungen durch das Fahren entstehen. Das System klappt ausgezeichnet, allerdings muss man auf den Durchmesser des Lenkers achten, da die Schellen nur für einen Lenkerdurchmesser von 22 bis 26 mm mitgeliefert werden. Im Zubehör sind allerdings KLICKfix-Schellen für Oversized-Lenker mit einem Durchmesser von 31,8 mm erhältlich – wenn nötig, dann also direkt mitbestellen! Sollte kurzfristig kein Adapter verfügbar sein, kann man sich notfalls mit Kabelbindern weiterbehelfen. Die Tasche ist gut gepolstert und bietet neben einem Tragegurt einen Regenschutz. Die Reflektorstreifen und die verschiedenenen Staufächer (die äußeren Fächer sind natürlich verschließbar) gefallen uns sehr gut und verdienen Lob. Der Lenkeradapter ist laut Hersteller bis zu 7 Kilogramm belastbar, allerdings würden wir empfehlen, aus Sicherheitsgründen wegen des hohen Schwerpunktes deutlich unter dieser Belastung zu bleiben. Der Preis von knapp 60 Euro ist bei der hohen Qualität und den durchdachten Detailslösungen absolut gerechtfertigt.

Xtreme Lenkertasche easybag L-T-S 3 WP

Deutlich günstiger in der Anschaffung ist die sytlische Xtreme Lenkertasche easybag L-T-S 3 WP. Diese kostet mit 33,90 Euro auf den ersten Blick fast nur die Hälfte der ABUS Lenkertasche. Doch der Eindruck täuscht! Wie die ABUS wird auch die Xtreme Lenkertasche mit dem KLICKfix System am Lenker befestigt. Da der Lenkeradapter nicht zum Lieferumfang gehört, muss der Adapter separat mitbestellt werden. Somit summieren sich zu dem Preis der Lenkertasche die Anschaffungskosten des Adapters – immerhin 15,90 Euro! Somit schrumpft der Preisvorteil der Xtreme Lenkertasche deutlich! Die Lenkertasche bietet ein Fassungsvermögen von 6 Litern und bietet im Frontbereich ein Netzfach für diverse Dinge. Die für die Tour nötige Karte kann in der transparenten Hülle auf dem Deckel im Sichtfeld des Fahrers untergebracht werden. Leider müssen wir hier eine große Kritik aussprechen! Handelsübliche Tourenkarten im Querformat passen nur nach großem Kampf in die Hülle. Nach mehreren Tagen ergab sich die Hülle als Fetzen, was uns bei der Tour schon sehr verärgert hat. Natürlich lässt sich auch bei der Xtreme easybag die Hülle per Klett von der Lenkertasche lösen und so auch gegen eine neue Hülle austauschen. Optisch kann die Tasche sehr punkten, da sie sich durch die runde Bauweise deutlich von den üblichen Lenkertaschen abhebt. Mit dem Schultergurt ausgestattet kann man diese auch schön als normale Alltagstasche, z. B. für die Kamera, durch die Stadt tragen. Ernüchternd ist der Blick in den Innenraum der Tasche. Die Lenkertasche ist mehr wie ein Hardcase aufgebaut und nicht gepolstert. Ebenfalls vermissen wir verschiedene Verstaumöglichkeiten. So kann es schon mal passieren, dass der Schlüssel auf einer Tour mächtig durch Klappern auf dem Taschenboden nervt. Dafür lässt sich der vernähte Nyloninnensack mit einer Kordel verschließen und durch die Bauweise benötigt die easybag Lenkertasche keinen Regenschutz – sie ist von Haus aus regendicht! Der Deckel der Tasche wird mit einem Klettverschluss verschlossen, wir waren zwar erst skeptisch, aber der Verschluss hält. Für uns eine schöne und praktische Lenkertasche für den täglichen Einsatz in der City, unserer Meinung nach für die Tour aber nur bedingt empfehlenswert.

KLICKfix System

Das KLICKfix System ist wirklich eine feine Sache. Die Montage des Adapters ist unkompliziert und sollte für jeden geübten Schrauber kein Problem darstellen. Die Taschen werden oben eingehakt und mit einem Klick eingerastet. Das Lösen der Tasche vom Adapter geschieht ebenfalls sekundenschnell. Somit ist die Lenkertasche mobil und kann beim Verlassen des Fahrrades mitgenommen werden, ohne Werkzeug und ohne Stress. Der Adapter darf laut Angaben bis maximal 7 Kilogramm belastet werden, wir empfehlen aber wegen der Lenksicherheit deutlich unter dieser Grenze zu bleiben. Wir hatten auf unserer Tour die Lenkertaschen mit knapp 4 Kilogramm beschwert, was wir als guten Kompromiss empfanden. Man gewöhnt sich aber schnell an das Gewicht und die merkbar trägeren Lenkbewegungen. Für die Tour absolut top und empfehlenswert!

Andreas Waldera

Andreas Waldera

Das Urgestein der Fraktur! Bereits im Jahre 1996 stößt Andreas als Team-Fahrer und Texter zur Fraktur, damals ein Fanzine ausschließlich für Downhill Biker. Nach vier Jahren ruft er das MTB/Lifestyle Onlinemagazin "Fraktur - Das Magazin" ins Leben – bis heute eine Herausforderung, die dem begeisterten Fahrradfahrer geradezu auf den Leib geschrieben ist.

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